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  4. Ausblick Deutschland
1. Juli 2020
Wie tief war der Konjunkturabsturz in Q2? Hochfrequenzdaten zeigen, dass mit der Rückführung der Lockdown-Maßnahmen eine Trendwende in der Wirtschaft stattgefunden hat. Überraschend starke Einzelhandelsumsätze (Mai) haben die Chance erhöht, dass der BIP-Rückgang in Q2 „nur“ einstellig ausgefallen sein könnte. Wir halten bis zu unserem Prognose-Update Anfang August trotz gestiegener Aufwärtsrisiken an der BIP-Prognose von -9% für 2020 fest. (Lesen Sie außerdem in dieser Ausgabe: Öffentliche Finanzen, Welthandel, Reisen in Zeiten von Corona, Arbeitsmarkt, Autoindustrie, die deutsche EU-Präsidentschaft, EZB-Geldpolitik) [mehr]
Microsoft Word - AD_2020.06_SA.docx Ausblick Deutschland    Update zur Corona-Pandemie - große Unterschiede zwischen einzelnen Län dern. Global steigt die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit COVID-19 recht stetig an. Deutschland und anderen westeuropäischen Ländern ist es gut gelun gen, die Infektionsrate dauerhaft zu senken. Andere Länder wie die USA ver zeichnen nach wie vor hohe tägliche Neuinfektionen. Wie tief war der Konjunkturabsturz in Q2? Hochfrequenzdaten zeigen, dass mit der Rückführung der Lockdown-Maßnahmen eine Trendwende in der Wirt schaft stattgefunden hat. Überraschend starke Einzelhandelsumsätze (Mai) ha ben die Chance erhöht, dass der BIP-Rückgang in Q2 „nur" einstellig ausgefal len sein könnte. Wir halten bis zu unserem Prognose-Update Anfang August trotz gestiegener Aufwärtsrisiken an der BIP-Prognose von -9% für 2020 fest. Öffentliche Finanzen: Auf die „Bazooka" folgt ein „Wumms" - Berlin geht in die Vollen, um die Wirtschaftserholung zu unterstützen. Angesichts des wirtschaftli chen Ausmaßes der Corona-Krise waren weitere Konjunkturhilfen unumgäng lich. Unserer Einschätzung nach ist aber der von dem Paket ausgehende zu sätzliche fiskalische Impuls wesentlich kleiner als das genannte Volumen von EUR 130 Mrd. suggeriert. Welthandel: Verstärkter Protektionismus nach der Corona-Pandemie . Wir er warten einen Rückgang des globalen Warenhandels um 13,6% im Jahr 2020, gefolgt von 7,5% im Jahr 2021. In Asien erkennen wir eine starke Divergenz zwischen den Schwellen- und Entwicklungsländern, die eine Blaupause für die Volkswirtschaften in Europa und Amerika sein könnte. Urlaubsreisen in Zeiten von Corona: Weniger, kürzer, vermehrt im Inland . Die Deutschen werden im Corona-Sommer weniger und kürzere Reisen unterneh men als in den Vorjahren. Deutschland selbst und heimatnahe Reisziele, die mit dem Auto erreicht werden können, profitieren von der Krise. 2020 könnten die Ausgaben der Deutschen im Ausland um 10% bis 20% sinken. Herausfordernde EU-Präsidentschaft für Deutschland. Am 1. Juli hat Deutsch land die EU-Präsidentschaft übernommen. Ursprünglich war vorgesehen, die Beziehungen zwischen der EU und China sowie Initiativen zur Modernisierung der europäischen Wirtschaft für das grüne und digitale Zeitalter in den Fokus zu rücken. Nun geht es v.a. um eine Verbesserung des Krisenmanagements der EU, die Einigung über den Wiederaufbaufonds und den EU-Haushalt sowie ein Abkommen über die Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien nach dem Brexit. EZB weiter auf dem Gaspedal, aktuelle Sitzungsprotokolle unterstreichen die Verhältnismäßigkeit der Ankaufprogramme . Die EZB erweiterte das PEPP Ankaufvolumen erheblich auf EUR 1,35 Bill., verlängerte die Mindestdauer der Nettokäufe um sechs Monate bis Mitte 2021 und kündigte die Reinvestitionen bis Ende 2022 an. Autoren Sebastian Becker +49 69 910-21548 sebastian-b.becker@db.com Barbara Böttcher +49 69 910-31787 barbara.boettcher@db.com Eric Heymann +49 69 910-31730 eric.heymann@db.com Kevin Körner +49 69 910-31732 kevin.koerner@db.com Jochen Möbert +49 69 910-31727 jochen.moebert@db.com Marc Schattenberg +49 69 910-31875 marc.schattenberg@db.com Editor Stefan Schneider Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Stefan Schneider Inhaltsverzeichnis Seite Prognosen .................................................... 2 Update zur Corona-Pandemie ..................... 3 Wie tief war der Konjunkturabsturz in Q2? ... 5 Öffentliche Finanzen .................................. 10 Welthandel: Verstärker Protektionismus .... 22 Urlaubsreisen in Zeiten von Corona ........... 28 Arbeitsmarkt in der Corona-Krise ............... 32 Autoindustrie: Tiefpunkt durchschritten ...... 35 Herausfordernde EU-Präsidentschaft ........ 39 EZB weiter auf dem Gaspedal ................... 43 DB Makro-Überraschungsindex ................ 