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20. August 2015
Augmented Reality ist weit mehr als die im Zusammenhang mit dem Schreckensszenario einer Überwachungs-Dystopie viel diskutierte Datenbrille. Tatsächlich geht es bei Augmented Reality darum, den Menschen in seinen alltäglichen Tätigkeiten zu unterstützen, seine Wahrnehmung zu erweitern und die Kommunikation zu erleichtern. Deswegen ist es wichtig, die Technologie nicht aufgrund einer einzelnen Anwendung als Ganzes zu verteufeln, sondern die überaus attraktiven Chancen dieses dynamischen Wachstumsmarktes zu nutzen. Dabei dürften deutsche Unternehmen allerdings eher in den Marktnischen mit maßgeschneiderten Dienstleistungen für gewerbliche Anwendungen punkten, die die großen IT-Giganten so nicht besetzen. [mehr]
Augmented Reality: Bei Spezialanwendungen sollte Deutschland von dynamischem Zukunftsmarkt profitieren können Aktuelle Themen Branchen Neben Unternehmen setzen vermehrt auch Privatpersonen Augmented Reality ein. Augmented Reality wird in den Medien allzu oft mit der Datenbrille gleich- gesetzt. Allerdings hat Augmented Reality wesentlich mehr zu bieten. Tatsäch- lich geht es hier darum, den Menschen in seinen alltäglichen Tätigkeiten zu unterstützen, seine Wahrnehmung zu erweitern und die Kommunikation zu er- leichtern. Der Weltmarkt für Augmented Reality dürfte bis zum Jahr 2020 von derzeit EUR 500 Mio. auf EUR 7,5 Mrd. steigen. Dabei droht die Lücke zwischen den deut- schen Unternehmen und deren internationalen Mitbewerbern immer größer zu werden. Das gilt insbesondere gegenüber denjenigen aus Nordamerika oder Fernost, wo die Bevölkerung solchen Innovationen grundsätzlich offener gege- nübersteht als hierzulande. Erfolge bei der Grundlagenforschung im Bereich Augmented Reality führen in Deutschland bislang selten zu ökonomischen Erfolgen. Als Forschungsstandort ist Deutschland weltweit renommiert, bei der anschließenden ökonomischen Umsetzung der Innovationen jedoch allzu oft nachlässig. Die Politik sollte wei- terhin die Grundlagenforschung stärken und die Rahmenbedingungen für inno- vative Finanzierungsformen (z.B. Private Equity) verbessern, um die Produkt- entwicklung bis zur Marktreife stärker zu stimulieren. Es besteht enormes Potenzial für deutsche Unternehmen bei spezialisierten Anwendungen. Anwendungen für den konsumnahen Massenmarkt werden wahrscheinlich vor allem von ausländischen Unternehmen angeboten. Deutsche Unternehmen dürften eher in Marktnischen mit maßgeschneiderten Dienstleistungen für gewerbliche Anwendungen punkten, die die großen IT- Giganten so nicht besetzen. Augmented Reality kann über die gesamte Spanne der Wertschöpfungskette eingesetzt werden . Bei einer überalternden und schrumpfenden Bevölkerung sind solche effizienzsteigernden Möglichkeiten besonders relevant. Diese helfen dabei, die mit der Verknappung der Fachkräfte immer deutlicheren Personal- probleme abzumildern. Da die demografische Entwicklung Deutschland hier vor spezielle Herausforderungen stellt, sollte dies den heimischen Unternehmen als Anwendern absehbar besonders helfen. Deswegen ist es wichtig, die Technolo- gie nicht aufgrund einzelner Anwendungen als Ganzes zu verteufeln, sondern die Risiken mittels rechtlicher Leitplanken zu begrenzen, um die Chancen nut- zen zu können. Der ökonomische Erfolg ist kein Selbstläufer. Auf technischer, wirtschaftlicher und politischer Seite sind möglichst bald konkrete Antworten auf die mit dem Thema verbundenen vielfältigen Fragen erforderlich. Diese reichen von der Nut- zerfreundlichkeit bei der Steuerung und Bilddarstellung über die Batterie- und Rechenleistung bis hin zu Vertraulichkeit, Standardisierung und Infrastruktur. Autor en Stefan Heng +49 69 910-31774 stefan.heng@db.com Ann-Kathrin Hörster Alexander Karollus Editor Lars Slomka Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Ralf Hoffmann 20. August 2015 Augmented Reali t y B ei Spezialanwendungen sollte Deutschland vo n dynamische m Zukunfts markt profitieren können Augmented Reality 2 | 20. August 2015 Aktuelle Themen Augmented Reality beschreibt einen weit gefassten Strauß Augmented Reality wird in den Medien fälschlicherweise allzu oft allein mit der Datenbrille „Google Glass“ gleichgesetzt, die auch wegen ihrer Gesichtserken- nungsfunktionalität heftige Ängste um Eingriffe in die Privatsphäre schürt. Dem- nach münden Diskussionen um Chancen und Risiken von Augmented Reality leider sehr häufig in Schreckenszenarien einer Überwachungs-Dystopie. Tatsächlich ist Augmented Reality weit mehr als nur die viel diskutierte Daten- brille. 1 So geht es bei Augmented Reality vornehmlich darum, den Menschen in seinen alltäglichen Tätigkeiten zu unterstützen, seine Wahrnehmung zu erwei- tern und die Kommunikation zu erleichtern. Deswegen ist es wichtig, die Tech- nologie nicht aufgrund einer einzelnen Anwendung aus einer Vielzahl von Mög- lichkeiten als Ganzes zu verteufeln, sondern die Risiken zu begrenzen, um die Chancen nutzen zu können. Begriffsverständnis stark kontextabhängig Die Computerwissenschaft stellt Augmented Reality zumeist in den Zusammen- hang mit der Virtual Reality und verortet diese im „Realitäts-Virtualitäts-Kontinu- um“ als Mixed Reality oder Enhanced Reality. 2 Im Gegensatz zu Virtual Reality, bei welcher der Nutzer komplett in eine virtuelle Welt eintaucht, wird bei Aug- mented Reality die reale Welt um zusätzliche Informationen beziehungsweise technische Hilfen erweitert. Teilweise wird Augmented Reality in diesem Kontext lediglich als elaboriertes Sichtgerät verkannt. Tatsächlich bezeichnet Augmented Reality allerdings eine wesentlich umfassendere Entwicklung von Anwendungen, bei denen es darum geht, die reale Welt mit virtuellen Informationen anzureichern und den Nutzer in Echtzeit interagieren zu lassen. Somit kann Augmented Reality über die intuitiv visuellen Hilfen die Komplexität der Aufgaben wesentlich reduzieren. Wie bei anderen innovativen Bereichen, bleibt auch der Begriff Augmented Reality in unterschiedlichen Kontexten mit unterschiedlichen Schwerpunkten und unter- schiedlichen Bedeutungen oft unscharf abgegrenzt – dies womöglich teilweise auch gewollt. Durch diese Unschärfe werden oft überzogene Erwartungen ge- 1 Vgl. Heng, Stefan und Hörster, Ann-Kathrin (2014). Augmented Reality: Befürchtungen sollten Blick auf Chancen nicht grundsätzlich verstellen. Aktueller Kommentar. Deutsche Bank Re- search. Frankfurt a.M. 2 Vgl. Paul Milgram u.a. (1994). Augmented Reality; oder Kyoto, Azuma, Ronald (1997). A Survey of Augmented Reality. Idee fasziniert schon lange 2 A ugmented Reality wird heute teilweise als völlige Neuerung verstanden. Tatsächlich forschten Wissenschaftler aber schon früh auf diesem Gebiet – freilich ohne diesen Begriff damals auch schon zu verwenden. Beispielsweise baute Ivan Sutherland, Professor für Elektrotechnik an der Harvard Universitä t, im Jahr 19 66 bereits den ersten Augmented - Reality - Helm. Anfang der 1990er Jahre entwickelten dann Boeing - Techniker eine Au gmented - Reality - Software für die Flugzeug w a r- tung. Diese Software sollte die Qualität der Arbeit steige r n, indem sie die richtige Lage eines au s- zutauschenden Bauteils am Objekt selbst genau zeigte. Ebenfalls in den 1990er Jahren baute Louis Rosenberg für die US - Luftwaffe ein Display, das den Kampfpiloten auf wesentliche Inform a- tion en visuell verstärkt hinweisen sollte. Daneben entwic kelte die US - Armee auch völlig neuartige Kontaktlinsen, mit denen