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7. Mai 2009
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Am 1. Mai 2004 wurde die Europäische Union um zehn neue Mitgliedstaaten erweitert. Die politische und wirtschaftliche Integration dieser neuen Mitglieder brachte Zuwächse im Handel, in der Wirtschaftsleistung und Beschäftigung, aber auch in der Wirtschaftsverflechtung und der wechselseitigen Abhängigkeit. So löste die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise erhebliche wirtschaftliche Einbrüche in einigen der neuen Mitgliedstaaten aus. Es ist an der Zeit, eine erste Zwischenbilanz der Integration zu ziehen und den Blick auf die noch ausstehenden Aufgaben zu richten. [mehr]
As time goes by... Gemischte Bilanz nach fünf Jahren EU-Osterweiterung ******** * ********** ******a* *** ** * ******* ** Autoren Barbara Böttcher +49 69 910-31787 barbara.boettcher@db.com Gunter Deuber +49 69 910-31718 gunter.deuber@db.com Editor Maria Laura Lanzeni Publikationsassistenz Bettina Giesel Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland Internet:www.dbresearch.de E-Mail marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 DB Research Management Norbert Walter ** ** *a* **** *a* ** **!"** **#********* * ** ** *a**$ **** *****%* * *********** &** ** '*(*&) *#** *a%*a * *+**** **a*** ** ** ,*** Die grundsätzlichen Erwartungen beider Seiten nach größe- rer politischer Stabilität und mehr Wachstumsdynamik haben sich weitgehend erfüllt. -*** %** ** ** ** **** ** ***%** ** **********%%** ** ******** ** *** ***** **!"*** **#********* *. #a**** ** ********* ******* ** * ***** * ******* ** */***a******* ***** 0*%***/**% *** Damit werden sich die Mitgliedsländer nach dem derzeitigen aku- ten Krisenmanagement befassen müssen. 1** **%a* *a** *2** 3a**** #*****a**%***** ******a**** ** *(*& **%%* **%*** *****4** a. a% * ** a/**%%* 5********** 4*** **** %*** Das Gros der MOEL und hier vor allem die großen und industriali- sierten MOEL haben sich mit einer weltmarktfähigen Exportproduktpalette erfolg- reich in die europäische Arbeitsteilung sowie den EU-Intrahandel integriert und sind wichtige Absatzmärkte für die EU-15-Länder. 1** ******a****,*%a* ** *(*& ** ** 6*****a****/**** ** ** **** a** /%a*. a ** a ,*** 7,**** *2* ***** 8*a**a%%* 0%a**(*9 #a* (wie Mitte der 1990er diskutiert). Denn alle MOEL haben im Zuge ihrer Integration in die Wirtschaftsstrukturen der EU deutliche Wohlstandsgewinne verzeichnen können. Vor allem die MOEL, die sich auf breiter Ebene erfolgreich in die Wirtschaftsstrukturen und Stabilitätskultur der EU integriert haben, sind zudem von der Finanz- und Wirtschaftskrise deutlich weniger betroffen als andere MOEL. :**a * ** **#**** ;**a* * * 6*****a**/*** *** ****** ** <*a****** *a* ** ** 7***/** ***a**** *******2**** ** a%%** *(*& #** ** ** =*%%** **,*a**** Angesichts der sehr unterschiedlichen ökonomi- schen Situationen in den MOEL erwarten wir in den kommenden Jahren eine schrittweise Erweiterung der Eurozone, wobei bis 2015 alle MOEL den Euro ein- geführt haben könnten. Ein Beitritt zur Eurozone sollte freilich nur bei hinreichen- der struktureller Vorbereitung erfolgen. * **** *** ,+*** Gemischte Bilanz nach fünf Jahren EU-Osterweiterung 7. Mai 2009 EU-Monitor 66 2 7. Mai 2009 Vorbehalte gegen die Erweiterung... ... haben der Realität nicht stand- gehalten Im September 2000 hat DB Research einen ersten Monitor EU- Erweiterung – Mittel- und Osteuropa vorgestellt 1 . Zu diesem Zeit- punkt war sowohl in der EU-15 als auch bei den Beitrittskandidaten die Unterstützung der Bevölkerung für dieses Jahrhundertprojekt am Sinken – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Selbst die Politik sandte widersprüchliche Signale. Bei der kurzfristigen Kos- ten- und Nutzendiskussion wurde jedoch von vielen übersehen, dass auf mittlere Sicht die Chancen und Vorteile dieses Vorhabens überwogen – wie sich jetzt im Rückblick auch bestätigt. Klar war aber, dass dieser Quantensprung in der EU-Mitgliederzahl für alle Beteiligten einen wirtschaftlichen und politischen Kraftakt darstellen würde. Die zwei Seiten der „EU-Medaille“, die Beitritts- fähigkeit der Kandidaten und die Erweiterungsfähigkeit der EU, ver- lang(t)en Reformen, neues Denken und vor allem einen gewissen Gleichschritt. Das gelang nicht überall so erfolgreich, wie es not- wendig gewesen wäre, um das wirtschaftliche und politische Poten- zial der erweiterten EU auszuschöpfen. Nicht nur die neuen Mitgliedsländer haben in der letzten Dekade Höhen und Tiefen hinter sich gebracht, auch die Union ist in Sack- gassen geraten, aus denen sie nur schwer einen Ausweg findet. Diese Studie legt den Fokus auf den bisherigen Konvergenzprozess der größeren mittel- und osteuropäischen Länder (MOEL) und ihre mittelfristigen Perspektiven. Die Erfahrungen der EU mit diesem Erweiterungsprozess sollen hier nur angerissen werden. 1** **#******* ***** Wenn von der Erweiterungsfähigkeit der EU die Rede ist, geht es im Wesentlichen um drei Aspekte: — Erstens die makroökonomische Wettbewerbsfähigkeit der Alt- mitglieder (z.B. Flexibilität der Arbeitsmärkte, Sozialsysteme, Steuer- und Abgabensysteme); — zweitens die Ausrichtung und finanzielle Tragfähigkeit der ge- meinsamen EU-Politiken (v.a. Agrar- und Strukturpolitik), und — drittens die institutionellen Strukturen (Vertretung in den EU- Institutionen und Entscheidungsprozesse). Der erste Punkt gehört streng genommen nicht zu den Vorausset- zungen der Erweiterungsfähigkeit der Union als solcher, aber er spielt für die Akzeptanz von Erweiterungen in der Bevölkerung und damit der Bereitschaft der Politik, entsprechende Entscheidungen zu treffen, eine wichtige Rolle. Im Vorfeld der Osterweiterung domi- nierten in den EU-15 die Sorgen vor Arbeitsplatzverlusten durch massive Arbeitskostenunterschiede, intensiverem Konkurrenzdruck durch preiswertere Anbieter und einem Förderwettlauf um gewerbli- che Investoren die öffentliche Debatte. Der stärkere Wettbewerb hat jedoch keine der erwarteten negativen Effekte gehabt – im Gegenteil. Auch wenn das wirtschaftliche Ge- wicht der MOEL in der EU eher gering ist – das Bruttosozialprodukt hat gerade einmal um 7% zugenommen, die Bevölkerung um 21% – sind bei der Richtung der Handels- und Kapitalströme und auch der Arbeitsteilung in der EU z.T. ganz erhebliche, wohlstandssteigernde Veränderungen festzustellen. Das gilt vor allem für die Altmitglieder, 1 Die Publikationsserie Monitor EU-Erweiterung wurde nach der Festlegung des endgültigen Aufnahmedatums der zehn Beitrittsländer auf dem EU-Gipfel im De- zember 2002 in EU-Monitor umbenannt. 0 10 20 30 40 PL SK HU CZ PT ES IT UK AT NL FR DE BE **,***/**** ** ** ** Ausgewählte Länder, EUR, 2007* Quelle: Eurostat, Köln *Gesamtkosten * Gemischte Bilanz nach fünf Jahren EU-Osterweiterung 7. Mai 2009 3 Altmitglieder profitierten vom größeren Binnenmarkt Erweiterung als budgetäre Herausforderung die zum einen eine gemeinsame Grenze mit den MOEL aufweisen und zum anderen durch ihre kulturelle Nähe schnell Zugang zu de- ren Märkten fanden. 2 So hat die deutsche Wirtschaft in beträchtli- chem Maße von den schnell wachsenden Auslandsmärkten „vor der Haustür“ profitieren können, sowohl hinsichtlich der größeren Ab- satzmöglichkeiten als auch attraktiver Produktionsbedingungen. Insgesamt hat die hier entstandene wirtschaftliche Verflechtung wesentlich dazu beigetragen, dass die deutschen Unternehmen auch unter wachsendem Globalisierungsdruck wettbewerbsfähig bleiben und Arbeitsplätze sichern konnten. Durch die Übernahme der Regeln des gemeinsamen Binnenmarkts durch die Neumitglieder war zudem, ungeachtet einzelner Über- gangsvorschriften, ein „Level playing field“ gewährleistet. Jedoch hat die EU-15 hier die Chance verpasst, aus Anlass der Erweiterung den Acquis Communautaire, den gemeinschaftlichen Rechtsbe- stand, von bürokratischen (Alt-)Lasten zu bereinigen, indem Rechts- texte modifiziert, kodiert oder sogar ersatzlos gestrichen wurden. Nicht ganz überraschend ist auch die später gestartete Initiative der EU-Kommission für eine „Better Regulation“, die in diese Richtung zielt, bisher ohne sichtbaren Erfolg geblieben. 3 Mit dem Beitritt der mehrheitlich reformgestählten, auf Angebotspoli- tik setzenden MOEL verbanden viele in der EU-15 eine Stärkung der marktwirtschaftlichen Position bei der Gestaltung der europä- ischen Wirtschaftspolitik. Eine deutliche Einflussnahme ist hier aller- dings nicht zu beobachten. Dazu hat sicherlich auch beigetragen, dass die MOEL eben keine einheitliche Ländergruppe sind und es damit auch keine gemeinsame Positionierung oder sogar ein ge- meinsames Abstimmungsverhalten zu wirtschaftspolitischen Fragen gab 4 , anders als z.B. in der Außen- und Sicherheitspolitik. Allerdings haben die MOEL mit ihrer investitionsfreundlichen Stand- ortpolitik dazu beigetragen, dass der Steuerwettbewerb in der EU zugenommen hat und auch Altmitglieder ihre Steuersätze gesenkt haben und die Rahmenbedingungen für Investitionen generell ver- bessert wurden. Der Mut zu Reformen, der von den MOEL eingefor- dert wurde, fand sich auf Seiten der Altmitglieder jedoch nicht in dem Umfang wieder. Notwendige Anpassungsprozesse wurden nicht selten durch Übergangsregelungen aufgeschoben. Prominen- testes Beispiel dafür ist die Beschränkung der Arbeitnehmerfreizü- gigkeit, die noch bis zum April 2011 aufrechterhalten werden kann. 5 Es hat sich jedoch gezeigt, dass die Wanderungsbewegungen deut- lich geringer waren als erwartet und dort, wo der Zuzug nicht be- schränkt wurde, positive Wachstumseffekte beobachtet werden konnten. Wirtschafts- oder Transferunion? Es gab erhebliche Zweifel, ob sich die EU mit dieser Erweiterungs- runde von überwiegend ärmeren und z.T. stärker landwirtschaftlich geprägten MOEL nicht finanziell übernehmen würde. Der Sorge der bis dahin begünstigten Altmitglieder über Einbußen bei den Trans- 2 Zu diesen ökonomischen Implikationen, aber auch den anderen Aspekten der Erweiterung siehe den umfassenden Bericht der EU-Kommission: Five years of an enlarged EU. Brüssel 2009. 3 Der Europäische Rat hatte im März 2007 beschlossen, die Bürokratiekosten bis 2012 um 25% zu verringern. 4 Vgl dazu Schneider, Ondrej (2008). Voting in the European Union – Central Eu- rope’s Lost Voice. CESifo Working papers Nr. 245.4. 5 Derzeit nutzen mit Belgien, Dänemark, Deutschland und Österreich noch vier der EU-15 diese Option. PL 25 RO 19 andere EU- Staaten 18 DE 7 UK 6 FR 5 PT 4 BG 4 SK 4 IT 4 LT 4 6** #a* *** ** ** **> Nationalität in % aller Arbeitskräfte- wanderungen* * mit Aufenthalt von weniger als vier Jahren im Gastland Quellen: Eurostat, eigene Berechnungen ? 15 20 25 30 35 40 96 98 00 02 04 06 08 EU-15 EU-10 OECD-6* 7****#***,*#**, #**/* Unternehmenssteuersätze in % *OECD-6 (AU, CA, CH, JP, NO, US) Quellen: Eurostat, DB Research * EU-Monitor 66 4 7. Mai 2009 Modifizierung der Agrar- und Strukturpolitik, aber... ... keine wirkliche Neuausrichtung für die EU-27 fers stand die Frage nach der Absorptionsfähigkeit der Neumitglie- der gegenüber. Zu einer Kostenexplosion kam es aber schon des- halb nicht, weil die Nettozahler der Union unverändert auf einer Deckelung des Haushaltsrahmens 2007-2013 von 1% des EU BIP bestanden, d.h. finanzielle Ressourcen wurden teilweise von Alt- zu Neumitgliedern umverteilt. 6 Während die finanziellen Transfers für die Neumitglieder eine erhebliche Bedeutung haben, kann man generell kaum von einer starken Belastung der Altmitglieder spre- chen: Zum Ende der laufenden Finanzierungsperiode werden die Transfers 3% des BIP der MOEL erreichen, während sie die EU-15 nur 0,3% ihres BIP „kosten“. 2013 fließen dann insgesamt 35% der EU-Ausgaben in die MOEL. Um die genannten Befürchtungen auszuräumen, hat die EU-15 in moderatem Umfang mit Reformen bzw. Anpassungen in den ausga- benwirksamen Politiken bereits im Vorfeld der Erweiterung reagiert. 7 In der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) erfolgte eine deutliche Ver- schiebung von preisstützenden Maßnahmen zu direkten Einkom- menshilfen (heute rd. 70% der Agrarausgaben). Um keine falschen Anreize für den Strukturwandel in den MOEL zu geben, werden die Direktzahlungen dort über die Finanzperiode hinweg stufenweise eingeführt und erhöht. In der Strukturpolitik wurden Kofinanzierungs- quoten angepasst, eine Deckelung der Transfers auf 3% des natio- nalen BIP vorgesehen sowie Förderkriterien modifiziert. Für die fi- nanzielle Unterstützung strukturschwacher Mitglieder gibt es gute ökonomische Gründe (u.a. Behinderung des Zuflusses privater In- vestitionen durch fehlende öffentliche Infrastruktur). Hohe Transfers gewährleisten aber nicht automatisch eine nachhaltige wirtschaftli- che Entwicklung. Dass es auch hier auf den richtigen Politikmix und wachstumsfördernden Einsatz der Mittel ankommt, zeigt das Bei- spiel Griechenlands und Portugals. Beide zählen seit Jahren zu den größten Nettoempfängern (bezogen auf das jeweilige BIP), ohne dass sich ihre wirtschaftliche Position nachhaltig verbessert hätte – im Gegenteil. Selbst in den EU-25 liegt Griechenland bei Indikatoren wie Wirtschaftlicher Freiheit (Fraser Institut) oder Makroökonomi- scher Wettbewerbsfähigkeit (WEF) auf dem letzten Platz. Die EU-15 haben die Erweiterung jedoch nicht für grundsätzliche Weichenstellungen genutzt. Sinnvoll wäre eine umfassende Be- standsaufnahme gewesen, welche Aufgaben die EU eigentlich erfül- len soll, und, in einem zweiten Schritt, wie man sie finanzieren will. Dies gilt umso mehr, wenn begrenzte Mittel auf konkurrierende Ziele verteilt werden müssen. So hätte man in der GAP auf eine stärkere Kofinanzierung der Mitgliedstaaten setzen können. Bei der Vergabe der Strukturmittel wäre eine stärkere Orientierung am nationalen statt am regionalen Einkommen zielführender. Dies hätte auch das Umverteilungskarussell in der EU deutlich reduziert. 8 Gleichzeitig stellt die EU kaum klassische öffentliche Güter zur Verfügung, die allen Mitgliedstaaten gleichermaßen zugänglich sind. Das beste Beispiel ist noch der Binnenmarkt und die Wettbewerbspolitik – bei- des Felder, wo mit den Kompetenzen kaum finanzielle Konsequen- zen verbunden sind. Vorschläge, wie ein wirklich wachstumsorien- tiertes EU-Budget aussehen könnte, das sich u.a. auf dem Boden 6 Busch, Berthold. Auswirkungen der EU-Erweiterung auf die Entwicklung und Ver- teilung des EU-Haushalts. IW-Trends. Köln 2008. 7 Wobei die Erweiterung die Probleme in den beiden Politiken nur akzentuiert, nicht aber verursacht hat. 8 Würde man nur die Nettoempfänger der Kohäsionspolitik berücksichtigen, ergäbe sich für 2006 ein Betrag von knapp EUR 10 Mrd. Dagegen wurden 2006 im Rah- men der Kohäsionspolitik EUR 32,4 Mrd. bewegt. Busch (2008). op.cit. Gemischte Bilanz nach fünf Jahren EU-Osterweiterung 7. Mai 2009 5 Wachstumsorientierte Budgetreform erforderlich Vertrag von Lissabon auf der Kippe... ... und damit institutionelle Modernisierung der EU Institutionelle Arrangements ersetzen keine politische Einigung, aber... der Lissabon-Strategie bewegt, gibt es viele. 