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10. November 2021
Ein weiterer Corona-Winter. Das BIP-Wachstum hat sich in Q3 nicht weiter beschleunigt, da Lieferengpässe die Industrieproduktion zusehends dämpften. Im Winterhalbjahr werden die angebotsseitigen Engpässe weiter anhalten und erst im Jahr 2022 ganz allmählich abklingen. Angesichts des kräftigen Anstiegs der Corona-Fallzahlen dürfte sich der private Verbrauch abschwächen, nachdem er noch im Sommer die Wachstumslokomotive war. Zum Frühjahr hin könnte er jedoch wieder anziehen. Wir erwarten nun eine BIP-Stagnation im Winterhalbjahr, wenngleich die Risiken für eine Kontraktion zunehmen. Angesichts der Aufwärtskorrekturen für H1 liegt die durchschnittliche BIP-Wachstumsrate für 2021 immer noch bei 2,5% gg. Vj. Der Preisauftrieb hat die Erwartungen in vielen Bereichen weiterhin übertroffen. Trotz zunehmender Engpässe am Arbeitsmarkt hat dies jedoch (noch) nicht zu einer Lohn-Preis-Spirale geführt. Außerdem in dieser Ausgabe: Regierungsbildung in Deutschland schreitet voran. [mehr]
Ausblick Deutschland Ein weiterer Corona- Winter. Das BIP-Wachstum hat sich in Q3 nicht weiter be schleunigt, da Lieferengpässe die Industrieproduktion z usehends dämpften. Im Winterhalbjahr w erden die angebotsseitigen Engpässe weiter anhalten und erst im Jahr 2022 ganz allmählich abklingen. Angesichts d es jüngsten, kräftigen An stiegs der Corona-Fallzahlen dürfte sich der pr ivate Verbrauch abschwächen, nachdem er noch im Sommer die Wachstumslokomotive war. Z um Frühjahr hin könnte er jedoch wieder anziehen. Die D etails z um BIP-Wachstum in Q3 stehen noch aus. Basierend auf d en bisherigen Informatione n erwarten wir nun eine Stagnation im Winterhalbjahr, wenngleich die Risiken für eine Kontraktion zu nehmen. Angesichts der Aufwärtskorrekturen für H1 liegt die durchschnittliche BIP-Wachstumsrate für 20 21 immer noch bei 2,5% gg. Vj. Der Preisauftrieb hat die Erwartungen in vielen Bereichen weiterhin übertroffen. Trotz zunehmender Engpässe am Arbeitsmarkt hat dies jedoch (noch) nicht zu einer Lohn-Preis - Spirale geführt. Auch wenn der Energiepreisanstieg un d die Basiseffekte künftig aus der Jahresrate herausfallen, r echnen wir mit anhaltendem Preisdruck, da die Import- und Produzentenpreise (ohne Energie) d eutlich ansteigen und die Unternehmen dav on ausgehen, diese Entwicklung w eitergeben z u können. Regierungsbildung schreitet v oran. SPD, Grüne und FDP haben offiziell K oaliti onsverhandlungen aufgenommen. N achdem sich di e drei Parteien bereits vor zwei Wochen auf d ie großen Linien einer Z usammenarbeit geeinigt hatten, geht es jetzt um die Details. Auf den ersten Blick tragen die Ergebnisse der Sondie rungsgespräche die Handschrift der Liberalen (keine n euen Steuern, keine Steuererhöhungen, k eine Änderungen an der Schuldenbremse). D ie SPD (hö herer Mindestlohn, k eine Rentensenkungen) und di e Grünen (früherer Kohle ausstieg, mehr erneuerbare Energien) k önnen jedoch ebenfalls für sich in An spruch nehmen, j eweils zentrale politische Ziele durchgesetzt z u haben. Zahlrei che Einzelheiten sind noch zu regeln, z .B., wie die vorgeschlagenen Investitio nen der öffentlichen Hand und die sozialpolitischen M aßnahmen im Rahmen der Schuldenbremse finanziert w erden sollen. Die drei Parteien wollen den Koa litionsvertrag bis Ende November ausarbeiten und dann von ihren jeweiligen in ternen Gremi en genehmigen lassen. D azu werden die FDP und die SPD einen Parteitag durchführen. D ie Grünen wollen ihre Mitglieder über den Koalitionsver trag abstimmen lassen. Der ambitionierte Zeitplan sieht v or, den neuen Kanzler in der ersten Dezemberwoche v om Bundestag wählen zu lassen. Deutschland könnte also zum Jahresende von einer ne uen (Ampel-)Koalition regiert w erden. EZB: Noch nicht genug Inflation, b is jetzt. Die EZB hält an der moderaten Re duktion der monatlichen Nettokäufe im Rahmen des P EPP fest. Auch die Leit zinsen bleiben unverändert. Die EZB rechnet nun damit, dass die Inflation län ger erhöht bleibt, bevor sie mittelfristig wieder unter den Zielwert v on 2% fällt. Die vom Finanzmarkt f ür 2022 erwartete Zinsanhebung steht im klaren Wider spruch zur Inflationsprognose und zur Fo rward Guidance der E ZB. Autoren Barbara Böttcher +49 69 910-31787 bar bara.boettcher@db.com Eric Heymann +49 69 910 31730 er ic.heymann@db.com Marion Mühlberger +49 69 910-31815 marion.muehlberger@db.com Marc Schattenberg +49 69 910-31875 marc.schattenberg@db.com Stefan Schneider +49 69 910-31790 stefan-b.schneider@db.com Editor Stefan Schneider Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Stefan Schneider Inhaltsverzeichnis Seite Prognosen ................................................... 2 Ein weiterer „Corona-Winter" ....................... 3 Regierungsbildung schreitet voran .............. 7 EZB: Noch nicht genug Inflation, bis jetzt! .. 11 Datenkalender ........................................... 12 Finanzmarktprognosen .............................. 13 Datenmonitor ............................................. 14 Original in englischer Sprache: 5. N ovember 2021 10. November 2021 Ärger in der Luft Ärger in der Luft 2 | 10. November 2021 Ausblick Deutschland Wachstum, Inflation, Leistungsbilanz, Budgetsaldo DX BIP-Wachstum Inflation* Leistungsbilanzsaldo Budgetsaldo in % gg. Vj. in % gg. Vj. in % des BIP in % des BIP 2020 2021P 2022P 2020 2021P 2022P 2020 2021P 2022P 2020 2021P 2022P Euroland -6,5 5,0 4,0 0,3 2,5 2,5 2,0 2,3 2,6 -7,2 -7,7 -4,2 Deutschland -4,6 2,5 4,5 0,4 3,1 2,6 7,0 6,2 5,9 -4,3 -6,3 -1,8 Frankreich -8,0 6,3 3,5 0,5 1,9 2,0 -1,9 -1,5 -0,9 -9,1 -7,7 -5,2 Italien -9,0 5,7 4,0 -0,1 1,7 2,0 3,6 3,4 2,7 -9,6 -11,5 -6,8 Spanien -10,8 4,8 6,4 -0,3 2,6 2,2 0,8 2,8 2,8 -11,0 -8,7 -4,8 Niederlande -3,8 1,5 2,8 1,1 1,5 1,3 7,0 10,2 9,5 -4,2 -7,9 -6,2 Belgien -5,7 4,2 3,9 0,4 1,7 1,2 0,8 -0,1 -0,7 -9,1 -7,0 -4,8 Österreich -7,0 2,9 5,1 1,4 1,4 0,5 1,9 2,6 2,8 -8,3 -7,2 -2,9 Finnland -2,9 2,2 3,0 0,4 1,9 0,9 -0,2 -0,5 -1,0 -8,0 -5,9 -4,1 Griechenland -7,8 2,0 6,1 -1,3 -0,6 0,0 -7,4 -5,4 -4,2 -9,6 -7,2 -7,4 