44 Eventkalender ............................................ 45 Datenkalender ............................................ 46 Datenmonitor .............................................. 47 Finanzmarktprognosen .............................. 48 Original in englischer Sprache: 26. Juni 2020 1. Juli 2020 Allmählich aus der Konjunkturschlucht Allmählich aus der Konjunkturschlucht 2 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    Wachstum, Inflation, Leistungsbilanz, Budgetsaldo DX BIP-Wachstum Inflation* Leistungsbilanzsaldo Budgetsaldo in % gg. Vj. in % gg. Vj. in % des BIP in % des BIP 2019 2020P 2021P 2019 2020P 2021P 2019 2020P 2021P 2019 2020P 2021P Euroland 1,2 -12,0 5,0 1,2 0,3 0,9 3,0 2,1 1,8 -0,6 -13,4 -11,4 Deutschland 0,6 -9,0 4,0 1,3 0,4 0,6 7,8 6,6 6,4 1,5 -9,5 -6,1 Frankreich 1,5 -14,0 6,0 1,3 0,3 0,8 -3,0 -16,2 -13,8 Italien 0,3 -14,0 5,5 0,6 -0,2 0,2 -1,6 -15,9 -12,7 Spanien 2,0 -15,0 6,0 0,8 -0,2 1,2 -2,8 -16,3 -13,2 Niederlande 0,6 1,3 Belgien 0,1 1,0 Österreich 1,0 0,8 Finnland 0,3 1,2 Griechenland -0,4 1,8 Portugal 0,0 0,9 Irland 0,0 0,7 Großbritannien 1,4 -11,5 3,0 1,8 0,8 1,1 -2,8 -13,4 -5,7 Dänemark 2,4 -5,9 5,1 0,7 0,3 1,3 7,8 6,2 6,7 3,7 -7,2 -2,3 Norwegen 1,2 -6,3 2,9 2,2 2,4 2,2 4,1 -1,3 0,1 6,2 0,8 3,7 Schweden 1,2 -6,1 4,3 1,7 0,4 1,1 4,2 3,7 4,0 0,5 -5,6 -2,2 Schweiz 1,0 -6,0 3,8 0,4 -0,4 0,6 12,3 7,2 8,8 0,9 -5,1 -1,9 Tschech. Rep. 2,5 -9,9 4,1 2,8 2,8 2,0 -0,4 -2,3 0,5 0,3 -4,4 -2,4 Ungarn 4,9 -5,5 3,2 3,4 2,6 2,4 -0,8 -2,8 -0,6 -2,0 -4,6 -3,2 Polen 4,1 -6,6 3,3 2,3 3,2 2,3 0,5 -2,6 -0,1 -1,0 -7,9 -3,3 USA 2,3 -7,1 2,6 1,8 0,7 1,2 -2,3 -3,5 -3,5 -4,6 -23,6 -11,7 Japan 0,7 -5,9 1,7 0,5 -0,2 0,5 3,6 3,8 4,2 -4,1 -14,5 -9,5 China 6,1 1,1 8,4 2,9 2,8 2,0 1,0 1,4 1,2 -4,9 -6,7 -4,0 Welt 3,1 -5,0 4,8 3,0 2,5 2,5 *Inflationsdaten für EU-Länder basieren auf harmonisierten Verbraucherpreisindizes. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Publikationen führen. Quellen: Nationale Behörden, Nationale Zentralbanken, Deutsche Bank Prognosen Deutschland: BIP-Wachstum nach Komponenten, % gg.Vq., Jahresdaten % gg.Vj. 2020 2021 2018 2019 2020P 2021P Q1 Q2P Q3P Q4P Q1P Q2P Q3P Q4P BIP 1,5 0,6 -9,0 4,0 -2,2 -14,0 6,0 2,5 1,5 1,3 1,0 1,1 Privater Konsum 1,3 1,6 -10,0 7,0 Staatsausgaben 1,4 2,6 6,8 0,4 Anlageinvestitionen 3,5 2,6 -9,3 6,0 Ausrüstungen 4,4 0,6 -20,7 10,7 Bau 2,5 3,9 -3,2 3,7 Lager, %-Punkte 0,3 -0,9 -0,3 -0,4 Exporte 2,1 0,9 -14,0 6,0 Importe 3,6 1,9 -9,8 5,7 Nettoexport, %-Punkte -0,4 -0,4 -2,6 0,3 Konsumentenpreise (HVPI) 2,0 1,3 0,4 0,6 Arbeitslosenquote, % 5,2 5,0 6,6 6,4 Industrieproduktion* 1,1 -4,2 -12,0 11,0 Budgetsaldo, % BIP 1,9 1,5 -9,5 -6,1 Öffentlicher Schuldenstand, % BIP 61,9 59,8 75,9 80,4 Leistungsbilanzsaldo, % BIP 7,4 7,8 6,6 6,4 Leistungsbilanzsaldo, EUR Mrd. 241,4 267,1 206 210 * Verarbeitendes Gewerbe (NACE C) Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank, Arbeitsagentur, Deutsche Bank Research Allmählich aus der Konjunkturschlucht 3 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    Update zur Corona-Pandemie - große Unter schiede zwischen einzelnen Staaten  Global steigt die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit COVID-19 recht ste tig an. Die Pandemie ist daher noch lange nicht vorbei oder unter Kontrolle.  Wir unterscheiden drei verschiedene Ländergruppen bezüglich ihres aktuel len Infektionsgeschehens: (1) Länder, denen es bislang gelungen ist, die In fektionsrate dauerhaft zu senken und dadurch die erste Welle einzudäm men. (2) Länder, die nach wie vor eine hohe Wachstumsrate bei den tägli chen Neuinfektionen verzeichnen und sich noch in der ersten Welle befin den. (3) Länder, die sich derzeit mit einer zweiten Infektionswelle konfron tiert sehen, nachdem sie zuvor bereits in der Lage waren, die täglichen In fektionszahlen deutlich zu senken.  Deutschland und andere westeuropäische Länder zählen zur ersten Gruppe. Die USA, Brasilien oder Indien gehören der zweiten Gruppe an. Die Corona-Pandemie ist bei Weitem noch nicht vorbei Auf globaler Ebene steigt die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit COVID-19 weiter an. Die Pandemie ist also bei Weitem noch nicht vorbei oder unter Kon trolle. Zuletzt überstieg die Zahl der bestätigten Infektionen weltweit die Marke von 10 Mio. Menschen. Mehr als 500.000 Menschen sind inzwischen im Zusam menhang mit COVID-19 gestorben. Gleichwohl waren einzelne Staaten seit Be ginn des Ausbruchs sehr unterschiedlich von der Corona-Krise betroffen. Wir unterscheiden drei verschiedene Ländergruppen bezüglich ihres aktuellen Infek tionsgeschehens: - Länder, denen es bislang gelungen ist, die Infektionsrate dauerhaft zu sen ken und