9 10 Die Chance, es zu verwirklichen, dürfte in der erweiterten Union freilich noch geringer geworden sein. Das bedeutet aber gleichzeitig, dass mit weiteren Aufnahmen entsprechende Konflikte programmiert sind. Erweiterung bei gleichzeitiger Vertiefung – die große Desillusionierung Das Integrationstempo der 1980er und 1990er Jahre mit dem Gleichschritt von Erweiterung und Vertiefung hat sich nicht halten lassen. Daran ist die EU-15 zu einem großen Teil selbst schuld. Sie hat es versäumt, sich rechtzeitig im kleineren Kreise auf notwendige institutionelle Reformen zu einigen. Mit der Erweiterung hat sich die Zahl potenzieller Vetospieler erneut erhöht, wie die Verhandlungen zum Nizza-Vertrag gezeigt haben. Dazu kam, dass vor einem wirt- schaftlich schwierigen Hintergrund die Verunsicherung der Bevölke- rung der Altmitglieder über die Zukunft der erweiterten Union be- trächtlich war. Die negativen Referenden in Frankreich und den Niederlanden bedeuteten dann das Aus für den Nizza-Vertrag. Al- lerdings scheint die Integration der EU ganz generell ein Niveau erreicht zu haben, mit dem sich einzelne Mitgliedsländer schwer tun. Das zeigt auch das (erneute) irische Plebiszit-Veto gegen den Lis- sabon-Vertrag, der nach schwierigen Verhandlungen aus dem Ent- wurf eines Europäischen Verfassungsvertrags hervorgegangen war. Der Lissabon-Vertrag mag seine Schwächen haben, aber immerhin reformiert er die Abstimmungsregeln und strebt effizientere Ent- scheidungsstrukturen an. 11 Derzeit wird nach Wegen gesucht, wie der blockierte Ratifikationsprozess doch noch abgeschlossen wer- den kann. Ob die politische Kraft der Union für eine einvernehmliche Lösung ausreicht, ist offen. Größe und Homogenität einer politischen bzw. wirtschaftlichen Union spielen für die Entscheidungsfindung und Ausgestaltung der Zusammenarbeit eine wichtige Rolle. Neuere Studien zeigen, dass ab einer gewissen Gruppengröße und Hetero- genität der Mitglieder kaum noch Mehrheiten für die Zentralisierung von Politikfeldern und die Übertragung von Souveränitätsrechten erreicht werden können. Dafür verantwortlich sind neben bestehen- den Entscheidungsstrukturen vor allem strategische Überlegungen bei der Auswahl von nationalen Verhandlungsführern auf der supra- nationalen Ebene. 12 Anders ausgedrückt: Je größer und heteroge- ner die Staatengruppe, desto mehr wird bei der Delegation der Ver- handlungsführer darauf geachtet, dass (vermeintlich) nationale Interessen ausreichend vertreten und öffentliche Mittel für Politik- koordinierung nur beschränkt zur Verfügung gestellt werden. Das offensichtliche Dilemma zwischen Erweiterung und Vertiefung wird sich daher im Rahmen der EU-27+ wohl kaum mehr auflösen lassen. Das in den Kopenhagener Kriterien 1999 formulierte Peti- tum, bei der Aufnahme neuer Mitglieder „..die Stoßkraft der europä- ischen Integration zu erhalten..“, ging – da nicht ausreichend konk- 9 Einer davon ist der Sapir-Report. An Agenda for a Growing Europe. Oxford 2003. 10 Die EU-Kommission will bis spätestens Oktober 2009 ein Weißbuch zur Revision des EU-Haushalts vorstellen, das sämtliche Aspekte der Ausgaben wie der Eigen- mittel überprüft und Vorschläge für einen „modernen“ Haushalt enthält. 11 Das gilt v.a. für die Ländergewichte in den Abstimmungsprozessen der Ministerräte (doppelte Mehrheiten), die Anzahl der Kommissare, die Zusammensetzung des Europäischen Parlamentes sowie die Außenrepräsentanz der Union. 12 A. Alesina, I. Angeloni, F.Etro (2005). International unions. American economic Review 95, S. 602-615 sowie Lorz, Oliver und Willmann, Gerald (2008). Enlarge- ment versus Deepening: The Trade-off Facing Economic Unions. CESifo working paper Nr. 2455. ...ge- stärkt ...ge- schw ächt ...nicht veränd ert EU-2 7 48% 36% 16% EU-15 44% 40% 16% 12 Neumit- gli eder 59% 21% 20% Quelle: Umfrage Eurobarometer Dezember 2008 1** **#******* *a* ** ***** * EU-Monitor 66 6 7. Mai 2009 Genauere Prüfung der Verhandlungs- fortschritte sinnvoll Anspruchsvolle Definition von Benchmarks wünschenswert ... zwingen zur Klärung von Positionen retisiert – im raschen und umfassenden Erweiterungsprozess unter. Angesichts der integrationspolitischen Haltung mancher Neumitglie- der (aber auch einzelner Altmitglieder) stellt sich die Frage, ob noch genügend gemeinsame Interessen vorhanden sind, um eine kohä- rente gemeinschaftliche Politik zu verfolgen. Es ist daher nicht aus- zuschließen, dass sich im Nachgang der Wirtschafts- und Finanzkri- se die Debatte neu belebt, wie dem Wunsch bestimmter Mitglieds- gruppen nach einer intensiveren, institutionell unterlegten Zusam- menarbeit Rechnung getragen werden kann. Modifizierte Erweiterungsstrategie der EU Die Erfahrungen aus der großen Erweiterungsrunde haben sich bei der EU auch niedergeschlagen in einer konkreteren Ausformulie- rung ihrer Erweiterungsstrategie (vgl. KOM(2006) 649 endg.), was von künftigen Beitrittsländern z.T. als ungerechtfertigt restriktiver Kurs kritisiert wird. Dazu gehört u.a., dass die Kommission einen ausführlichen Bericht über die Auswirkungen des Beitritts auf die EU vorlegt, was sie für die Türkei erstmals getan hat (SEC(2004) 1202). Zudem sollen die Kapitel im Rahmen des Acquis sukzessive geöff- net und verhandelt werden und die EU-Mitglieder dem jeweiligen Abschluss einstimmig zustimmen. Dies ist zwar sinnvoll, birgt jedoch gleichzeitig die Gefahr von themenfremden Blockaden durch einzel- ne Länder (z.B. Zypern und Türkeiverhandlungen, Slowenien und Kroatienverhandlungen). Hier zeigt sich aber auch deutlich, dass die EU vor der Aufnahme von Ländern auf der Lösung von Konflikten bestehen muss, anstatt sie mit all den verbundenen Nachteilen zu internalisieren. Weiterhin sollen die Beitrittsreife bzw. die Fortschritte innerhalb ein- zelner Verhandlungsfelder anhand bestimmter Benchmarks opera- tionalisiert werden (analog z.B. den Maastricht-Kriterien). Selbst wenn die letzte Entscheidung zur Aufnahme politisch ist und auch bleiben sollte, können solche verbindlichen, von außen nachprüfba- re Standards politische Differenzen zwischen der EU und den Bei- trittskandidaten mildern. Allerdings sollte auf eine anspruchsvolle Definition der Benchmarks geachtet werden, also zumindest die Orientierung am EU-Durchschnitt oder einer bestimmten Länder- gruppe und nicht am jeweils wirtschaftlich und/oder politisch schwächsten EU-Mitglied. Schließlich soll auch darauf verzichtet werden, Zieldaten für den Beitritt zu setzen. Der Beitrittstermin sollte sich ausschließlich nach dem faktischen Fortschritt der Verhandlun- gen richten. Barbara Böttcher (+49 69 910-31787, barbara.boettcher@db.com) Gemischte Bilanz nach fünf Jahren EU-Osterweiterung 7. Mai 2009 7 *(*& **** 4*%% ** ** *******a*/* ********** Die acht mittel- und osteuropäischen Länder (MOEL) der 2004er EU-Erweiterungsrunde haben über Jahre auf eine besondere Wirt- schafts- und Entwicklungsstrategie der wirtschaftlichen Offenheit gegenüber den westeuropäischen EU-Staaten mit drei zentralen Pfeilern gesetzt: Einer hohen Integration in die europäische Arbeits- teilung, einer prononcierten Handelsintegration und einer hohen Integration der Finanzmärkte bzw. Finanzsektoren. Der Fall des Eisernen Vorhangs und vor allem der EU-Beitrittsprozess haben den MOEL diese Chance auf eine tiefe (Re-)Integration mit ihren natürli- chen Wirtschaftspartnern eröffnet. Die größten Wachstums- und Wohlstandsgewinne konnten die MOEL seit Ende der 1990er Jahre verzeichnen. Damit konnten die MOEL ihren Anteil am (zurückgerechneten) BIP der EU-27 von etwa 4% in 2000 über 4,5% im EU-Beitrittsjahr 2004 auf etwa 5,7% in 2008 steigern. Die markante wirtschaftliche Dynamik seit Ende der 1990er Jahre hängt unbestreitbar mit der damals eröffneten EU- Perspektive zusammen. Im EU-Beitrittsprozess erfolgten zentrale Verbesserungen der institutionellen Rahmenbedingungen. Alle MOEL konnten sich im Kreis der funktionierenden Marktwirtschaften etablieren. 13 Polen, die Tschechische Republik und Ungarn sind bereits seit Mitte der 1990er Jahre Mitglied der OECD, die Slowakei konnte im Jahr 2000 dem Industrieländerclub beitreten. Estland und Slowenien befinden sich im Beitrittsprozess. Im Rahmen ihrer mark- twirtschaftlichen Transformation sind die MOEL vor allem auch wich- tige Wirtschaftspartner der EU-15 Länder geworden. Heute kommen rund 13% der der Importe der EU-15 aus den MOEL und 15% der Exporte der EU-15 gehen in die MOEL. Das Handelsvolumen zwi- schen den MOEL und der EU-15 betrug im Boomjahr 2007 etwa 440 Mrd. EUR (bei einem Überschuss von etwa 45 Mrd. EUR für die EU- 15-Länder). Die Handelsabhängigkeit der in ihrer Wirtschaftskraft deutlich kleineren MOEL ist merklich höher. Etwa 50% des Außen- handels der MOEL erfolgt mit den EU-15. Ähnlich hoch ist die Inter- dependenz im Bankensektor. Der Marktanteil ausländischer (vor allem westeuropäischer) Banken an den Bankensektoren in den MOEL liegt im Durchschnitt bei 75% Prozent der Gesamtaktiva. In den Ländern der Eurozone haben Kreditinstitute im Auslandsbesitz nur einen Marktanteil von 24%. Europäische und vor allem Eurozo- nen-Banken dominieren mit einem Anteil von über 90% auch bei den grenzüberschreitenden Ausleihungen in die MOEL. Die hohen Interdependenzen sind ein klares Zeichen für eine positive wirt- schaftliche Integrationsbilanz der MOEL in die EU. 20 Jahre wirtschaftliche Umgestaltung als Erfolg Gerade wegen ihrer tiefen wirtschaftlichen Integration mit Westeu- ropa hat die globale Finanz- und Wirtschaftskrise, die die EU-15 voll erfasst hat, die MOEL ebenso mit voller Wucht getroffen. Die derzei- tige konjunkturelle Eintrübung des wirtschaftlichen Ausblicks ändert aber nichts an der Tatsache, dass die MOEL weiter substanzielle Wohlstandszugewinne verzeichnen können. Dies gilt sowohl für das absolute Niveau des realen BIP und vor allem für den Pro-Kopf- 13 Die Übernahme des EU-Regelwerks in den MOEL kann als größter Institutionen- transfer der modernen Geschichte interpretiert werden. Zu diesem Aspekt siehe Schimmelfennig, Frank und Ulrich Sedelmeier (2005). The Europeanization of Central and Eastern Europe, Cornell University Press. 0510 15 EE LT LV CZ HU PL SI SK 2004-2008 2000-2004 1**%**** 5**4***** ** ****@ Veränderung BIP pro Kopf zu KKP in % den EU-15, %-Punkte Quellen: Eurostat, DB Research @ 0 10 20 30 40 50 60 70 80 MOEL EU-15 Global 1995 2008 1****a* ** *%a* * ,a*/** ** *(*& Aktiva im Bankensektor in Auslands- besitz, % der Gesamtaktiva Quellen: Bankscope, EZB, IWF * -2 0 2 4 6 8 MOEL-5 Baltikum EU-15 2000-2003 2004-2007 2008 1**%**** 6a***** *********a% ** *(*& Reales BIP-Wachstum, % gg. Vj. Quellen: Nationale Statistiken, DB Research A EU-Monitor 66 8 7. Mai 2009 Wohlstand. Bezogen auf das Pro-Kopf-Einkommen zu Kaufkraftpari- täten erreichten alle MOEL – mit der Ausnahme von Ungarn, wo kaum ein Rückgang zu verzeichnen war – schon zwischen 1995 und 2000 ihr 1989er Niveau. Seitdem haben sie deutliche Wohl- standsgewinne erzielen können. Heute liegt der Pro-Kopf-Wohlstand zu Kaufkraftparität 30-50 Prozent über dem Niveau von 2000 und sogar 50-70% über dem Niveau von 1990. Damit haben alle MOEL auf den Wohlstand bezogen deutlich gegenüber den EU-15-Ländern aufgeholt. Im Jahr 2000 lag das BIP-gewichtete Pro-Kopf-Einkom- men der MOEL zu Kaufkraftparitäten bei 47% der EU-15-Länder. Bis zum Jahr 2004 erhöhte es sich auf 53% und liegt heute bei 59% der EU-15. Somit sind heute fast alle MOEL gemäß der Weltbankab- grenzung Hocheinkommensländer (High income countries), die Tschechische Republik und Slowenien konnten sogar schon zu Portugal bzw. Griechenland aufschließen. Nur Lettland und Litauen werden noch als Länder hohen mittleren Einkommens (Lower middle income) klassifiziert. Integrationsbilanz Der besondere Anker der EU-Mitgliedschaft, der anderen aufstre- benden Volkswirtschaften nicht zur Verfügung steht, hat den MOEL eine aus entwicklungsökonomischer Perspektive wünschenswerte tiefe Integration mit den entwickelten Volkswirtschaften der EU-15 ermöglicht. Durch den Transfer von Institutionen und Glaubwürdig- keit durch den EU-Beitritt wurden langfristig orientierte Investitionen in erheblichem Ausmaß ausgelöst. Damit induzierte der Integrati- onsprozess der MOEL in die wirtschaftlichen Strukturen der EU substanzielle Kapitalflüsse aus den wohlhabenden Volkswirtschaf- ten der EU in produktive und profitable Verwendungen in die auf- strebenden MOEL. Integration in die europäische Arbeitsteilung Alle MOEL und hier vor allem Estland, Polen, die Tschechische Re- publik und Ungarn sowie später auch die Slowakei konnten vor ih- rem EU-Beitritt substanzielle Zuflüsse an ADI verbuchen. Der inlän- dische ADI-Bestand als % des BIP der MOEL stieg so von unter 2% im Jahr 1990 auf 5,4% im Jahr 1995 und 18,9% im Jahr 2000. Vier Jahre später, im EU-Beitrittsjahr 2004, erreichte der ADI-Bestand 40% des BIP der MOEL. Diese Entwicklung zeigt klar den Investiti- onsboom vor der EU-Mitgliedschaft. Bis heute ist der ADI-Bestand in Prozent des BIP „nur“ noch um 10 Prozentpunkte angestiegen und liegt bei 50% des BIP der MOEL. Trotz deutlicher länderspezifischer Unterschiede liegt damit in den meisten MOEL der ADI-Bestand in Prozent des BIP deutlich über dem Durchschnittswert für entwickelte Volkswirtschaften (27,2%) und aufstrebende Volkswirtschaften (29,8%). Begünstigt wurde der ADI-Boom in den MOEL durch die Gewährung von Freihandelsabkommen in den 1990er Jahren durch die EU. Zudem ermöglichte der hohe ADI-Zufluss und die damit verbundene Integration in die europäische Arbeitsteilung einen substanziellen Transfer von Wissen und Technologie in einer kurzen Zeitspanne. <** ? -a* *%*a***** ** *(*& % der Gesamtexporte, 2007 EE LT LV CZ FI 17,5 RU 15,2 LT 14,8 DE 30,8 SE 13,8 DE 10,4 RU 13,1 SK 8,6 DE 5,0 PL 6,4 EE 13,1 PL 5,9 HU PL SI SK DE 28,2 DE 25,9 DE 18,6 DE 21,4 IT 5,6 IT 6,6 IT 12,3 CZ 12,5 FR 4,7 FR 6,1 HR 8,2 FR 6,8 Quelle: Eurostat B *(*&*6a**** +*a**/ ** C***%**** BIP Wachstum , % gegenüber Vorjahr 1999-2003 2004-2008 MOEL 3 5,9 EU-15 2,1 2 EM* 5 5,2 MOEL 21,8 23,9 EU-15 20,9 21,4 EM 26 26,3 MOEL 18,1 18,2 EU-15 21,2 21,9 EM 31,2 31,9 MOEL -3,7 -5,9 EU-15 0,3 0,4 EM 5,2 5,5 MOEL 6,6 12,6 EU-15 4,6 5,7 EM 7,9 9,6 MOEL 7,2 11,2 EU-15 5 5,9 EM 9,2 10,5 * Aufstrebende Länder und Entwicklungsländer Quellen: Eurostat, IWF, DB Research Gesamtw irtschaftliche Investitionen, % des BIP Gesamtw irtschaftliche Ersparnis, % des BIP Leistungsbilanz, % des BIP Importe Güter und Dienstleistungen, % gg. Vj. Exporte Güter und Dienstleistungen, % gg. Vj. D Gemischte Bilanz nach fünf Jahren EU-Osterweiterung 7. Mai 2009 9 Der besonders produktive Charakter der ADI-Zuflüsse in die MOEL zeigt sich an dem hohen Anteil der ADI an den Bruttoanlageinvesti- tionen. Der Prozentanteil der ADI an den Bruttoanlageinvestitionen stieg von unter 5% zu Anfang der 1990er Jahre auf rund 20% im Jahr 2000. Seitdem lagen die entsprechenden Werte in den meisten MOEL kontinuierlich zwischen 20-30%. Dieser hohe Anteil liegt deutlich über vergleichbaren Werten für entwickelte Volkswirtschaf- ten (10,3%) und andere aufstrebende Volkswirtschaften (12,1%). Am zeitlichen Ablauf der ADI-Penetration wird deutlich, dass wichti- ge Grundsteine der Integration der MOEL in die europäische Ar- beitsteilung und internationale bzw. europäische Fertigungsnetzwer- ke schon vor dem EU-Beitritt – aber bei klarer Perspektive der Erfül- lung der zentralen Beitrittsvoraussetzungen – gelegt wurden. Denn das Gros der ADI-Zuflüsse während des ADI-Booms hatte seinen Ursprung in Westeuropa. Hier waren die großen europäischen In- dustrienationen und vor allem Deutschland die Integrationspaten der MOEL. Dies zeigt sich an der Position dieser Länder als heute wich- tigste Handelspartner der meisten MOEL. Nach dem anfänglich starken Fokus auf die Großindustrie und das produzierende Gewer- be richteten sich die ADI zunehmend auch auf den Dienstleistungs- sektor. Wegen der hohen produktionskostenorientieren und marktsuchen- den ADI-Penetration der MOEL ist es naheliegend, dass transnatio- nale und vor allem westeuropäische Konzerne heute zu den um- satzstärksten Firmen in den MOEL zählen. 