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15. Februar 2019
Die Weltwirtschaft befindet sich an einem Scheideweg. Während die US-Konjunktur nach wie vor stabil ist, deuten die jüngsten Daten aus Europa, China und den Schwellenländern klar auf eine Verlangsamung hin. Schwächt sich das Wachstum in wichtigen Volkswirtschaften künftig nur ab, bleibt aber positiv, oder kommt es aufgrund von Nichtlinearitäten zu einem stärkeren Einbruch? Brummt die US-Konjunktur trotz der Verlangsamung in anderen Ländern weiter oder wird auch sie in Mitleidenschaft gezogen? [mehr]
Weltwirtschaftlicher Ausblick – Kurzfassung Am Scheideweg 15. Februar 2019 Autoren: himanshul.porwal@db.com, quinn.brody@db.com, jim.reid@db.com 15. Februar 2019 Internet: www.dbresearch.de Makroprognosen Welt — Die Weltwirtschaft befindet sich an einem Scheideweg. Während die US-Konjunktur nach wie vor stabil ist, deuten die jüngsten Daten aus Europa, China und den Schwel- lenländern klar auf eine Verlangsamung hin. — Alles in allem sind wir optimistisch für die USA, sehen jedoch deutlich gestiegene Ab- wärtsrisiken in Europa. Im Handelskonflikt zwischen den USA und China rückt der Stichtag am 1. März näher, am 29. März erfolgt der Brexit (sei er nun „hart“ oder „weich“), falls die Austrittsfrist nicht verlängert wird, und in den USA wird bis zum 17. Februar ein nationaler Sicherheitsbericht nach Section 232 zum Thema Autos erstellt, der sich auf den Autosektor und das Wachstum in Europa auswirken könnte. Falls sich die Dinge in einem dieser Punkte ungünstig entwickeln, könnte Europa in eine Rezession geraten. USA — Das US-Wachstum sollte trotz der jüngsten Eintrübung der finanziellen Rahmenbedin- gungen und der eingegangen Daten robust bleiben. Für 2019 bzw. 2020 prognostizie- ren wir ein reales BIP-Wachstum von 2,5% bzw. 2,1%. Die Arbeitsmarktsituation ver- bessert sich weiter und deutet auf einen weiteren Anstieg der Konsumausgaben hin. Steuersenkungen und Staatsausgaben dürften die Konjunktur bis ins Jahr 2020 stüt- zen. — Zuletzt fielen einige Daten etwas schwächer aus und die finanziellen Rahmenbedin- gungen wurden restriktiver, aber weitere Befürchtungen wären übertrieben. Der ISM stand zuletzt mit einem annualisierten BIP-Wachstum von rund 4% im Einklang. — Als Abwärtsrisiken sind vor allem folgende Punkte zu nennen: (i) Eskalation des Han- delskonflikts; (ii) deutliche Verschlechterung der finanziellen Rahmenbedingungen; (iii) Belastung des Wachstums durch die Konjunkturabschwächung in China/im Euroraum. Euroraum — Im Euroraum schwächt sich die Wachstumsdynamik merklich ab. Wir haben unsere Prognose für 2019 innerhalb der vergangenen beiden Monate insgesamt dreimal ge- senkt, zuletzt von 1,2% auf nun 0,9%. Die lahmende Exportnachfrage ist eine ernst- hafte Belastung. Darüber hinaus bestehen Sorgen um die Binnenkonjunktur: Beschäf- tigung und Investitionen schwächen sich ab. — In Deutschland fiel der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe im Ja- nuar unter den Schwellenwert von 50, und wir erwarten, dass Deutschland in Q1 2019 erneut eine Kontraktion verzeichnet. Der den Industrie- und Dienstleistungssektor um- fassende Einkaufsmanagerindex (PMI Composite) für den Euroraum verzeichnete im Januar den fünften Monatsrückgang in Folge. Unser SIREN-Momentum-Index fiel im Januar auf den niedrigsten Stand seit Ende 2014. Und auch unser Indikator für den Handelszyklus deutet darauf hin, dass sich der Euroraum auf eine Rezession zube- wegt. — Die Abwärtsrisiken überwiegen: Ein „No-Deal“-Brexit oder eine Eskalation des Han- delskonflikts (US-Zölle auf Autos) könnten den Euroraum in eine Rezession stürzen. Am Scheideweg Autoren: jim.reid@db.com, quinn.brody@db.com, himanshu.porwal@db.com 15. Februar 2019 Internet: www.dbresearch.de China — In China verlangsamte sich das reale BIP-Wachstum in Q4 2018 moderat auf 6,4%; nominal war die Abschwächung deutlicher, von 9,6% in Q3 auf 8,1% in Q4. Die In- dustrieproduktion und die Einzelhandelsumsätze erholten sich im Dezember 