der Träger gleichzeitig in der Nähe und in der Ferne scharf sehen kann. Wegen der zunächst exorbitant hohen Preise für die notwendige Hardware und Software sowie wegen der enormen Komplexitä t der Geräte war Augmented Reality lange Zeit der Wissenschaft, dem Militär und der Großindustrie vorbehalten. Ein erster Durchbruch zum Massenmarkt der Ko n- sumenten gelang Bruce Thomas im Jahr 2000 mit seinem Gaming - Angebot. Ein weiterer entsche i- dender Sch ritt im Konsumentenmarkt erfolgte dann mit der Wikitude - App für Smartphone . Wikit u- de, das vom australische n Unternehmen Mobiliz y im Jahr 2008 heraus gebracht wurde, kombiniert die Live - Bilder der Smartphone - Kamera mit den ortsbezogenen Informationen aus dem Internet. In der Vision dieses Geschäftsmodells wird Augmented Reality somit zum ständigen Begleiter und allgegenwärtigem Helfer in unserem Alltag. Wartung leichtgemacht 1 Grafisch aufbereitete Information zu Maschinenzustand und notwendigen Schritten erleichtert Wartung A R - Gerät zeigt die Temperatur am Bauteil und das auszuta u- schende Element direkt an der Maschine an Quelle: DAQRI 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 18 bis 35 J. 36 bis 55 J. + 56 J. Ja Nein k.A. F: "Wissen Sie, was sich hinter dem Begriff Augmented Reality verbirgt?"; % der Befragten Quelle: Stratecast Bekanntheitsgrad sinkt mit dem Alter 3 N=1576 Augmented Reality 3 | 20. August 2015 Aktuelle Themen schürt, die dann zwangsläufig enttäuscht werden müssen. Dies bringt die grundsätzlich ebenso sinnvolle wie faszinierende Idee in der öffentlichen Mei- nung allzu oft in Misskredit. Verständnis von Augmented Reality nicht auf Hardware reduzieren Entgegen der Wahrnehmung ist es eben nicht die Datenbrille, sondern es sind die sowieso weitverbreiteten Smartphones und Tablets, die den Anwendern als Endgerät für Augmented Reality dienen. Mittelfristig könnte der Datenbrille, zu- mindest temporär, hier eine größere Rolle zufallen; sowohl im privaten, insbe- sondere aber im professionellen Umfeld. Die Datenbrille ist nämlich gleichzeitig Empfangsgerät und komfortabler Monitor in einem. So kann der Nutzer visuell aufbereitete situationsabhängige Informationen wahrnehmen und muss dabei seinen Blick weit weniger vom eigentlichen Geschehen abwenden, als dies beim Blick auf das in der Hand gehaltene Smartphone-Display der Fall ist. Da- mit revolutioniert die Datenbrille freilich auch die Erwartungen der Endanwen- der, wie situativ relevante Informationen aufbereitet sein sollten. Dennoch steht die Datenbrille sicherlich nicht am Ende jedweder Entwicklung im Augmented-Reality-Segment. So deutet sich bereits heute an, dass auch ande- re Wearables, also mit Sensoren und Aktoren 3 ausgestattete Kleidungsstücke und Accessoires, hier bedeutend werden. Ein Beispiel ist die bei der CES (Glo- bal Consumer Electronics and Consumer Technology Tradeshow) in Las Vegas besonders prominent präsentierte intelligente Uhr. Diese zeigt selbstverständ- lich nicht nur die Zeit an, sondern bietet weit darüber hinaus gehende Zusatz- anwendungen, von der Kommunikation (Anrufe, Textnachrichten) über die Ka- lenderverwaltung bis hin zur Steuerung von Geräten, Licht und Klimatechnik im Smart Home. Endgeräte lediglich Plattform für Entwicklung der Anwendungen Für das Verständnis der Chancen und Risiken von Augmented Reality ist es essenziell, eben nicht allein vom Endgerät her zu argumentieren. Smartphone, Datenbrillen oder auch Wearables bieten zugegebenermaßen viele nützliche Funktionen. Doch genauso wie ein Smartphone ohne Apps nur sehr wenig „smarte“ Funktionalität bietet, können auch andere Endgeräte erst durch ent- sprechende Software ihren vollen Nutzen im Bereich Augmented Reality entfal- ten. So braucht es insbesondere bei spezialisierten Einsatzfeldern maßge- schneiderte Software und Endgeräte, die nicht von der Stange erhältlich sein werden. Hier ist zu erwarten, dass sich parallel zur weiteren Ausweitung im Massenmarkt die Entwicklerszene für Augmented Reality weiter verbreitert – insbesondere auch im Bereich Open Innovation. 4 Diese Programmierungen könnten Smartphone, Datenbrille und Wearables als Steigbügel für weitreichen- de Innovationen nutzen. Bereits in vielen Einsatzfeldern erfolgreich angewendet Insgesamt sollten wir unser Verständnis von Augmented Reality keinesfalls von futuristisch oder teilweise auch überzogen spaßig anmutenden Angeboten leiten lassen. Denn tatsächlich setzen Unternehmen und Privatpersonen diese inno- vative Technologie bereits heute in etlichen Feldern ein; freilich ohne dabei den Begriff Augmented Reality auch immer explizit zu nennen. Die Spannweite die- 3 Ein Aktor setzt ein elektromagnetisches Signale in mechanische Bewegung, Druck oder Tempe- ratur um und greift damit aktiv in ein Regelsystem ein. 4 Vgl. Chesbrough, Henry (2014). New Frontiers in Open Innovation. Oxford. 80 90 100 110 120 130 140 150 160 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 IT - Geräte Verarb. Gewerbe Quelle: Statistisches Bundesamt Erzeugerpreise für Hardware sinken seit 2004 um 47%, Gesamtindex steigt um 15% 4 Erzeugerpreisindex, 2010=100, DE 0 5 10 15 20 25 30 35 40 Garten Beauty Auto Technik Wohnung Reisen Frage: "Welche virtuellen Einsatzfelder können Sie sich vorstellen?"; befr. Endanwender, DE, % Quelle: mafo Einsatz von Augmented Reality in weiten Bereichen gut möglich 5 Augmented Reality 4 | 20. August 2015 Aktuelle Themen ser Einsatzfelder reicht dabei von der Konsumentenelektronik, Multimedia und Games, über Lifestyle, Gesundheit und Bildung bis hin zur Prozessoptimierung, insbesondere auch im Kontext mit dem Mega-Thema Industrie 4.0. 5 Die nach- folgenden Beispiele konkretisieren die Chancen und Risiken von Augmented Reality. Exemplarisch stellen wir nachfolgend zunächst die Einsatzfelder für Augmented Reality in besonders risiko- und kostenbehafteten Branchen dar. Anschließend leiten wir über auf andere aussichtsreiche Anwendungsgebiete wie Gaming, Routenführung und Industrieautomatisierung. Risikobehaftete und kostenintensive Branchen treiben Entwicklung Speziell Sektoren mit ausgenommen risikobehafteten und kostenintensiven Tätigkeiten sind bei Augmented Reality seit Jahrzehnten längst engagiert. Be- sonders hervor stechen hier das Militär und der Gesundheitsbereich. Diese Fel- der profitieren von den wahrnehmungserweiternden Funktionen der Augmented Reality in besonderem Maße. 5 Vgl. Heng, Stefan (2014). Industrie 4.0: Enorme Wertschöpfungspotenziale wollen gehoben werden. Aktueller Kommentar. Deutsche Bank Research. Frankfurt a.M. Anwendungsbereiche vielfältig 6 Hochspezialisierte Anwendungen Massenanwendungen Militär: - Verbessertes Training für Kampfpiloten - Schnellerer Informationstransfer in Krisensituationen Medizin: Medizin/Wellness: - Verbesserter Informationsfluss im Kreissaal - Echtzeitinformationen über Vitaldaten im Alltag - Vereinfachte Ausbildung durch Visualisierung Gaming: - Emotionalisiertes Spielgeschehen auf Konsole und Smartphone - Lebensechteres interaktives Gaming mit Wearables Navigation und Tourismus: - Warnung vor Gefahrenquellen auf der Straße - Situativ angepasste Echtzeitinformation zu touristischen Zielen - Visualisierung untergegangener Sehenswürdigkeiten - Anreicherung von Schwimmb ad, Zoo und Freizeitpark mit neuen Unter - haltungsangeboten Architektur: Architektur: - Visualisierung von Großbauprojekten - Vereinfachte Raumplanung des Privathauses dank 3D Darstellung von Bauplänen Produktion/Marketing/Service: Produktion/Marketing/Service: - Visuelle Unterstützung bei der Produktentwicklung - Höherer Erlebnisfaktor beim Einkaufen - Erleichterung der Zusammenarbeit internationaler Teams - Hilfe bei der Wartung von Haushaltsgeräten - Neue Marketingmöglichkeiten beim Vertrieb - Erleichterung der Wart ung komplexer Produkte Quelle: Deutsche Bank Research Augmented Reality 5 | 20. August 2015 Aktuelle Themen Ein überlebenswichtiges Werkzeug für Kampfpiloten … Wie bei vielen anderen revolutionären Erfindungen wurde auch Augmented Reality vornehmlich für den militärischen Einsatzbereich entwickelt. Beispiels- weise kommt die Technologie bei der Ausbildung und dem regelmäßigen Trai- ning von Luftwaffenoffizieren zum Einsatz. So können sich Piloten und Waffen- systemoffiziere eines Kampfjets zunächst in einer geschützten Situation mit neuen Instrumenten und komplexen Aufgaben vertraut machen. Speziell bei den US-Streitkräften wird Augmented Reality als Teil der „Network Centric War- fare“-Strategie einer modernen Krisenintervention eingesetzt. Für diese militäri- schen Aufgabengebiete, in denen selbst winzige Fehler zu menschlichen und finanziellen Katastrophen führen können, repräsentiert Augmented Reality zwei- felsohne einen technologischen Quantensprung. … als auch ein Lebensretter in intensiver Stresssituation Augmented Reality wird allerdings auch bei zivilen Tätigkeiten erfolgreich einge- setzt. Dies gilt insbesondere für solche Tätigkeiten, bei denen es darauf an- kommt, unter starkem Zeitdruck und hohem Risiko viele komplexe Informatio- nen zu erfassen. Prägnante Beispiele gibt es zuhauf: So stehen, ähnlich wie Soldaten im Kampfeinsatz, auch Mediziner oder Hilfskräfte des zivilen Notfall- managements unter hoher Belastung. Beispielsweise lassen sich Chirurgen während der Operation über eine Datenbrille die Computer-Tomographie-Bilder ihres Patienten einblenden, um so wesentlich präziser und daher schonender vorzugehen. Dabei zeigt sich, dass in Situationen, in denen der Mensch an die Grenzen seiner Belastbarkeit stößt, die wahrnehmungsunterstützenden Ange- bote von Augmented Reality besonders hilfreich sind. Im Gesundheitsbereich profitieren angehende Fachkräfte hinsich- tlich ihrer Ausbildung ... Darüber hinaus hilft Augmented Reality aber auch schon bei der Ausbildung von Ärzten und hoch spezialisierten Pflegekräften. Beispielsweise arbeiten hier auch etliche Verlage daran, Lehrbuchtexte cross-medial mit Augmented-Reality- Funktionen anzureichern. Dies hilft beim Visualisieren der menschlichen Ana- tomie und baut damit auf die intuitive Vermittlung der komplexen Prozesse auf. … aber auch die Patienten hinsichtlich ihrer Souveränität Schließlich wird Augmented Reality auch unmittelbar von den Patienten einge- setzt, um deren Souveränität im Alltag nicht unnötig zu beschränken. So warnen moderne Kontaktlinsen den Diabetiker unmittelbar vor einer bedrohlichen Ver- änderung seines Insulinspiegels. Die über Augmented Reality möglichen Dienstleistungen helfen vornehmlich der Gesundheit des Patienten, letztlich kann dies aber auch das Gesundheitssystem insgesamt entlasten. Augmented Reality lässt das Gaming zum intensiven emotionalen Erlebnis werden ... Was bei den realen Missionen von Spezialisten im militärischen und zivilen Um- feld längst Usus ist, fasziniert auch die Gamer immer mehr. Augmented Reality führt hier dazu, das Spielgeschehen noch stärker zu emotionalisieren und an die Realität heranzuführen. So verfolgen Spielkonsolen wie Nintendo Wii und Microsoft Kinect ebenso einen solchen Ansatz, als auch Social Games, zum Beispiel Googles kollaboratives Hackingspiel „Ingress“. Dank solcher Angebote … bei der Ausbildung von Medizinern, … 8 Quelle: DAQRI AR bereits verbreitet im Militärbereich, … 7 Quelle: BAE Systems Augmented Reality 6 | 20. August 2015 Aktuelle Themen kann der Nutzer morgens im Wohnzimmer Tennis spielen und dann abends mit dem Smartphone virtuelle Verbrechen in der Innenstadt lösen. Falls diese An- gebote zukünftig neben dem Sehen auch noch andere Sinne ansprechen, bei- spielsweise mittels Wearables, kann das Spielgeschehen deutlich interaktiver und „lebensechter“ unter Einbeziehung vieler Sinne gestaltet werden. … und sogar den Ausflug ins Hallenbad Und falls der Urlaub im Ausland als Ganzes zu teuer oder zeitaufwendig ist, kann Augmented Reality möglicherweise auch noch Abhilfe schaffen. So arbei- tet zum Beispiel das Fraunhofer FIT zusammen mit dem Korea Institute for Ad- vancement of Technology an Unterwasser-Augmented-Reality als Teil des AREEF Projekts, mit dem das Hallenbad virtuell an das Korallenriff heranrückt. Auch wenn das Schnorcheln mit Augmented Reality nicht voll an das Erlebnis im Great Barrier Reef heranreicht, eröffnet die Technologie hier einer breiten Masse durchaus attraktive Optionen für Erlebnisbäder, Zoos und Freizeitparks. Augmented-Reality-basierter Reiseführer als ständiger Begleiter Absehbar verhilft Augmented Reality auch unserem Mobilitätsbedürfnis zu ei- nem wesentlichen Fortschritt. So geleitet uns die innovative Technologie künftig nicht nur zum Ziel, wie es ein althergebrachtes Navigationsgerät tut, sondern verweist dabei auch in Echtzeit auf situativ personenbezogene wichtige Informa- tionen an der Strecke. Bei diesen Informationen geht es speziell auch – aber eben nicht ausschließlich – darum, reale Gefahrenquellen mittels eingeblende- ter virtueller Objekte besonders hervorzuheben und intuitiv schnell erfassbar darzustellen. Diesbezüglich arbeitet beispielsweise Jaguar Land Rover an sei- nem „Virtual Windscreen“. Dieser projetziert den jeweiligen Bremsweg direkt auf die Windschutzscheibe und verweist dabei auch auf günstige Überholmöglich- keiten. Einen vergleichbaren Ansatz verfolgt auch der Motorradhelm Skully. Dieses Premium-Produkt für eine ausgewählte Nische erlaubt es dem Motorrad- fahrer, die wesentlichen Vorkommnisse des rückwärtigen Verkehrs auch im Auge zu behalten, ohne sich durch den häufigen Blick in den Rückspiegel ab- lenken zu lassen. Auch wenn bei den genannten Beispielen zunächst die Gefahrenabwehr stark betont wird, muss sich die eingespielte Information bei weitem nicht auf dieses Feld beschränken. So können Augmented Reality-Angebote auch situativ ange- passte Informationen zu den touristischen Optionen entlang der Strecke in Echtzeit fokussieren und beispielsweise Sehenswürdigkeiten, Outlets, Restau- rants oder Hotels mit speziellen Angeboten optisch bewerben. Darüber hinaus erlaubt Augmented Reality auch das Erleben von Sehenswür- digkeiten, die nicht mehr oder noch nicht existieren. So können Besucher im neuseeländischen Christchurch per Smartphone App sehen, wie die Stadt vor dem verheerenden Erdbeben im Jahr 2013 aussah. Ebenso können auch längst untergegangene Gebäude aus antiken Zeiten in plastischer Realität wieder neu erwachen oder dann auch geplante Bauprojekte realitätsnah präsentiert werden – eine Option, die Architektur beziehungsweise Stadt- und Raumplanung immer mehr einsetzen. Dabei geht es beispielsweise darum, bei der Planung für die Rekonstruktion einer Altstadt oder für den Neubau eines Wolkenkratzers den räumlichen Ein- druck, die Verschattungen und künftigen Windverhältnisse in der relevanten Umgebung plastisch nachvollziehbar zu machen. Eine solche Darstellungsmög- lichkeit, wie sie derzeit vom Fraunhofer FIT im INSITU-Projekt entwickelt wird, hilft den Spezialisten, aber insbesondere auch der breiten Masse der im räumli- chen Denken ungeübten