14 Die besonders hohe Integration der MOEL in die internationale und in diesem Kontext vor allem europäische Wertschöpfung manifes- tiert sich klar im Transnationalitäts-Index der Weltbank für führende ADI-Aufnahmeländer unter den entwickelten Volkswirtschaften. Die- ser Index bildet die ADI-Zuflüsse als Prozentanteil an den Bruttoan- lageinvestitionen, den ADI-Bestand im Inland als % des BIP sowie den Anteil ausländischer Konzerngesellschaften an der inländischen Wertschöpfung und Beschäftigung ab. Bezüglich dieser Indikatoren teilen sich die MOEL die Spitzenpositionen im Index mit international erfolgreich integrierten Volkswirtschaften wie Belgien, den Nieder- landen oder der Schweiz. 15 14 Von den 25 umsatzstärksten Konzernen in den MOEL haben 19 ihren Sitz in Westeuropa. Vergleiche Financial Times (2008). Top 500 Companies Central and Eastern Europe. Financial Times Special Report. 11. September 2008. 15 Weltbank (2008). World Investment Report 2008. New York. S. 12. 0 10 20 30 40 50 60 1990 1995 2000 2004 2007 *1****** ** ** *(*& ADI-Bestand aller MOEL, % des BIP Quellen: Weltbank, DB Research ** 0 5 10 15 20 25 30 35 40 EE LT LV CZ HU PL SI SK EU - 27 OECD EM 0** /**4* *1* ** ** ****** *(*& Anteil der ADI an den Bruttoanlageinvestitionen, % (2002-2007) Quellen: Weltbank, DB Research ** 0 20 40 60 80 BE LU EE SK HU CZ NL NZ SE DK UK LV PL LT FR CH ES SI DE IT US JP *(*& **** ** a* *!***** ************ ** ****%** *** Transnationalitätsindex der Weltbank, 2007 Anmerkung: Durchschnittswert ADI-Zufluss als Prozentanteil der Bruttoanlageinvestitionen, ADI- Bestand als % des BIP sowie des Prozentanteils ausländischer Konzerngesellschaften an der inländischen Wertschöpfung und Beschäftigung. Quellen: Weltbank, DB Research ** EU-Monitor 66 10 7. Mai 2009 I n tegrati on in den EU -Intrahand el und Welthand el Der besondere und durch die Aussicht auf EU-Mitgliedschaft ermög- lichte Investitionsboom und die damit verbundene (Re-)Industriali- sierung in den meisten MOEL legte die Basis ihrer hohen Außen- handelsintegration bzw. ihrer ausgeprägten Integration in den EU- Intrahandel. Die hohe Außenhandelsintegration der MOEL lässt sich an vier zentralen Indikatoren festmachen: den deutlich steigenden Weltmarktanteilen, einer sehr hohen Handelsoffenheit im Allgemei- nen, dem hohen Anteil des EU-Intrahandels am Außenhandel und der hochwertigen Exportproduktpalette der meisten MOEL im Gü- terhandel. Seit dem Jahr 2000 haben die MOEL ihren Anteil am Welthandel von knapp über 2% deutlich auf 3,8% in 2008 gesteigert. Dies ob- wohl der Anteil der MOEL am Welt-BIP im gleichen Zeitraum fast konstant blieb. Die überproportionalen Anteilsgewinne am Welthan- del der MOEL basieren auf einer deutlichen Erhöhung ihrer Han- delsoffenheit. Seit Mitte der 1990er Jahre hat sich die Kennzahl der Handelsoffenheit (Exporte und Importe von Gütern als % des BIP) in allen MOEL, mit der Ausnahme von Polen als einziger großer Volkswirtschaft und Lettland und Litauen im Zuge der Russlandkri- se, von nahe 100% auf deutlich über 100% erhöht. Die erfolgreiche internationale Handelsintegration basiert in allen MOEL letzten Endes auf einer mehr oder weniger hohen Integration in den EU-Intrahandel. Gravitätstheoretische Überlegungen und die Möglichkeit der frühen Teilhabe am EU-Binnenmarkt legen für die MOEL solch einen außenwirtschaftlichen Fokus nahe. Die Handels- integration der MOEL in den EU-Binnenmarkt ist heute vergleichbar mit den Anteilen des EU-Intrahandels am Außenhandel in den EU- 15-Ländern. Einige MOEL weisen diesbezüglich sogar einen höhe- ren Anteil auf als einige EU-15-Länder. Die dynamische Entwicklung des Außenhandels in den meisten MOEL basiert auf ihrer hohen internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Die teils starken Anstiege ihrer realen Wechselkurse konnten die erfolgreichen MOEL offenbar durch deutliche Produktivitäts- und Qualitätssteigerungen kompensieren. Dies zeigt sich vor allem an der strukturellen Aufwertung der Exportproduktpalette in Richtung arbeitsintensiver und zugleich qualitativ hochwertiger Industriegüter in den MOEL-5 seit Ende der 1990er Jahre. In Polen, der Slowakei, Slowenien, der Tschechischen Republik und Ungarn hat sich der Anteil technologieintensiver Exporte von bereits hohem Niveau kon- tinuierlich und deutlich erhöht. Neben der Automobilproduktion ha- ben die MOEL-5 heute substanzielle Weltmarktanteile in den Sekto- ren Maschinenbau, Elektronik und Elektrotechnik sowie im Pharma- sektor. Allerdings hat der starke Fokus auf den EU-Intrahandel so- wie zyklische Industriesektoren die Verwundbarkeit der MOEL für externe Schocks – wie eine Rezession in Westeuropa – deutlich erhöht. 0 1 2 3 4 00 01 02 03 04 05 06 07 08E Anteil Welthandel Anteil Welt-BIP M OEL heute deutl i ch überr epräsenti ert i m Welthandel % Quellen: IWF, DB Research 13 0 50 100 150 200 EE LT LV CZ HU PL SI SK 1995 2004 2008 Stark e Posi ti on i m Güter - handel Exporte und Importe von Gütern, % des BIP Quellen: IMF, nationale Statistiken 14 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 EE LT LV CZ HU PL SI SK Extra EU-27 Intra EU-27 Quelle: Eurostat Intr a- & Extr ahandel EU - 27 % des Gesamthandels 16 0% 20% 40% 60% 80% 100% 99 00 01 02 03 04 05 06 07 Maschinen und Fahrzeuge, SITC 7 Andere Güter, SITC 5,6 & 8 Primärerzeugnisse, SITC 0-4 B alti kum: Güterexport e Quelle: Eurostat %, BIP (2004) gewichtet nach P roduktgrup p e 15 Gemischte Bilanz nach fünf Jahren EU-Osterweiterung 7. Mai 2009 11 Integration in den europäischen Finanzmarkt Die zentrale Strategie der MOEL zur Integration in die internationa- len Finanzbeziehungen und zur Krisenbewältigung in den heimi- schen Bankensektoren war die Öffnung für strategische Investoren aus dem Ausland – und dies schon vor dem EU-Beitritt. Vor allem Investoren aus den EU-15-Ländern zeigten vor dem Hintergrund der Unterentwicklung der Finanzintermediation, der Liberalisierung der Finanzsektoren und der Kapitalbilanz im Zuge des EU-Beitrittspro- zesses sowie der erwarteten Wohlstandgewinne durch die EU- Integration Interesse. Die Integrationspaten waren hier vor allem Italien, Österreich, Deutschland und Schweden. Die substanzielle Beteiligung westeuropäischer Banken in den MOEL hat die Entwick- lung der Bankensektoren prinzipiell vorangetrieben. Das Engage- ment von Auslandsbanken bringt – ebenso wie ADI im Industriesek- tor – einen Schub in Bezug auf Technologie und Wissen (inklusive Risikomanagement) und damit auch an Produkten. 16 Dies begüns- tigt eine effizientere Kapitalallokation und Expansion der Finanzin- termediation. Vor allem seit dem EU-Beitritt hat sich der Grad der Finanzinterme- diation, gemessen als inländischer Kreditbestand in % des BIP, in den MOEL deutlich erhöht. Von 2004 bis 2008 hat sich diese BIP- gewichtete Kennzahl für alle MOEL um 20 Prozentpunkte von 45% auf 65% erhöht. Durch die rasche Expansion der Finanzintermedia- tion im Zuge des EU-Beitrittsprozesses erreichten einige MOEL schon kurz nach ihrem EU-Beitritt einen Grad der Finanzintermedia- tion, der im internationalen Vergleich für aufstrebende Volkswirt- schaften oder sogar schon entwickelte Volkswirtschaften angemes- sen scheint. 17 Die starke Kreditexpansion stand in einigen MOEL nicht in Einklang mit den nationalen Ersparnissen. Der Differenzbetrag wurde durch ausländische Mutterbanken oder Verschuldung am internationalen Kapitalmarkt ausgeglichen. Damit haben sich einige MOEL durch eine stark extern und schuldenfinanzierte Erhöhung der Finanzinter- mediation in eine Position der Abhängigkeit vom (Netto-)Zustrom an Auslandskapital gebracht. Vor allem Kapitalströme in aufstrebende Volkswirtschaften können aber durch die schwankende Risikoaver- sion am Kapitalmarkt sowie durch institutionelle Faktoren begründet schnell zum Erliegen kommen. Auch die substanzielle Beteiligung von Auslandsbanken aus den EU-15 schützt nicht per se vor sol- chen Risiken. Denn die Auslandsbanken sind letzten Endes ebenso auf (Re-)Finanzierung am Kapitalmarkt angewiesen. 16 Für eine umfassende Darstellung siehe Goldberg, Linda (2009). Understanding Banking Sector Globalization, IMF Staff Papers 56(1). S.171-197, Internationaler Währungsfonds (2007). Global Financial Stability Report 2007. S. 99-127. Mit be- sonderem Fokus auf die MOEL siehe Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (2006). Transition Report. London. S. 58-67. 17 Backe, Peter, Egert, Balazs und Tina Zumer: Credit Growth in Central and Eastern Europe: New (Over)Shooting Stars? In Oesterreichische Nationalbank (2006). Focus on European Economic Integration 1/06, S. 112-139. Wien. 0 20 40 60 80 100 EE LT LV CZ HU PL SI SK MOEL *a*/** ** *%a* ,*** ********* ** *(*& Anteil Auslandsbanken Gesamtaktiva, % Quellen: Nationale Zentralbanken, DB Research *A -10 0 10 20 30 40 50 60 70 EE LT LV CZ HU PL SI SK MOEL 2004-2008 2000-2008 7******** ** ;**a* * ******* *a**** Veränderung inländischer Kreditbestand in % des BIP, %-Punkte Quellen: IWF, DB Research *D 0 20 40 60 80 100 120 EE LT LV CZ HU PL SI SK Bankkredit Unternehmensanleihen Aktien 1****a* ** *a*/* ***a* ***** Anteile an der Finanzierung des privaten Sektors, % Anmerkung: Daten Jahresende 2006. Quellen: BIS, IMF *B EU-Monitor 66 12 7. Mai 2009 Zudem hat das Zusammenspiel von einem realwirtschaftlichem Post-EU-Beitrittsboom sowie einem positivem Umfeld in der Welt- wirtschaft und am Kapitalmarkt in einigen Bankensektoren der MOEL einen Überoptimismus genährt. Das daraus resultierende hohe Angebot an zinsgünstigen Krediten hat in diesen MOEL wie- derrum eine binnenwirtschaftliche Überhitzung sowie damit einher- gehende außenwirtschaftliche Ungleichgewichte begünstigt. Alle MOEL expandierten damit in den letzten Jahren über Potenzial; einige MOEL und hier vor allem die kleinsten Volkswirtschaften so- gar deutlich, wie die Potenzialwachstumsbetrachtung in den Kon- vergenzanalysen der EZB zeigt. 18 Geschwindigkeitslimits gelten auch in der EU Trotz prinzipieller Tragfähigkeit des Wirtschafts- und Entwicklungs- modells der MOEL und Potenzial für höhere Trendwachstumsraten hat die wirtschaftliche Integrationsbilanz gezeigt: Auch im Zuge ei- ner Konvergenz im EU-Rahmen gelten „natürliche“ Geschwindig- keitslimits des Aufholens zum Wohlstand der EU-15, während die Integration in die EU gerade nicht vor wirtschaftlicher Überhitzung schützt. 19 Letzteres ist gerade für die MOEL mit ihren lange aufges- tauten Konsumbedürfnissen und einem „gefühlten“ Aufholbedarf durch die EU-Mitgliedschaft von Relevanz. Trotz niedrigerem Wohl- standsniveau führen jährliche BIP-Wachstumsraten deutlich über Potenzial zu einer wirtschaftlichen Überhitzung. Und weder die Mitg- liedschaft in der EU (noch in der Eurozone) verringern langfristig zu tragende (Reform-)Kosten. Die EU-Mitgliedschaft selber oder die substanzielle Beteiligung von Auslandsbanken aus entwickelten Volkswirtschaften können „nur“ eine geordnetere Anpassung ohne 18 Europäische Zentralbank (2008). Convergence Report May 2008. Frankfurt. 19 Einige EU-15-Länder haben im Zuge ihrer Integrationsprozesse in die EU und/oder die Eurozone ähnliche Erfahrungen gemacht. Siehe dazu Brzoza- Brzezina, Michal (2005). Lending booms in den New EU Member States. ECB Working Paper 543. 5*** a*%** ** *a*/***/***** ** ** *(*& EE LT LV CZ HU PL SI SK MOEL Gesamtaktiva Bankensektor, % des BIP(2008) 132 85 153 104 108 73 130 91 93 Inländischer Kreditbestand, % des BIP(2008) 99 66 89 58 81 60 66 54 65 Veränderung 2004-2008, Prozentpunkte 38 32 35 13 23 23 10 11 20 Veränderung 2000-2008, Prozentpunkte 64 50 66 8 27 26 23 -3 23 Inländischer Kreditbestand, % gg. Vj. (2000-2004) 28 29 40 2 13 8 18 7 10 Inländischer Kreditbestand, % gg. Vj. (2004-2008) 29 36 39 13 16 22 25 16 20 Anteil ausländischer Banken (2004-2008) 99 92 58 85 73 74 25 98 75 Kredite zu Bankeinlagen (2008) 180 200 295 90 160 110 140 95 125 Fremdw ährungskredite, % aller Kredite (2008) 87 63 90 n.a. 68 35 n.a. n.a. 33 Fremdw ährungsdepositen, % aller Depositen (2008) 30 22 59 n.a. 21 13 n.a. n.a. 12 Externe Aktiva und Passiva, % des BIP(2008) 295 163 261 169 340 145 240 162 196 Gesamtkapitalrendite (2004-2008) 2,1 2,2 1,8 1,3 1,8 1,6 1,1 1,2 2 Kernkapital zu risikogew ichteten Aktiva, % (2008) 18 12,6 12,2 12,3 10,8 11,8 11,8 12,2 12 Notleidende Kredite, % Gesamtkreditbestand (2008) 2,6 4,3 3 2,9 3 4,9 2,9 34 Quellen: IWF, Nationale Zentralbanken, DB Research ** -5 -3 0 3 5 EE LT LV CZ HU PL SI SK 1999-2003 2004-2005 2006-2007 6a**** 2,** 0**** *a% ** ** *(*& * **a*** 7%*#a/** Produktionslücke, % des Produktions- potenzials Quellen: EZB, DB Research ** 0 400 800 1.200 1.600 0 100 200 300 400 500 01 02 03 04 05 06 07 EM Europa (rechts) Asien (rechts) Lateinamerika (links) EMBIG EUR, Bp vs. Bunds 7**/** * =**/******** *2* ******** *a*/** Quellen: JP Morgan, DB Research ** Gemischte Bilanz nach fünf Jahren EU-Osterweiterung 7. Mai 2009 13 substanzielle Kapitalabflüsse und Zahlungsbilanzkrisen ermögli- chen. 20 Angesichts der hohen Kreditexpansion – bei niedrigen Sparvolumi- na – in den MOEL wird klar, dass das besondere Kapitalmarktum- feld der letzten Jahre ein wichtiger Katalysator zur Überschreitung der „Geschwindigkeitslimits“ war. Denn die Risikoprämien für Kapi- talströme in aufstrebende Volkswirtschaften waren aus historischer Perspektive auf extrem niedrige Niveaus gefallen. Für die MOEL gilt dies vor allem nach ihrem EU-Beitritt in 2004 und bis zur Risikoneu- preisung an den internationalen Kapitalmärkten im Zuge der globa- len Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008 und 2009. Zumal das positive globale Kapitalmarktumfeld und die damit einhergehenden Erwartungen der Wechselkursstabilität (oder sogar kontinuierlichen Aufwertung) auch den hohen Anteil der Verschuldung in Fremdwäh- rung in einigen MOEL erklären. Die Aufnahme von Fremdwährungs- krediten im Zuge eines positiven globalen Kapitalmarktumfeldes und bei höheren inländischen Zinsniveaus ist ein gängiges und kurzfris- tig rational erklärbares Phänomen in aufstrebenden Volkswirtschaf- ten. Obgleich über die letzten Jahre kontinuierlich vor Risiken für die Volkswirtschaften und Finanzsektoren der MOEL resultierend aus der raschen Steigerung der Finanzintermediation gewarnt wurde, entfalteten sich die systemischen Risiken dieser raschen Expansion erst durch den externen Schock der globalen Finanz- und Wirt- schaftskrise im Jahre 2008 und 2009. 