2018 leicht, aber der Gesamttrend zeigt abwärts. Der Einkaufsmanagerindex für das Verar- beitende Gewerbe lag im Januar im zweiten Monat in Folge unter 50. — Insgesamt dürfte sich das reale BIP-Wachstum in Q1 weiter verlangsamen und in Q2 bei 5,9% liegen. Abwärtsdruck geht von drei Faktoren aus: (i) die Abkühlung im Grundstücks- und Immobiliensektor; (ii) das schwache Vertrauen im privaten Sektor; (iii) der Handelskonflikt zwischen den USA und China. — Die chinesische Regierung plant geringere Staatsausgaben. So verschob sie vor Kur- zem die Bereitstellung von Subventionen für Kommunalregierungen, die den Konsum (Autos, Haushaltsgeräte etc.) ankurbeln sollten. Im Gegensatz zum Markt, der mit fis- kalischen Impulsen rechnet, erwarten wir für 2019 eher einen fiskalischen Schock. — Eine Lockerung wird wohl hauptsächlich über die Geldpolitik erfolgen; falls sich die Konjunktur weiter verlangsamt, muss die Regierung eventuell ihre Vorgaben für den Immobilienmarkt lockern. Schwellenländer — Für die Schwellenländer spielt die Entwicklung in den entwickelten Märkten eine große Rolle. Allerdings überwiegen die Vorteile des langsameren Normalisierungskur- ses der Fed gegenüber diesen Ansteckungseffekten. Dies sollte so lange der Fall sein, wie das Wachstum robust bleibt. Wir sind für 2019 optimistisch und prognostizie- ren eine Wachstumsrate von 4,6% in den Schwellenländern. — Die Wachstumsdynamik hat sich vor allem in Asien abgeschwächt; China und export- orientierte Länder (Singapur, Taiwan etc.) stehen im Fokus. In Lateinamerika ist der Ausblick für Brasilien und Mexiko leicht positiv; in Argentinien ist dagegen mit einer weiteren Kontraktion zu rechnen. Im Raum CEEMEA stehen die Türkei (Zentralbank), Südafrika (Fiskalpolitik, mögliche Ratingherabstufung) und Russland (Sanktionsrisiko) im Blickfeld. Im Vorfeld der Wahlen in mehreren Schwellenländern (Indien, Türkei, Südafrika, Argentinien, Indonesien usw.) könnte die dortige Konjunktur angekurbelt werden. Geldpolitik — Fed: Zwei Zinsanhebungen im Jahr 2019 (zuvor hatten wir drei erwartet) — EZB: Verschiebung der ersten Anhebung des Einlagensatzes von März 2020 auf De- zember 2020 — BoJ: Diskussion über Umstellung von Inflations- auf Wachstums- oder Preisziel in den kommenden 2–3 Jahren — BoE: Ein Zinsschritt im August 2019; der allerdings angesichts der taubenhafteren Äu- ßerungen des Geldpolitischen Ausschusses unwahrscheinlicher geworden ist — PBoC: Zwei weitere Senkungen der Mindestreserveanforderungen im Jahr 2019. Wahrscheinlichkeit weiterer geldpolitischer Lockerungen nimmt zu Wichtige Abwärtsrisiken — „Crash“-Brexit: Die Frist läuft am 29. März ab, und bisher hat das britische Parlament dem Austrittsvertrag nicht zugestimmt. Damit hat sich das Risiko eines „No-Deal“- Brexit erhöht (indikative Wahrscheinlichkeit: 15%). Ein harter Brexit wäre vor allem für Großbritannien und die EU schmerzhaft und könnte im Zeitraum 2019/2020 zu einem kumulativen BIP-Verlust von ~4% bzw. 1% führen. — Rezession: Eine deutliche Wachstumsverlangsamung in China und Europa (worauf die jüngsten Daten hinweisen) und eine entsprechende Rezession/Korrektur an den Finanzmärkten könnte das Wachstum der Weltwirtschaft um 1-1,5%-Punkte dämpfen. — Italien, Frankreich und die Wahlen zum Europäischen Parlament: Sorgen um die Tragbarkeit von Italiens Verschuldung, eine Eskalation der „Gelbwesten“-Proteste in Frankreich und Unsicherheiten rund um die anstehenden Wahlen zum Europäischen Parlament stellen in diesem Jahr Risiken dar. Zudem könnte die Große Koalition in Am Scheideweg Autoren: jim.reid@db.com, quinn.brody@db.com, himanshu.porwal@db.com 15. Februar 2019 Internet: www.dbresearch.de Deutschland im späteren Jahresverlauf unter Druck geraten, was zu zusätzlichen Risi- ken führen dürfte. — Handelskonflikt: Falls sich die USA und China nicht auf ein Abkommen einigen, falls Zölle auf EU-Autos oder höhere Zölle auf chinesische Importe verhängt werden oder eine Eskalation von Konflikten außerhalb der Handelspolitik entsteht, könnte