Portugal -8,4 4,6 4,6 -0,1 1,2 0,9 -1,1 -0,5 -0,5 -5,8 -6,3 -6,8 Irland 5,8 3,5 5,1 -0,5 1,3 0,2 -2,7 7,5 10,0 -4,9 -5,7 -2,8 Großbritannien -9,7 7,1 3,6 0,9 2,4 3,8 -2,6 -2,3 -2,7 -14,9 -7,4 -3,7 Dänemark -2,1 3,5 2,5 0,3 1,0 1,2 8,1 6,8 7,0 -0,2 -2,6 -1,9 Norwegen -1,3 3,5 2,7 1,3 2,8 1,9 2,0 4,0 4,2 -3,0 2,0 4,1 Schweden -2,9 3,3 3,0 0,7 1,2 1,4 5,7 4,2 4,0 -2,8 -2,5 -1,5 Schweiz -2,5 3,7 2,8 -0,7 0,1 0,4 1,2 8,9 9,6 -2,8 -1,7 -0,7 Tschech. Rep. -5,6 3,0 3,5 3,2 3,8 5,5 3,6 1,8 0,9 -5,6 -9,2 -6,1 Ungarn -4,7 7,0 4,7 3,3 5,1 6,5 0,0 0,7 1,2 -8,0 -6,8 -6,1 Polen -2,5 4,7 5,0 3,4 4,9 5,9 2,9 3,0 1,9 -7,0 -5,8 -3,5 USA -3,4 5,6 4,4 1,2 4,4 3,8 -3,1 -3,5 -3,8 -15,5 -13,1 -4,7 Japan -4,7 2,1 2,7 0,0 -0,2 0,8 3,2 3,5 3,2 -13,0 -9,7 -5,4 China 2,3 7,9 5,1 2,5 0,8 1,6 1,9 2,5 2,0 -6,2 -5,0 -4,2 Welt -3,1 5,8 4,2 2,6 3,8 3,8 *Die Inflationsprognosen für Euroland sowie für die EWU-Mitgliedsstaaten (harmonisierter Verbraucherpreisindex) berücksichtigen Monatszahlen für Januar 2021 noch nicht Quellen: Nationale Behörden, Nationale Zentralbanken, Deutsche Bank Prognosen Deutschland: BIP-Wachstum nach Komponenten, % gg.Vq., Jahresdaten % gg.Vj. 2021 2022 2019 2020 2021P 2022P Q1 Q2 Q3 Q4P Q1P Q2P Q3P Q4P BIP 1,1 -4,6 2,5 4,5 -1,9 1,9 1,8 0,0 0,0 2,1 2,1 1,1 Privater Konsum 1,6 -5,9 -5,2 3,2 Staatsausgaben 3,0 3,5 -0,7 1,8 Anlageinvestitionen 1,8 -2,2 -0,7 0,5 Ausrüstungen 1,0 -11,2 -0,4 0,3 Bau 1,1 2,5 -0,2 0,3 Lager, %-Punkte -0,1 -0,9 1,9 0,1 Exporte 1,1 -9,3 1,4 0,5 Importe 2,9 -8,6 4,2 2,1 Nettoexport, %-Punkte -0,7 -0,8 -1,0 -0,6 Konsumentenpreise (VPI)* 1,4 0,5 3,0 2,5 Arbeitslosenquote, % 5,0 5,9 5,7 5,3 Industrieproduktion** -4,2 -9,6 3,5 7,0 Budgetsaldo, % BIP 1,5 -4,3 -6,3 -1,8 Öffentlicher Schuldenstand, % BIP 58,9 68,7 72,9 70,0 Leistungsbilanzsaldo, % BIP 7,5 7,0 6,2 5,9 Leistungsbilanzsaldo, EUR Mrd. 267,1 220,6 215 212 *Inflationsdaten für Deutschland basieren auf nationaler Abgrenzung (VPI). Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Publikationen (HVPI) führen. ** Verarbeitendes Gewerbe (NACE C) Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank, Arbeitsagentur, Deutsche Bank Research Ärger in der Luft 3 | 10. November 2021 Ausblick Deutschland Ein weiterer Corona-Winter - Das BIP-Wachstum hat sich in Q3 nicht weiter beschleunigt, da Liefereng pässe die Industrieproduktion zusehend dämpften. - Im Winterhalbjahr werden die angebotsseitigen Engpässe weiter anhalten und erst im Jahr 2022 ganz allmählich abklingen. - Angesichts des jüngsten, kräftigen Anstiegs der Corona-Fallzahlen dürfte sich der private Konsum abschwächen, nachdem er noch im Sommer die Wachstumslokomotive war. Zum Frühjahr hin könnte er jedoch wieder an ziehen. - Die Details zum BIP-Wachstum in Q3 stehen noch aus. Basierend auf den bisherigen Informationen erwarten wir nun eine Stagnation des BIP Wachstums im Winterhalbjahr, wenngleich die Risiken für eine Kontraktion zunehmen. Angesichts der mit der Vorabschätzung für Q3 veröffentlichten Aufwärtskorrekturen für H1 liegt die durchschnittliche BIP-Wachstumsrate für 2021 immer noch bei 2,5% gg. Vj. - Der Preisauftrieb hat die Erwartungen in vielen Bereichen weiterhin über troffen. Trotz der zunehmenden Engpässe am Arbeitsmarkt hat dies jedoch (noch) nicht zu einer Lohn-Preis-Spirale geführt. Auch wenn der Energie preisanstieg und die Basiseffekte künftig aus der Jahresrate herausfallen, rechnen wir mit anhaltendem Preisdruck, da die Import- und Produzenten preise (ohne Energie) deutlich ansteigen und die Unternehmen davon aus gehen, dass sie diese Entwicklung weitergeben können. Wachstum hat sich in Q3 nicht weiter beschleunigt Entgegen den noch vor einigen Monaten gehegten Erwartungen hat sich die deutsche Konjunktur in Q3 nicht weiter beschleunigt. Die Expansion belief sich in Q3 auf 1,8% gg. Vq., nach 1,9% in Q2. Dem Statistischen Bundesamt zufolge war der private Konsum wie schon in Q2 die wichtigste Wachstumslokomotive, wenngleich die Einzelhandelsumsätze lediglich um 0,2% gg. Vq. anstiegen. Dies lässt darauf schließen, dass der Dienstleistungssektor (Tourismus, Restau rants, personenbezogene Dienstleistungen) nicht zuletzt aufgrund der weitge henden Lockerung der Corona-Einschränkungen einen größeren Beitrag leis tete. Auch die Mobilitätsdaten spiegeln dies wider. Dagegen hat sich der in H1 noch moderate Abwärtstrend der Industrieproduktion in Q3 (-2,4% gg. Vq.) wei ter verschärft, was vor allem auf zunehmende Lieferengpässe zurückzuführen war. Aufgrund der lahmenden Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe dürften die Investitionsausgaben und die Exporte im Vergleich zu Q2 eher gering aus gefallen bzw. geschrumpft sein. Da die Importe - wahrscheinlich ebenfalls auf grund der Logistikprobleme - jedoch noch schwächer abgeschnitten haben dürften, könnte der Außenbeitrag einen marginal positiven Beitrag zum BIP Wachstum in Q3 geliefert haben. Trübere Aussichten für das Winterhalbjahr Der anhaltende Rückgang des ifo-Geschäftsklimaindex bis Oktober (jüngste verfügbare Zahlen) wie auch die Produktions- und Exporterwartungen der Un ternehmen zeichnen kein günstiges Bild für die Entwicklung der Industrie in den kommenden Monaten. -7 -5 -3 -1 1 3 5 5/19 9/19 1/20 5/20 9/20 1/21 5/21 9/21 % Wöchentlicher Aktivitätsindex der Deutschen Bundesbank 1 Quelle: Deutsche Bundesbank -80 -30 20 70 120 Jan 20 Mai 20 Sep 20 Jan 21 Mai 21 Sep 21 Fahren ÖPNV Gehen Apple Mobility Index: Deutschland 2 Anfragen Mobilität gg. 13. Jan. 2020, % Quelle: Apple 38 40 42 44 46 48 50 52 54 56 58 60 70 80 90 100 110 120 18 19 20 21 Auftragseingänge für Investitionsgüter (Verarbeitendes Gewerbe), Index (links) Ausrüstungsinvestitionen (Privatsektor), EUR Mrd. (rechts) Ausrüstungsinvestitionen vs. Aufträgseingänge 3 Saison- und Kalenderbereinigte Quartalswerte Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Ärger in der Luft 4 | 10. November 2021 Ausblick Deutschland Industrieproduktion: Erneuter Rückgang im Vorquartalsvergleich Das Verarbeitende Gewerbe wird in Deutschland weiterhin von Lieferengpässen und steigenden Preisen für Vorprodukte