21 Kurzfristiger Ausblick: Starke Differenzierung unter den MOEL In den MOEL, die überproportional stark auf ein kreditbasiertes Vor- ziehen einer möglichen Wohlstandsdividende im EU-Rahmen ge- setzt haben, drohen in den kommenden Jahren deutliche Wohl- standseinbußen. Deren Ausmaß wird den Transitionsschocks zu Beginn der 1990er Jahre mit negativen BIP-Wachstumsraten im hohen einstelligen oder sogar zweistelligen Bereich gleichkommen. Damit werden diese MOEL in 2009 und 2010 in Bezug auf den Pro- Kopf-Wohlstand in Relation zum Durchschnitt der EU-27 und der EU-15 deutlich verlieren. Insofern wird sich in den kommenden Jah- ren die schon im Jahre 2008 und 2009 erkennbare Differenzierung unter den MOEL fortsetzen. Im Baltikum oder in Ungarn stellt die aktuelle Krise nicht nur einen zyklischen Abschwung dar. Tiefere Anpassungen sind hier notwendig, um ein über die Verhältnisse leben im privaten und/oder öffentlichen Sektor – und das über Jahre hinweg – zu korrigieren. In Polen, der Slowakei, Slowenien und der Tschechischen Republik sehen wir die reale Konvergenz auch wäh- rend der aktuellen Krise als intakt an. Diese vier Volkswirtschaften werden in 2009 und 2010 voraussichtlich weniger schrumpfen und sich schneller erholen als die meisten großen Volkswirtschaften 20 Deutlich wurde dies durch die Liquiditätshilfen der EZB für Polen und Ungarn, die substanzielle Beteiligung der EU bei der Stabilisierung Ungarns oder Lettlands in Form von Zahlungsbilanzhilfen im Rahmen der notwenigen IWF-Beistandsab- kommen sowie das bisher klare Bekenntnis der westeuropäischen Banken zu ih- ren Auslandstöchtern in den MOEL. Für das internationale Hilfspaket für Lettland stellten EU-Institutionen und EU-Mitgliedsländer EUR 5,4 Mrd. bereit, der IWF und die Weltbank „nur“ EUR 2,1 Mrd. Im Rahmen des EUR 20 Mrd. starken Hilfsprog- rammes für Ungarn stellte die EU EUR 6,5 Mrd. bereit. 21 Siehe dazu Konvergenzreports der Europäische Zentralbank aus dem Jahre 2006 oder 2008 sowie Klett, Bernd und Marion Mühlberger (2007). Overheating con- cerns intensify, Credit Monitor Eastern Europe. Deutsche Bank Research. Frank- furt am Main. 5. April 2007; Nestmann, Thorsten und Marion Mühlberger (2007). Eastern Europe: funding and liquidity risks have risen, Credit Monitor Eastern Eu- rope. Deutsche Bank Research. Frankfurt am Main. 6. November 2007. 0 2 4 6 8 10 12 -20 -15 -10 -5 0 -*** 6a**** * **** ***%******#***** *2004-2008. Quellen: Eurostat, DB Research Leistungsbilanz, % des BIP* HU PL SI CZ SK LT EE LV Durchschn. reales BIP-Wachstum* ** 8.000 10.000 12.000 14.000 16.000 18.000 20.000 -20 -15 -10 -5 0 ****%*** * *!* *** *E***** ***%******#***** Leistungsbilanz, % des BIP (2004-08) BIP pro Kopf zu KKP, EUR* *2004. Quellen: Eurostat, DB Research LT EE LV CZ HU SK PL SI *? 0 100 200 300 400 0 200 400 600 800 1.000 EE LT LV CZ HU PL SK CDS Spread, Bp, März 08 (links) CDS Spread, Bp, März 09 (links) Prozentuale Veränderung (rechts) =**/********* ** ** *(*& Anmerkung: Slowenien nicht verfügbar. Quellen: Bloomberg, DB Research *@ EU-Monitor 66 14 7. Mai 2009 Westeuropas. Diese vier Volkswirtschaften weisen keine deutlichen makroökonomischen Ungleichgewichte auf und sind strukturell für einen kommenden wirtschaftlichen Aufschwung gut positioniert. Denn ihre starke Handelsintegration mit den wirtschaftlichen Kern- staaten der EU hat ihre Grundlage in einer modernen industriellen Basis. Für diese Länder stellt die aktuelle Krise einen zyklischen Abschwung nach einem starken Aufholprozess dar. Langfristiger Ausblick Derzeit stehen die acht MOEL der 2004er Erweiterungsrunde für etwa 5,7 % des BIP der EU-27, in Kaufkraftparitäten gerechnet für 9% des BIP der EU-27, aber repräsentieren 15% ihrer Bevölkerung. Aus dieser Diskrepanz und der Möglichkeit für die MOEL, weiter vom EU-Binnenmarkt zu profitieren, ergibt sich ein Potenzial für einen weiteren Aufholprozess in den MOEL. Damit sehen wir trotz Korrektur des Wachstumspfades der letzten Jahre – bei Erhaltung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit – mittel- bis langfristig gute Chancen auf ein Wirtschaftswachstum über dem der EU-15. Die notwendige makroökonomische und strukturelle Fundierung eines Aufholprozesses zeigt aber auch, dass die Möglichkeit einer ra- schen und einfachen Konvergenz im Rahmen des Konvergenzclubs EU nicht überschätzt werden sollte. Die EU hat zwar eine nachge- wiesene Kompetenz in der Heranführung weniger entwickelter Volkswirtschaften an ihr Wohlstandsniveau und unterstützt dies bis zu einem gewissen Grad über zentrale Umverteilungsmechanismen. Allerdings stellt die EU-Mitgliedschaft nur die Rahmenbedingungen für eine langfristig positive wirtschaftliche Entwicklung bereit. Die Nutzung dieser Rahmenbedingungen liegt im Verantwortungsbe- reich jedes Mitgliedes. Die reine Mitgliedschaft in der EU impliziert keine langfristige ökonomische Konvergenz zu den durchschnittli- chen Wohlstandsniveaus innerhalb der EU; was gerade an den deutlichen und persistierenden Wohlstandunterschieden zwischen den EU-15-Ländern deutlich wird. Dieser Aspekt ist von besonderer Relevanz für die MOEL. Sowohl die Erwartungen der Bevölkerung in den MOEL als auch oftmals im Konvergenzkontext für Projektio- nen verwendete makroökonomische Beta-Konvergenzmodelle bau- en implizit oder explizit auf der Annahme einer vollständigen und quasi-automatischen Konvergenz zu durchschnittlichen Niveaus der EU-27 (oder gar der Eurozone) auf. Einfache Wachstumstreiber ausgeschöpft Insofern können sich auch die bis dato erfolgreichen MOEL nicht auf ihren Transformationserfolgen ausruhen. Zumal einfache Wachs- tumsbeschleuniger, wie die Erhöhung der Finanzintermediation oder die Harmonisierung mit dem EU-Regelwerk, weitgehend ausgereizt sind. Auch die zu Beginn der Transition vorherrschende Unterreprä- sentation im Welthandel, im EU-Intrahandel und in europäischen Konzernverbünden ist aufgeholt. Weitere graduelle Anteilsgewinne am Welthandel und EU-Intrahandel lassen sich nur noch durch eine deutliche Steigerung der Wertschöpfung und Produktivität erreichen. -8 -4 0 4 8 2004-2008 2009E 2010E CZ HU PL SI SK *(*&*@$ 1**%***** *,**#** ** ***B Quellen: Eurostat, DB Research *A -15 -10 -5 0 5 10 2004-2008 2009E 2010E EE LT LV *a%**/*$ -a*** &a* ** ** ***B F **** Reales BIP-Wachstum, % gg. Vj. Quellen: Eurostat, DB Research ** 60 65 70 75 80 85 97 99 01 03 05 07 CZ SI PT 5**4***** ** ***=a**** /*** 7*%,*%**** BIP pro Kopf zu KKP, Eurozone=100 Quellen: DB Research, Eurostat *D Gemischte Bilanz nach fünf Jahren EU-Osterweiterung 7. Mai 2009 15 Hierfür wird vor allem eine Steigerung der wissensintensiven Pro- duktion und Innovationskraft notwendig sein. Dies gilt besonders angesichts des extrem negativen demographischen Ausblicks in allen MOEL. 22 Bisher haben sich die MOEL und hier vor allem die MOEL-5 auf arbeitsintensive Branchen, geprägt von hoher Techno- logie- und mittlerer Wissensintensität, spezialisiert. Das war zum Erhalt oder Ausbau ihrer industriellen Basis notwendig. Allerdings wurde schon im letzten Boom das Reservoir an dafür hinreichend qualifizierten Arbeitskräften ausgeschöpft. Dieser Engpassfaktor aller MOEL zeigt, dass das Potenzial zur extensiven Reindustriali- sierung oder sogar weiteren Expansion entlang der aktuellen Pro- duktionsstruktur nahezu ausgeschöpft ist. Zudem wird es für die MOEL sogar schwer werden ihre aktuelle Wertschöpfungs- und Industrialisierungsposition in Zukunft zu halten. Denn hier stehen sie in starker Konkurrenz zu anderen aufstrebenden Volkswirtschaften innerhalb der EU oder außerhalb der EU mit möglicherweise lang- fristig günstigeren Produktionskostenstrukturen. Um dem Konkurrenzdruck standzuhalten, wäre eine Beibehaltung der aktuell niedrigen Steuerniveaus in den MOEL ein wichtiger Wettbewerbsvorteil innerhalb der EU. Die Bewahrung dieses Wett- bewerbsvorteils erscheint möglich, da die meisten MOEL in den kommenden Jahren in der Lage sein sollten ihre attraktiven Steuer- sätze beizubehalten. Allerdings sollte auch in den MOEL der Druck in Richtung Steueranhebungen nicht unterschätzt werden. Die letz- ten Boomjahre ermöglichten eine einnahmenbasierte fiskalische Konsolidierung. In den kommenden Jahren könnten neben Ausga- benkürzungen auch selektive Steuererhöhungen zur Stärkung der Steuerbasis nicht ausgeschlossen werden. Dies vor allem wenn in einigen MOEL kein weitere Reformierung der Kostenstrukturen für Gesundheit und Pflege gelingt. Keine rasche Deindustrialisierung Trotz Ausschöpfung des Potenzials für extensive Wachstumsstrate gien wäre die Sorge vor einer raschen Deindustrialisierung in den MOEL aber überzogen. Die gute infrastrukturelle Erschließung – zumindest in den industriellen Zentren – sowie die relativ geringen Transportkosten für westeuropäische Firmen und die relative Mo- dernität der im ADI-Boom entstandenen Produktionsanlagen werden die Region noch über Jahre als attraktiven Produktionsstandort im Rahmen europäischer Produktionsverbünde erhalten. Und langfris- tig kann eine weitere wirtschaftliche Entwicklung der MOEL auch ihre Attraktivität als Arbeits- und/oder Migrationsziel innerhalb und außerhalb der EU erhöhen, was dem negativen demographischen Trend entgegenwirken könnte. 22 Alle MOEL weisen sowohl im globalen Vergleich zu anderen aufstrebenden Volks- wirtschaften als auch im Vergleich zu den meisten EU-15 Ländern einen deutlich schlechteren demographischen Ausblick auf. Die Gesamtbevölkerung und vor al- lem das Erwerbspersonenpotenzial werden in allen MOEL langfristig merkbar schrumpfen. Siehe dazu Weltbank (2007). From Red to Gray: The "Third Transi- tion" of Aging Populations in Eastern Europe and the Former Soviet Union. New York. -0,8 -0,6 -0,4 -0,2 0 0,2 2010-2020 2020-2030 2040-2050 EE LT LV EU-15 Quelle: Vereinte Nationen **4!%/******** *a%**/* Bevölkerungswachstum, % gg. Vj. *B -0,8 -0,6 -0,4 -0,2 0 0,2 2010-2020 2020-2030 2040-2050 CZ HU PL SI SK EU-15 **4!%/******** *(*& *@ Bevölkerungswachstum, % gg. Vj. Quelle: Vereinte Nationen ?* 0 50 100 FI DE BE SI EU-27 CZ FR NL ES LV UK SK HU EE PT PL LT *****% ************ */*** a* ;F****a,** % der F&E Ausgaben (2004) Quelle: Eurostat ?* EU-Monitor 66 16 7. Mai 2009 Wachstumstreiber F&E und EU-Mittel Um weiter Wachstum zu generieren, werden in allen MOEL komple- xe institutionelle Verbesserungen stattfinden müssen, um die Pro- duktivität und Wertschöpfung im Land sowie die Innovationsfähigkeit zu erhöhen. Wobei wir die meisten MOEL für die Steigerung der Wertschöpfung, den Ausbau der wissensintensiven Produktion, die Stärkung wissensintensiver und produktionsnaher Dienstleistungen und die Erhöhung der Innovationskraft in Relation zu ihrer aktuellen Wirtschaftskraft als relativ gut positioniert sehen. Dies obgleich der- zeit noch keines der MOEL im europäischen Ranking des Innovati onsverhaltens (European Innovation Scoreboard, EIS) in den inno- vativsten Ländergruppen erscheint und sich die MOEL auch in Be- zug auf ihre F&E-Ausgaben in Relation zum BIP im Querschnitts- vergleich in der EU-27 eher im hinteren Mittelfeld oder am Ende der Skala befinden. 23 Denn trotz mäßigen Abschneiden im EIS und Rückstand in Bezug auf die F&E- und Bildungsausgaben sehen wir einige MOEL wegen ihrer soliden Position in den innovationsstimu- lierenden Bereichen Bildung und F&E als gut gerüstet an, um in Zukunft auf ein Entwicklungsmodell des intensiveren und qualitative- ren Wachstums umzuschalten. In Bezug auf Ausbildung und Qualifi- kation haben die MOEL bereits einige EU-15 Länder hinter sich gelassen. Im F&E Bereich sind zwei zentrale Aspekte hervorzuhe- ben: Erstens trägt der private Sektor in den MOEL substanziell zu den Gesamtausgaben für F&E bei und zweitens liegt die Beschäfti- gung im F&E Bereich als Anteil der Gesamtbeschäftigung schon heute nahe am EU-27 Durchschnitt. In der Slowakei, der Tschechi- schen Republik, Ungarn und Polen zählen die Hauptstadtregionen schon zu den Top-15 Regionen in der EU in Bezug auf den Beschäf- tigungsanteil des F&E-Personals. Gerade die Beteiligung des priva- ten Sektors an F&E Aktivitäten kann die Umsetzung von For- schungsergebnissen in absatzfähige Produkte erleichtern. Für die mittelfristige Perspektive der MOEL wird auch eine effizien- tere Ausnutzung der EU-Fördermittel unter dem derzeitigen Finanz- rahmen (2007-2013) von Relevanz sein. Denn die EU-Finanzmittel konzentrieren sich auf wichtige Bereiche wie Infrastruktur, Erneue- rung der Energieversorgung oder Bildung und Forschung. Durch eine effizientere Ausnutzung der EU-Mittel könnte damit die Quanti- tät und Qualität der Staatsausgaben – bei geringer Eigenbeteiligung – gesteigert werden. Damit könnten die MOEL bis 2015 einen jährli- chen Stimulus von 2-4% des BIP generieren. Mehr globale Orientierung nötig Die MOEL trotz ihrer starken Fokussierung auf die EU und vor al- lem die EU-15-Länder zunehmend auch ihre Chance auf Märkten außerhalb der EU suchen. Komparative Vorteile könnten Firmen aus den MOEL bei speziell für aufstrebende Volkswirtschaften passen- den Produkten haben. Zumal hier an traditionelle Wirtschaftsbezie- hungen aus der Zeit vor der 1989/1990er Wende angeknüpft wer- den könnte. So hat der Anlagen- und Maschinenbau aus den MOEL-5 viele Produkte in ehemals sozialistische Bruderländer ge- liefert und hier wird Ersatzbedarf notwendig werden. Eine zuneh- mende Orientierung über die EU hinaus wäre gerade für die MOEL von Bedeutung, aus denen heraus schon ADI getätigt werden. Zu- 23 Gemäß dem EIS werden nur Estland, die Tschechische Republik und Slowenien als ausstrebende Innovationsökonomien oder moderate Innovatoren klassifiziert. Lettland, Litauen, Polen, die Slowakei und Ungarn gehören in diesem Ranking zu der schwächsten Ländergruppe. 0,0 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 0,6 BG LV RO LT PL SK HU MT IT GR PT ES CZ SI EE CY EU-27 NL FR BE LU IE AT UK DK DE FI SE Quelle: Pro Inno Europe, Inno Metrics Innovation leaders Innovation followers Moderate innovators Catching-up countries ****A$ =a*/*** ****4a****4***a%*** ***D Summary Innovation Index 2008, European Innovation Scoreboard, normiert zwischen 0 und max. 1 ?* 0 20 40 60 80 100 120 140 EE LT LV CZ HU PL SI SK EU OECD EM *(*& **************** ,** a#******* *1* Bestand ADI im Ausland, % der ADI im Inland Quellen: Weltbank, DB Research ?? Gemischte Bilanz nach fünf Jahren EU-Osterweiterung 7. Mai 2009 17 Beitritt zur EWU als Wachstumsbeschleuniger… … bei hinreichender struktureller Vorbereitung mal fast alle MOEL bezüglich nach außen gerichteter ADI deutlichen Nachholbedarf haben. Obwohl wir die einfachen Wachstumsbeschleuniger der EU- Mitgliedschaft für die MOEL als weitgehend ausgereizt ansehen, verbleibt auch noch ein herausfordernder Wachstumsbeschleuniger: die Mitgliedschaft in der EWU. Die Mitglieder Slowenien und Slowa- kei können durch weitere stabilitätsorientierte Politiken von den po- sitiven Effekten ihrer Mitgliedschaft sowie einer Erweiterung der Eurozone um weitere MOEL profitieren. Alle Noch-Nicht-Mitglieder könnten von ihrer glaubwürdigen Annäherung an die Eurozone profi- tieren. Nach der nun folgenden Analyse der ökonomischen Position aller MOEL bezüglich der Dimensionen makroökonomische Stabili- tät, außerwirtschaftliche Tragfähigkeit und nachhaltige Einbindung in die europäische Arbeitsteilung werden wir uns dem Thema der Eu- roeinführung in den MOEL widmen. Gunter Deuber (+49 69 910-31718, gunter.deuber@db.com) *(*& ** G,**,%**/ Basisdaten (Durchschnitte 2004-2008) EE LT LV CZ HU PL SI SK Wachstumsrate des BIP, % 6,1 4,7 8,0 5,4 3,0 5,3 4,9 7,5 BIPpro Kopf in EUR, KKP 15.341 13.330 12.419 18.529 15.024 12.506 21.170 15.094 Arbeitslosenquote in % 7,1 7,4 8,0 7,2 7,1 15,1 5,9 14,8 Verbraucherpreisindex, % gg. Vj. 5,7 4,7 9,0 3,3 4,9 2,7 3,2 4,4 Budgetdefizit in % des BIP 1,3 -1,2 -0,9 -2,3 -6,5 -3,6 -1,2 -3,1 Leistungsbilanz in % des BIP -13,2 -10,3 -17,2 -2,8 -6,2 -3,6 -3,1 -6,8 Staatsverschuldung in % des BIP 4,3 17,8 12,0 29,5 64,0 46,1 26,0 33,5 Auslandsverschuldung in % des BIP 98,3 65,7 116,0 39,6 90,8 50,5 22,4 56,7 Internationale Wettbew erbsfähigkeit* EE LT LV CZ HU PL SI SK Effektiver Wechselkurs (1999=100), 2008 vs. 2004 17,6 14,0 26,0 33,6 16,7 24,9 4,0 43,5 Exporte in % des BIP 75,6 48,3 42,6 74,9 73,9 40,0 67,0 79,7 Exporte, % gg. Vj. 21,7 26,1 25,3 25,0 18,8 25,7 21,3 25,7 Arbeitsproduktivität (EU15=100) 55,1 51,5 45,0 63,8 65,8 57,8 75,9 64,9 Lohnstückkosten (2000=100), Prozentpunkte gg. Vj. 8,9 -2,8 17,8 0,4 4,1 1,9 -0,6 0,3 *= Durchschnitte der Jahre 2004-2008 (Ausnahme: Wechselkurs) Wissenschaft & Technologie EE LT LV CZ HU PL SI SK F&E Ausgaben in % des BIP, 2005 0,9 0,8 0,6 1,4 0,9 0,6 1,2 0,5 Anteil daran, der von Geschäftsunternehmen finanziert ist (in %), 2004 36 20 46 53 37 27 56 38 Anteil des F&E Personals in % der beschäftigten Personen, 2004 1,3 1,2 0,8 1,3 1,3 0,9 1,1 1,0 Öffentliche Bildungsausgaben (Tertiärer Bildungssektor) in % des BIP, 2004 0,9 1,1 0,7 1,0 1,0 1,2 1,4 1,0 Graduierte im tertiären Bildungssektor in % der 25-29 Jährigen, 2005 12,6 18,4 16,5 6,3 9,0 17,0 10,2 7,8 High-Tech Exporte in % der gesamten Exporte, 2005 10,3 3,2 3,2 11,7 19,7 3,2 4,3 6,4 Weltmarktanteil an High-Tech Exporten (in %), 2005 0,04 0,02 0,01 0,50 0,68 0,16 0,05 0,11 European Innovation Scoreboard (EIS) 2008, Summary Index, Rang in der EU-27 13 24 26 15 21 23 14 22 Quellen: Eurostat, DB Research ?