dadurch die erste Welle einzudämmen. - Länder, die nach wie vor eine hohe Wachstumsrate bei den täglichen Neu infektionen verzeichnen und sich noch immer in der ersten Welle befinden. - Länder, die sich derzeit mit einer zweiten Infektionswelle konfrontiert sehen, nachdem sie zuvor bereits in der Lage waren, die täglichen Infektionszahlen für längere Zeit deutlich zu senken. Gruppe 1: (West-) Europa, China, Südkorea, Japan, Australien, Kanada In den letzten Wochen ist es den meisten westeuropäischen Ländern - darunter Deutschland - gelungen, die Wachstumsrate der täglichen Neuinfektionen auf einem relativ niedrigen Niveau zu stabilisieren. Trotz des kontinuierlichen Wie derhochfahrens des wirtschaftlichen und sozialen Lebens sowie der weitgehen den Aufhebungen der Reisebeschränkungen innerhalb der EU, ist die Zahl der akut an COVID-19 erkrankten Menschen recht stetig gesunken. Engpässe im Gesundheitssektor (z.B. Verfügbarkeit von Intensivbetten) sind derzeit nicht zu beobachten. Zudem wurden die Testkapazitäten erhöht. Auf Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und andere kontinentaleuropäische Länder trifft diese Beschreibung zu. Großbritannien schaffte es erst etwas später als die zu vor genannten Länder, die Infektionskurve abzuflachen. Außerhalb von Europa haben China, Südkorea, Japan, Australien und einige andere Länder die Corona-Krise ähnlich gut oder sogar besser in den Griff bekommen als Westeu ropa. Dennoch treten auch hier auf niedrigem Niveau neue Fälle auf. In Deutschland gab es in den letzten Tagen lokal begrenzte Ausbrüche, etwa im Umfeld von fleischverarbeitenden Betrieben. Daher nahm die Zahl der täglichen 0 50 100 150 200 250 300 350 Mrz 20 Apr 20 Mai 20 Jun 20 DE FR IT ES UK Kumulierte bestätigte COVID-19-Fälle, '000 Kontinentaleuropa war erfolgreicher beim Abflachen der Kurve als UK 1 Quelle: WHO 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 Jan 20 Mrz 20 Mai 20 Kumulierte bestätigte COVID-19-Fälle, '000 Quelle: WHO China und Südkorea erfolreich im Kampf gegen das Coronavirus 2 Allmählich aus der Konjunkturschlucht 4 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    Neuinfektionen zuletzt zwischenzeitlich wieder zu. Maßnahmen zur Nachverfol gung der Infektionskette durch die Gesundheitsämter sowie Quarantäneregeln haben jedoch bislang eine regionale Ausbreitung über die lokalen Hotspots hin aus verhindert. Das Risiko einer nationalen zweiten Infektionswelle schätzen wir daher als gering ein. Viele Stadt- und Landkreise haben in den letzten Tagen keine oder nur wenige Neuinfektionen gemeldet. Gruppe 2: USA, Lateinamerika, Indien, Russland, Afrika und andere Obwohl die ersten COVID-19-Fälle in vielen Ländern der zweiten Ländergruppe bereits im Februar festgestellt und zwischenzeitlich spürbare Lockdown-Maß nahmen ergriffen wurden, haben diese Länder die Infektionskurve auf nationaler Ebene noch nicht dauerhaft abgeflacht, zumindest nicht in jenem Ausmaß, wie dies in Westeuropa, China oder Südkorea gelungen ist. Die USA sind das Land mit der höchsten Zahl an bestätigten COVID-19-Fällen (2,6 Mio.) und Todesfäl len (annähernd 130.000). Während einige US-Bundesstaaten wie New York, New Jersey, Massachusetts oder Illinois die Wachstumsrate der täglichen Neu infektionen unter 0,5% gedrückt haben (ähnlich wie Westeuropa), ist in anderen Staaten wie Kalifornien, Texas oder Florida noch kein Abflachen der Infektions kurve zu beobachten. Es geht hier also nicht um eine zweite Infektionswelle, sondern diese Staaten befinden sich noch immer in der ersten Welle. Tatsäch lich hat sich zuletzt die Zahl der täglichen Neuinfektionen in manchen Bundes staaten und sogar auf nationaler Ebene sogar beschleunigt. Gleichzeitig wurden in manchen Staaten die Lockdown-Maßnahmen zurückgefahren, obwohl die Zahl der aktiven Fälle weiter steigt. Neben den USA verzeichnen Lateinamerika (Brasilien, Peru, Chile, Mexiko), In dien, Russland, Pakistan, Saudi-Arabien und viele afrikanische Länder (z.B. Südafrika, Ägypten) hohe tägliche absolute Neuinfektionen bzw. Wachstumsra ten. Zu den positiven Botschaften zählt, dass die Zahl der Genesenen die Zahl der an COVID-19 akut Erkrankten in vielen dieser Länder inzwischen übersteigt (jedoch nicht in den USA). In Russland sinkt die Zahl der täglichen Neuinfektio nen, allerdings auf recht hohem Niveau. Schweden gehört ebenfalls der zweiten Ländergruppe an, da hier die täglichen Neuinfektionen tendenziell steigen. Wir erwarten, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung in der zweiten Länder gruppe länger verzögert als in der ersten Gruppe. Die schleppende Erholung wird ebenfalls