Menschen und kann darüber beispielsweise auch zur … bei der Navigation, … 9 Quelle: Ullmann, Deutsche Bank … der Simulation von Bauprojekten, … 10 Quelle: Fraunhofer FIT Augmented Reality 7 | 20. August 2015 Aktuelle Themen Versachlichung manch emotionaler gesellschaftlichen Diskussion um Großpro- jekte führen. Mittels dieser neuen Möglichkeiten soll das für Augmented-Reality-taugliche Endgerät, gleichgültig ob Smartphone oder spezielles Sichtgerät, bereits mittel- fristig zum unverzichtbaren digitalen Reisebegleiter werden. In welche Richtung sich ein solches Angebot entwickeln kann, zeigt bereits heute beispielsweise die HERE City Lens App für das Smartphone, die kürzlich von einem Konsortium bestehend aus Audi, BMW und Daimler gekauft wurde. Die App verbindet tradi- tionelle GPS-Navigation mit einer Kamerasicht, die Geschäfte, Hotels und Res- taurants in der Sichtline anzeigt und nach Bedarf auch zusätzliche Informatio- nen, vor allem Rezensionen, einblendet. In jeder Stufe der Wertschöpfungskette ein sinnvoller Helfer Das industrielle Umfeld eröffnet vielfältige Anwendungsmöglichkeiten für die Augmented Reality über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg: von der Produktentwicklung über die Produktion, das Marketing bis hin zur Wartung. Dies vertiefen die folgenden Beispiele. Relevante Hilfe von der Produktentwicklung … Virtuelle Methoden, wie die simulationsgestützte Modellierung spielen bei der Produktentwicklung längst eine zentrale Rolle. Augmented Reality ist hier die genuine Technologie. Denn im dreidimensionalen Raum werden die Simulatio- nen zwangsläufig wesentlich plastischer als auf dem zweidimensionalen Bild- schirm. Perspektivisch sollten damit auch physische Modelle und Prototypen immer seltener gebraucht werden. Das erleichtert und vergünstigt insbesondere das Design von Produkten, bei denen viele Varianten auf den Markt kommen sollen. Konkret sind es demnach hier insbesondere die Automobilentwickler, die solche „Spatial Augmented Reality“-Systeme vorantreiben. … über die Produktion … In der globalisierten Wertschöpfungskette braucht es Technologien, die die Zu- sammenarbeit weltweit verteilter Teams vereinfachen. Gemessen an den ak- tuellen technischen Möglichkeiten bieten Telefon und Videokonferenz hier wohl eher unzulängliche Hilfestellungen. Augmented Reality erlaubt es dagegen, in Echtzeit interaktiv und visuell zusammenzuarbeiten. So kann sich ein Anlagen- bauer mittels Geräten wie Microsoft Hololens beispielsweise das Modell einer in China zu bauenden Fabrik hierzulande dreidimensional darstellen lassen. Damit ist es ihm dann auch mit deutlich geringerer Reisetätigkeit möglich, dem Baulei- ter vor Ort am gemeinsam einsehbaren dreidimensionalen Modell die konkreten nächsten Schritte zu besprechen und plastisch zu verdeutlichen. Ein solches Vorgehen könnte die Kosten senken, ohne dass die Zusammenarbeit wesent- lich leidet. Vor allem aber wird die Technologie somit auch die Entwicklung von Industrie 4.0 begünstigen. Denn in der hochintegrierten, datenorientierten „Smart Factory“ der Zukunft ist der schnelle, zuverlässige und medienbruchfreie Informationsaustausch vom Zulieferer bis hin zum Endkunden zentral. Hier eröffnet Augmented Reality eine zusätzliche Schnittstelle, um den Informations- fluss insgesamt weiter zu verbessern. … und das Marketing … Entlang der Wertschöpfungskette gibt es beim fertiggestellten Produkt dann für das Marketing sehr interessante Einsatzmöglichkeiten für Augmented Reality. Augmented - Reality - taugliche Endgeräte werden zum unver - zichtba ren Reisebegleite r Augmented Reality zentral bei simulationsgestützter Produktentwicklung … als Assistent im Supermarkt, ... 11 Quelle: IBM Augmented Reality 8 | 20. August 2015 Aktuelle Themen Beispielsweise gibt es bereits heute Smartphone-Apps, die zeigen, wie die Mö- belstücke aus der Möbelhaus-Ausstellung dann im eigenen Zuhause wirken. Darüber hinaus erlaubt der IBM Shopping Assistent, die Produkte im Super- markt gezielt nach eigenen Kriterien zu durchforsten. So können hier beispiels- weise alle im Regal stehenden Sonderangebote oder auch alle Bio-Produkte beim Durchgang durch die Verkaufsräume visuell hervorgehoben werden. Sol- che technischen Unterstützungsmaßnahmen fördern den Spaß- und Erlebnis- aspekt beim Einkauf und helfen darüber hinaus dem Händler, sich von seinen Mitbewerbern zu differenzieren. Über die Entwicklung hinaus hat die Technologie den günstigen Nebeneffekt, dass der Händler auch dem Kunden die möglichen Varianten plastischer dar- stellen kann, ohne diese auch alle im Lager tatsächlich physisch vorhalten zu müssen. Dies vereinfacht den Vertrieb von personalisierten Produkten und senkt darüber hinaus die Lagerhaltungskosten wesentlich. … bis hin zur Wartung Die Einsatzmöglichkeiten von Augmented Reality enden längst nicht beim Ver- kauf des Produktes, sondern ebnen den Weg für eine langfristige vertrauensvol- le Kundenbeziehung. Hier spielen Wartung und After-Sales-Service folgerichtig eine immer größere Rolle. So unterstützt der meView von Mitsubishi Electric die Wartung von Klimaanlagen. Seine Software erkennt automatisch das im Fokus stehende Modell und zeigt die notwendigen Wartungsschritte am konkreten Objekt im Einzelnen an. Ähnliche Strategien verfolgen auch die Autohersteller, um die Reparaturen an den variantenreichen Fahrzeugen zu vereinfachen. Bei Spezialanwendungen sollte Deutschland profitieren können Insgesamt hat Augmented Reality also über die gesamte Spanne der Wert- schöpfungskette hinweg seine Einsatzmöglichkeiten, die große Effizienzpoten- ziale eröffnen; insbesondere bei Produktion und Wartung. Mit einer überaltern- den und schrumpfenden Bevölkerung sind solche effizienzsteigernde Möglich- keiten besonders relevant. Diese helfen dabei, die mit der Verknappung der Fachkräfte immer deutlicheren Personalprobleme abzumildern. Da die demo- grafische Entwicklung Deutschland mit seiner perspektivisch schrumpfenden Bevölkerungszahl vor spezielle Herausforderungen stellt, sollte dies den heimi- schen Unternehmen als Anwender absehbar besonders helfen. Markt mit rasanter Entwicklung Der Augmented Reality-Markt hat beachtliches Wachstumspotenzial. Diesbe- züglich schätzt die Technologieberatung Juniper Research 6 , dass die Zahl der Nutzer binnen fünf Jahren von 60 Mio. auf etwa 350 Mio. steigen sollte; dies entspräche einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 35%. Zugleich sollte der Weltmarkt bis zum Jahr 2020 von derzeit EUR 500 Mio. auf EUR 7,5 Mrd. steigen, was wiederum einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von rund 72% entspräche. Diese Wachstumsprognose ist allerdings mit deutlichen Unsicherheiten verbun- den. Beispielsweise basiert die Schätzung auf der Annahme, dass Augmented Reality sehr schnell den Massenmarkt der Konsumenten erobert. Dies wieder- um setzt voraus, dass sowohl die Preise für IT-Hardware als auch für moderne Datenübertragung (insbesondere auch im Mobilfunk) bei schnell steigender Leistungsfähigkeit weiter deutlich fallen. 