* EU-Monitor 66 18 7. Mai 2009 1** *(*& ** 1**a*% Tschechische Republik (CZ) Der Tschechischen Republik gelang es im Rahmen der EU-Integ- ration ihren hohen Industrialisierungsgrad zu bewahren. Insofern ist es auch wenig verwunderlich, dass die Tschechische Republik schon in den 1990er Jahren ein Hauptzielland für ADI unter den MOEL war und heute den höchsten ADI-Bestand pro Kopf unter den MOEL aufweist. Begünstigt wurde der ADI- und Industrialisierungsboom schon vor dem EU-Beitritt auch durch ein sehr solides makroökonomisches Umfeld und Lohnsteigerungen im Einklang mit dem Produktivitäts- wachstum. Insofern zählt der makroökonomische Datenkranz in der Tschechischen Republik gemeinsam mit Slowenien zu den solides- ten unter den MOEL. Seit Mitte der 1990er Jahre sanken die Inflati- onsraten auf niedrige einstellige Niveaus, die Zentralbank konnte sich als unabhängiger und glaubwürdiger geldpolitischer Akteur etablieren. Seit dem EU-Beitritt sanken auch die Budgetdefizite auf Maastricht-kompatible Niveaus. Begünstigt durch das niedrige inländische Zinsniveau hat die Kredit- vergabe in Fremdwährung in der Tschechischen Republik keine Verbreitung gefunden. Zumal die Expansion der Finanzintermediati- on moderat war, dies auch seit dem EU-Beitritt. Von 2000 bis 2008 erhöhte sich der inländische Kreditbestand in % des BIP nur um 8 Prozentpunkte auf 58%. Durch die steigenden Exportkapazitäten und Handelsbilanzüberschüsse nach dem EU-Beitritt ist auch das Leistungsbilanzdefizit auf niedrigen und beherrschbaren einstelligen Niveaus in % des BIP geblieben. Gerade handelsseitig konnte das Land damit nach dem EU-Beitritt die Früchte der erfolgreichen wirt- schaftlichen Integration ernten. Heute ist die Tschechische Republik mit einem Anteil des EU-Intrahandels am Gesamthandel von 85% eine der am stärksten integrierten Volkswirtschaften innerhalb der EU. Obwohl es der Tschechischen Republik langfristig schwer fallen wird ihren Industrialisierungsgrad zu halten, sehen wir das Land als gut positioniert an, um in Zukunft die Wertschöpfung im Land zu erhö- hen und mit der soliden Industriebasis eng verbundene Wirtschafts- bereiche zu erschließen. Die Tschechische Republik ist mit Slowe- nien die innovativste der MOEL-Ökonomien mit einem hohen Anteil von Hochtechnologieexporten am Gesamtexport. Die F&E-Aus- gaben sowie die Beteiligung des privaten Sektors daran sind unter den höchsten in der Region. Im Lichte des soliden makroökonomischen Umfeldes ist es erstaun- lich, dass das an sich beitrittsfähige Land in den letzten Jahren kei- ne klare Euroeinführungsstrategie verfolgt hat. Der Absentismus war vorrangig durch Präferenzen seitens der Zentralbank und der Regie- rung zu Gunsten eines Erhalts der geldpolitischen Autonomie im Konvergenzprozess sowie die fundamentale Opposition des Präsi- denten zu erklären. Im Lichte des erreichten Wohlstandsniveaus und der vergangenen geld- und fiskalpolitischen Stabilitätsorien- **** 6***,*#**,*****/***H Tschechische Rep. 1999- 2003 2004- 2008 Effektiver Wechselkurs (1999=100)** 13,5 33,6 Exporte in % des BIP 61,2 74,9 Exporte, % gg. Vj. 11,3 25,0 Arbeitsproduktivität (EU15=100) 56,2 63,8 Lohnstückkosten (2000= 100), %-Punkte, gg. Vj. 8,5 0,4 *= Durchschnitte der Jahre 2004-2008 & 1999-2003 (Ausnahme: Wechselkurs). ** 2003 vs. 1999 & 2008 vs. 2004 Quellen: Eurostat, DB Research ?A 6*****a**%**** 5*** a*** Tschechische Rep. 1999- 2003 2004- 2008 BIP-Wachstum, % gg. Vj. 2,6 5,4 BIPpro Kopf in EUR, KKP 13.792 18.529 Arbeitslosenquote, % 8,1 7,2 Inflation, % gg. Vj. 2,5 3,3 Budgetdefizit, % BIP -5,3 -2,3 Leistungsbilanz, % BIP -4,9 -2,8 Staatsschulden, % BIP 23,7 29,5 Auslandsschulden, % BIP 37,0 39,6 Wechselkurs vs. EUR 34,3 28,0 Quellen: Eurostat, DB Research ?@ 0 10 20 30 40 FR GR UK PT ES NL BE DK IT CH AT SW PL DE HU FI SI SK KR CZ I*$ ;2**** * ** ***** *a**** ** ** ** * (*I1 Industrielle Wertschöpfung, % des BIP (2006) Quelle: OECD ?* Gemischte Bilanz nach fünf Jahren EU-Osterweiterung 7. Mai 2009 19 tierung wäre der Beitritt der Tschechischen Republik zur Eurozone – nach einem notwendigen Beitritt zum WKM II – „nur“ eine logische Konsequenz. Estland (EE) In den 1990er Jahren gehörte Estland zu den Reformstars unter den MOEL. Bezüglich seiner internationalen Handelsintegration liegt Estland heute gleichauf mit den am höchsten integrierten Volkswirt- schaften unter den MOEL-5. Durch die besondere Spezialisierung auf den Dienstleistungsbereich, oftmals Backoffice- und Serviceleis- tungen für internationale bzw. nordische Konzerne, weist Estland sogar den höchsten Anteil des Dienstleistungshandels in % des BIP unter allen MOEL aus. Der makroökonomische Datenkranz Estlands zeigt allerdings auch klar die Gratwanderung zwischen dynamischer Expansion und wirt- schaftlicher Überhitzung. Getrieben durch ein starkes Importwach- stum, v.a. von Konsumgütern, hat sich das Handelsbilanzdefizit im Güterhandel von -12% in 2002 auf bis zu -18% des BIP im Jahr 2007 ausgeweitet, während sich im gleichen Zeitraum der Über- schuss im Dienstleistungshandel von 10% des BIP auf 6% verringert hat. Im Zuge dieser negativen außenwirtschaftlichen Entwicklungen hat sich das Leistungsbilanzdefizit von -5,2% im Jahr 2001 auf über -18% in 2007 ausgeweitet. Trotz außenwirtschaftlicher Ungleichge- wichte ist es in Estland allerdings gelungen, die binnenwirtschaftli- che Überhitzung einigermaßen zu begrenzen. Dies geschah durch eine solide Fiskalpolitik mit Haushaltsüberschüssen in der Spanne von 0,5 % bis 3% des BIP zwischen 2002 und 2007. Aber selbst diese konservative Fiskalpolitik war offenbar nicht ausreichend rest- riktiv, da das hohe Kreditwachstum im privaten Sektor und für Kon- sumzwecke dem Abbau von wirtschaftlichen Ungleichgewichten entgegenwirkte. Von 2004 bis 2007 betrug das jährliche Kredit- wachstum zwischen 30-40% und vor dem EU-Beitritt waren die Ex- pansionsraten schon ähnlich hoch. Dadurch erhöhte sich der inlän- dische Kreditbestand von 34% des BIP im Jahre 2000 auf 98% im Jahre 2008, während das Gros der Expansion nicht durch inländi- sche Ersparnisse gedeckt war. Insofern ist auch die Auslandsver- schuldung von 2000 bis 2008 von 45% auf 108% des BIP deutlich angestiegen. Vor diesem Hintergrund der wirtschaftlichen Ungleichgewichte ist es wenig verwunderlich, dass das an sich beitrittswillige Land in den letzten Jahren weit von einer Erfüllung der Maastricht-Kriterien zur Euroeinführung entfernt war. In der nun anstehenden Phase der Korrektur der wirtschaftlichen Ungleichgewichte wird die prozykli- sche Wirkung des Currency Board zum Tragen kommen. Wobei trotz eines deutlichen Anstiegs des realen effektiven Wechselkurses und der Lohnstückkosten seit 2004 die notwendige Korrekturen makroökonomischer Natur noch moderater ausfallen sollten als in Lettland. Erstens scheint der effektive Wechselkurs aus langfristiger Perspektive weniger überbewertet als in den anderen baltischen Ländern und notwendige realwirtschaftliche Korrekturen haben in Estland deutlich früher eingesetzt. 24 Zudem gehört Estland zu den 24 Estland setzt den Wechselkurs bei Einführung des Currency Board bewusst unter Wert fest, um seine internationale Wettbewerbsfähigkeit zu bewahren. Siehe dazu Böllhof, Uta (2002). 10 Jahre Systemtransformation in den Baltischen Staaten. Freiburg. S. 125. Zudem wurde gleich der Euro bzw. die Deutsche Mark als Anker- währung gewählt. Die anderen baltischen Länder wählten lange einen Währungs- korb mit dem US-Dollar bzw. dem Währungskorb der Sonderziehungsrechte des IWF als Anker. Dadurch verzeichneten Lettland und Litauen in der Phase der Dol- **** ****** ************ Estland 1999- 2003 2004- 2008 Effektiver Wechselkurs (1999=100)** 7,3 17,6 Exporte in % des BIP 73,9 75,6 Exporte, % gg. Vj. 11,7 21,7 Arbeitsproduktivität (EU15=100) 43,1 55,1 Lohnstückkosten (2000= 100), %-Punkte, gg. Vj. -4,0 8,9 *= Durchschnitte der Jahre 2004-2008 & 1999-2003 (Ausnahme: Wechselkurs). ** 2003 vs. 1999 & 2008 vs. 2004 Quellen: Eurostat, DB Research ** ******a******* ****a*** Estland 1999- 2003 2004- 2008 BIP-Wachstum, % gg. Vj. 6,4 6,1 BIPpro Kopf in EUR, KKP 9.342 15.341 Arbeitslosenquote, % 11,4 7,1 Inflation, % gg. Vj. 3,6 5,7 Budgetdefizit, % BIP -0,4 1,3 Leistungsbilanz, % BIP -7,4 -13,2 Staatsschulden, % BIP 5,4 4,3 Auslandsschulden, % BIP 54,1 98,3 Wechselkurs vs. EUR 15,6 15,6 Quellen: Eurostat, DB Research ** -20 -15 -10 -5 0 5 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 Budgetdefizit Leistungsbilanz *** ********** ***** *** *******!* "***a*#****** Quellen: Eurostat, DB Research % des BIP *$ 0 1 2 3 4 EE LT LV 1990 1995 2004 2008 *** %** * *& 'a****(& *& *')* )***&****+ Die Skalierung reicht von 1 bis 4,0. Ein Wert von 4,0 steht für die erfolgreiche Transition zu einer voll funktionierenden freien Marktwirtschaft im Sinne der Indexkategorien. Quellen: EBRD, DB Research *, EU-Monitor 66 20 7. Mai 2009 innovativsten Ökonomien unter der MOEL und zu den innovativeren Ökonomien innerhalb der EU-27. Bei erfolgter Korrektur der wirt- schaftlichen Ungleichgewichte und angesichts seiner soliden fiskali- schen Position könnte Estland als Bereits-Mitglied im Wechselkurs- mechanismus (WKM II) als erster baltischer Staat die Eurozonen- reife erlangen. Ungarn (HU) Zusammen mit Slowenien hatte Ungarn die günstigste Ausgangspo- sition unter den MOEL zu Beginn der Transition. 25 Damit gehörte Ungarn lang zu den Wachstumsstars und den Hauptempfängerlän- dern von ADI unter den MOEL. 26 In der Periode 2004-2008 hat sich das Wirtschaftswachstum im Vergleich zur Vorperiode 1999-2003 allerdings deutlich abgeschwächt, eine klare Abkopplung vom Post- beitrittsboom in den anderen MOEL. Seit dem EU-Beitritt lag das Wirtschaftswachstum sogar nur noch geringfügig über dem in der EU-15. In Ungarn haben der öffentliche und private Sektor über Jahre über ihre Verhältnisse gelebt und dies vor und nach dem EU-Beitritt. Da- mit weist Ungarn heute sowohl den höchsten öffentlichen Schulden- stand unter den MOEL als auch die höchste externe Verschuldung unter den MOEL-5 auf. In der Periode 2000 bis 2008 hat Ungarn mit -6 % des BIP das im Schnitt höchste Budgetdefizit der MOEL aus- gewiesen. Die Extremwerte von -9,0 und -9,3% des BIP wurden in 2002 und 2006, Jahren mit Parlamentswahlen, erreicht. Von 2000 bis 2008 hat sich der inländische Kreditbestandes von 54% auf 81% des BIP erhöht. Damit weist Ungarn heute den höchsten Kreditbe- stand in % des BIP aller MOEL-5 auf und hat sowohl von 2000 bis 2004 als auch von 2004 bis 2008 gemeinsam mit Polen – allerdings von deutlich höheren Niveaus im Falle Ungarns – den höchsten Anstieg der Finanzintermediation unter den MOEL-5 verzeichnet. Da das Gros der Expansion nicht durch heimische Ersparnisse ge- deckt war, hat sich die externe Verschuldung Ungarns im gleichen Zeitraum von 63% des BIP massiv auf 106% des BIP bis 2008 er- höht. Durch das hohe Niveau schuldenfinanzierter öffentlicher und privater Ausgaben hat sich auch die Inflation seit dem EU-Beitritt nicht im niedrigen einstelligen Bereich stabilisieren können, während das Leistungsbilanzdefizit im hohen einstelligen Bereich in % des BIP verharrte. Das höchste Zinsniveau innerhalb der EU, resultie- rend aus dem hohen Refinanzierungsbedarf des Staates sowie der Notwendigkeit eine deutliche Risikoprämie zu bezahlen, hat zudem über Jahre die Aufnahme von Fremdwährungskrediten gefördert. Im Zuge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise war Ungarn dann das erste Land unter den MOEL, das sowohl Liquiditätshilfen der EZB als auch ein substanzielles Notkredit- und Stabilisierungsprog- ramm des IWF mit Beteiligung der EU im Umfang von 20 Mrd. Euro benötigte. Trotz aus Politikverfehlungen der Vergangenheit resultie- render struktureller Nachteile gegenüber den MOEL-5 (wie etwa eine niedrigere Erwerbsquote oder eine höhere Steuerlast) ist Un- garn immer noch erstaunlich gut positioniert, um sich wieder zu er- holen. Dies vor allem wegen seiner soliden Position in der interna- tionalen Wettbewerbsfähigkeit. Ungarn weist die dritthöchste Ar- 25 Friedländer, Michael (1988). More austerity and more reform announced in Hun- gary. In Gabrisch, Hubert (Hrsg.). Economic Reforms in Eastern Europe and the Soviet Union. S. 125-131. Westview Press. 26 Vor allem die größte rechtliche Sicherheit in Bezug auf Joint Ventures und ADI erlaubte Ungarn diese Performanz. Siehe dazu Pankov, Vladimir. Ökonomie der Reformländer. Service-Fachverlag. S.164-165. **** 6***,*#**,*****/***H Ungarn 1999- 2003 2004- 2008 Effektiver Wechselkurs (1999=100)** 17,0 16,7 Exporte in % des BIP 66,6 73,9 Exporte, % gg. Vj. 12,5 18,8 Arbeitsproduktivität (EU15=100) 59,8 65,8 Lohnstückkosten (2000= 100), %-Punkte, gg. Vj. 5,1 4,1 *= Durchschnitte der Jahre 2004-2008 & 1999-2003 (Ausnahme: Wechselkurs). ** 2003 vs. 1999 & 2008 vs. 2004 Quellen: Eurostat, DB Research *? 