in Mitleidenschaft gezogen. Die Ent wicklung des Einkaufsmanagerindex PMI spricht dafür, dass sich die Liefereng pässe in allen größeren Volkswirtschaften im Oktober verschärft haben. Die Auf tragseingänge haben zwar in jüngster Zeit ein Rekordhoch erreicht, aber die Produktion lahmte in den vergangenen Monaten weiterhin. Zu Beginn von Q4 2021 ging die Kapazitätsauslastung zurück. Nach Berechnungen des ifo-Insti tuts dürften die Lieferengpässe die Bruttowertschöpfung in der deutschen In dustrie bislang um rund EUR 40 Mrd. verringert haben. Dies schlägt sich mittler weile auch in der Kurzarbeit im Verarbeitenden Gewerbe nieder. Entgegen dem allgemeinen Trend im Oktober dürfte sie laut ifo-Schätzung in der Industrie um 20.000 Beschäftigte angestiegen sein. Die Lieferengpässe dürften im Jahr 2022 nur ganz allmählich abklingen und in manchen Sektoren könnte es sogar noch länger dauern. Daher dürften etwaige Kapazitätserweiterungen in den kommenden Quartalen eher geringer ausfallen. Einige Unternehmen dürften Erweiterungsinvestitionen auch zurückstellen, da die Exportaussichten unsicherer geworden sind - vor allem dann, wenn sie den aktuellen Nachfrageanstieg nur für vorübergehend halten. Wir haben unsere Prognose für die deutsche Industrieproduktion im Jahr 2021 auf +3,5% nach un ten angepasst (2020: -9,6%). Dieser Anstieg ist im Grunde auf den günstigen Jahresbeginn zurückzuführen. Wir rechnen jetzt mit einer Steigerung der Pro duktion um 7% im Jahr 2022. Die Erholung ist also nur aufgeschoben, nicht auf gehoben. Die Automobilhersteller haben in Deutschland vor allem mit Engpässen bei Halbleitern zu kämpfen. Eine baldige Entspannung der Lage ist nicht in Sicht. Für dieses Jahr wird ein weiterer Rückgang der Autoproduktion, von den ohne hin schon schwachen Zahlen des Corona-Jahres 2020 aus, immer wahrscheinli cher. Dabei spielen auch strukturelle (konzerninterne) Produktionsverlagerun gen innerhalb Europas eine Rolle, und zwar zulasten Deutschlands. Es ist zu mindest bemerkenswert, dass der Halbleitermangel in den meisten anderen EU Ländern nicht so stark auf die Produktion durchschlägt wie hierzulande. Steigende Corona-Fallzahlen belasten den Konsum Die Corona-Fallzahlen sind in den vergangenen Wochen spürbar angestiegen. Die 7-Tages-Inzidenz liegt inzwischen bei rund 232,1 (10. Nov. 2021) und dürfte in den kommenden Wochen hoch bleiben oder sogar noch weiter ansteigen, da über 20% der Erwachsenen in Deutschland nach wie vor nicht geimpft sind und für Kinder unter 12 Jahren bisher noch keine Impfstoffe zugelassen wurden. Vor allem in jüngeren Altersgruppen sind die Inzidenzzahlen hoch. Die Hospitalisie rungsquote korreliert jedoch nach wie vor mit dem Alter. Die Auslastung der In tensivstationen ist in Regionen mit hohen Fallzahlen wieder angestiegen und ei nige Krankenhäuser verschieben bereits wieder planbare Operationen. Die Zahl der Intensivpatienten steigt, liegt aber bisher noch unter den früheren Höchst ständen. Kein allgemeiner Lockdown erwartet Virologen und Politiker rechnen zwar mit anhaltend hohen Fallzahlen in den Wintermonaten, aber es gibt bisher keine Anzeichen für oder Forderungen nach einem neuerlichen, umfassenden Lockdown. Einzelhandel, Gastgewerbe und der Freizeitsektor sollten daher geöffnet bleiben, wenngleich die Kapazitäten in einigen Bereichen, z.B. bei sportlichen Großveranstaltungen, weiterhin einge schränkt bleiben dürften (oder die Vorgaben wieder verschärft werden könnten). 0 10 20 30 40 50 60 70 80 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 % der Nennungen ifo Index für die Knappheit von Vorpro dukten und Rohstoffen in der Industrie 5 Quelle: ifo 0 5000 10000 15000 20000 25000 30000 35000 Jan 20 Jun 20 Nov 20 Apr 21 Sep 21 Deutlicher Anstieg der Neuinfektionen 6 Quelle: RKI Tägliche Corona-Neuinfektionen in Deutschland, gleitender 7-Tage-Durchschnitt 0 1.000 2.000 3.000 4.000 5.000 6.000 7.000 Jan 20 Mai 20 Sep 20 Jan 21 Mai 21 Sep 21 Zahl der Intensivpatienten aktuell noch unter den früheren Höchstständen 7 Corona-Intensivpflegepatienten in Deutschland Quelle: DIVI -40 -30 -20 -10 0 10 20 30 40 50 18 19 20 21 Ausrüstungsinvestitionen (Privatsektor) Auftragseingänge für Invstitionsgüter: Gesamt Ausrüstungsinvestitionen vs. Aufträgseingänge 4 % gg. Vj. (real) Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Ärger in der Luft 5 | 10. November 2021 Ausblick Deutschland Bei einer freiwilligen sozialen Distanzierung könnte das Tempo und der Umfang der Erholung in Sektoren gedämpft werden, die ohnehin von Hygiene- und Ab standsregeln in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die derzeitigen 3G-Vorgaben für den Zugang zu bestimmten Unternehmen und kulturellen Einrichtungen (Impfnachweis, Genesungsnachweis oder aktuelles Testergebnis) dürften in den kommenden Wochen strikter kontrolliert werden. Zudem könnte Ungeimpf ten der Zugang zu solchen Einrichtungen bei steigenden Infektions- oder Hospi talisierungsquoten verwehrt oder erschwert werden (2G-Regelung, d.h. Zutritt nur für Genesene und Geimpfte). Sachsen hat Anfang November eine solche 2G-Regelung eingeführt. Andere Bundesländer diskutieren über ähnliche Vor gaben oder vermehrte Tests auch für Geimpfte. Dies würde auch die Kon summöglichkeiten für Ungeimpfte einschränken. Trotz der hohen Inzidenzen bei Schulkindern sollen die Schulen offen bleiben. In diesem Fall müssen berufstä tige Eltern nicht wegen mangelnder Betreuungsmöglichkeiten zu Hause bleiben. Stagnation des BIP-Wachstums im Winter - weitere Abwärtsrisi ken Wir gehen jetzt davon aus, dass das deutsche BIP-Wachstum im Winterhalbjahr mehr oder weniger stagnieren wird. Nach der moderaten Aufwärtskorrektur für H1 ergibt sich dadurch immer noch eine durchschnittliche Wachstumsrate von 2,5% für das Gesamtjahr 2021. Die Pandemieentwicklung und immer neue Be richte über Lieferengpässe bringen jedoch nach wie vor Abwärtsrisiken für diese Prognose mit sich. Darauf werden wir Anfang Dezember in unserem World Out look 2022 genauer eingehen, wenn die tiefer gegliederten Ergebnisse zum BIP in Q3 bekannt