6 Juniper Research (2014). Mobile Augmented Reality. Basingstoke. … bis hin zur Wartung von Groß- maschinen 12 Quelle: DAQRI 0 20 40 60 80 100 2000 2004 2008 2012 2016 2020 0 - 20 20 - 40 40 - 65 65 - 80 80+ Immer weniger im erwerbsfähigen Alter 13 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Anteil Alterskohorte an Gesamtbevölkerung, DE, % 80 90 100 110 120 130 140 150 91 95 99 03 07 11 15 19 23 27 31 35 39 43 47 DE US FR Deutschland vor besonderer demografischer Herausforderung 14 Bevölkerung nach Anzahl, Index, 2000=100 Quellen: OECD, Deutsche Bank Augmented Reality 9 | 20. August 2015 Aktuelle Themen In regionaler Hinsicht sollten sich laut Juniper Research die Märkte in Nord- amerika und Lateinamerika besonders rasant entwickeln. So dürfte der nord- amerikanische Markt binnen der kommenden fünf Jahre von knapp EUR 160 Mio. auf rund EUR 3 Mrd. wachsen (durchschnittliches Wachstum: +80% p.a.). Angesichts des beachtlichen Wachstumspotenzials wundert es auch nicht, dass sich verschiedene Unternehmen mit unterschiedlichem Kerngeschäft bereits im Augmented-Reality-Markt tummeln. Einige Hürden stehen noch auf der Strecke Augmented Reality verfügt also über großes wirtschaftliches Potenzial in vielen verschiedenen Anwendungsbereichen. Doch um dieses Potenzial auch auszu- schöpfen, braucht es dringend Lösungsansätze für die anstehenden Herausfor- derungen; von der Nutzerfreundlichkeit über die Batterie- und Rechenleistung Ausgewählte Unternehmen des Augmented-Reality-Marktes 16 Google Daten - Brillen Innovega Daten - Brillen Microsoft Daten - Brillen Olympus Daten - Brillen Vuzix Daten - Brillen HP Hardware Applied Research Associates Inc. Hardware f. Militäranwendungen BAE Systems Hardware f. Militäranwendungen Id Software Games - Software SCE London Studio (Sony) Games - Software Skully Hardware Metaio Hardware und Development Kits Nokia Software Daqri Software Layar QR - Code Software Mitsubishi Software Fraunhofer FIT Software f. Bauplanung SAP Software f. Datenverwaltung IBM Shopping Assistant Software Id Software Software f. Games SCE London Studio Software f. Games Bayer Software f. Laborarbeit KÖTTER Services Mobiles Software f. Sicherheit digitalSTROM Software f. Steuerung Kautex Textron Software f. Wartung Quelle: Deutsche Bank Research Hürden auf dem Weg zur weiteren Verbreitung 17 Technisch Nutzerfreundliche Handhabung/Steuerung Blickgerechte Bilddarstellung Ausdauernde Batterieleistung Ausreichende Rechenleistung Politisch/Regulatorisch Vertrauenswürdiger Datenschutz Verlässliche, leistungsfähige Netzwerkinfrastruktur Wirtschaftlich kurze Produkteinführungszeiten bezgl. Umsetzung der Forschung Quelle: Deutsche Bank Research 10 28 37 25 bis 30 J. 31 - 40 J. 41 - 50 J. über 50 J. Verrentungswelle voraus 15 Altersstruktur deutscher Elektroingenieure Quelle: ZVEI Anteil in %, 2012 Augmented Reality 10 | 20. August 2015 Aktuelle Themen bis hin zu Datenschutz und vorhandenen Datennetzen. Diese Herausforderun- gen wollen wir nachfolgend näher beleuchten: Nutzerfreundlichkeit bei Steuerung und Bilddarstellung als K.O.-Kriterium Die Forderung nach Nutzerfreundlichkeit bezieht sich insbesondere auf die bei- den Aspekte Steuerung und Bilddarstellung. So werden hinsichtlich der Bilddar- stellung Smartphones, Tablets oder auch intelligente Uhren als wegweisende Endgeräte gesehen. Der Grad der Nutzerfreundlichkeit, den diese Endgeräte bezüglich der Bilddarstellung ermöglichen, lässt sich aber noch weiter steigern. Beispielhaft stehen hier solche Endgeräte, die das Bild unmittelbar im natürli- chen Blickfeld des Nutzers darstellen. Damit ist keine gesonderte Kopfbewe- gung mehr erforderlich, um die Information aufzunehmen. Diese Handhabung im eigentlichen Sichtfeld des Nutzers ist zweifelsohne weniger ablenkend, als dies bei den derzeit üblichen Endgeräten der Fall ist. Das große Potenzial liegt diesbezüglich also sowohl bei den Augmented-Reality-Datenbrillen aber auch bei den -Kontaktlinsen. Über die Bilddarstellung hinaus entscheidet sich der Erfolg von Augmented Reality auch an der Steuerungsform der Interaktion zwischen Mensch und Ma- schine. Hier erscheinen beispielsweise solche Steuerungen besonders zu- kunftsweisend, die auf intuitive, natürliche Körperbewegungen des Menschen rekurrieren (insbesondere auch Gesten-Steuerung), um daraus die Kommandos zu interpretieren. Batterie- und Rechenleistung verbesserungswürdig Bei Batterie- und Rechenleistung der Endgeräte braucht es noch wesentliche Fortschritte, bis die Technologie tatsächlich die Stufe der Alltagstauglichkeit für die breite Masse erreicht. So tritt Augmented Reality mit dem Anspruch der Interaktion in Echtzeit an. Dem widerspricht allerdings bereits, dass die notwen- digen Daten oft nicht hinreichend schnell berechnet werden beziehungsweise verfügbar sind. Über die Rechenleistung hinaus gibt es aber auch einen deutlichen Entwick- lungsbedarf hinsichtlich der Batterieleistung bei den Endgeräten. So können die momentan verfügbaren Batterien die mobilen Augmented-Reality-Systeme oft nur unzureichend lange versorgen und erreichen im Betrieb teilweise auch zu hohe Temperaturen. Diese Defizite führen heute noch so manche in der Theorie für Augmented Reality besonders attraktiv erscheinende Möglichkeit in der prak- tischen Anwendung dann ad absurdum. Bedenken zu Datenschutz belastet Entwicklung Die durch die Augmented-Reality-Brille repräsentierten Entwicklungen sind ins- besondere in Europa zuletzt von vielen Seiten stark kritisiert worden. Denn Da- tenschützer befürchten, dass mit Augmented Reality-Technologien in die Per- sönlichkeitsrechte eingegriffen wird. Vor allem die Idee einer mit Kamera und automatischer Gesichtserkennung ausgestattete Datenbrille schürt die Angst vor einem allgegenwärtigen und vernetzten Überwachungssystem und provo- ziert starke gesellschaftliche Widerstände. Entsprechend sind die politischen Ebenen diesbezüglich spürbar alarmiert. Konkret hat beispielsweise die EU- Kommission angesichts der Diskussion um die Datenbrille erhebliche daten- schutzrechtliche Bedenken hinsichtlich Augmented Reality im Allgemeinen ab- geleitet. Gefordert wird hier ein möglichst weltumspannender, verbindlicher Rechtsrahmen für die Verwendung personenbezogener Daten. Zumindest für Europa sollten hier aber möglichst bald wesentliche Schritte vollzogen werden. Vorteil und Gefällig keit müssen offensichtlich sein Entwicklungsbedarf bei Batterien Augmented Reality 11 | 20. August 2015 Aktuelle Themen Diesbezüglich verweist jedoch eine Umfrage der Unternehmensberatungen Frost & Sullivan und Stratecast darauf, dass die Konsumenten die Bedenken in der theoretischen Auseinandersetzung mit der abstrakten Technologie zunächst äußern, bei besonders hilfreichen konkreten Anwendungen diese dann doch auch überraschend schnell wieder hintanstellen. 