6*****a**%**** 5*** a*** Ungarn 1999- 2003 2004- 2008 BIP-Wachstum, % gg. Vj. 4,4 3,0 BIP pro Kopf in EUR, KKP 11.444 15.024 Arbeitslosenquote, % 6,1 7,1 Inflation, % gg. Vj. 7,8 4,9 Budgetdefizit, % BIP -5,7 -6,5 Leistungsbilanz, % BIP -7,4 -6,2 Staatsschulden, % BIP 56,2 64,0 Auslandsschulden, % BIP 63,1 90,8 Wechselkurs vs. EUR 253,5 254,1 Quellen: Eurostat, DB Research ** -12 -10 -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 Budgetdefizit, % des BIP Leistungsbilanz, % des BIP BIP-Wachstum, % gg. Vj. -*$ 7**#a*** 6a**** ,** 1****% *** ** Quellen: Eurostat, DB Research ** Gemischte Bilanz nach fünf Jahren EU-Osterweiterung 7. Mai 2009 21 beitsproduktivität aller MOEL-5 im Vergleich zur EU-15 auf, und der reale Wechselkurs des HUF ist in den letzten Jahren weniger stark angestiegen als in anderen MOEL. Auch die Lohnstückkosten sind seit 2004 nur moderat angestiegen. Ungarn weist den höchsten Exportanteil an Hochtechnologieprodukten der MOEL aus. Auch bezüglich einiger Indikatoren im Bereich Bildung und F&E kann Ungarn mit der Tschechischen Republik und Slowenien mithalten. Aufgrund des schwächsten makroökonomischen Datenkranzes aller MOEL-5 ist es wenig verwunderlich, dass Ungarn lange keines der Maastricht-Kriterien erfüllt hat. Die nun im Rahmen des IWF-Pro- gramms notwendigen Anpassungen zielen darauf ab, das Land näher an die Beitrittsreife zur Eurozone heranzuführen. Nach erfolg- reicher Absolvierung des IWF-Programms im kommenden Jahr könnte sich für 2015 eine Perspektive zur Euroeinführung eröffnen. Litauen (LT) Seit dem EU-Beitritt verzeichnete die größte der baltischen Volks- wirtschaften im Vergleich zu seinen Nachbarn nur moderate Zu- wachsraten. Allerdings war diese moderate Expansion weniger stark schuldenfinanziert als in Estland oder Lettland. Hintergrund dieser positiven Entwicklung war die im regionalen Vergleich der baltischen Staaten geringste – aber absolut gesehen immer noch hohe – Ex- pansion der Finanzintermediation. Der inländische Kreditbestand stieg „nur“ von 16% des BIP im Jahre 2000 auf 66 % im Jahre 2008 an. Obgleich das Gros der Expansion extern finanziert wurde, er- scheint das Niveau der Auslandsverschuldung Litauens mit 72% des BIP noch tragfähig. Zu der moderatesten Kreditexpansion im Haus- haltssektor unter den baltischen Staaten haben frühe Maßnahmen der Zentralbank, die Kreditexpansion durch einen Dialog mit dem Bankensektor zu begrenzen, sicher einen positiven Beitrag geleis- tet. Die Kehrseite der moderateren wirtschaftlichen Expansion in Litauen ist, dass das Land mit einem durchschnittlichen BIP-Wachs- tum von „nur“ 4,7 % über den Zeitraum 2004 bis 2008 ein deutlich langsameres BIP-Wachstum als alle MOEL-5 – mit Ausnahme von Ungarn – verzeichnete. Diese schwache Wachstumsbilanz – trotz niedrigem Ausgangsniveau – deutet auf tiefere strukturelle Schwä- chen hin. Das Land gehört über Jahre zu den Reformschlusslichtern unter den MOEL und weist trotz positivem allgemeinen Geschäfts- klima auch nach dem EU-Beitritt in Teilbereichen des öffentlichen Sektors institutionelle Schwächen auf. Damit konnte Litauen auch über Jahre keine substanziellen ADI anziehen. Der ADI-Bestand ist unter den geringsten in den MOEL. Damit ist noch heute der au- ßenwirtschaftliche Offenheitsgrad der litauischen Volkswirtschaft für solch eine kleine Ökonomie und besonders im Kontext der EU rela- tiv niedrig. 6*****a**%**** 5*** a*** Litauen 1999- 2003 2004- 2008 BIP-Wachstum, % gg. Vj. 7,9 4,7 BIP pro Kopf in EUR, KKP 8.356 13.330 Arbeitslosenquote, % 14,5 7,4 Inflation, % gg. Vj. 0,5 4,7 Budgetdefizit, % BIP -2,3 -1,2 Leistungsbilanz, % BIP -6,0 -10,3 Staatsschulden, % BIP 22,0 17,8 Auslandsschulden, % BIP 42,0 65,7 Wechselkurs vs. EUR 3,5 3,5 Quellen: Eurostat, DB Research ** 0 20 40 60 80 100 120 00 02 04 06 08 EE LV LT &<$ ** **a**** 5** *** *E*a**** ** *a%**/* Inländischer Kreditbestand, % des BIP Quellen: IWF, DB Research *A 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 95 97 99 01 03 05 07 ADI, % aller ADI in die MOEL BIP-Gewicht unter den MOEL, % -*$ <***** ;a%% * *1** 7*** ******** Quellen: EBRD, DB Research *@ EU-Monitor 66 22 7. Mai 2009 In der nun anstehenden Phase der Korrektur der wirtschaftlichen Ungleichgewichte wird Litauen mit der prozyklischen Wirkung des Currency Board zu kämpfen haben. Aufgrund der im regionalen Vergleich noch moderateren gesamtwirtschaftlichen Expansion in den letzten Jahren sollten die Korrekturen makroökonomischer Art geringer ausfallen als bei den baltischen Nachbarn. Zudem hat sich die internationale Wettbewerbsfähigkeit Litauens durch einen leich- ten Rückgang bei den Lohnstückkosten seit dem EU-Beitritt sogar etwas verbessert. Dennoch ist Litauen strukturell schlechter positio- niert als die führenden MOEL, um rasch auf einen tragfähigen Ex- pansionspfad zurückzukehren. Das Produktivitätsniveau ist neben Lettland das niedrigste unter allen MOEL. Zudem gehört Litauen zu den Innovationsschlusslichtern unter den MOEL. Angesichts der strukturellen Schwächen und wirtschaftlichen Ungleichgewichte wird klar, dass Litauen trotz Beitrittswilligkeit bis dato nicht der Eurozone beitreten konnte und weit von einer (nachhaltigen) Erfüllung der Maastricht-Kriterien entfernt war. Nach Korrektur der wirtschaftlichen Ungleichgewichte könnte der Beitritt des Bereits-Mitgliedes im WKM II dann recht rasch ab 2012 erfolgen. Lettland (LV) Seit dem EU-Beitritt schickte sich Lettland an, alle MOEL – kurzfris- tig – zu überholen. Die höchste Wachstumsrate unter allen MOEL und innerhalb der EU wurde in Lettland erzielt. Damit ist der makro- ökonomische Datenkranz Lettlands allerdings klar von Anzeichen einer wirtschaftlichen Überhitzung gekennzeichnet. Im Zuge der Wachstumsdynamik seit dem EU-Beitritt erhöhte sich die Auslands- verschuldung Lettlands bis 2008 von 61% auf 139% des BIP. Ge- trieben war diese Expansion von einer drastischen Erhöhung des Grades der Finanzintermediation. Der inländische Kreditbestand in Relation zum BIP erhöhte sich von 2000 bis 2008 von 23% auf 89%. Dieser höchsten Expansion unter allen MOEL entsprachen Kredit- wachstumsraten von 30-60% p.a. seit dem Jahr 2000, die sich seit dem EU-Beitritt nochmals beschleunigten. Angesichts des Haus- haltskreditbooms haben auch das konsum- und importgetriebene Handelsbilanz- und Leistungsbilanzdefizit sowie die Inflationsraten schwindelerregende Höhen erreicht. Unterstützt wurde die wirt- schaftliche Überhitzung durch eine prozyklische Fiskalpolitik. Es konnten keine Budgetüberschüsse erzielt werden; nur 2007 wurde eine schwarze Null erreicht. Alles in allem wurden in Lettland sowohl in Bezug auf die externe Verschuldung des privaten Sektors als auch die außenwirtschaftli- che Position im globalen Kapitalmarktumfeld der letzten Jahre Un- gleichgewichte aufgebaut, die nicht mehr beherrschbar waren. Inso- fern benötigte das Land dann ein substanzielles internationales Stabilisierungsprogramm. Der IWF, die EU und bilaterale Förderer aus den nordischen Staaten und den MOEL schnürten ein massives Hilfsprogramm von 7,5 Mrd. EUR, was etwa 30% des BIP Lettlands entspricht. 27 Damit wird klar, dass Lettland eine harte makroökono- mische Gesundschrumpfungskur vor sich hat, um die Ungleichge- wichte zu korrigieren und wieder an internationaler Wettbewerbsfä- higkeit zu gewinnen. Hohe Inflationsraten und hohe Lohnsteigerun- gen haben im Zeitraum 2004 bis 2008 dazu geführt, dass Lettland den mit Abstand höchsten Anstieg der Lohnstückkosten aller MOEL verbuchen musste, während die Produktivität in Relation zur EU-15 die geringste aller MOEL ist. Zudem gehört Lettland zu den Innova- 27 Zum Vergleich: Das für Ungarn geschnürte Hilfsprogramm beläuft sich auf etwa 17% des BIP des Landes und das für Island auf etwa 30% des BIP. **** 6***,*#**,*****/***H Litauen 1999- 2003 2004- 2008 Effektiver Wechselkurs (1999=100)** 13,4 14,0 Exporte in % des BIP 36,9 48,3 Exporte, % gg. Vj. 16,3 26,1 Arbeitsproduktivität (EU15=100) 40,8 51,5 Lohnstückkosten (2000= 100), %-Punkte, gg. Vj. -7,5 -2,8 *= Durchschnitte der Jahre 2004-2008 & 1999-2003 (Ausnahme: Wechselkurs). ** 2003 vs. 1999 & 2008 vs. 2004 Quellen: Eurostat, DB Research *D 6*****a**%**** 5*** a*** Lettland 1999- 2003 2004- 2008 BIP-Wachstum, % gg. Vj. 6,4 8,0 BIP pro Kopf in EUR, KKP 7.696 12.419 Arbeitslosenquote, % 12,7 8,0 Inflation, % gg. Vj. 2,5 9,0 Budgetdefizit, % BIP -2,5 -0,9 Leistungsbilanz, % BIP -7,2 -17,2 Staatsschulden, % BIP 13,4 12,0 Auslandsschulden, % BIP 66,3 116,0 Wechselkurs vs. EUR 0,6 0,7 Quellen: Eurostat, DB Research *B -25 -20 -15 -10 -5 0 5 10 15 20 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 Inflation, % gg. Vj. Leistungsbilanz, % des BIP BIP-Wachstum, % gg. Vj. &C$ **** F ** Quellen: Eurostat, DB Research @* Gemischte Bilanz nach fünf Jahren EU-Osterweiterung 7. Mai 2009 23 tionsschlusslichtern in der EU-27 und unter den MOEL. Damit wird es Lettland im Vergleich zu seinen baltischen Nachbarn auch deut- lich schwieriger haben, rasch auf einen tragfähigen Expansionspfad zurückzukehren. Vor dem Hintergrund der strukturellen Schwächen und wirtschaftlichen Ungleichgewichte wird klar, dass Lettland in den letzten Jahren weit davon entfernt war, den Euro einführen zu können. Nach einer notwendigen Korrektur der wirtschaftlichen Un- gleichgewichte – bei Bewahrung der Wechselkursstabilität – sowie nach Absolvierung des laufenden IWF Programmes besäße Lettland dann eine Perspektive zur Euroeinführung. 28 Polen (PL) Aufgrund der radikalsten Reformen in Richtung Marktwirtschaft un- ter den MOEL gehörte Polen von Anfang an zu den bevorzugten ADI-Destinationen der Region. 29 Insgesamt gehört der makroöko- nomische Datenkranz Polens neben dem der Tschechischen Re- publik und Sloweniens zu den solidesten der MOEL. Seit dem Jahr 2000 haben sich die Inflationsraten im niedrigen einstelligen Bereich stabilisiert. Die Zentralbank konnte sich als unabhängiger und glaubwürdiger geldpolitischer Akteur etablieren. Nach dem EU- Beitritt sanken auch die Budgetdefizite und waren in den letzten Jahren mit den Maastricht-Kriterien kompatibel. Damit hat sich auch der öffentliche Schuldenstand bei moderaten 45% des BIP stabili- siert. Im soliden makroökonomischen Umfeld hat sich in Polen der Grad der Finanzintermediation in den letzten Jahren deutlich erhöht. Die Expansion war – wenn auch von niedrigeren Niveaus aus – ähnlich stark wie in Ungarn. Das inländische Kreditvolumen stieg von 2000 bis 2008 von 34% auf 60% des BIP. Die Expansion konnte nicht jederzeit über lokale Ersparnisse finanziert werden. Insofern hat sich die Auslandsverschuldung in Polen in den letzten Jahren von 40% auf 53% des BIP erhöht. Getrieben durch die aufgrund der binnen- wirtschaftlichen Dynamik der letzten Jahre verfolgte Hochzinspolitik, verbreitete sich auch die Kreditvergabe in Fremdwährung. Polen erlebte sogar bis weit ins Jahr 2008 hinein noch ein starkes Kredit- wachstum und war im letzten Jahr das MOEL mit dem höchsten Anstieg des Grades der Finanzintermediation. Der inländische Kre- ditbestand in % des BIP erhöhte sich allein in 2008 um 14 Prozent- punkte. Polen wurde erst sehr spät von der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise und der deutlichen Abschwächung der europä- ischen Konjunktur erfasst. 28 Im Zuge des IWF-geführten Stabilisierungsprogrammes für Lettland wurde vor allem vom IWF die Option einer Abwertung bzw. eines Bruchs des Festkursregi- mes in Betracht gezogen. Nach einer Abwertung der Landeswährung hätte Lett- land dann nach Vorschlägen des IWF rasch in die Eurozone aufgenommen wer- den sollen. Siehe dazu IWF (2009). Country Report No. 09/3, Republic of Latvia: Request for Stand-By Arrangement – Staff Report, S. 26-27. Sowohl Lettland sel- ber als auch die EU-Institutionen lehnen indes solch ein Vorgehen ab. Lettland lehnte aus opportunistischen Überlegungen ab und die EU befürchtete die Schaf- fung eines Präzedenzfalles mit dem Potenzial der Schaffung moralischer Risiken im Falle anderer beitrittswilliger MOEL. 29 Balcerowicz, Leszek, Barbara Blaszczyk und Marek Dabrowski. The Polish Way to the Market Economy 1989-1995. In Jeffrey D. Sachs (Hrsg.), Economies in Transi- tion, Comparing Asia and Eastern Europe. S. 131-160. MIT Press **** 6***,*#**,*****/***H Lettland 1999- 2003 2004- 2008 Effektiver Wechselkurs (1999=100)** -7,2 26,0 Exporte in % des BIP 38,3 42,6 Exporte, % gg. Vj. 9,0 25,3 Arbeitsproduktivität (EU15=100) 36,7 45,0 Lohnstückkosten (2000= 100), %-Punkte, gg. Vj. -13,1 17,8 Quellen: Eurostat, DB Research *= Durchschnitte der Jahre 2004-2008 & 1999-2003 (Ausnahme: Wechselkurs). ** 2003 vs. 1999 & 2008 vs. 2004 @* 6*****a**%**** 5*** a*** Polen 1999- 2003 2004- 2008 BIP-Wachstum, % gg. Vj. 3,1 5,3 BIP pro Kopf in EUR, KKP 9.436 12.506 Arbeitslosenquote, % 17,5 15,1 Inflation, % gg. Vj. 5,1 2,7 Budgetdefizit, % BIP -3,9 -3,6 Leistungsbilanz, % BIP -4,4 -3,6 Staatsschulden, % BIP 40,7 46,1 Auslandsschulden, % BIP 41,9 50,5 Wechselkurs vs. EUR 4,1 3,9 Quellen: Eurostat, DB Research @* -10 -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 8 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 Budgetdefizit, % des BIP Leistungsbilanz, % des BIP BIP-Wachstum, % gg. Vj. Quellen: Eurostat, DB Research 0&$ 7*a*/* 6a**** ,* ***D @? EU-Monitor 66 24 7. Mai 2009 In Hinblick auf das solide makroökonomische Umfeld ist es wenig erstaunlich, dass in Polen die Bestrebungen, der Eurozone beizutre- ten, im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise merkbar zugenom- men haben. Dies gilt insbesondere, weil die starke Zloty-Abwertung zum Euro (etwa 40% seit den Höchstständen im Sommer 2008) einen Beitritt zum WKM II attraktiv erscheinen lässt und es seit 2007 wieder eine klare politische Präferenz in Bezug auf die Stärkung der Rolle Polens in Europa gibt. Im Lichte der geld- und fiskalpolitischen Stabilitätsorientierung der letzten Jahre wäre der Beitritt Polens zur Eurozone – nach einem notwendigen Beitritt zum WKM II – schlüs- sig und möglich. Allerdings gilt im Falle Polens zu berücksichtigen, dass das aktuelle Niveau der wirtschaftlichen Entwicklung (etwa das Wohlstands- und Preisniveau) deutlich unter dem Schnitt der Euro- zone liegt. Polen wäre bei einer raschen Euroeinführung damit das Eurozonen-Mitglied mit dem bisher niedrigsten Wohlstands- und Preisniveau zum Beitrittszeitpunkt. In Bezug auf die langfristigen wirtschaftlichen Perspektiven der pol- nischen Volkswirtschaft unter den MOEL ergibt sich ein gemischtes Bild. Die absolute Marktgröße macht das Land für Investoren, die den Heimatmarkt bedienen wollen, sehr interessant. Allerdings weist Polen die geringste Produktivität der MOEL-5 in Relation zu den EU-15 auf. Die Lohnstückkosten sind in den letzten Jahren zwar nur moderat gestiegen, allerdings doch stärker als in der Tschechischen Republik, der Slowakei oder Slowenien. Zudem gehört Polen zu den Innovationsschlusslichtern der EU-27 und unter den MOEL. Die F&E-Ausgaben sind gering und das F&E-Engagement des privaten Sektors ist unterdurchschnittlich. Slowenien (SI) Slowenien beweist, dass es keine „Blaupause“ im Transitionspro- zess der MOEL gibt. In Bezug auf marktwirtschaftliche Reformen hat Slowenien über Jahre einen Weg des Gradualismus beschritten. Damit ist Slowenien im aggregierten Reformindex der EBRD heute unter den MOEL das Land mit dem geringsten Wert in diesem Index der marktwirtschaftlichen Reformierung. Das hohe Wohlstands- niveau zu Beginn der Transition, die glaubwürdige EU-Perspektive sowie der frühe Zugang zum EU-Binnenmarkt ermöglichten es dem kleinen Land, solch eine gradualistische Reformierung ohne sub- stanzielle Auslandsbeteiligungen zu verfolgen. Damit hat Slowenien über Jahre relativ wenig ADI angezogen und ist heute im ADI- Bestand in der Region deutlich unterrepräsentiert. Begünstigt wurde die sanfte Transition in Slowenien durch eine ho- he makroökonomische Stabilität. Das Land weist seit Mitte der 1990er Jahre den mit Abstand solidesten wirtschaftlichen Daten- kranz unter den MOEL auf. Trotz eines deutlichen, aber noch mode- raten Wachstumsdifferentials zur EU-15 haben sich die Inflationsra- ten im sehr niedrigen einstelligen Bereich stabilisiert. Die Budgetde- fizite gingen schon vor dem EU-Beitritt deutlich zurück und der öf- fentliche Schuldenstand stabilisierte sich auf sehr niedrigem Niveau im Vergleich zu den EU-15 Ländern und den MOEL-5. Auf solidem Wachstumspfad erlebte Slowenien auch eine deutliche Expansion des Grades der Finanzintermediation und damit einen starke Ex- pansion der Binnennachfrage. Der inländische Kreditbestand **** 6***,*#**,*****/***H Polen 1999- 2003 2004- 2008 Effektiver Wechselkurs (1999=100)** -3,4 24,9 Exporte in % des BIP 27,8 40,0 Exporte, % gg. Vj. 