sind. Das Statistische Bundesamt wird diese am 25. November veröffentlichen. Arbeitslosenquote: Rückgang auf die Vor-Corona-Tiefstände im Jahr 2022 Die Konjunkturerholung im Sommerhalbjahr 2021 spiegelt sich auch in einem anhaltend kräftigen Aufwärtstrend am deutschen Arbeitsmarkt wider. Vom Ende des Q2 bis zum Oktober gingen die Arbeitslosenzahlen saisonbereinigt um rund 215.000 zurück. Die Frühindikatoren des ifo-Instituts und des IAB, wie auch die Unterkomponenten der Einkaufsmanagerindizes (PMI), signalisieren allerdings eine Abschwächung des positiven Trends in den kommenden Monaten. Die oben skizzierten Aussichten für die Industrie und den privaten Verbrauch dämp fen die Einstellungspläne der Unternehmen, jedenfalls vorübergehend. In den beiden letzten Monaten des Jahres 2021 dürften die Arbeitslosenzahlen aber noch einmal um rund 40.000 zurückgehen. Für das Gesamtjahr 2021 prognosti zieren wir nunmehr eine Arbeitslosenquote von 5,7% (2020: 5,9%). Im kommen den Jahr dürfte die Quote weiter auf 5,3% sinken. Die Kurzarbeit ging in Q3 stetig zurück. Seit Jahresmitte dürfte die Zahl der Kurzarbeiter um rund eine Million auf inzwischen rund 500.000 (Stand Oktober) gesunken sein. Umfrageergebnissen des ifo-Instituts zufolge verringerten sich die Zahlen im Dienstleistungssektor und im Gastgewerbe wie erwartet deutlich. Im Gegensatz dazu sind sie in mehreren Industriezweigen seit Ende des Q3 wieder leicht angestiegen (Automobilsektor und Zulieferer, Metallindustrie), weil die Produktion aufgrund von Lieferengpässen gedrosselt werden musste. Den noch dürfte die Gesamtzahl der Kurzarbeiter bis zum Jahresende 2021 auf rund 400.000 sinken. Im laufenden Jahr ist die Erwerbsbevölkerung wahrscheinlich um gut 100.000 Menschen geschrumpft. Dem IAB zufolge dürfte sie 2022 vorübergehend an steigen, wenn mit dem Abklingen der Corona-Krise wieder mehr Menschen auf den Arbeitsmarkt drängen. Zudem dürfte die Migration wieder zunehmen. 4,5 5,0 5,5 6,0 6,5 7,0 7,5 300 400 500 600 700 800 900 13 14 15 16 17 18 19 20 21 Offene Stellen (links) Arbeitslosenquote (rechts) '000 % Quelle: Deutsche Bundesbank Kräftige Belebung des Arbeitsmarktes im Sommerhalbjahr 8 -4,5 -3,5 -2,5 -1,5 -0,5 0,5 1,5 2,5 3,5 16 17 18 19 20 21 IAB-Arbeitsmarktbarometer (Komponente A: Arbeitslosigkeit) ifo-Beschäftigungsbarometer PMI Beschäftigungskomponente PMI Industrie Beschäftigungskomp. Standardisierte Werte Quellen: ifo, IHS Markit, IAB, Deutsche Bank Research Vorlaufende Arbeitsmarktindikatoren signalisieren nachlassende Dynamik 9 - 1 2 3 4 5 6 Q1 22 Q4 21 Q3 21 Q2 21 Q1 21 Q4 20 Q3 20 Q2 20 Q1 20 Prognose Mio. Kurzarbeit im Sommer kräftig gesunken 10 Quellen: Arbeitsagentur, ifo Institut, Deutsche Bank Research Ärger in der Luft 6 | 10. November 2021 Ausblick Deutschland Nichtsdestotrotz tritt der Mangel an Fachkräften und ungelernten Arbeitskräften immer deutlicher zutage. Keine Lohn-Preis-Spirale - jedenfalls bisher Angesichts der zyklischen und strukturellen Faktoren waren die jüngsten Tarif abschlüsse am Bau, im Einzelhandel sowie im Groß- und Außenhandel überra schend moderat. Im Durchschnitt liegen die effektiven Lohnerhöhungen jeweils zwischen 2,5% und 3,5% (Bausektor mit Laufzeit von 33 Monaten). Bisher gibt es kaum Anzeichen für eine Lohn-Preis-Spirale. Auch die erste Gewerkschafts forderung nach einer Lohnerhöhung um 5% (12 Monaten Laufzeit) im öffentli chen Dienst der Länder (ohne Hessen) ist nicht ungewöhnlich hoch. Sie liegt so gar um einen Prozentpunkt unter der Forderung in der Tarifrunde 2019. Die Ge werkschaften klagen allerdings bereits, dass ihre Eingangsforderung angesichts der unerwarteten Inflationsbeschleunigung zu niedrig angesetzt sei. Einige wichtige Tarifabschlüsse stehen erst im späteren Verlauf des Jahres 2022 an; dabei ist wohl mit Zusatzforderungen zu rechnen, die zu einer positiven Lohndrift führen könnten. Inflation: Weitere Aufwärtsüberraschungen Im Oktober belief sich der Preisanstieg (nationale Definition) saisonbereinigt auf 0,5% gg. Vm. (genauer gesagt: 0,547%), woraus sich 4,5% im Vergleich zum Vorjahresmonat ergaben. Grund dafür war vor allem der sprunghafte Anstieg der Energiepreise um 4,0% gg. Vm. (18,6% gg. Vj.). Die Kernrate lag bei 0,2% gg. Vm. bzw. 2,9% gg. Vj. Im Verarbeitenden Gewerbe (ohne Energie) erhöhten sich die Produktpreise um moderate 0,1% gg. Vm. und die Jahresrate ging mar ginal auf 3,7% zurück. Davon sind rund 1 ½ Prozentpunkte auf die vorüberge hende Mehrwertsteuersenkung in H2 2020 zurückzuführen. Der Mehrwertsteu ereffekt und die Einführung der CO 2 -Bepreisung dürften die Gesamtrate des VPI um rund 1 ¼ Prozentpunkte nach oben getrieben haben. Diese Basiseffekte fal len im Januar aus der Jahresrate heraus. Dennoch dürfte die Inflation nach durchschnittlich rund 3% im laufenden Jahr bei etwa 2,5% im Jahr 2022 verhar ren. Der Mehrwertsteuereffekt wirkt sich nur auf die Verbraucherpreise aus. Gleichzeitig sind die Importpreise (ohne Energie) jedoch um 10,1% gg. Vj. an gestiegen und bei den Produzentenpreisen (ohne Energie) beläuft sich der Preisanstieg auf 8,6%. Gegenüber dem Vormonat hat sich der Preisauftrieb al lerdings im September nach dem raschen Anstieg im Sommer etwas abge schwächt. Bisher sind die Preiszuwächse wohl nur in geringem Umfang an die Verbraucher weitergegeben worden. Verkaufspreise (PMI) und ifo-Verkaufspreiserwartungen kletterten im Oktober auf Höchststände Nach einem marginalen Rückgang im August stiegen die Verkaufspreise laut Einkaufsmanagerindex (PMI) der Industrie und im Dienstleistungssektor im Ok tober auf neue Allzeithöchststände. Im ifo-Index erreichten die Erwartungen der Verkaufspreise (3-Monatshorizont) im Verarbeitenden Gewerbe ebenfalls einen neuen Allzeithöchststand. Offensichtlich sind die Unternehmen sehr zuversicht lich, dass sie ihre höheren Inputpreise an die Kunden weiterreichen können. Stefan Schneider (+49 69 910-31790, stefan-b.schneider@db.com) Eric Heymann (+49 69 910-31730, eric.heymann@db.com) Marc Schattenberg (+49 69 910-31875, marc.schattenberg@db.com) 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 