7 Leistungsfähige Kommunikationsnetze nötig Ist das Kommunikationsnetz nicht hinreichend leistungsfähig (insbesondere hinsichtlich Systemverfügbarkeit und Geschwindigkeit), führt das bei den mit Augmented-Reality-verbundenen enormen Datenflüssen zu Unterbrechungen und damit womöglich auch zu empfindlichen Ausfällen im Wertschöpfungspro- zess. Die Erfolgsaussichten der neuen Angebote hängen daher unmittelbar von der Verbreitung und Leistungsfähigkeit des Kommunikationsnetzes ab. Die Fra- ge nach der Geschäftsgrundlage der vielfältigen Augmented-Reality-Angebote ist daher eng mit der Frage nach dem Ausbau moderner Datennetze verbun- 7 Vgl. Münchner Kreis (2015). Digitalisierung. Achillesferse der deutschen Wirtschaft? München. Datenschutz und Datensicherheit essenziell 18 Datenschutz beschreibt grundsätzlich die Idee, dass jeder Mensch selbst entscheiden kann, wem welche persönlichen Daten wann zugänglich sein sollen. Datenschutz insgesamt kann hinsichtlich der Aspekte Schutz vor missbräuchlicher Datenverarbeitung, Schutz der informationellen Sel bstb e- stimmung, Schutz des Persönlichkeitsrechts bei der Datenverarbeitung und Schutz der Privatsph ä- re unterschieden werden. Je nach Kontext werden demnach oft auch die Begriffe „Privacy“, „Conf i- dentiality“ oder „Data Protection“ genutzt. Interesse an perso nenbezogenen Informationen haben Private, Unternehmen aber auch staatliche Stellen. Da sich die Erfassung, Auswertung und We i- tergabe von Daten sehr vereinfacht, steigt mit der umgreifenden Digitalisierung auch die Relevanz des Themas rapide an. Datensicher heit kann hinsichtlich der Aspekte Integrität, Verfügbarkeit, und Authentizität unte r- schieden werden. Dabei beschreibt der Teilaspekt Integrität, dass Daten nicht unbemerkt verändert werden können. Der Teilaspekt Verfügbarkeit beschreibt, dass Systemausfäl le möglichst schnell und ohne größere Schäden behoben werden können. Authentizität bezeichnet die Eigenschaften der Echtheit, Überprüfbarkeit und Vertrauenswürdigkeit der Daten. Je nach Kontext werden de m- nach oft auch die Begriffe „Safety“ (Funktionssicher heit) oder „Security“ (Informationssicherheit) genutzt. Im Vergleich zu den USA legt die EU in ihrem Rechtsrahmen ein sehr viel höheres Gewicht auf Datenschutz und Datensicherheit. So verlangt der US - amerikanische Patriot Act, dass die US - Behörden auf Date n zugreifen können, die von einem Unternehmen mit Sitz in den USA gespe i- chert oder verarbeitet werden; und zwar unabhängig vom Ort, an dem sich diese Daten tatsächlich physisch befinden. Insbesondere für europäische Unternehmen unterlaufen die Vorgaben des US - amerikanischen Patriot Act damit die zu Anfang unseres Jahrta usends im Safe - Harbor - Abkommen zunächst getroffenen Vereinbarungen zum Umgang mit Unternehmensdaten. Grundsätzlich braucht es in der EU sehr bald eine einheitliche Datenschutz - Grundverord n ung , die den immer brennenderen Herausforderungen im gesamten Wirtschaftsbereich gerecht wird. Bislang scheinen die politischen Prozesse hier den anstehenden Aufgaben hinterher zu hinken. Engpässe im Netz vorprogrammiert 2 0 Kapazitätsengpässe im Datennetz sind angesichts des ständig steigenden IP - Volumens keine ferne Dystopie , sondern durchaus erlebbare Realität. Gleichwohl variiert die Netzauslastung deu t- lich bezüglich Tageszeit, Wochentagen und Anwendergruppen. So gibt die Deutsche Telekom AG an, dass 65% ihres Datenverkehrs auf allein 10% der Kunden entfallen. Daneben liegt die Lastspi t- ze üblicherweise zwischen 18 und 22 Uhr – wobei diese aber stark von tagesaktuellen Sondere f- fekten beeinflusst wird. Im Wissen um die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung eines leistungsfähigen Date n- netzes formulierten die politischen Institutionen weltweit hehre Ziele zur Verfügbarkeit. So will die EU - Kommission, dass spätestens im Jahr 2020 für alle Ha ushalte in der EU ein Internet - Zugang mit mindestens 30 Mbit/s zur Verfügung steht. Wenigstens 50% der EU - Haushalte soll zu diesem Zeitpunkt sogar ein Zugang mit mindestens 100 Mbit/s ermöglicht werden. Deutschland formuliert seine Ziele sogar noch ambitio nierter als die EU - Kommission. Demnach sollen hierzulande bis Jahresende mindestens 75% der Haushalte über einen Internet - Zugang mit wenigstens 50 Mbit/s verfügen können. Bis zum Jahr 2018 soll diese dann sogar für alle 40 Mio. deutschen Haushalte möglich werden. 90 92 94 96 98 100 102 104 106 108 08 10 12 14 Quelle: Statistisches Bundesamt Telekom-Preis fällt deutlich 21 TK - Dienstleistungen, Preisindex, 2010=100, DE 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 NL BE PT UK HU DE AT IE PL FR Insgesamt ländliche Gebiete Internet - Nutzer, die mit mind. 30 Mbit/s surfen, % Quelle: EU - Komission Deutschland bei Abdeckung in ländlichen Gebieten mittelmäßig 19 Augmented Reality 12 | 20. August 2015 Aktuelle Themen den. 8 Die neuen Nutzungsmöglichkeiten sind demnach Chance, aber auch Auf- gabe und Herausforderung für die Telekommunikationsunternehmen – sowohl aus dem Mobilfunk- als auch aus dem Festnetzbereich. Heimische Forschung zählt zur Weltspitze Ungeachtet all der genannten Herausforderungen hat Deutschland zweifelsoh- ne dennoch gute Voraussetzungen, um am beeindruckenden Entwicklungspo- tenzial von Augmented Reality zu partizipieren. Die Forschung im weiteren Um- feld von Augmented Reality zählt zur Spitzengruppe. So landet Deutschland beim Ranking der Forschungspublikationen beispielsweise gleichauf mit Japan mit einem Anteil von jeweils 7% auf dem dritten Platz. Auf dem ersten Platz stehen die USA (21%), gefolgt von China (14%). 9 Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) zeigt sich besonders forschungsstark und steht bezüglich der Zahl der Publikationen zu den dreidimensionalen Effekten im Umfeld von Augmented Reality sogar weltweit an der Spitze. Dagegen wurde Deutschland hinsichtlich der Patentanmeldungen neuerdings von Japan vom zweiten Platz hinter den USA verdrängt. 10 Der Spitzenplatz bei der Forschung steht durchaus im Spannungsverhältnis zum ausbaufähigen konkreten Markterfolg der deutschen Unternehmen. For- schung, Unternehmen und Politik hierzulande müssen sich demnach in diesem Gebiet weiter engagieren. Hierbei geht es beispielsweise darum, die Forschung weiter zu stärken, dabei aber zusätzlich auch die Rahmenbedingungen für inno- vative Finanzierungsformen (z.B. Private Equity) wesentlich zu verbessern. Darüber könnten die durchaus beachtlichen Potenziale, die die Forschung hier- zulande eröffnet, sich dann auch ökonomisch für den Standort auszahlen. Deutschlands Potenzial liegt bei spezialisierten Anwendungen Vor allem die großen amerikanischen Softwarekonzerne, insbesondere Google und Microsoft, sind ausgezeichnet positioniert, um Datenbrillen und die verbun- dene Augmented Reality-Software zur Marktreife zu bringen. Diese verfügen wegen der Nutzung durch Privatpersonen und Unternehmen bereits über große Datenmengen und die dazugehörigen Rechenkapazitäten, um die Datenbrille auch mit situativ nützlichen Informationen in Echtzeit zu füttern. Dabei führt die Empirie immer deutlicher vor Augen, dass Daten immer mehr zu dem zentralen Rohstoff werden, der das Feld für die profitablen Geschäftsmodelle der Zukunft bereitet. Hinsichtlich einer guten Positionierung in diesem Feld betreibt entspre- chend Google beispielsweise weltweit 13 Rechenzentren und verarbeitet pro Monat mehr als 100 Mrd. Suchanfragen. 11 Durch die Einbindung der Datenbrille in bereits bestehende konsumnahe Dienstleistungen im Bündel, wie Suchmaschinen, E-Mail und Videochat Servi- ces oder Soziale Netzwerke, entstehen darüber hinaus wichtige Synergien. Diese könnten Angebote von Google, Facebook oder Microsoft für Konsumen- ten besonders attraktiv erscheinen lassen. Deutsche Unternehmen sind auf- grund dieses wesentlichen Daten-Aspekts absehbar im Hintertreffen. Die Chan- ce für heimische Unternehmen bestehen demnach in diesem Geschäftsfeld eher bei der Spezialisierung in den Dienstleistungs-Nischen für gewerbliche Anwendungen. So bedarf die Entwicklung maßgeschneiderter Produkte und 8 Vgl. Heng, Stefan (2014). Nationaler IT-Gipfel: Fortschritt auch abseits des Rampenlichts ge- währleisten. Aktueller Kommentar. Deutsche Bank Research. Frankfurt a.M. 9 Vgl. Astor, Michael u.a. (2013): Marktperspektiven von 3D in industriellen Anwendungen. Berlin. 10 Das Patentverhalten unterscheidet sich im internationalen Vergleich stark. Die Zahl der Patent- anmeldungen kann daher lediglich als bedingt aussagekräftiger Index für die Innovationsfreudig- keit von Ländern herangezogen werden. 