den Welthandel sowie Deutschlands Exporte dämpfen. Gruppe 3: Iran, Israel, Bulgarien - Risiken in einigen Ländern Einige Staaten hatten es geschafft, die Wachstumsrate der täglichen Neuinfekti onen zeitweise deutlich zu senken, sehen sich nun aber mit einem Anstieg der Wachstumsrate oder einer höheren Zahl an Neuinfektionen konfrontiert. Diese Zuwächse sind nicht (ausschließlich) auf lokale Ausbrüche zurückzuführen, son dern zu einem großen Teil Folge der Lockerungsmaßnahmen. Der Iran ist ein typisches Beispiel für eine solche Entwicklung. Allerdings können zweite Wellen auch in kleineren Ländern beobachtet werden. So lagen die täglichen Neuinfek tionen in Bulgarien oder Israel in den letzten Tagen über dem Niveau von Mitte Mai. In der Türkei war Mitte Juni ein erneuter Anstieg zu verzeichnen. Allerdings ist es wohl zu früh, in diesem Fall von einer zweiten Welle zu sprechen. Kroatien verzeichnete zwischen Ende Mai und Mitte Juni durchschnittlich weniger als eine Neuinfektion pro Tag. Zuletzt schnellte die Zahl der Neuinfektionen wieder auf zweistellige Werte hoch. Der Hauptgrund dürfte jedoch in einem lokalen Ausbruch liegen. Letztlich zeigt sich jedoch, dass zweite Wellen nicht auszu schließen sind, solange das Virus existiert. Eric Heymann (+49 69 910-31730, eric.heymann@db.com) 0 500 1.000 1.500 2.000 2.500 Mrz 20 Apr 20 Mai 20 Jun 20 Kumulierte bestätigte COVID-19-Fälle, '000 Quelle: WHO Anhaltende Zunahme von Neuinfektionen in den USA 3 0 200 400 600 800 1.000 1.200 Mrz 20 Apr 20 Mai 20 Jun 20 BR RU IN Starker Anstieg der Neuinfektionen in den Schwellenländern 4 Kumulierte bestätigte COVID-19-Fälle, '000 Quelle: WHO 0 1.000 2.000 3.000 4.000 5.000 6.000 Feb 20 Apr 20 Jun 20 TR IR Zweite Welle im Iran 5 Tägliche bestätigte COVID-19-Fälle Quelle: WHO Allmählich aus der Konjunkturschlucht 5 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    Wie tief war der Konjunkturabsturz? - Hochfrequenzdaten, die die Wirtschaftsaktivität auf täglicher Basis abbilden, legen nahe, dass Ende April, als die Lockdown-Maßnahmen allmählich wie der gelockert wurden, eine Trendwende in der Wirtschaft stattgefunden hat. Mit dem überraschend starken Anstieg der Einzelhandelsumsätze im Mai (+13.9% gg. Vorjahr) sind die Chancen gestiegen, dass der BIP-Rückgang in Q2 „nur" einstellig ausgefallen sein konnte. Allerdings sollte man ange sichts der extremen Volatilität bei den Monatszahlen, die wir auch in ande ren Ländern gesehen haben, einen einzelnen Wert nicht überinterpretieren. - Das Konjunkturpaket der Bundesregierung in Höhe von 130 Mrd. Euro hat unsere anfänglichen Erwartungen etwas übertroffen, jedoch nicht in dem Maße, dass dies eine Aufwärtsrevision unserer BIP-Prognose für die zweite Jahreshälfte erforderlich machen würde. Insbesondere auch deshalb nicht, weil die noch bestehenden Pandemie-bedingten Unsicherheiten die wirt schaftlichen Auswirkungen des Maßnahmenpakets einschränkten könnten. - Wir räumen jedoch ein, dass die Aufwärtsrisiken zu unserer BIP-Prognose von -9% für 2020 angestiegen sind. Die Aktualisierung unserer Prognose ist für Anfang August geplant. Internationales Umfeld: Zwischen einer V-förmigen Erholung in China und einer zaghaften Konjunkturbelebung in Europa? Unsere asiatischen Kollegen vertreten zunehmend eine eher optimistische Sichtweise, insbesondere was die Erholung in China anbelangt. Nach einem weiteren Sprung des PMI Composite Index auf 54,5 im Mai und ermutigenden Daten für die Industrie und den Export haben sie ihre BIP-Prognose für das zweite Quartal von -2,5% im Vergleich zum Vorjahr auf +3,0% oder +12,2% ge genüber dem Vorquartal angehoben, nachdem die Konjunktur im 1. Quartal um 10,8% eingebrochen war. Für das zweite Halbjahr gehen sie von vierteljährli chen Wachstumsraten von circa 2% aus. Der eher dynamische Anstieg sollte im Gesamtjahr 2020 nun in einer Wachstumsrate von 1,1% resultieren, im Gegen satz zu einem bis dato erwarteten Rückgang von 1,1%. Die Daten aus den USA waren uneinheitlich. Die Konsumausgaben erholten sich stärker als erwartet. Aber dies war das Ergebnis eines Anstiegs speziell bei den Ausgaben von Haushalten mit niedrigerem Einkommen aufgrund der (tem 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 Jan Feb Mär Apr Mai Jun AUT FRA DEU ITA ESP UK USA Strenge der staatlichen Eindämmungsmaßnahmen (100 = strengstmögliche Maßnahmen) 1 Index, täglich Quelle: Oxford COVID-19 Government Response Tracker Allmählich aus der Konjunkturschlucht 6 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    porären) Unterstützung zur Stimulierung der Konsumausgaben und einer erwei terten