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27. Februar 2020
In diesem Beitrag befassen wir uns mit Argentiniens Schuldensituation und schätzen die Tragbarkeit der Verschuldung anhand von Projektionen für den Schuldenstand und für die Fähigkeit des Landes ein, seine Devisenverschuldung zurückzuzahlen. Argentiniens Schuldenproblem ist darauf zurückzuführen, dass fiskalpolitische Erwägungen grundsätzlich Vorrang haben und ein nominaler Anker fehlt. Das Problem wird so lange bestehen, bis das Land Strukturreformen durchführt. Die makroökonomische Lage ist deutlich schwieriger als zu Beginn des Jahrtausends – und zwar sowohl in Bezug auf das Wachstumspotenzial als auch auf die Inflation und äußere Faktoren. [mehr]
PROD0000000000505626 1   |    27. Februar 2020Weitere Research-Beiträge 27. Februar 2020 Pfad zu einem „tragbaren“ Schuldenniveau In diesem Beitrag befassen wir uns mit Argentiniens Schuldensituation und schätzen die Tragbarkeit der Verschuldung anhand von Projektionen für den Schuldenstand und für die Fähigkeit des Landes ein, seine Devisenverschul- dung zurückzuzahlen. Argentiniens Schuldenproblem ist darauf zurückzufüh- ren, dass fiskalpolitische Erwägungen grundsätzlich Vorrang haben und ein nominaler Anker fehlt. Das Problem wird so lange bestehen, bis das Land Strukturreformen durchführt. Die makroökonomische Lage ist deutlich schwieriger als zu Beginn des Jahrtausends – und zwar sowohl in Bezug auf das Wachstumspotenzial als auch auf die Inflation und äußere Faktoren. Derzeit hängt die Bedienung der Auslandsschulden vor allem davon ab, in welchem Umfang Argentinien Devisen vereinnahmen kann. Wahrscheinlich werden die Devisenbestände künftig durch striktere Devisenverkehrskontrol- len und leichte Wechselkursabwertungen gesteuert. Eine reale Wechselkurs- aufwertung gäbe insofern Anlass zur Sorge, als dann weniger Devisen ins Land flössen und ein Anreiz entstünde, mehr Güter zu importieren und Ex- porteinnahmen nicht vollständig zu deklarieren. Argentinien erhält Devisen vor allem aus folgenden Quellen: Dollarisierung (35,6%), Handel mit Gütern und Dienstleistungen (27,2%) und Nettoportfolioinvestitionen (9,5%). Wenn die Nachfrage nach Devisen durch Kapitalverkehrskontrollen gedämpft wird, könnte die argentinische Zentralbank in unserem Basisszenario durchschnitt- lich jährlich USD 8-12 Mrd. vereinnahmen. Dieser Betrag stiege in einem günstigen Szenario auf USD 12-15 Mrd. pro Jahr an bzw. sänke in einem un- günstigen Szenario auf USD 4-8 Mrd. Dabei überwiegen die Abwärtsrisiken. Wie bereits erläutert, ist Argentiniens Verschuldung unseres Erachtens ange- sichts der widrigen makroökonomischen Bedingungen und des Mangels an fiskalpolitischen Maßnahmen langfristig nicht tragbar. Dies gilt (ungeachtet der relativ geringen Nettoverschuldung) sowohl für die Entwicklung des Schuldenstands als auch für die Fähigkeit, mittelfristig harte Währungen zu vereinnahmen. Wie müssten die Umtauschbedingungen aussehen, damit die Zahlungsfähigkeit nachhaltig sichergestellt wird? In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass das Land jährlich USD 8–12 Mrd. vereinnahmt und 50% der Anleihen im Jahr 2024 bzw. später prolongiert werden. Dann wären ein nominaler Abschlag von rund 40% sowie eine Laufzeitverlängerung um vier Jahre und eine 10-jährige Streckung der IWF-Rückzahlungen erforder- lich, damit Argentinien seine Verschuldung in den kommenden 10 Jahren zu- rückzahlen könnte. Wenn der Kupon um 25% reduziert oder die Kuponzahlun- gen für vier Jahre ausgesetzt würde, würde der Abschlag auf ~30% sinken. Autoren www.dbresearch.de Deutsche Bank Research Management Stefan Schneider Hongtao Jiang +1(212)250-2524 hongtao.jiang@db.com Drausio Giacomelli +1(212)2507355 drausio.giacomelli@db.com Felipe Labbe +1(212)250-8640 felipe.labbe@db.com Deutsche Bank Research Argentinien – der schmale Pfad zu einem „tragbaren“ Schuldenniveau 2   |    27. Februar 2020Weitere Research-Beiträge Am Markt wird diesen Szenarien derzeit die größte Wahrscheinlichkeit beige- messen. Unseres Erachtens überwiegen jedoch die Abwärtsrisiken (sodass die erwähnten Abschläge als Minimum anzusehen sind), da die Annahmen für die Prolongation und die Devisenzuflüsse in unserem Basisszenario ver- gleichsweise optimistisch sind und wir die Rückzahlungen für die Verschul- dung der Provinzen (durchschnittlich ca. USD 2,5 Mrd. pro Jahr in den kom- menden acht Jahren) nicht berücksichtigt haben. Dies ist ein Auszug unserer Emerging Markets Special Publication über Ar- gentinien vom 27. Februar 2020. Wichtige rechtliche Hinweise finden Sie unter: https://research.db.com/Rese- arch/Disclosures/Disclaimer Noch kein Wachstum in Sicht … Quelle: INDEC, Deutsche Bank Deutsche Bank Research Argentinien – der schmale Pfad zu einem „tragbaren“ Schuldenniveau 3   |    27. Februar 2020Weitere Research-Beiträge © Copyright 2020. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ih- rer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. 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