11 Page, Larry (2013). 2013 Founders‘ Letter. 1,5 2,0 2,5 3,0 MPG Tokyo Univ. Tsinghua Univ. Zhejiang Univ. CNRS MIT Osaka Univ. Kyoto Univ. Shanghai Univ. Stanford Univ. HIT Imp. Coll. London ETH Zurich Quelle: Fraunhofer IGD Max - Planck - Gesellschaft ausgenommen forschungsstark 22 Anzahl wissenschaftl. Publikationen zu 3D im Umfeld von Augmented Reality, '000 0 5 10 15 20 25 30 00 - 02 03 - 05 06 - 08 09 - 11 US JP DE FR CN Quelle: Fraunhofer IGD China katapultiert sich auf Platz 2 23 Anzahl wissenschaftl. Publikationen zu 3D im Umfeld von Augmented Reality, '000 Augmented Reality 13 | 20. August 2015 Aktuelle Themen Dienstleistungen viel spezifischen Wissens und einer engen Kooperation zwi- schen dem Hersteller und dem Verbraucher. Dies leisten die amerikanischen IT- Unternehmen bislang so nicht. Kleinere deutsche Unternehmen, die sich auf ein solches Anwendungsgebiet konzentrieren, sind demnach hier besser positio- niert als die IT-Giganten. Deutsche Unternehmen sind bei der Automatisierungs- technologie und darüber auch bei Industrie 4.0 führend. Falls besagte Unter- nehmen ihr Produktportfolio sinnvoll im Bereich Augmented Reality erweitern und damit weitere Synergien eröffnen, sollten sie darüber hinaus ihre führende Position bei Industrie 4.0 ausbauen können. Politische und gesellschaftliche Unterstützung notwendig Zahlreiche politische Programme in Deutschland und in der EU wollen Augmen- ted Reality voranbringen. Beispiele sind das Programm „Zuverlässige drahtlose Kommunikation in der Industrie" des Bundesministeriums für Bildung und For- schung, das Programm „HIGHtechLIGHTS“ des Bundesministeriums für Wirt- schaft oder das Programm „ICT 2015“ der EU-Kommission, die jeweils auch Augmented-Reality-Projekte im Umfeld der Industrie oder auch der Medizin- technik finanziell unterstützen. Allerdings gibt es neben der finanziellen Förderung auch vordringliche inhaltli- che Fragen, die angegangen werden müssen. Erste Anläufe haben in Deutsch- land beispielsweise die Digitale Agenda, die Strategie „Intelligente Vernetzung“ und die „Netzallianz Digitales Deutschland“ unternommen. 12 Demnach stehen die Verbesserung des Datenschutzes im internationalen Kontext oder auch die Unterstützung des flächendeckenden Breitbandausbaus mittlerweile ganz oben auf der politischen Agenda. Gleichwohl müssen diesen Verlautbarungen bald auch weitere Taten folgen. Andernfalls droht die Lücke zwischen den heimi- schen Unternehmen und deren internationalen Mitbewerbern immer größer zu werden – insbesondere gegenüber denjenigen aus Nordamerika oder Fernost, wo die Bevölkerung solchen Innovationen grundsätzlich positiver gegenübers- teht als hierzulande. Dies gilt umso mehr, als die Angebote der deutschen Un- ternehmen zumeist auf Effizienzsteigerungen im gewerblichen Umfeld ange- sichts der kommenden Herausforderungen und weniger auf unterhaltende An- wendungen für den Endverbraucher fokussieren. 12 Vgl. Dapp, Thomas-Frank (2014). Big Data – die ungezähmte Macht. Aktuelles Thema Deutsche Bank Research. Frankfurt a.M. Position bei Industrie 4.0 ausbauen Zahlreiche politische Progr amme zu Augmented Reality aufgelegt Zukunftsszenario: Augmented Reality verbreitet sich in unsere m Alltag 24 Am frühen Morgen steigt der Projektarbeiter der Zukunft in das selbstfahrende Auto und entwirft schon auf der Fahrt gemeinsam mit seinen internationalen Teamkollegen an einem virtuellen Pr o- t o typen. Dieses Spezialisten - Team ist nicht nur räumlich und kulturell , sondern auch hinsichtlich körperlicher Handicaps sehr breit diversifiziert. Datenbrille und Wearables bereiten in diesem Team das Feld , um die zunäc hst trennend erscheinenden individuellen Besonderheiten zu überwinden und in eine fruchtbare Kooperation zu kehren – beispielsweise auch dank des intelligenten Han d- schuhs, der die Zeichensprache des taubstummen Kollegen in Schrift übersetzt. Am Nachmittag will unser Projektarbeiter der Zukunft einen neuen Computer kaufen. Dessen Komponenten stellt er sich ebenfalls virtuell selbst zusammen. D a s Einzelstück wird in der Smart Factory auch gleich produziert. Am Abend dann besucht unser Projektarbeiter per Datenbrille einen Fernkurs an seiner virtuellen Universität. Zur Belohnung schlüpft er am Ende seines erfol g- reichen Tages noch in die Torwartrolle in FIFA 2028 mit speziellen Augmented Reality Fußbal l- schuhen und Handschuhen. Diese vermitteln ihm das Gefüh l, als wär sein Parkettboden tatsächlich Fußballrasen und der virtuelle Ball aus echtem Leder. In den Spielpausen übermitteln ihm seine Kontaktlinsen, wie viel e Kalorien er bislang verbrannt hat , und warnen frühzeitig vor Überlastung und Verletzungsgefahr. Augmented Reality 14 | 20. August 2015 Aktuelle Themen Ausblick: Augmented Reality insbesondere im gewerblichen Bereich eine Chance für den Industriestandort Deutschland Wie bei anderen innovativen Bereichen bleibt auch der Begriff Augmented Reality in unterschiedlichen Kontexten mit unterschiedlichen Schwerpunkten und unterschiedlichen Bedeutungen oft unscharf – dies womöglich auch gewollt. Durch diese Unschärfe werden oft überzogene Erwartungen geschürt, die dann zwangsläufig enttäuscht werden müssen. Dies bringt die Idee in der öffentlichen Meinung allzu oft in Misskredit. Das beispielsweise in der voranstehenden Textbox gezeichnete Szenario ist heute noch Zukunftsmusik und in manchen Details womöglich auch verstörend. Es verdeutlicht aber dennoch, wo Augmented Reality künftig in unserem alltäg- lichen Leben überall helfend eingreifen könnte. Demzufolge verfügt Augmented Reality über beachtliches Potenzial. Das wird vor allem dadurch demonstriert, dass die Technologie schon in der Gegenwart von Unternehmen und Privatper- sonen in etlichen Feldern eingesetzt wird. Dabei ist auch zu erwarten, dass der Markt für diese innovativen Produkte rasant wachsen wird. Während heute jähr- lich nur rund EUR 500 Mio. für Augmented Reality-Produkte ausgegeben wer- den, könnten es 2020 schon EUR 7,5 Mrd. sein, was einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von rund 72% entspricht. Ein bedeutender Teil dieses Markts wird den Datenbrillen gehören, die vor allem von amerikanischen Software- und Internetkonzernen entwickelt werden. Diese besitzen die notwendigen Datenmengen und Synergien, um Augmented Reality für den Endnutzer attraktiv zu gestalten und somit die Technologie für den Mas- senmarkt tauglich zu machen. Doch die Technologie bietet noch viele andere Einsatzmöglichkeiten, von der Medizin und Wellness über die Klimaanlagenre- paratur bis hin zum Design neuer Autos. Dabei führt die Empirie immer deutli- cher vor Augen, dass Daten immer mehr zu dem zentralen Rohstoff werden, der das Feld für die profitablen Geschäftsmodelle der Zukunft bereitet. Gleichwohl haben auch deutsche Unternehmen insbesondere im Bereich dieser spezialisierten gewerblichen Anwendungen gute Chancen, vom Wachstum zu profitieren. Denn hier bedarf es vor allem maßgeschneiderter Softwarelösungen und enger Kooperationen zwischen dem Hersteller und dem Verbraucher, die amerikanischen IT-Unternehmen bislang so nicht leisten. Doch um dieses Potenzial tatsächlich auch zu realisieren, braucht es dringend Antworten auf die damit unmittelbar verbundenen vielfältigen Fragen auf techni- scher, wirtschaftlicher und politischer Seite; von der Nutzerfreundlichkeit bei der Steuerung und Bilddarstellung über die Batterie- und Rechenleistung bis hin zu