11,6 25,7 Arbeitsproduktivität (EU15=100) 47,7 57,8 Lohnstückkosten (2000= 100), %-Punkte, gg. Vj. -7,6 1,9 *= Durchschnitte der Jahre 2004-2008 & 1999-2003 (Ausnahme: Wechselkurs). ** 2003 vs. 1999 & 2008 vs. 2004 Quellen: Eurostat, DB Research @@ 6*****a**%**** 5*** a*** Slow enien 1999- 2003 2004- 2008 BIP-Wachstum, % gg. Vj. 3,8 4,9 BIP pro Kopf in EUR, KKP 15.838 21.170 Arbeitslosenquote, % 6,6 5,9 Inflation, % gg. Vj. 7,4 3,2 Budgetdefizit, % BIP -3,2 -1,2 Leistungsbilanz, % BIP -1,1 -3,1 Staatsschulden, % BIP 27,2 26,0 Auslandsschulden, % BIP 17,5 22,4 Wechselkurs vs. EUR 219,1 144,2 Quellen: Eurostat, DB Research @* -20 -10 0 10 20 30 40 50 00 01 02 03 04 05 06 07 08 CZ HU PL SI SK 0&$ -*** 5** **#a**** a** ** ***D Kreditwachstum, % gg. Vj Quellen: IWF, DB Research @* Gemischte Bilanz nach fünf Jahren EU-Osterweiterung 7. Mai 2009 25 in % des BIP erhöhte sich von 2000 bis 2008 von 43% auf 66% des BIP. Damit liegt der Grad der Finanzintermediation in der wirtschaft- lich stärksten Volkswirtschaft unter den MOEL heute immer noch deutlich unter dem Niveau in den baltischen Ländern oder Ungarn. Die rasche und planmäßige Euroeinführung in 2007 hat zudem die mit der Aufnahme von externen Schulden einhergehenden Risiken minimiert. Angesichts der soliden wirtschaftlichen Entwicklung Slo- weniens und der hohen wirtschaftlichen Verflechtung mit den Volks- wirtschaften der Eurozone wird auch klar, dass die rasche Euroein- führung ein logischer Schritt war. Im Zuge der Finanz- und Wirt- schaftskrise hat das kleine Land erheblich von der Mitgliedschaft im großen Hartwährungsblock profitiert. In Bezug auf seine zukünftige wirtschaftliche Entwicklung sehen wir Slowenien mittelfristig und strukturell als gut positioniert an. Die slowenische Volkswirtschaft gehört zu den innovativeren der EU-27 und ist die innovativste Volkswirtschaft unter den MOEL. Der Anteil der Hochtechnologieexporte an den Gesamtexporten ist hoch. Dies liegt sicher auch daran, dass der private Sektor substanziell zu den F&E-Ausgaben beiträgt. Allerdings wird Slowenien langfristig am stärksten unter dem negativen demographischen Trend in den MOEL leiden. Das Land müsste gemäß derzeitigen Projektionen langfristig deutlich höhere Pensionskosten als die EU-15-Länder schultern und wird diesbezüglich substanzielle Anstrengungen un- ternehmen müssen, um seine derzeitige wirtschaftliche Position zu bewahren. Slowakei (SK) Die Slowakei ist der Spätentwickler unter den MOEL-5, hat aber dann im EU-Beitrittsprozess deutlich aufgeholt. Das Interesse aus- ländischer Investoren an dem Land war bis Ende der 1990er Jahre, bedingt durch die politische Isolation des Landes, eher gering. Die Slowakei war in Relation zu ihrem wirtschaftlichen Gewicht deutlich unterrepräsentiert in den ADI-Strömen in die Region. Noch rechtzei- tig, um zur 2004er EU-Erweiterung zu gehören und das vorhandene Wirtschaftspotential zu nutzen, hat die Slowakei dann seit 2000 einen drastischen Reformkurs eingeleitet. Seitdem hat die Slowakei beträchtliche Summen an ADI angezogen und war damit in Bezug auf ihr wirtschaftliches Gewicht deutlich überrepräsentiert in den ADI-Strömen in die MOEL. In einzelnen Jahren hat das Land etwa so viel oder mehr ADI angezogen wie das deutlich größere Polen. Heute ist die Slowakei mit einem Anteil des EU-Intrahandels am Gesamthandel von 87% die am stärksten in die EU integrierte Volkswirtschaft der MOEL. Der makroökonomische Datenkranz der Slowakei reflektiert die be- achtliche Aufholjagd. In der Periode 2004-2008 erlebte die Slowakei in Bezug auf das durchschnittliche BIP-Wachstum den stärksten Postbeitrittsboom unter den MOEL-5. Allerdings lag die Expansion gemäß der Konvergenzanalyse der EZB weniger deutlich über Po- tenzial als etwa im Baltikum, und die Slowakei konnte über Jahre ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit bewahren. Selbst in der Boomphase von 2004 bis 2008 war in der Slowakei nur ein geringer Anstieg der Lohnstückkosten zu verzeichnen. Zudem weist die Slo- wakei unter den MOEL mit die höchste Produktivität auf. Angesichts der erst spät eingeschlagenen Reformdynamik, der recht spät erfolgten makroökonomischen Stabilisierung und der dann großen Aufholjagd wird auch klar, dass der Slowakei eine Punktlandung in Bezug auf die Maastricht-Kriterien gelungen ist. Im Zuge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise hat das Land dann Int. Wettbewerbsfähigkeit* Slow enien 1999- 2003 2004- 2008 Effektiver Wechselkurs (1999=100)** 1,9 4,0 Exporte in % des BIP 54,0 67,0 Exporte, % gg. Vj. 7,6 21,3 Arbeitsproduktivität (EU15=100) 68,6 75,9 Lohnstückkosten (2000= 100), %-Punkte, gg. Vj. 0,4 -0,6 *= Durchschnitte der Jahre 2004-2008 & 1999-2003 (Ausnahme: Wechselkurs). ** 2003 vs. 1999 & 2008 vs. 2004 Quellen: Eurostat, DB Research 58 0 1 2 3 4 CZ HU PL SI SK 1990 1995 2004 2008 SI: Hinter allen MOEL-5 im Die Skalierung reicht von 1 bis 4,0. Ein Wert von 4,0 steht für die erfolgreiche Transition zu einer voll funktionierenden freien Marktwirtschaft im Sinne der Indexkategorien. Quellen: EBRD, DB Research EBRD Reformindex 57 Wirtschaftliche Kerndaten Slow akei 1999- 2003 2004- 2008 BIP-Wachstum, % gg. Vj. 2,9 7,5 BIP pro Kopf in EUR, KKP 10.294 15.094 Arbeitslosenquote, % 18,2 14,8 Inflation, % gg. Vj. 8,3 4,4 Budgetdefizit, % BIP -7,1 -3,1 Leistungsbilanz, % BIP -4,5 -6,8 Staatsschulden, % BIP 46,6 33,5 Auslandsschulden, % BIP 53,4 56,7 Wechselkurs vs. EUR 42,4 35,0 Quellen: Eurostat, DB Research 59 EU-Monitor 66 26 7. Mai 2009 erheblich von seiner seit Mitte 2008 gesicherten Position im Hart- währungsblock bzw. dann der Mitgliedschaft seit Januar 2009 profi- tiert. Trotz der beachtlichen Leistungen der vergangenen Jahre sind die Herausforderungen für die kommenden Jahre indes nicht kleiner geworden. Die deutlichen Anstiege des realen effektiven Wechsel- kurses in den letzten Jahren verlangen nun als Eurozonenmitglied eine sehr solide Lohn- und Fiskalpolitik, um das hohe Industrialisie- rungsniveau zu halten und das Leistungsbilanzdefizit zu begrenzen. Zudem hat das Land im Vergleich zu den führenden MOEL Tsche- chische Republik und Slowenien noch deutlichen Aufholbedarf in Bezug auf Indikatoren im Bereich F&E und Innovationsfähigkeit. Gunter Deuber (+49 69 910-31718, gunter.deuber@db.com) Einführung des Euro in den MOEL Am deutlichsten zeigen sich die Folgen der Wirtschafts- und Finanz- krise bei der Frage des Beitritts zur Europäischen Währungsunion (EWU). Die ursprünglich hohe Beitrittswilligkeit aller MOEL zur EWU ist mit der Wirtschafts- und Finanzkrise wieder zurückgekehrt. Schon im Zuge des EU-Beitrittsprozess legten alle MOEL zeitlich ambitionierte Ziele für die Einführung des Euro fest. Der Ehrgeiz schwand jedoch bei den meisten während des Transformationspro- zesses, als sich herausstellte, wie schwierig die Maastricht-Kriterien zu erfüllen waren. Allerdings zeigte sich auch eine gewisse politi- sche Lässigkeit mancher MOEL im Umgang mit den EU-vertrag- lichen Pflichten, wonach alle EU-Mitgliedsländer eine nachhaltige Stabilitätspolitik zur Erfüllung der Maastricht-Kriterien und damit zur Einführung des Euro betreiben müssen. 30 So kann es nicht überra- schen, dass noch im vergangenen Jahr laut Eurobarometer 65% der Bevölkerung in den MOEL der Überzeugung waren, sie könnten sich frei entscheiden, ob sie der EWU beitreten wollten oder nicht. 31 Die Zurückhaltung in Bezug auf den EWU-Beitritt in einigen an sich beitrittsfähigen MOEL ist aus ökonomischer Perspektive verwunder- lich. Denn wegen ihrer hohen Integration in den EU-Binnenmarkt hätte eine EWU-Mitgliedschaft aller MOEL prinzipiell positive öko- nomische Effekte. Die Eurozone ist für die meisten MOEL der mit Abstand größte Handelspartner, während einige MOEL zudem noch starke Handelsverbindungen zueinander haben. 32 Neben handels- schaffenden und transaktionskostensenkenden Aspekten sollten auch Aspekte der Wettbewerbsfähigkeit, resultierend aus einem Fernbleiben aus der EWU, nicht unterschätzt werden. Vor allem der Druck aus dem Unternehmenssektor in Richtung rasche Euroeinfüh- rung (etwa über die Standortpolitik bzw. die Eröffnung von Produkti- onsstätten in den MOEL in der Eurozone) könnte sich erhöhen, falls in den kommenden Jahren nur einzelne MOEL der EWU beitreten 30 Nur Großbritannien und Dänemark haben vertraglich ausgehandelte Opt-in Klau- seln, die sie von der Verpflichtung zum EWU-Beitritt entbinden. 31 Introduction of the euro in the new Member States, Eurobarometer 2008. 32 Nach einem möglichen Beitritt Schwedens zur EWU wäre die Eurozone auch im Baltikum überall der wichtigste Handelspartner. der EU-Erweiterung 2004 Estland 2007 Litauen 2007 Lettland 2007 Tschechische Rep. 2009/2010 Ungarn 2008 Polen 2007/2008 Slow enien 2007 Slow akei 2008/2009 Euroeinführungsziele bei Quellen: Historische Dokumente nationaler Zentralbanken, DB Research 62 Int. Wettbewerbsfähigkeit* Slow akei 1999- 2003 2004- 2008 Effektiver Wechselkurs (1999=100)** 26,3 43,5 Exporte in % des BIP 68,8 79,7 Exporte, % gg. Vj. 18,7 25,7 Arbeitsproduktivität (EU15=100) 53,4 64,9 Lohnstückkosten (2000= 100), %-Punkte, gg. Vj. -2,8 0,3 *= Durchschnitte der Jahre 2004-2008 & 1999-2003 (Ausnahme: Wechselkurs). ** 2003 vs. 1999 & 2008 vs. 2004 Quellen: Eurostat, DB Research 61 0 5 10 15 20 25 95 97 99 01 03 05 07 ADI, % aller ADI in die MOEL BIP-Gewicht unter den MOEL, % SK: Reformstar seit 2000 durch ADI "belohnt" Quellen: EBRD, DB Research 60 Gemischte Bilanz nach fünf Jahren EU-Osterweiterung 7. Mai 2009 27 und andere nicht. Außerdem ist der Euro de facto bereits in den meisten MOEL in weiter Verwendung und viele Haushalte erwarten offenbar eine rasche Euroeinführung. Trotz Krise: Kein „Run“ in die EWU Während es bisher eher darum ging, die MOEL (mit Ausnahme von Slowenien und der Slowakei, die der EWU bereits angehören) von der Einführung des Euro zu überzeugen, geht es im Gefolge der Wirtschafts- und Währungskrise nun eher darum, einen wirtschaft- lich nicht ausreichend vorbereiteten „Run“ in die EWU zu verhin- dern. Angesichts der Wirtschafts- und Währungskrise hat sich die bereits seit einiger Zeit kontrovers geführte Debatte zugespitzt, ob die Aufnahme der neuen EU-Länder in die EWU eine Modifikation der Konvergenzkriterien hinsichtlich niedriger Inflationsraten, Zins- konvergenz, Budgetdisziplin und Wechselkursstabilität erlaubt oder sogar erforderlich macht. Zwar ist aus politischen Gründen eine Gleichbehandlung der Kandidatenländer geboten, aber sollte es im Licht der Erfahrungen aus zehn Jahren Euro Verbesserungsbedarf geben, sollte dies auch offen diskutiert werden. Im Mittelpunkt stehen dabei das Inflations- und das Wechselkurskri- terium. Hinsichtlich des Inflationskriteriums wird berechtigterweise argumentiert, dass für seine relative Definition die drei EU-Länder mit der niedrigsten Inflationsrate noch nicht einmal der EWU ange- hören müssen und der Schnitt der drei besten heute systematisch niedriger ausfällt als noch vor zehn Jahren. Überlegenswert wäre es daher, mit der EZB-Definition für Preisstabilität auf den etablierten Maßstab der Eurozone zurückzugreifen. 33 Damit der Referenzwert noch mit Preisstabilität vereinbar ist, könnte man die Benchmark als knapp 2% plus einer Marge von einem Prozentpunkt definieren. Eine mögliche politische Einigung dazu sollte allerdings nicht in formale vertragliche Änderungen münden, da diese erst wieder rati- fiziert werden müssten, sondern in anderer Form geschehen. Hin- sichtlich des Wechselkurskriteriums, das eine zweijährige reibungs- lose Teilnahme am Wechselkursmechanismus II (WKM II) vorsieht, wird von manchen gefordert, diese Periode – gerade mit Blick auf die Finanzkrise – einzuschränken, also ein „Abkürzung“ in die EWU zu ermöglichen. Die Teilnahme am WKM II soll u.a. widerspiegeln, ob die EWU-Kandidaten unterschiedliche Produktivitätsentwicklun- gen auch ohne Abwertungen abfedern können und eine insgesamt auf Stabilität ausgerichtete Politik betreiben. Klar über die Diskussion zur Modifizierung der Maastricht-Kriterien hinaus gehen jüngste Überlegungen des IWF. Nach Zeitungsberich- ten 34 schlägt er vor, dass die MOEL ihre Währungen zugunsten des Euro aufgeben. Mit dieser einseitigen Euroisierung wären sie aber nicht, wie die 16 offiziellen Mitglieder der EWU, in den Organen der EZB vertreten und an geldpolitischen Entscheidungen beteiligt. Ne- ben offenen technischen Fragen der Euroisierung, z.B. mit welchem Wechselkurs zum Euro die Umstellung der nationalen Währungen erfolgen soll, werden damit institutionelle Aspekte unzureichend berücksichtigt. Es ist nur schwer vorstellbar, dass Länder die natio- nale Kompetenz für Geld- und Währungspolitik abgeben, ohne auf europäischer Ebene die vorgesehenen Mitspracherechte zu erhal- ten. Die einhellige Ablehnung einer einseitigen Euroisierung durch die EWU-Mitglieder, die EU-Institutionen und die EZB ist daher gut 33 Vgl. zur Diskussion der Modifizierung der Konvergenzkriterien Becker, Werner (2008).. Der Euro wird zehn. DB Research. EU-Monitor 57. Frankfurt am Main. 34 FT vom 6. April 2009. 0 10 20 30 CZ HU PL SK* -*** * *a*** ********* Bevölkerungsanteil mit Euro- bargeldbeständen, % (2008) Quelle: OeNB Euro Survey in Central, Eastern and Southeastern Europe 2008 *Slowakei vor dem Eurobeitritt *? 0 50 100 EE (2008) LT (2008) LV (2008) HU (2008) PL (2008) SI* SK* ;*** #*****/** *** ** ** *(*& % des Gesamtkreditbestandes *Im letzten Jahr vor der Euroeinführung Quellen: Nationale Zentralbanken, DB Research ** 0% 20% 40% 60% 80% 100% CZ HU PL Keine Antwort Nie 2013 oder später 2011/12 2009/10 **#a****** ** **** ****2**** ** ** *(*& Quelle: OeNB Euro Survey in Central, Eastern and Southeastern Europe 2008 Bevölkerungsanteil, % *@ EU-Monitor 66 28 7. Mai 2009 Zentrale Pfeiler der EWU Osterweiterung… … Beitrittswilligkeit und Rückgang wirtschaftlicher Ungleichgewichte begründet und lässt die Aussichten für die Verwirklichung dieses Vorschlags eher gering erscheinen. 35 Die EU-Institutionen haben mehrfach klar gemacht, dass Montenegro und das Kosovo ganz klar als Sonderfälle zu betrachten sind, und für die größeren Volkswirt- schaften unter den MOEL wäre eine einseitige Euroisierung (vor allem ohne die Unterstützung durch EU-Institutionen) auch nicht realisierbar. Sicherer Hafen EWU Für einige MOEL wären mit einer Euroisierung und vor allem auch einer raschen formalen Euroeinführung im Lichte aktueller Fragen der Stabilität der Finanzsysteme sicher Vorteile verbunden. Die ho- he Fremdwährungskreditvergabe für meist langfristige Finanzierun- gen würde als Problemfaktor technisch gelöst. 36 Der private Sektor wäre somit nicht mehr durch starke Währungsschwankungen ver- wundbar. Zudem könnten sich die meisten Regierungen der MOEL dann auf einem liquiden Finanzmarkt zu niedrigeren Zinskosten als heute verschulden und dies in eigener Währung. Für Nichtmitglieder des WMK II mit frei gehandelten Währungen könnte zudem schon der Beitritt zu diesem Mechanismus als Stabilisierungsfaktor wirken. Trotz möglicher kurzfristiger Vorteile der raschen Euroeinführung oder gar der Euroisierung in den MOEL gelten für die mittelfristige Perspektive allerdings die bereits aufgeführten Vorbehalte. Die den außenwirt- schaftlichen Ungleichgewichten zugrundliegenden Strukturprobleme würden die Länder innerhalb der EWU noch weitaus stärker belasten. Bei allen Überlegungen die Expansion der EWU betreffend sollte immer im Vordergrund stehen, dass weder den EWU-Kandidaten noch der Währungsunion selbst gedient ist, wenn Schnelligkeit vor gründlicher wirtschaftlicher Vorbereitung geht. Insofern sollten für die legitimen Anliegen der Finanzsystemstabilisierung in einigen MOEL andere – teils bereits angewandte – Mechanismen eingesetzt werden. 