Arbeitslosenversicherung. In anderen Bereichen der Wirtschaft, wie zum Beispiel in der Fertigung oder dem Wohnungswesen, war der Aufschwung eher gedämpft. Auf Hochfrequenzdaten basierende Indikatoren deuten darauf hin, dass sich der konjunkturelle Aufschwung verlangsamt. Dennoch steht der aktu elle DB BIP-Tracker für Q2 bei -36% gg. Vq. (annualisiert), was geringfügig oberhalb unserer offiziellen Prognose von -38,4% liegt. Alles in allem sind die Chancen für eine etwas besser als erwartete Erholung leicht gestiegen, aber die Trendverschlechterung bei den Neuinfektionen in einigen wichtigen Bundes staaten zwingt uns zur Vorsicht. In der Eurozone ist die Corona-Pandemie weitestgehend unter Kontrolle und in zwischen wurden die Lockdowns in allen Ländern im Wesentlichen aufgehoben. Der Flash PMI Composite für die Eurozone stieg im Juni auf 47,5 Punkte, nach einem Allzeittief von 13,6 im April. Die Industrieproduktion in den wichtigsten EWU-Staaten (ausgenommen Deutschland) ist im April im Jahresvergleich um etwas mehr als 1/3 gesunken, der Einbruch beim Einzelhandelsumsatz war et was kleiner. Dennoch bleibt der tatsächliche Umfang des Konjunkturabsturzes während des Lockdown momentan noch unklar. Unsere Prognose eines BIP Rückgangs in Q2 von -18% gg. Vq. überschätzt wahrscheinlich die Heftigkeit des Corona-Schocks. Einige Daten deuten jedoch darauf hin, dass die Kon- sensprognose von -12% gg. Vq. zu optimistisch sein könnte. Das von der Corona-Pandemie verursachte Konjunkturtief ist immens. Verschiedene Indika toren deuten darauf hin, dass die Wirtschaftsaktivität dieses Tief bereits zur Hälfte überwunden hat. Wenn wir die BIP-Prognosen in Niveaus überführen würden, gehen wir davon aus, dass sich die Wirtschaftsaktivität bis Ende des zweiten Quartals auf circa 85% des normalen Niveaus erholt. Die nächste Phase der Normalisierung - Erholung der Wirtschaftsaktivität von 85-90% zu rück auf 100% - wird langsamer verlaufen. Das Momentum, das wir derzeit be obachten, ist aufgrund des vorherigen Nachfragestaus wahrscheinlich nach oben verzerrt. Viele der nachrangigen Kosten des Schocks, wie beispielsweise Unternehmenskonkurse und die Umwandlung der (verdeckten) teilweisen Ar beitslosigkeit in (sichtbare und kostenintensivere) vollständige Arbeitslosigkeit werden erst mit einer zeitlichen Verzögerung sichtbar und wahrscheinlich die private Nachfrage inmitten von Unsicherheit und schon erhöhter Ersparnisbil dung dämpfen. Gleichzeitig werden wichtige Teile der Wirtschaft aufgrund der Social-Distancing-Regeln noch nicht in der Lage sein, mit voller Leistung zu ar beiten. Deutschland: BIP-Rückgang in Q2 - wohl weniger heftig als noch vor sechs Wochen befürchtet Die Erholung der Stimmungsindikatoren im Mai und Juni unterstützt die Auffas sung, dass in Bezug auf die harten monatlichen Daten wie Industrieproduktion oder Einzelhandelsumsatz im April der Tiefpunkt erreicht wurde. Dies wurde durch den überraschend starken Anstieg der Einzelhandelsumsätze im Mai (+13.9% gg. Vormonat) eindrucksvoll bestätigt (April -6,5%), wenngleich die Umsätze im Juni - auch wegen der am 1. Juli in Kraft getretenen Senkung der Mehrwertsteuersätze um 3 Punkte - wohl wieder deutlich nachgeben dürften. Im Juni hat der Ifo-Geschäftsklimaindex mehr als die Hälfte seines Rückgangs von 21,8 Punkten zwischen Februar und April wieder wettgemacht. Der PMI Composite Index hat sogar circa 85% seines Verlusts zwischen Februar und April wieder aufgeholt. Unsere Standard-Brückenmodelle für die BIP-Prognose, die auf den vierteljährlichen Durchschnittswerten dieser Stimmungsindikatoren basieren, sagen deshalb eher leichte Rückgänge zwischen 2% und 3% gg. Vq. für das BIP in Q2 voraus. Jedoch ist die Verbesserung des Ifo-Geschäfts -10 -5 0 5 10 15 95 96 97 98 99 100 101 102 103 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 Frühindikator für globale Industrieproduktion Auftragseingang aus dem Ausland (Kern, 3Mav, rechts) Quelle: Deutsche Bundesbank Frühindikatoren zur globalen Industrie produktion und Auslandsaufträgen 3 Index (>100 = Expansion) Index % gg. Vj. 60 70 80 90 100 110 120 130 13 14 15 16 17 18 19 20 Produktion Auslandsaufträge Einzelhandelsumsätze Monatsindikatoren deutscher Konjunktur 2 2010=100 Quellen: Deutsche Bundesbank, Statistisches Bundesamt -10 -8 -6 -4 -2 0 2 4 19 20 ifo PMI Comp ZEW Sentix Deutsche Stimmungsindikatoren - Tendenz steigend 4 Quellen: Bloomberg Finance LP, ifo, IHS Markit standardisiert Allmählich aus der Konjunkturschlucht 7 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    klimaindex bisher fast ausschließlich auf die Erwartungskomponente (+21,9) zu