Inflation Kerninflation % gg. Vj. (Jahresdurchschnitt) Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Inflationsrate dürfte 2021 auf 3% ansteigen 11 -2 0 2 4 6 8 10 12 18 19 20 21 Produzentenpreise Importpreise Konsumentenpreise % gg. Vj. Quelle: Statistisches Bundesamt Deutsche Inflation (ohne Energie) auf verschiedenen Ebenen 12 Ärger in der Luft 7 | 10. November 2021 Ausblick Deutschland Regierungsbildung schreitet voran - SPD, Grüne und FDP haben offiziell Koalitionsverhandlungen aufgenom men. Nachdem sich die drei Parteien bereits vor zwei Wochen auf die gro ßen Linien einer Zusammenarbeit geeinigt hatten, geht es jetzt um die De tails. - Auf den ersten Blick tragen die Ergebnisse der Sondierungsgespräche die Handschrift der Liberalen (keine neuen Steuern, keine Steuererhöhungen, keine Änderungen an der Schuldenbremse). Die SPD (höherer Mindestlohn, keine Rentensenkungen) und die Grünen (früherer Kohleausstieg, mehr er neuerbare Energien) können jedoch ebenfalls für sich in Anspruch nehmen, jeweils zentrale politische Ziele durchgesetzt zu haben. Zahlreiche Einzel heiten sind noch zu regeln, zum Beispiel, wie die vorgeschlagenen Investiti onen der öffentlichen Hand und die sozialpolitischen Maßnahmen im Rah men der Schuldenbremse finanziert werden sollen. - Die drei Parteien wollen den Koalitionsvertrag bis Ende November ausarbei ten und dann von ihren jeweiligen internen Gremien genehmigen lassen. Dazu werden die FDP und die SPD einen Parteitag durchführen. Die Grü nen wollen ihre Mitglieder über den Koalitionsvertrag abstimmen lassen. Der ambitionierte Zeitplan sieht vor, den neuen Kanzler in der ersten De zemberwoche vom Bundestag wählen zu lassen. Deutschland könnte also zum Jahresende von einer neuen (Ampel-)Koalition regiert werden. Ampelkoalition: Ein Schritt nach dem anderen Vor zwei Wochen haben SPD, Grüne und FDP offizielle Koalitionsverhandlun gen aufgenommen. Nachdem sie sich auf die großen Linien geeinigt hatten (vgl. das 12-seitige Ergebnis der Sondierungen ), befassen sich die potenziellen Part ner jetzt in 22 themenbezogenen Arbeitsgruppen mit den Einzelheiten. Bisher ist aus diesen Gesprächen wenig durchgesickert. Ungelöste Fragen sollen in ei ner themenübergreifenden zweiten Verhandlungsrunde besprochen werden, der Koalitionsvertrag soll bis zum Monatsende stehen (Grafik 1). Danach muss der Vertrag noch von den jeweiligen Parteigremien genehmigt werden. Insofern könnte es sich als recht ehrgeiziges Vorhaben erweisen, den neuen Kanzler wie geplant in der ersten Dezemberwoche vom Bundestag wählen zu lassen. Den noch halten wir es für sehr wahrscheinlich, dass noch in diesem Jahr eine Am pelkoalition gebildet werden kann. - Die potenziellen Partner unterstreichen weiterhin, dass sie trotz programma tischer Differenzen eine gemeinsame „Mission" verfolgten, nämlich das Land zu modernisieren. Insbesondere die FDP hat betont, dass „Scheitern keine Option" sei (NOZ, 23. Oktober ) - sie scheint darauf bedacht zu sein, sich nicht zurückziehen, wie sie es im Jahr 2017 bei den Jamaika-Verhand lungen getan hat. Die Parteien sind entschlossen, bei der Regierungsbil dung den zeitlichen Rekord aus dem Jahr 2017 (171 Tage) zu unterbieten. - Große Popularität bei den Wählern. Eine Ampelkoalition ist bei den Wählern mit großem Abstand die beliebteste Koalitionsoption; 62% sprechen sich dafür aus (ZDF Politbarometer, 15. Oktober). Ein Grund dafür dürfte vermut lich die hohe Beliebtheit des SPD-Kanzlerkandidaten Scholz sein, den sich 75% der Wähler als nächsten Kanzler wünschen. Und dies gilt nicht nur für Wähler des linken Spektrums, sondern auch für 78% der FDP- und 55% der CDU-Wähler. - Keine gangbare Alternative. Eine Jamaika-Koalition unter Führung der CDU/CSU bleibt zwar rechnerisch möglich, aber unwahrscheinlich. Die CDU ist damit beschäftigt, die Gründe für ihr schwaches Wahlergebnis zu Zeitplan für Ampel-Koalitionsverhand- lungen 1 Datum Geplanter Ablauf Di, 21. Okt. Erste Verhandlungsrunde Mi, 27. Okt. Beginn der Verhandlungen in 22 thematischen Arbeits gruppen mit 4 - 6 Vertretern jeder Partei Mi, 10. Nov. Vorgesehenes Ende der Verhandlungen in Arbeits gruppen, danach Verhand lungsrunden in einer Kern gruppe Ende Nov. Ausgehandelter Koalitions vertrag Woche vom 6. Dez Wahl des neuen Bundes kanzlers und Vereidigung der Bundesminister Quelle: Deutsche Bank Research, basierend auf Presse- berichten Ärger in der Luft 8 | 10. November 2021 Ausblick Deutschland analysieren und die Reihen hinter einer neuen (noch zu wählenden) Partei führung zu schließen. Die gesamte Führungsmannschaft auf Bundesebene will sich zur Wahl stellen. Die CDU-Parteispitzen haben zudem am Dienstag beschlossen, dass der Nachfolger von Armin Laschet als CDU-Vorsitzender durch einen Mitgliederentscheid bestimmt werden soll. Dieser soll dann auf einem Parteitag am 21./22. Januar 2022 formell bestätigt werden. Jetzt wird es spannend ... Auf den ersten Blick trägt die 12-seitige Zusammenfassung der Sondierungen die Handschrift der Liberalen (keine neuen Steuern, keine Steuererhöhungen, keine Änderungen an der Schuldenbremse). Dies ist auch der Eindruck der Wähler (Grafik 2). Aber das hätte für zielführende Verhandlungen über eine Dreiparteienkoalition nicht ausgereicht. Die SPD und die Grünen können eben falls für sich in Anspruch nehmen, jeweils zentrale politische Ziele durchgesetzt zu haben: Ein Mindestlohn von EUR 12 im Jahr 2022 und keine Rentenkürzun gen oder Beitragserhöhungen zum staatlichen Rentensystem im Falle der SPD, und ein früherer Kohleausstieg und mehr erneuerbare Energien sowie ein Ende der EEG-Umlage für die Grünen. Die 22 Arbeitsgruppen müssen jetzt die ver bleibenden Einzelheiten ausarbeiten, bei denen die Sondierung vage geblieben oder gar nicht erwähnt wurden. Fiskalpolitik - wer soll das bezahlen? Ein zentraler Punkt, den das Sondierungspapier offengelassen hat, ist die Frage, wie die Finanzierung „der nötigen Zukunftsinvestitionen" „im Einklang der grundgesetzlichen Schuldenbremse" sichergestellt werden kann. Die maximal zulässige