37 Das Ziel der vollen Integration in die Eurozone kann für die MOEL – wie im Falle der Slowakei deutlich wurde – auch als wichtiger Reformbeschleuniger dienen. Eurozone: Erweiterungsszenario Generell gilt, dass der Wille zur Euroeinführung in allem MOEL nach der Euroeinführung in Slowenien und vor allem der Slowakei (die Slowakei wird von meisten MOEL eher als direkter Vergleichsmaß- stab gesehen) sowie im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise deutlich zugenommen hat. Damit sind die Perspektiven für einen Fortgang der Osterweiterung der EWU gut und unser Erweiterungs- szenario baut auf einer zukünftigen Konstanz der Beitrittswilligkeit in allen MOEL auf. Des Weiteren erhöht sich durch die Korrektur der binnen- und außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte des Post-EU- Beitrittsbooms in einigen MOEL auch die Chance zur Erfüllung der nominalen Maastricht-Kriterien im Zeitfenster der kommenden Jah- re. Dies gilt vor allem für das nominale Inflationskriterium – bis dato der zentrale Stolperstein für die meisten beitrittswilligen MOEL. Zu- mal ein weiterer Kreditboom vor dem Hintergrund der bereits erleb- 35 Vgl. auch Stark, Jürgen (2009). The adoption of the euro: principles, procedures and criteria. Reykjavik. 13. Februar 2009. 36 Im Fall von Krediten in Schweizer Franken (wie in Polen üblich) würden die Risi- ken nur abgemildert, da auch der Kurs des Euro gegenüber dem Schweizer Fran- ken durchaus deutlich schwanken kann. Wobei diese Schwankungen in der Regel deutlich geringer ausfallen als die Schwankungen der frei gehandelten Ostwährun- gen zum gleichen Zeitpunkt. 37 Hier ist an Liquiditätshilfen der EZB oder eine Beteiligung der EU an Liquiditätshil- fen des IWF oder an weiteren IWF-Beistandsabkommen zu denken. 0 1 2 3 4 5 6 7 EE LV LT CZ HU PL **0*:*#**** ***** **%%** ***/a* * a*** BIP zu KKP, % der Eurozone Quellen: IWF, DB Research ** Gemischte Bilanz nach fünf Jahren EU-Osterweiterung 7. Mai 2009 29 Baltikum: Euroreife ab 2012 möglich CZ, HU und PL: Beitrittsreife ab 2013 möglich ten starken Kreditexpansion in diesem MOEL im Zuge der Euroein- führung als unrealistisch erscheint. Bevor wir unser Szenario für einen möglichen und schrittweisen Beitritt aller MOEL zur Eurozone, basierend auf der Erfüllung der Maastricht-Kriterien, genauer darlegen, ist anzumerken: Alle ge- nannten Beitrittsdaten beziehen sich auf einen Beitritt effektiv ab 1. Januar des genannten Jahres (ein Beitritt im Jahre 2012 steht also für eine Euroeinführung zum 1.1.2012). Damit wird auch deut- lich, dass wir eine Fortsetzung der bisherigen Praxis, also der Er- weiterung der EWU zum Jahreswechsel, als realistischstes Szenario ansehen. Korrigieren sich die wirtschaftlichen Ungleichgewichte in den bei- trittswilligen Balten im Nachgang harter Reformen, dürfte 2011 das frühestmögliche Datum für eine Erweiterung der Eurozone um die Balten und hier vor allem Estland sein. Selbst dieses Datum er- scheint aber für die drei bereits langjährigen Mitglieder im WKM II äußerst ambitioniert. Denn dazu müsste schon im ersten Halbjahr 2010 die Beitrittsreife durch die EZB und die weiteren relevanten EU-Institutionen erteilt werden. Dies ist angesichts der notwendigen deutlichen realwirtschaftlichen Anpassungen und der daraus resul- tierenden hohen makroökonomischen Volatilität unrealistisch. Inso- fern erscheint uns 2012 (bei einer erfolgreichen Konvergenzprüfung im Sinne der Maastricht-Kriterien im Jahr 2011) als realistischeres Datum für einen frühestmöglichen Eurozonenbeitritt der ersten balti- schen Staaten. Vor allem Lettland wird vor einem Beitritt zur Euro- zone erst einmal sein derzeit laufendes und sehr lang angelegtes IWF-Beistandsabkommen (bis 2011) zu absolvieren haben. Eine in Bezug auf das wirtschaftliche Gewicht deutlich größere Er- weiterung der EWU um Polen, die Tschechische Republik und Un- garn wäre dann ab 2013 möglich; zumindest aus technischer Pers- pektive der Maastricht-Kriterien. Aber auch dieses Datum ist ambi- tioniert und vor allem im Falle Ungarns eher als frühestmöglicher Zeitpunkt zu interpretieren. Denn ein Beitritt zur Eurozone im Jahre 2013 würde auf jeden Fall einen Beitritt zum WKM II in der ersten Jahreshälfte 2010 erfordern und unterstellt nur eine (Minimum)- Verweildauer von zwei Jahren im WKM II. Solch ein Szenario erach- ten wir als nicht unbedingt realistisch. Denn die Mitgliedschaften im WKM II könnten erst (deutlich) später erfolgen. Angesichts der ak- tuellen Währungsturbulenzen der frei gehandelten Währungen der MOEL (die teils deutlich über dem +/- 15 % Standardfluktuations- band des WKM II liegen) und der teils immer noch deutlichen Ab- weichungen der realen Wechselkurse von ihren langfristigen Durch- schnitten könnte sich eine rasche WKM-II-Mitgliedschaft durchaus problematisch gestalten. Neben der Frage der Parität könnten spä- ter auch beachtliche Devisenmarktinterventionen erforderlich wer- den. Alle bisherigen Mitgliedschaften von MOEL im WKM II mit fle- xiblen Wechselkursen sind zwar ruhig verlaufen. Allerdings waren der slowenische Tolar und die slowakische Krone – im Gegensatz zu den nun in Frage kommenden Ostwährungen – keine internatio- nal gehandelten Währungen mit entwickelten (derivativen) Wäh- rungs- und Zinsmärkten, was spekulative Aktivitäten erschwerte. Beide Länder sind während ihrer Mitgliedschaft im WKM II auch nie von einem glaubwürdigen Pfad der Erfüllung der Maastricht- Kriterien und der Aussicht auf eine rasche Mitgliedschaft in der Eu- rozone abgekommen. 0 25 50 75 100 SK (2009) PT (1999) MT (2008) GR (2001) SI (2007) ES (1999) CY (2008) **0 *** 5*** 550 * *******2**** Eurozone = 100 Quellen: Eurostat, DB Research *A 45 55 65 75 85 45 55 65 75 85 1**%**** ****%***** *a% ** 0*****4*a/**4***** Preisniveau (unten) & BIP pro Kopf zu KKP (rechts), Eurozone=100 (2007) Quellen: Eurostat, DB Research SI CZ LT EE SK PL HU LV *D EU-Monitor 66 30 7. Mai 2009 Insofern sollte eine WKM-II-Mitgliedschaft gerade für Länder mit international gehandelten Währungen wie Polen, die Tschechische Republik oder Ungarn auch erst bei Vorhandensein einer breiten politischen Basis im Sinne der Beitrittswilligkeit sowie einer glaub- würdigen Perspektive zur mittelfristigen und nachhaltigen Erfüllung der Maastricht-Kriterien gewährt werden. 38 Des Weiteren könnte ein sehr rascher Beitritt zum WKM II sogar zum langfristigen Nachteil dieser MOEL sein. Sowohl eine bald gewählte Parität als auch der dazu im Verhältnis stehende endgültige Umrechnungskurs in den frei gehandelten Ostwährungen könnte deutlich niedriger ausfallen als langfristig zur Begrenzung des Inflationsanstieges im Zuge der noch nötigen Preisniveaukonvergenz notwendig. Denn wir denken, dass die europäischen Institutionen nicht deutlich von bisherigen Praktiken abweichen werden. Erstens würde damit beim Beitritt zum WKM II keine Parität zu weit weg vom Marktniveau gewählt werden. Zweitens würden bei einer Verweildauer von wenigen Jahren im WKM II nicht mehr als zwei Anpassungen der Parität in Richtung Aufwertung zur starken Seite des +/- 15% Standardfluktuationsban- des favorisiert werden. Zudem sollte gerade auf Seiten der MOEL beachtet werden, dass die WKM-II-Mitgliedschaft (wie im Falle der Slowakei) durchaus länger dauern kann, als die Minimum-Verweil- periode von zwei Jahren, um eine nachhaltige Erfüllung der Maast- richt-Kriterien zu erreichen. Insofern sehen wir eher 2014 oder sogar 2015 (vor allem im Falle des bis dato nicht beitrittsfähigen Kandida- ten Ungarn) als realistische Euroeinführungsdaten in den drei gro- ßen MOEL. Barbara Böttcher (+49 69 910-31787, barbara.boettcher@db.com) Gunter Deuber (+49 69 910-31718, gunter.deuber@db.com) 38 Die erfolgreiche Euroeinführung in Slowenien und der Slowakei war ein langfristi- ger Prozess, basierend auf einer umfassenden Planung sowie einem breiten poli- tischen Konsensus bezüglich der prinzipiellen Vorteilhaftigkeit, um sicherzustellen, dass Beitrittsfähigkeit und Beitrittswilligkeit zu einem geplanten Zeitpunkt korres- pondieren. Im Falle der Slowakei wurde 2003 eine Eurostrategie ausgearbeitet, 2005 trat das Land in den WKM II ein und trotz Regierungswechsel im Jahre 2006 bliebt das Ziel der Euroeinführung in 2008 oder 2009 erhalten; zum 1.1.2009 hat die Slowakei den Euro eingeführt. I*5. -*; F 0&J *** ***** ******a****a%** -a* *%* 4*%***a Täglicher Handels- umsatz Durch. Handels- größe Mrd. USD Mio. USD Tschechische Republik CZK 1,3 20 Ungarn HUF 1,5 20 Polen PLN 3 30 Brasilien BRL 25 Südafrika ZAR 3,5 20 Südkorea KRW 6,8 10 Türkei TRY 2 10 Quellen: IWF, DB Global M arkets Research *B *6* **#******* **a*** Frühestmögliches Datum Euroeinführung Dafür notw endige Konvergenzprüfung Dafür notw endige WKM II Mitgliedschaft* 2011 EE H1 2010 Bereits Mitglied im WKM II 2012 LT H1 2011 Bereits Mitglied im WKM II LV Bereits Mitglied im WKM II 2013 CZ H1 2012 WKM II Beitritt in H1 2010 PL WKM II Beitritt in H1 2010 HU WKM II Beitritt in H1 2010 * Unterstellt eine M inimum-Verweildauer von 2 Jahren vor Konvergenzprüfung Quelle: DB Research A* Gemischte Bilanz nach fünf Jahren EU-Osterweiterung 7. Mai 2009 31 ********** ****** **** *** ********* *** ********* Preisstabilität (Inflation gemessen durch den HVPI) 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 Maastricht-Grenze 2,0 2,6 3,0 2,5 2,5 2,2 2,5 2,9 2,8 4,1 EE 3,1 3,9 5,6 3,6 1,4 3 4,1 4,4 6,7 10,6 LT 1,5 1,1 1,6 0,3 -1,1 1,2 2,7 3,8 5,8 11,1 LV 2,1 2,6 2,5 2 2,9 6,2 6,9 6,6 10,1 15,3 CZ 1,8 3,9 4,5 1,4 -0,1 2,6 1,6 2,1 3 6,3 HU 10 10 9,1 5,2 4,7 6,8 3,5 4 7,9 6 PL 7,2 10,1 5,3 1,9 0,7 3,6 2,2 1,3 2,6 4,2 SI 6,1 8,9 8,6 7,5 5,7 3,7 2,5 2,5 3,8 5,5 SK 10,4 12,2 7,2 3,5 8,4 7,5 2,8 4,3 1,9 3,9 Öffentliche Finanzen (Budgetdefizit in % des BIP) 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 Maastricht-Grenze -3,0 -3,0 -3,0 -3,0 -3,0 -3,0 -3,0 -3,0 -3,0 -3,0 EE -3,5 -0,2 -0,1 0,4 1,8 1,6 1,8 3,4 2,8 -3,0 LT -2,8 -3,2 -3,6 -1,9 -1,3 -1,5 -0,5 -0,5 -1,2 -1,7 LV -3,9 -2,8 -2,1 -2,3 -1,6 -1,0 -0,4 -0,2 0,0 -1,1 CZ -3,7 -3,7 -5,7 -6,8 -6,6 -3,0 -3,6 -2,7 -1,6 -1,4 HU -5,4 -2,9 -4,0 -8,9 -7,2 -6,5 -7,8 -9,2 -5,5 -4,0 PL -2,3 -3,0 -5,1 -5,0 -6,3 -5,7 -4,3 -3,8 -2,0 -2,3 SI -2,0 -3,9 -4,3 -2,7 -2,8 -2,3 -1,8 -1,2 -0,1 -0,9 SK -7,1 -12,2 -6,5 -8,2 -2,7 -2,4 -2,8 -3,6 -2,2 -2,0 Öffentliche Finanzen (Staatsschulden in % des BIP) 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 Maastricht-Grenze 60,0 60,0 60,0 60,0 60,0 60,0 60,0 60,0 60,0 60,0 EE 6,0 5,2 4,8 5,6 5,5 5,1 4,5 4,2 3,4 4,3 LT 22,8 23,7 23,1 22,4 21,2 19,4 18,6 18,2 17,3 18,8 LV 12,5 12,3 14,0 13,5 14,6 14,9 12,4 10,7 9,7 12,1 CZ 16,4 18,5 25,1 28,5 30,1 30,4 29,7 29,4 28,7 29,2 HU 59,5 54,3 52,1 55,7 58,0 59,4 61,6 65,6 66,0 67,4 PL 39,6 36,8 37,6 42,2 47,1 45,7 47,1 47,6 45,2 44,8 SI 24,6 27,6 28,3 29,7 29,1 29,5 29,1 27,2 24,1 23,6 SK 47,9 50,4 49,0 43,4 42,4 41,4 34,2 30,4 29,4 32,0 Wechselkursentwicklung, % gg. Vj. < +/-15% 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 Maastricht-Grenze +/-15% +/-15% +/-15% +/-15% +/-15% +/-15% +/-15% +/-15% +/-15% +/-15% EE 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,0 LT -14,84 -7,32 -5,37 -2,00 0,00 0,01 0,00 0,00 0,00 0,0 LV -11,80 -1,99 -3,49 10,37 9,53 3,78 -0,24 0,14 -0,11 1,7 CZ 2,84 -2,92 -8,80 -1,20 2,64 -6,00 -4,81 -5,22 -3,12 0,9 HU 1,28 4,04 -7,48 -3,63 11,09 -6,30 2,81 -0,44 0,78 5,1 PL 2,15 -7,43 -9,21 15,04 16,93 -13,13 -5,50 -0,75 -6,20 15,6 SI 5,22 7,36 2,48 5,17 2,84 1,29 -0,11 0,06 0,00 0,0 SK -1,37 3,61 -2,62 -2,99 -0,80 -5,89 -2,23 -9,09 -2,47 -10,3 Entwicklung des Zinssatzes für langfristige Anleihen 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 Maastricht-Grenze 6,6 7,3 6,9 6,8 6,1 5,5 5,4 5,7 6,0 6,0 EE n.a. n.a. n.a. n.a. n.a. n.a. n.a. n.a. n.a. n.a. LT n.a. n.a. n.a. 5,97 5,22 4,43 3,73 4,00 4,58 5,6 LV n.a. n.a. n.a. n.a. n.a. 4,85 3,53 4,16 5,63 6,7 CZ n.a. 6,94 6,31 4,87 n.a. n.a. 3,54 3,80 4,30 4,6 HU 9,91 8,55 7,94 7,09 6,83 8,19 6,6 7,12 6,74 8,2 PL 9,53 11,79 10,68 7,32 5,78 6,92 5,23 5,26 5,5 6,1 SI n.a. n.a. n.a. n.a. n.a. 2,49 3,81 3,9 4,54 4,7 SK n.a. 8,33 8,05 6,91 4,99 5,02 3,52 4,42 4,49 4,7 Ein negativer Wert bedeutet eine Aufwertung der Landeswährung gegenüber dem Euro. Quellen: DB Research, Eurostat, EZB ** ********* ISSN 1612-0256 Unsere Publikationen finden Sie kostenfrei auf unserer Internetseite www.dbresearch.de Dort können Sie sich auch als regelmäßiger Empfänger unserer Publikationen per E-Mail eintragen. Für die Print-Version wenden Sie sich bitte an: Deutsche Bank Research Marketing 60262 Frankfurt am Main Fax: +49 69 910-31877 E-Mail: marketing.dbr@db.com © Copyright 2009. Deutsche Bank AG, DB Research, D-60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. 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In Australien sollten Privat- kunden eine Kopie der betreffenden Produktinformation (Product Disclosure Statement oder PDS) zu jeglichem in diesem Bericht erwähnten Finanzinstrument beziehen und dieses PDS berücksichtigen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen. Druck: HST Offsetdruck Schadt & Tetzlaff GbR, Dieburg Print ISSN: 1612-0256 / Internet bzw. E-Mail ISSN: 1612-0264 EU-Zinsbesteuerungsrichtline Ein Puzzleteil grenzüberschreitender Steuerpolitik Beiträge zur europäischen Integration, Nr. 65 ..........................................................................................29. April 2009 SEPA: Zahlungsverkehr im Umbruch Finanzmarkt Spezial, Nr. 64 ...................................................................................................................21. April 2009 EU-Retailbanking: Wie kann man Integration messen? Finanzmarkt Spezial, Nr. 63 .................................................................................................................... 3. März 2009 Automobilindustrie am Beginn einer Zeitenwende Beiträge zur europäischen Integration, Nr. 62 ...................................................................................... 6. Februar 2009 Bankkundenmobilität in der EU: Viel Lärm um wenig Finanzmarkt Spezial, Nr. 60 ........................................................................................................ 23. September 2008 Geldpolitische Interdependenz von USA und Euroraum Folgt die EZB dem Kurs der Fed? Beiträge zur europäischen Integration, Nr. 59 ............................................................................... 29. September 2008 Der Euro: Zweiter mit Aufholchancen Die internationale Rolle des Euro Beiträge zur europäischen Integration, Nr. 58 ............................................................................................11. Juli 2008 Der Euro wird zehn Den Kinderschuhen entwachsen Beiträge zur europäischen Integration, Nr. 57 .......................................................................................... 17. Juni 2008 EU-US-Finanzmarktintegration – die Arbeit hat erst begonnen Finanzmarkt Spezial, Nr. 56 .....................................................................................................................18. Juli 2008
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