rückzuführen. Die Exporterwartungen haben sich mehr oder weniger von dem Einbruch infolge des Corona-Schocks erholt, sie sind von einem Tiefstand von - 50,7 (April) auf -2,3 im Juni gestiegen (Durchschnitt in den vorangegangenen 6 Monaten lag bei -1,8). Die Komponente zur Lagebeurteilung ergibt lediglich ei nen geringen Anstieg von 1,9% (die PMI-Umfrage weist hinsichtlich der Erho lung der aktuelleren und der eher zukunftsgerichteten Komponenten keine sol che Differenz auf). In der Industrie hat die Bewertung der aktuellen Situation ih ren Tiefpunkt mit -43,1 (Saldenwert) erst im Mai erreicht und dieses Rekordtief auch im Juni nicht überwunden. Historisch gesehen ist die aktuelle Bewertung ein schlechter Indikator für das BIP des laufenden Quartals, der klar von dem Gesamtindex und der Erwartungskomponente übertroffen wird. Aber aufgrund der derzeitigen Situation sollte die von der aktuellen Bewertung ausgehende Botschaft besser nicht ignoriert werden. Hochfrequenz-Aktivitätstracker zeigen ein positiveres Bild Aufgrund der ersten Lockerungen der Lockdown-Maßnahmen am 20. April und der umfangreicheren Lockerungen vom 6. Mai ist die allmähliche Konjunkturer holung auch bei den verschiedenen Indikatoren der täglichen und wöchentli chen Wirtschaftsaktivität sichtbar. Die Tracker zur täglichen Wirtschaftsaktivität, die sich eingehender mit der Industrieproduktion beschäftigen, wie beispiels weise Daten zum LKW-Verkehr (die auch durch die Wiedereröffnung der Lan desgrenzen beeinflusst werden) oder Stromverbrauch (der viele große Industrie standorte nicht berücksichtigt, die ihre internen Stromanlagen nutzen), schwan ken noch zwischen 5 und 10% unter ihrem Niveau vor Corona (siehe Grafiken 5 und 6). Die individuelle Mobilität befindet sich, was das Fahren und Gehen an belangt, gemäß den Trackern von Apple und Google wieder auf dem Niveau vor Ausbruch der Corona-Pandemie. Während die Daten von Apple nahelegen, dass die Mobilität in Deutschland über dem Ausgangswert liegt, zeigen die wö chentlichen Daten von Google immer noch eine Lücke. Weiterhin zeigen beide Datensätze, dass die Transportaktivitäten (öffentlicher Verkehr) hinter den Er wartungen zurückbleiben, d.h. dass Fahren und Gehen wahrscheinlich aufgrund von Substitutionseffekten zunehmen. Die Fußgängerzahlen in großen Einkaufs straßen haben wieder ein normales Niveau erreicht. Dennoch liegen laut Infor mationen des Handelsverbands Textil die Kundenzahlen in den Läden immer noch 20 bis 25% unter dem Vorkrisenniveau 1 . Die Menschen scheinen ihre Ein käufe immer noch auf das Wesentliche zu beschränken. Außerdem werden grö ßere Anschaffungen aufgrund der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung, die Mitte des Jahres in Kraft tritt, sicherlich bis Juli verschoben. Die Bundesbank hat einen Tracker der wöchentlichen Aktivitäten (WAI) 2 ge schaffen, der Umfragedaten, Hochfrequenz-Aktivitäten sowie auch Google-Su chen nach spezifischen Schlüsselwörtern verbindet. Der Indikator, der entwi ckelt wurde, um das durchschnittliche BIP-Wachstum während der letzten 13 Wochen im Vergleich zu den vorangegangenen 13 Wochen zu bewerten, hat Mitte Juni seine Talsohle erreicht. Der gleitende 13-Wochen-Durchschnitt impli ziert, dass der Index lediglich ein verspätetes Wendepunktsignal gibt. Der prog nostizierte Rückgang des BIP hatte in der zweiten Juniwoche -7,25% erreicht. In den beiden letzten Wochen hat sich der von diesem Index prognostizierte BIP Rückgang deutlich reduziert (KW 25: -6,08% und KW 26: -4,81%). 1 https://www.handelsblatt.com/dpa/wirtschaft-handel-und-finanzen-trotz-corona-die-kunden-keh ren-allmaehlich-in-die-innenstaedte-zurueck/25948246.html?ticket=ST-2253165 ca7E6xxxvF5DX5nAfrMO-ap6 2 https://www.bundesbank.de/en/statistics/economic-activity-and-prices/weekly-activity-in dex/weekly-activity-index-for-the-german-economy-833976 90 95 100 105 110 115 120 Jan-Juni 2019 Jan-Juni 2020 Lkw-Maut-Fahrleistungsindex: Die Lücke wird kleiner 5 Quelle: Statistisches Bundesamt Gleit. 7-Tages-Durchschnitt, 2015=100 1.000k 1.100k 1.200k 1.300k 1.400k 1.500k 1.600k Jan Feb Mrz Apr Mai Jun 2019 2020 MWh, gleit. 