Nettoneuverschuldung im Rahmen der Schuldenbremse dürfte sich in den Haushaltsjahren 2023 - 2025 auf durchschnittlich rund EUR 12 Mrd. pro Jahr belaufen. Das dürfte aber für die Finanzierung der vielen Vorhaben wohl kaum ausreichen (vgl. ausführlicher in FG zur Fiskalpolitik ). Die neue Regierung könnte jedoch an die Grenzen der Möglichkeiten gehen, die ihr die Verfassung gibt, um den Kreditaufnahmespielraum zu erhöhen: (i) außerbudgetäre Investiti onsgesellschaft (z.B. für Sachinvestitionen), (ii) Änderungen an der Berech nungsmethode der Konjunkturkomponente der Schuldenbremse 1 , (iii) eine grö ßere Rolle für die staatliche Entwicklungsbank KfW, die bereits eine wichtige Rolle in der Klimapolitik der Regierung spielt. Darüber hinaus ist noch unklar, ob der Abbau „überflüssiger" Ausgaben und umweltschädlicher Subventionen 2 nennenswerte Beiträge zur Gegenfinanzierung der nötigen Investitionsausga ben liefern kann. Klimapolitik - mehr als der kleinste gemeinsame Nenner Eine Änderung des Klimaschutzgesetzes, weg von sektorspezifischen hin zu sektorübergreifenden Reduktionszielen und mehrjährigen Gesamtrechnungen, dürfte einen effizienteren Klimaschutz ermöglichen. Außerdem schafft sie mehr Flexibilität hinsichtlich der Transformationspfade. Angesichts des rascher als ge planten Kohleausstiegs könnte das Thema Versorgungssicherheit wieder in den Vordergrund rücken. Dieses Problem soll durch die Errichtung moderner Gas 1 z.B. könnten die quantitativen Anforderungen für eine vollständige Kapazitätsauslastung der Wirt schaft so hoch angesetzt, dass selbst im Konjunkturboom noch eine Unterauslastung und somit negative Konjunkturkomponente bestünde. 2 Laut einer Schätzung des Umweltbundesamts rund EUR 65,4 Mrd. im Jahr 2018. In ihrem „Kli maschutz-Sofortprogramm" haben die Grünen vorgeschlagen, im ersten Schritt EUR 10 Mrd. die ser Subventionen zu streichen. 43 20 12 0 20 40 FDP SPD Grüne Welche Partei wird sich bei den Koalitionsver handlungen am stärksten durchsetzen können? % der Wähler Quelle: Spiegel, 27. Oktober Wähler sehen die FDP in einer starken Verhandlungsposition 2 0 50 100 150 200 250 300 2020 2021 2022 2023 2024 2025 Übermäßige Nettokreditaufnahme Nach der Schuldenbremes maximal zulässige Nettokreditaufnahme Nettokreditaufnahme (mit relevanten Sondervermögen) EUR Mrd. Quellen: Bundesfinanzministerium, Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research Übermäßige Nettokreditaufnahme des Bundes (nach der Schuldenbremse) 3 Ärger in der Luft 9 | 10. November 2021 Ausblick Deutschland kraftwerke adressiert werden, die später auf den Betrieb mit klimaneutralen Ga sen umgestellt werden können. Zudem stehen einige wichtige Elemente der neuen Klimaschutzpolitik noch unter Finanzierungsvorbehalt. Dies könnte in der aktuellen Verhandlungsrunde zu Spannungen führen, wenn zentrale Anliegen der Grünen aufgrund fiskalischer Zwänge nicht realisiert werden können. Mit Blick auf die EU-Klimapolitik unterstützen die drei Parteien die im Juli vorgestell ten Gesetzesvorhaben der Kommission voll (einschließlich dessen, dass 2035 nur noch CO 2 -neutrale Autos zugelassen werden sollen, was einem Verbot von Verbrennungsmotoren gleichkommt). EU-Politik - nicht nur bei Fiskalthemen vage „Der Stabilitäts- und Wachstumspakt hat seine Flexibilität bewiesen." Diese Aus sage aus dem Sondierungspapier lässt verschiedene Interpretationen zu. Sie kann die Position der Liberalen wiedergeben, die die geltenden Regeln unver ändert lassen wollen und deren ausreichende Flexibilität betonen. Oder sie kann im Sinne der Grünen interpretiert werden, die eine noch größere Flexibilität des fiskalpolitischen Regelwerks anstreben, um höhere Klima- und Infrastruk turinvestitionen der einzelnen Mitgliedstaaten zu ermöglichen. Die Diskussion dazu auf der EU-Ebene dürfte bis zum kommenden Frühjahr noch nicht beendet sein (mehr zu Reformoptionen des SWP in Focus Europe ). Das Streitthema, ob der Wiederaufbaufonds in eine dauerhafte Fiskalfazilität umgewandelt werden sollte (was die Grünen befürworten und die FDP vehement ablehnt), wird im Sondierungspapier nicht erwähnt. Es ist fraglich, ob es sich im endgültigen Koa litionsvertrag überhaupt wiederfindet, da die EU-Debatte gerade erst Fahrt auf nimmt und in absehbarerer Zeit keine Entscheidungen dazu getroffen werden müssen. Insgesamt waren die Kapitel zur Europapolitik auch in früheren Koaliti onsverträgen verglichen mit innenpolitischen Themenfeldern relativ vage. Der Satz, dass die neue Regierung „deutsche Interessen im Lichte europäischer In teressen definieren" werde, unterstreicht den proeuropäischen Ansatz der neuen Regierung, einschließlich der Liberalen. Falls die Ampelkoalition ihren Zeitplan einhält, könnte Deutschland bereits beim nächsten Europäischen Rats treffen am 16./17. Dezember 2021 durch den neuen Bundeskanzler vertreten sein. Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik - mehr Diskussionen erforderlich Mit der Einigung auf eine Erhöhung des Mindestlohns und ein stabiles Renten niveau wurden wichtige Eckpflöcke eingeschlagen. Insbesondere Letzteres wird einen beträchtlichen Teil der Haushaltsmittel binden. Insofern bleibt abzuwarten, wie viel Geld für andere Projekte wie das „Bürgergeld" (das Hartz IV ersetzen soll) oder für die Kindergrundsicherung übrig bleibt. Die Stärkung des privaten Altersvorsorgesystems und die Ergänzung der umlagefinanzierten Rente durch eine kapitalgedeckte zweite Säule (für 2022 sind EUR 10 Mrd. vorgesehen) dürften dazu beitragen, das deutsche Rentensystem zukunftssicher zu machen. Dies richtet sich an die jungen Wähler von Grünen und FDP. Bei anderen erfor derlichen Schritten bleiben die Parteien recht vage; so schlagen sie z.B. ein ein facheres und gezielteres System für die Einwanderung von Fachkräften vor. Außenpolitik - Entscheidungsspielraum bewahren Die künftigen Koalitionspartner kündigen eine stärker strategieorientierte Au ßenpolitik an, bleiben aber ansonsten recht vage. Dies ist nicht ungewöhnlich; damit soll genügend Spielraum bewahrt werden, um auf internationale Entwick