das Wachstum der Weltwirtschaft merklich in Mitleidenschaft gezogen werden. Schlüsselthemen — Brexit: Immer noch keine Lösung für den Brexit, obwohl die Frist abläuft. Premiermi- nisterin May wartet einfach ab und hofft, dass Labour den Vertrag doch noch unter- stützt. In unserem Basisszenario erwarten wir, dass das Parlament das von Premier- ministerin May ausgehandelte Abkommen ratifiziert, um einen „Crash“-Brexit zu ver- meiden. Wir nehmen in Bezug auf den Sterling eine neutrale Position ein. — Handelskonflikt: Die jüngsten Gespräche zwischen den USA und China gaben Anlass zu gewissem Optimismus. Es wurde jedoch kein Vertragsentwurf ausgearbeitet. Die 90-tägige Unterbrechung des Konflikts endet am 1. März. Wenn bis dahin keine Lö- sung gefunden wird, werden die USA ihre Zölle auf chinesische Güter im Wert von USD 200 Mrd. erhöhen. Außerdem erstellen die USA bis zum 17. Februar einen natio- nalen Sicherheitsbericht nach Section 232 zum Thema Autos, was Auswirkungen auf die europäische Autoindustrie und das Wachstum haben könnte. — Politische Situation in der EU/in Deutschland: Protestparteien dürften bei anstehenden Wahlen Sitze hinzugewinnen und eventuell eine effektive Wirtschaftspolitik untermi- nieren. Marktprognosen Marktstimmung — Höhere Risiken: Phasen mit stärkerer Volatilität werden häufiger. Aktien — Optimistisch für US-Aktien: Gewinne wachsen langsamer, Markt preist jedoch über- mäßig kräftige Verlangsamung ein. — Neutral für europäische Aktien: Die jüngste Erholung hat sie wieder auf den fairen Marktwert gebracht. Staatsanleihen — Strategisch pessimistisch: Markt unterschätzt zu erwartende Fed-Zinserhöhungen weiterhin, zumal wir von einer allmählichen Inflationsbeschleunigung im Jahresverlauf ausgehen. — In Europa ist vor allem mit einer neuen Lockerung der Kreditvergabebedingungen sei- tens der EZB zu rechnen. Devisen — Der Dollar dürfte in diesem Jahr aufgrund der Kapitalströme abwerten. Gegenüber dem Yuan dürfte der Dollar allerdings weiter aufwerten. — Bullish für den Euro: Die Kapitalflüsse sollten sich stabilisieren, der Leistungsbilanz- überschuss hoch bleiben, und die EZB ihren allmählichen Straffungskurs fortsetzen, wenn auch mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung. — Eher bullish für den Yen: Der Yen dürfte gegenüber dem Dollar eher aufwerten. Am Scheideweg Autoren: jim.reid@db.com, quinn.brody@db.com, himanshu.porwal@db.com 15. Februar 2019 Internet: www.dbresearch.de Unternehmensanleihen — Strukturelle Ausweitung, kurzfristig jedoch Erleichterungsrallye. Voraussichtlich posi- tive Überschussrenditen in diesem Jahr. Schwellenländer — Langsamerer Normalisierungskurs der Fed ist günstig für Schwellenländer, wenn das Wachstum robust bleibt. — Vor allem die Währungen der Schwellenländer sind attraktiv bewertet. Wir bleiben im Grundsatz optimistisch für Schwellenländer-Unternehmensanleihen. Öl — Bis zum Ende des ersten Quartals dürfte Brent bei etwa USD 63/Barrel notieren; dafür sprechen abgestimmte Förderkürzungen der OPEC, die Nachfrageentwicklung und die US-Sanktionen gegen Venezuela und Iran. Am Scheideweg Autoren: jim.reid@db.com, quinn.brody@db.com, himanshu.porwal@db.com 15. Februar 2019 Internet: www.dbresearch.de BIP-Wachstum (%) Wichtige Marktkennzahlen 2018 2019P 2020P Aktuell Q2 19P Q4 19P Global 3,8 3,5 3,5 US 10J-Renditen (%) 2,63 3,15 3,10 USA 2,9 2,5 2,1 EUR 10J-Renditen (%) 0,08 0,20 0,40 Euroraum 1,8 0,9 1,3 EUR/USD 1,13 1,18 1,25 Deutschland 1,5 1,0 1,4 USD/JPY 110 104 100 Japan 0,7 0,7 0,2 S&P 500 2.690 3.250 Großbritannien 1,3 1,6 1,4 Stoxx 600 358 345 China 6,6 6,1 6,0 Oil WTI (USD/Barrel) 53 54 56 Oil Brent (USD/Barrel) 62 63 65 Aktuelle Preise vom 08.02.2019 Leitzinsen (%) Aktuell Q2 19P Q4 19P USA 2,375 2,625 2,875 Euroraum 0,0 0,00 0,00 Japan -0,10 -0,10 -0,10 Großbritannien 0,75 0,75 1,00 China 1,50 1,50 1,50 Original in englischer Sprache: 8. Februar 2019 © Copyright 2019. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. 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