7-Tages-Durchschnitt Tatsächlicher Strombedarf 6 Quellen: Bundesnetzagentur, Deutsche Bank Research Allmählich aus der Konjunkturschlucht 8 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    Es ist davon auszugehen, dass der Index weniger genau sein wird, wenn die BIP-Schwankungen so extrem sind wie dies derzeit zu beobachten ist und wie dies auch bei der eindeutigen Unterschätzung in 2009 der Fall war. Da die Lockdown-Wochen mit extrem niedrigen Aktivitätsniveau jetzt in den Basiszeit raum rutschen (d.h. den vorherigen Zeitraum von 13 Wochen), fällt der Ver gleich zunehmend besser aus. Der Effekt wird auch durch „eher normale" Wo chen verstärkt, die in den jetzigen Zeitraum von 13 Wochen eingehen. Folglich sollte sich der Index in den nächsten Wochen weiter verbessern, was unsere Bedenken bestätigt, dass dieser ein zu optimistisches Bild des BIP-Rückgangs im zweiten Quartal bietet. Alles in allem scheint unsere Abschätzung von Anfang Mai, in der wir einen BIP Rückgang in Q2 von -14% gg. Vq. prognostiziert hatten, zu pessimistisch gewe sen zu sein. Aktuelle Prognosen (aus der zweiten Junihälfte) erwarten einen Rückgang von annähernd -10% gg. Vq. (Bundesbank, Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung) bis -13% gg. Vq. (IfW und RWI). Aufgrund dieser Unsicherheiten geben diese aktuelleren Prognosen jedoch im Wesentlichen keine andere Sichtweise wieder. Das Statistische Bun desamt wird zum ersten Mal seine Schnellschätzung bereits 30 Tage nach dem Ende des Berichtszeitraums veröffentlichen (d.h. am 30. Juli), dieser Zeitab stand lag bisher bei 45 Tagen. Das bedeutet, dass die Schnellschätzung für das zweite Quartal aufgrund der noch nicht verfügbaren Juni-Daten noch mehr auf Hilfsschätzungen vertraut als bisher. Diese Schätzungen dürften wohl erhebli che Probleme haben, die durch den Lockdown verursachten Verzerrungen der wirtschaftlichen Aktivität in den Griff zu bekommen. Somit könnte die detaillier tere Veröffentlichung, die Ende August ansteht, größere Korrekturen aufweisen als dies bis dato der Fall war. V-förmige Erholung in der zweiten Jahreshälfte wird noch nicht er wartet Obwohl das BIP in Q2 einen Rückgang um die -10% gg. Vq. aufweisen dürfte, hat die Wirtschaftsaktivität bereits im Verlauf dieses Quartals zugenommen. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, sollte der statistische Überhang (die Tatsache, dass das BIP-Niveau zum Ende des zweiten Quartals wahrscheinlich erheblich über dem des Durchschnitts von Q2 lag) einen erheblichen Anstieg des BIP in Q3 sicherstellen. In welchem Umfang dieser Anstieg in Q3 anhalten wird, hängt von der Entwicklung der Corona-Pandemie ab, d.h. von der Frage, ob die Ent wicklung in den derzeitigen Hotspots unter Kontrolle gebracht wird und neue Hotspots an anderen Orten vermieden oder eingedämmt werden können. Dies -80 -60 -40 -20 0 20 40 60 80 2020-01-14 2020-02-15 2020-03-18 2020-04-19 2020-05-23 2020-06-24 Auto Transit zu Fuß Index Google Mobilitäts-Index 8 Quelle: Apple mobility reports -8 -6 -4 -2 0 2 -8 -6 -4 -2 0 2 15 16 17 18 19 20 WAI GDP (qoq) % gg. Vq. BIP & BuBa "Weekly Activity Indicator" 7 Quelle: Deutsche Bundesbank Allmählich aus der Konjunkturschlucht 9 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    wird Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft über 3 Kanäle haben: 1) Die Er holung der externen Nachfrage, 2) die Erholung der Investitionsausgaben und 3) die Normalisierung des privaten Konsums. Wiederaufflammen der Pandemie könnte die Wirkung des Konjunkturpakets der Bundesregierung erheblich dämpfen Kanal 1 unterliegt erheblichen Risiken, da noch unklar ist, ob der Anstieg bei den Neuinfektionen in großen Ländern wie den USA erneute Lockdowns zur Folge haben wird und in welchem Umfang die Handelsbeziehungen beeinträch tigt werden, wenn die Infektionsraten auf beiden Seiten des Atlantiks stark von einander abweichen. Kanal 2 und 3 haben ebenfalls eine wichtige Bedeutung für die Auswirkungen des Konjunkturpakets der Bundesregierung in Höhe von EUR 130 Mrd., das im Juni bekanntgegeben wurde. Bei unserer BIP-Prognose von Anfang Mai sind wir bereits von einem finanzpolitischen Maßnahmenpaket von bis zu EUR 100 Mrd. ausgegangen. Das im Juni bekanntgegebene Paket über EUR 130 Mrd. hat per se kaum Auswirkungen auf unsere Prognose. Das aktuelle Konjunkturpaket ist eher auf die zweite Jahreshälfte 2020 ausgerichtet. Es könnte das BIP-Wachstum um circa 1 %-Punkt in 2020 und circa ½ % Punkte in 2021 anheben 3 . Die Finanzmittel des Pakets, die in 2020 verwendet werden, stammen teilweise von anderen Haushaltspositionen, die bisher nicht in dem erwarteten Umfang in Anspruch genommen wurden, und bieten aus die sem Grund keine zusätzlichen Impulse. Wie die Verbraucher auf die temporäre Senkung der Mehrwertsteuer in H2 2020 reagieren werden (die ihre reale Kaufkraft um circa 1,5% erhöht), hängt von ih rem Vertrauen auf die Wirtschaftsentwicklung und von ihrer individuellen Be schäftigungssituation ab. Wenn die Unsicherheiten bestehen bleiben, dürften die Verbraucher - entgegen den Hoffnungen der politischen Entscheidungsträ ger - keine