lungen reagieren zu können. Die drei Parteien müssen sich jedoch noch auf ei nige zentrale Punkte einigen. Zu nennen wären (i) die Verteidigungsausgaben, 0 20 40 60 80 100 GB Frankreich Spanien Italien Deutschland Polen Kohle Atom Öl Erdgas Erneuerbare (Sonne, Wind) Sonstige (Geothermie, Wasser,...) Biokraftstoffe und Abfall Deutschland - Kohle ist noch immer ein bedeutender Teil des Energiemixes 4 Gesamte Stromerzeugung nach Quellen, 2020, in % Quelle: IEA 0 10 20 30 40 50 - 10 20 30 40 50 60 70 80 2020 2023 2026 2029 2032 2035 67 J. und älter 20 - 66 J. Altenquotient (rechts) Nettozuwanderung: 200.000 p.a. '000 Alterung der deutschen Bevölkerung setzt Arbeitsmarkt u. Sozialsysteme unter Druck 5 Quelle: Statistisches Bundesamt Ärger in der Luft 10 | 10. November 2021 Ausblick Deutschland insbesondere angesichts des 2%-Ziels der NATO und der Zukunft der transat lantischen Partnerschaft, (ii) die Beziehungen zu China und Russland, ein schließlich Nord Stream 2, und (iii) der Umgang mit neuen und ausstehenden Handels- und Investitionsverträgen. All diese Bereiche sind eng mit einer über greifenden EU-Außen- und -Sicherheitspolitik verknüpft. Eine neue Regierung bis zum Jahresende? Wichtige Meilensteine Nach der Ausarbeitung bzw. Finalisierung des Koalitionsvertrags sind noch ei nige verfahrenstechnische Schritte zu durchlaufen, bevor die neue Regierung gebildet werden kann: - Innerparteiliche Verfahren. Ende November/Anfang Dezember müssen die drei Koalitionspartner den ausgehandelten Koalitionsvertrag von ihren je weiligen Parteien absegnen lassen. Die FDP und die SPD wird einen Partei tag durchführen. Die Grünen wollen ihre Mitglieder über den Koalitionsver trag abstimmen lassen. Was die SPD im Jahr 2017 noch einen Monat kos tete, könnte dieses Mal dank Online-Abstimmung schneller gehen. Bisher haben diese innerparteilichen Verfahren noch keine Koalition platzen las sen, sondern ihnen zusätzliche Legitimität verliehen. Dieses Mal könnte es vor allem bei den Grünen knapper werden, wie einige kritische Stimmen beim jüngsten Parteitag vermuten lassen (z.B. FAZ, 17. Oktober ). Die Par teibasis wird genau darauf achten, was die Grünen bei den Koalitionsver handlungen bei den Themen Klimaschutz und Sozialpolitik tatsächlich durchsetzen konnten. - Bei der Wahl von Olaf Scholz zum Bundeskanzler , die für die erste Dezem berwoche vorgesehen ist, handelt es sich eher um eine Formalität. Zusam men verfügen die Koalitionspartner über eine komfortable Mehrheit im Bun destag (416 von 736 Sitzen), die die erforderliche absolute Mehrheit deut lich übersteigt. Aus heutiger Sicht dürfte Deutschland zum Jahresende von einer neuen Ampel koalition regiert werden. Bis dahin bleibt das Kabinett Merkel geschäftsführend im Amt. Barbara Böttcher (+49 69 910-31787, barbara.boettcher@db.com) Marion Mühlberger (+49 69 910-31815, marion.muehlberger@db.com) Ursula Walther (ursula.walther@db.com) Ärger in der Luft 11 | 10. November 2021 Ausblick Deutschland EZB: Noch nicht genug Inflation, bis jetzt Erwartungsgemäß verkündete die EZB im Oktober, man werde an der modera ten Reduktion der monatlichen Nettokäufe im Rahmen des Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) festhalten. Auch die Leitzinsen blie ben unverändert. Auf der Pressekonferenz am 28. Oktober nannte EZB-Präsidentin Lagarde zwei Schlüsselbotschaften, die in einem gewissen Spannungsverhältnis zueinander stehen. Erstens werde die Inflation länger höher bleiben, bevor sie mittelfristig wieder unter den Zielwert von 2% fallen werde. Die Beschreibung der Inflation als „weitgehend vorübergehend" wurde aus der Erklärung gestrichen und auch andere Formulierungen fielen etwas restriktiver aus als zuvor. Dieser Inflations ausblick deckt sich im Großen und Ganzen mit unserer eigenen Inflationsprog nose: ein etwas länger anhaltender Inflationsanstieg in den Jahren 2021 und 2022 und dann ein Rückgang der Inflation unter den Zielwert im Jahr 2023. Zweitens steht eine vom Finanzmarkt für 2022 erwartete Zinsanhebung im Wi derspruch zur Inflationsprognose und zur Forward Guidance der EZB. Die Guidance ist bewusst so angelegt, dass eine Überreaktion (wie 2011) auf vo rübergehende Inflationsanstiege vermieden wird. Präsidentin Lagarde unter strich, dass die Prognose und die Forward Guidance nicht mit einer Zinsanhe bung im Jahr 2022 oder „irgendwann in nächster Zukunft danach" vereinbar seien. Sie zog es jedoch vor zu sagen, dass sich der Markt vielmehr „selbst überholt" habe. Anstatt eine sofortige Konvergenz der Märkte mit der Sichtweise der EZB zu erzwingen, scheint die Strategie der EZB darin zu bestehen, an ihrer Inflationsprognose festzuhalten, sodass sich der Markt schließlich anpasst. Eine spätere Zinsanhebung als zurzeit eingepreist würde nicht bedeuten, dass die EZB ihren geldpolitischen Kurs nicht auch anpassen wird. Es war klarer denn je, dass die Nettokäufe im Rahmen des PEPP im März en den werden. Wir erwarten, dass dies im Dezember bestätigt wird. Ferner erwar ten wir, dass der Ankauf von Vermögenswerten nach dem Ende des PEPP fle xibler sein wird als vor der Pandemie. Das Asset Purchase Programme (APP) könnte dann beispielsweise in die gemeinsame Beurteilung von Finanzierungs bedingungen und Inflationsaussichten aufgenommen werden. Wir gehen davon aus, dass sich der Gesamtbetrag der Ankäufe im Jahr 2022 gegenüber 2021 mehr als halbieren und im Jahr 2023 deutlich weiter zurückgehen wird, wenn sie nicht sogar 2022 schon eingestellt werden. Wir erwarten auch, dass im Dezember Änderungen an den TLTRO-III angekün digt werden, da die Maßnahmen im derzeitigen Umfang nicht mehr gerechtfer tigt sind. Gleichwohl dürfte dies so erfolgen, dass ein Klippeneffekt vermieden wird. Mark Wall (+44 20 754-52087, mark.wall@db.com) Marc Schattenberg (+49 69 910-31875, marc.schattenberg@db.com) Ärger in der Luft 12 | 10. November 2021 Ausblick Deutschland Marc Schattenberg, Sebastian Becker & Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) Deutschland: Datenkalender DX Datum Uhrzeit Daten Berichtszeitraum DB Schätzung Letzter Wert 