Vertraulichkeit, Standardisierung und Infrastrukturausstattung. Erste Anläufe bei der Beantwortung dieser Fragen haben in Deutschland beispielsweise die Digi- tale Agenda, die Strategie „Intelligente Vernetzung“ und die „Netzallianz Digita- les Deutschland“ bereits unternommen. Demnach stehen die Verbesserung des Datenschutzes im internationalen Kontext oder auch die Unterstützung des flä- chendeckenden Breitbandausbaus mittlerweile ganz oben auf der politischen Agenda. Gleichwohl müssen diesen Verlautbarungen bald auch weitere Taten folgen. Andernfalls droht die Lücke zwischen den heimischen Unternehmen und deren internationalen Mitbewerbern immer größer zu werden. Das gilt insbe- sondere gegenüber denjenigen aus Nordamerika oder Fernost, wo die Bevölke- rung Innovationen grundsätzlich offener gegenübersteht als hierzulande. Zudem sind bei einer überalternden und schrumpfenden Bevölkerung effizienz- steigernde Möglichkeiten besonders relevant. Diese können helfen, die mit der Verknappung der Fachkräfte einhergehenden, immer deutlicheren Personal- probleme abzumildern. Da die demografische Entwicklung Deutschland hier vor spezielle Herausforderungen stellt, sollte Augmented Reality den heimischen Unternehmen als Anwender absehbar besonders helfen. Deswegen ist es wich- Helfer im Alltag Technologie bietet viele Einsatzmöglichkeiten, … … von der Medizin bis hin zum Design B esondere Herausforderung in Deutschland Augmented Reality 15 | 20. August 2015 Aktuelle Themen tig, die Technologie nicht aufgrund einzelner Anwendungen als Ganzes zu ver- teufeln, sondern die Risiken einzudämmen, um die Chancen nutzen zu können. Staatliche Programme, die sowohl Grundlagenforschung als auch ergebnis- orientierte Forschung finanzieren, sind demnach eine notwendige Unterstützung für die Industrie. Vor allem bei der Grundlagenforschung zählt Deutschland schon zur Weltspitze. Wenn es aber darum geht, diese wissenschaftlichen Er- kenntnisse als fertige Produkte auf den Markt zu bringen, sind deutsche Unter- nehmen im internationalen Vergleich weniger erfolgreich. Hier sollten sich For- schung, Unternehmen und Politik hierzulande demnach weiter engagieren. Da- bei geht es beispielsweise darum, die Forschung weiter zu stärken, aber zusätz- lich auch die Rahmenbedingungen für innovative Finanzierungsformen (z.B. Private Equity) wesentlich zu verbessern. Darüber könnten die durchaus beach- tlichen Potenziale, die die Forschung hierzulande eröffnet, sich dann auch öko- nomisch für den Wirtschaftsstandort Deutschland auszahlen. Des Weiteren könnte die Politik bei einem solchen Vorgehen auch dahingehend wirken, dass Angebote entwickelt werden, die dem deutschen Verständnis von Datenschutz gerecht werden. Datenschutz kann letztlich nicht allein mittels restriktiver Geset- ze durchgesetzt werden, sondern braucht auch innovative technologische Alter- nativen. Dies kann beispielsweise so aussehen, dass Daten automatisch ver- schlüsselt und anonymisiert werden. Darüber hinaus braucht es eine gesellschaftliche Kultur der fairen Diskussion über die Chancen und Risiken von Technologien. Insbesondere wäre es hier wichtig, Augmented Reality nicht auf ein Endgerät wie „Google Glass“ und damit verbundene Kritik zu reduzieren. Schließlich sollten die in den aktuellen Diskus- sionen überaus stark hervorgehobenen Befürchtungen den Blick für die wirt- schaftlichen und gesellschaftlichen Chancen von Augmented Reality hierzulan- de nicht grundsätzlich verbauen. Stefan Heng (+49 69 910-31774, stefan.heng@db.com) Ann-Kathrin Hörster Alexander Karollus Gesetze allein führen nicht zum Ziel 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 13 14 15 16 17 18 19 20 Nordamerika Westeuropa Augmented Reality-Markt, EUR Mrd. Westeuropa droht weiter zurückzu- fallen 25 Quellen: Juniper Research, Deutsche Bank Research Publikationen und Beiträge zu Technologie, Innovation und Bildung Unsere Publikationen finden Sie unentgeltlich auf unserer Internetseite www.dbresearch.de Dort können Sie sich auch als regelmäßiger Empfänger unserer Publikationen per E - Mail eintragen. Für die Print - Version wenden Sie sich bitte an: Deutsche Bank Research Marketing 60262 Frankfurt am Main Fax: +49 69 910 - 31877 E - Mail: marketing.dbr@db.com Schneller via E - Mail: marketing.dbr@db.com  Operation Big Data: Herausforderung angenommen (Aktueller Kommentar) ................................ ................. 17. August 2015  In unserer Datenindustrie sind wir nicht die Goldgräber, sondern eher Teil der Mine! (Aktueller Kommentar) ................................ ...................... 30. Juli 2015  Breitband: Bund stellt hinsichtlich besorgniserregenden Versorgungsgefälles weitere Mittel bereit (Aktueller Kommen tar) ................................ ...................... 21. Jul i 2015  Blockchain – Angriff ist wahrscheinlich die beste Verteidigung (Aktuelle r Kommentar) ................................ ...................... 1 6 . Juli 2015  Operation „Digitalisierung im Finanzsektor“ (Aktuelle r Kommentar ) ................................ ........................ 1 . Juli 2015  Industrie 4.0: China im „Jahr der Innovation” auf erfolgversprechendem Weg (Aktueller Kommentar) ................................ ..................... 26. Juni 2015  Medienbranche erfindet sich neu (Aktuelle Grafik ) ................................ ................................ . 13. Mai 2015  Fintech reloaded – Die Bank als digitales Ökosystem: Mit bewährten Walled - Garden - Strategien in die Zukunft (Aktuelle Themen) ................................ ............................. 28. April 2015  Open Data – kaum diskutiertes Datenpotenzial (Aktueller Kommentar) ................................ ................ 18. Februar 2015  Biotechnologie: Finanzierungslücke gefährdet Wettbewerbsfähigkeit (Aktuelle Themen) ................................ ....................... 11. Februar 2015 Investitionen in Deutschland auf Branchen - ebene: Dienstleister (noch) expansiv, Industrie schrumpft leicht (Aktuelle Themen – Deutschland) ............................. 9. Dezember 2014  Mehr Infrastrukturinvestitionen – trotz fragwürdiger „Lückenanalyse“ (Standpunkt Deutschland) ................................ ......... 5. Dezember 2014  Ausblick Deutschland: Strukturelle Verlangsamung des Welthandels belastet deutsches BIP - Wachstum (Aktuelle Themen – Konjunktur) ............................... 2. Dezember 2014  KONZEPT Ausgabe 01 (Konzept) ................................ ................................ . 27. November 2014  Erbschaftsteuer, die Dritte: Bundesverfassungsgerichtsurteil im Spätherbst erwartet (Research Briefing – Deutschland) ........................... 7. November 2014 © Copyright 2015. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informations- zwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessenheit der vorste- henden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. In Deutschland wird dieser Bericht von Deutsche Bank AG Frankfurt genehmigt und/oder verbreitet, die über eine Erlaubnis zur Erbringung von Bank- geschäften und Finanzdienstleistungen verfügt und unter der Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bundesanstalt für Finanzdienstlei- stungsaufsicht (BaFin) steht. 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Druck: HST Offsetdruck Schadt & Tetzlaff GbR, Dieburg Print: ISSN 1430 - 7421 / Internet: ISSN 1435 - 0734 / E - Mail: ISSN 1616 - 5640
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