23.11.2021 9:30 PMI Verarbeitendes Gewerbe (Flash) November 56,8 57,8 23.11.2021 9:30 PMI Dienstleistungssektor (Flash) November 50,5 52,4 24.11.2021 10:00 ifo Geschäftsklima (Index, sb.) November 96,0 97,7 25.11.2021 8:00 Reales BIP (% gg. Vq., sb.) - Details Q3 2021 1,8 1,9 29.11.2021 14:00 Vorläufiger VPI (% gg. Vj.) November 4,8 4,5 30.11.2021 9:55 Arbeitslosenrate (%, sb.) November 5,3 5,4 01.12.2021 8:00 Einzelhandelsumsätze (Index, sb.), % gg. Vm. Oktober 1,5 -2,5 06.12.2021 8:00 Auftragseingang im Ver. Gewerbe (% gg. Vm., sb.) Oktober 1,0 1,3 07.12.2021 8:00 Industrieproduktion (% gg. Vm., sb.) Oktober 1,5 -1,5 *lt. Statistischem Bundesamt auch früherer Veröffentlichungstermin möglich Quellen: Deutsche Bank Research, Statistisches Bundesamt, Bundesagentur für Arbeit, ifo, Markit Ärger in der Luft 13 | 10. November 2021 Ausblick Deutschland Finanzmarktprognosen DX US JP EWU GB CH SE DK NO PL HU CZ Leitzinssatz, % Aktuell 0,125 -0,10 0,00 0,10 1,25 2,07 2,75 Dez 21 0,125 -0,10 0,00 0,25 2,00 2,10 3,25 Mrz 22 0,125 -0,10 0,00 0,25 2,75 2,55 3,50 Jun 22 0,125 -0,10 0,00 0,50 2,75 2,55 3,50 3M Geldmarktsatz, % Aktuell 0,14 -0,07 Dez 21 0,25 -0,03 Mrz 22 0,20 -0,03 Jun 22 0,20 -0,03 Rendite 10J Staatsanleihen, % Aktuell 1,47 0,06 -0,28 0,85 Dez 21 1,80 0,10 -0,10 1,15 Mrz 22 2,15 0,15 0,05 1,28 Jun 22 2,40 0,15 0,25 1,33 Wechselkurse EUR/USD USD/JPY EUR/GBP GBP/USD EUR/CHF EUR/SEK EUR/DKK EUR/NOK EUR/PLN EUR/HUF EUR/CZK Aktuell 1,16 113,50 0,85 1,35 1,06 9,91 9,90 4,60 358,94 25,25 Dez 21 1,16 110,00 0,88 1,32 1,05 10,25 10,00 4,80 365,00 26,50 Mrz 22 1,18 111,00 0,87 1,36 1,05 10,13 9,88 Jun 22 1,21 112,00 0,86 1,40 1,05 10,00 9,75 Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Ärger in der Luft 14 | 10. November 2021 Ausblick Deutschland Deutschland: Datenmonitor DX Q3 2020 Q4 2020 Q1 2021 Q2 2021 Q3 2021 Mai 2021 Jun 2021 Jul 2021 Aug 2021 Sep 2021 Okt 2021 Konjunkturumfragen Gesamtwirtschaft ifo Geschäftsklima 91,3 92,1 93,5 99,3 99,8 99,3 102,0 100,8 99,7 98,9 97,7 ifo Geschäftserwartungen 95,9 93,5 95,7 101,8 98,8 102,8 104,0 101,1 97,8 97,4 95,4 Produzierendes Gewerbe ifo Verarbeitendes Gewerbe 90,1 96,0 101,4 106,0 104,8 105,7 107,2 106,5 105,0 102,9 101,6 Produktion (% gg. Vp.) 13,9 6,4 0,0 -1,1 -2,4 -0,8 -0,5 1,5 -4,2 -1,5 Auftragseingang (% gg. Vp.) 32,1 7,6 2,5 3,3 1,0 -3,4 4,6 4,9 -8,8 1,3 Grad der Kapazitätsauslastung 74,4 79,1 80,4 86,7 87,0 Bauhauptgewerbe Produktion (% gg. Vp.) -0,2 0,4 -0,3 2,7 -1,1 -0,7 -0,1 -0,1 -3,3 4,5 Auftragseingang (% ggü. Vp.) 3,4 5,6 -2,5 -3,8 -1,3 -3,6 2,6 7,3 ifo Bauhauptgewerbe 101,4 101,0 100,6 103,0 105,8 103,2 103,7 104,7 105,6 107,1 108,0 Konsumentennachfrage EC Konsumentenbefragung -9,0 -10,5 -11,4 -4,5 -2,2 -4,3 -1,2 -2,0 -3,5 -1,1 -1,5 Einzelhandelsumsätze (% gg. Vp.) 4,2 0,7 -5,5 5,1 0,2 4,7 4,7 -4,1 1,2 -2,5 Neuzulassungen PKW (% gg. Vj.) -6,7 1,0 -6,4 44,2 -24,6 37,2 24,5 -24,9 -23,0 -25,7 -34,9 Außenhandel Auslandsaufträge (% gg. Vp.) 43,6 7,3 3,1 1,6 4,1 -6,2 0,9 10,4 -9,2 6,3 Exporte (% gg. Vp.) 20,8 4,6 3,6 1,9 0,5 0,3 1,1 0,5 -0,8 -0,7 Importe (% gg. Vp.) 13,0 5,6 2,9 6,1 0,1 2,5 0,9 -2,7 2,1 0,1 Nettoexporte (EUR Mrd.) 49,9 49,7 53,5 42,8 44,2 13,5 13,8 17,0 14,1 13,2 Arbeitsmarkt Arbeitslosenquote (%) 6,3 6,2 6,0 5,9 5,5 5,9 5,8 5,6 5,5 5,5 5,4 Veränderung Arbeitslosigkeit (Tsd. gg. Vp.) 101,3 -79,3 -75,3 -32,7 -173,3 -22,0 -43,0 -91,0 -54,0 -31,0 -39,0 Beschäftigung (% gg. Vj.) -1,1 -1,2 -1,5 0,0 0,5 0,1 0,3 0,5 0,5 0,5 ifo Beschäftigungsbarometer 94,9 96,1 95,9 100,8 103,4 100,2 103,8 102,4 103,6 104,3 103,6 Preise, Löhne und Arbeitskosten Preise HVPI (% gg. Vj.) -0,2 -0,6 1,7 2,2 3,5 2,4 2,1 3,1 3,4 4,1 4,6 Kern-HVPI (% gg. Vj.) 0,5 0,0 1,8 1,3 2,1 1,6 1,2 1,8 2,1 2,5 2,8 Harmonisierter PPI (% gg. Vj.) Rohstoffe ohne Energie (% gg. Vj.) 3,9 14,1 33,4 60,7 37,7 67,7 60,2 54,3 37,5 22,9 28,0 Rohöl, Brent (USD/Bbl) 43,3 45,3 61,2 69,0 73,3 68,2 73,4 74,2 70,6 75,0 83,7 Inflationserwartungen EC Haushaltsumfrage 25,4 28,6 33,4 38,3 44,1 35,1 44,8 43,6 45,1 43,6 48,4 EC Unternehmensumfrage 0,1 3,3 14,9 37,1 47,7 36,0 44,6 44,7 49,0 49,5 52,6 Lohnstückkosten (gg. Vj.) Lohnstückkosten 2,1 1,3 2,8 -4,1 Arbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmer 0,3 1,5 0,9 4,7 Arbeitnehmerentgelt je Stunde 2,3 3,5 3,7 -1,4 Monetärer Sektor (gg. Vj.) M3 7,3 8,2 7,1 6,4 6,4 6,4 6,4 6,6 6,8 6,4 Trend von M3* 7,7 6,9 6,6 6,5 6,6 6,6 Kredite an Unternehmen und Privatpersonen 4,3 4,1 4,2 3,8 3,6 3,8 4,0 4,1 0,0 Kredite an öffentliche Haushalte 9,5 22,9 6,8 9,9 8,9 9,9 6,6 6,9 6,3 % gg. VP = Veränderung gegenüber der Vorperiode; * zentrierter 3M-Durchschnitt Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Deutsche Bundesbank, Europäische Kommission, Eurostat, Statistisches Bundesamt, HWWI, ifo, Markit Ärger in der Luft 15 | 10. November 2021 Ausblick Deutschland Ausblick Deutschland Unsere Publikationen finden Sie unentgeltlich auf unserer Internetseite www.dbresearch.de Dort können Sie sich auch als regelmäßiger Empfänger unserer Publikationen per E-Mail eintragen. Für die Print-Version wenden Sie sich bitte an: Deutsche Bank Research Marketing 60262 Frankfurt am Main Fax: +49 69 910-31877 E-Mail: marketing.dbr@db.com Schneller via E-Mail: marketing.dbr@db.com  Ärger in der Luft ..................................................... 10. November 2021  Halbzeitbilanz: Realwirtschaft auf Kurs, aber höhere Inflation ................ 14. Juni 2021  Deutsche Wirtschaft startklar für den Aufschwung - Wahlumfragen hängen in der Schwebe ........................... 11. Mai 2021  Robustes BIP 2021, trotz Q1-Rückschlag - Inflation klettert auf 2% .............................................. 19. Februar 2021  Ausblick 2021: Corona-Konjunktur ........................ 14. Dezember 2020  November Lockdown = Q4 BIP Knockdown ........... 4. November 2020  Deutsche Wirtschaft unerwartet robust ................ 25. September 2020 © Copyright 2021. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research" gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. 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