größeren Anschaffungen vornehmen. Die zaghafte Erholung des Wirtschaftsklimas (ifo, PMI) wird sich nur dann fortsetzen, wenn erneute Unsi cherheiten infolge der Corona-Pandemie in Schach gehalten werden können. Wenn beispielsweise die Verbesserung der Exporterwartungen, die aus der Juni-Umfrage des ifo-Instituts hervorgeht, aufgrund von Bedenken bezüglich der Entwicklungen der Corona-Pandemie in wichtigen Exportmärkten unterminiert wird, könnten Unternehmen die möglichen Steuereinsparungen aufgrund der großzügigeren Abschreibungsvorschriften nicht nutzen und stattdessen in Be zug auf neue Investitionen die Hände in den Schoß legen. Keine hinreichenden Gründe für eine Korrektur der vierteljährli chen Wachstumsraten für Q3 und Q4 Aufgrund der zuvor genannten Unsicherheiten erkennen wir nicht, dass das Konjunkturpaket der Bundesregierung den Ausblick für die zweite Jahreshälfte stark genug verbessert, um eine Aufwärtskorrektur unserer vierteljährlichen BIP Prognosen für Q3 (6% gg. Vq. ) und für Q4 (2% gg. Vq.) erforderlich zu machen. Doch wir räumen ein, dass sich die Aufwärtsrisiken insgesamt erhöht haben. Stefan Schneider (+49 69 910-31790, stefan-b.schneider@db.com) 3 https://www.bundesbank.de/re source/blob/834276/8fd4a5ab552c6179e4982f459b6d108c/mL/2020-06-projektion-data.pdf Allmählich aus der Konjunkturschlucht 10 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    Öffentliche Finanzen: Nach der „Bazooka" hat es „Wumms" gemacht - Berlin geht in die Vollen, um die Wirtschaftserholung zu unterstützen Auf die Nothilfen und Rettungspakete für die Wirtschaft … - Um die Wirtschaftserholung zu unterstützen und Deutschlands Zukunftsfä higkeit zu sichern, geht die Regierung mit der Auflage eines Multi-Milliarden schweren Fiskalpakets in die Vollen. Anfang Juni hat sie zwei Fiskalpro gramme im Umfang von EUR 130 Mrd. für die Jahre 2020/21 (3,8% des BIP in 2019) angekündigt. Angesichts des wirtschaftlichen Ausmaßes der Corona-Krise waren weitere Konjunkturhilfen unumgänglich. Auch wenn die direkten wirtschaftlichen Effekte durch „Sickerverluste" begrenzt werden dürften, sollte man die positive psychologische Wirkung nicht unterschät zen. Insgesamt ist das Fiskalpaket eine angemessene Antwort auf die öko nomischen Herausforderungen. - Der größte Teil der Haushaltsbelastungen wird 2020 anfallen. Wir schätzen den vom Fiskalpaket ausgehenden fiskalischen Impuls deutlich kleiner ein als das Volumen von EUR 130 Mrd. suggeriert. Dies liegt darin begründet, dass große Teile des Pakets durch noch nicht ausgeschöpfte Mittel aus dem ersten Nachtragshaushalt (vom März) gegenfinanziert werden sollen (mehr als EUR 60 Mrd.). Letztere haben wir jedoch in unserer bisherigen Projektion für das Finanzierungsdefizit bereits berücksichtigt. Ebenso bezie hen sich einige Programmposten auf innerstaatliche Transfers, die zu keiner Veränderung beim gesamtstaatlichen Finanzierungsdefizit führen. - Die fiskalische Mehrbelastung für 2020 (zusätzlich zu unserer bisherigen Fiskalprojektion) wird daher „nur" eine Größenordnung von EUR 25 Mrd. er reichen. Vor diesem Hintergrund haben wir unsere Projektion für das ge samtstaatliche Finanzierungsdefizit im Jahr 2020 nur moderat auf 9,5% vom BIP erhöht (zuvor: 8,7%). Unsere Projektion für die staatliche Schulden quote bleibt infolgedessen weitestgehend unverändert. Wir erwarten bis zum Jahresende 2020 einen Anstieg der Verschuldung auf 75,9% vom BIP (zuvor: 75,6%). - Die weitere Entwicklung der Staatsfinanzen unterliegt derzeit hohen Risi ken. In einem (noch) ungünstigeren Verlauf der Wirtschaft, in dem das reale BIP in diesem Jahr um rund 15% schrumpft und 2021 nur geringfügig wächst (1%), könnte das Staatsdefizit auf 13% vom BIP (2020) und 12 ½% vom BIP (2021) anschwellen. Dies würde zu einem noch deutlicheren An stieg der Bruttoschuldenquote auf bis zu 83 ½% (2020) und rund 95% (2021) führen. Im Gleichschritt mit den Maßnahmen zur Begrenzung der Pandemie hat die deutsche Regierung schnell und entschlossen gehandelt, die durch den Corona-Virus und die Eindämmungsmaßnahmen hervorgerufenen wirtschaftli chen Schäden abzufedern. Ende März hat sie einen EUR 156 Mrd. schweren Nachtragshaushalt für 2020 (oder 4 ½% vom BIP in 2019) beschlossen, um ein „Schutzschild" gegen die wirtschaftlichen Folgen zu schmieden. Insgesamt be läuft sich Deutschlands sofortige fiskalische Antwort auf die Krise auf eine astro nomisch hohe Summe von EUR 1,273 Billionen (37% vom BIP in 2019) 4 . Wäh rend EUR 453,3 Mrd. (13,2% vom BIP) dieser Summe auf Mehrausgaben, steu erliche Erleichterungen und Kredit- und Beteiligungsprogrammen zurückgehen, stehen EUR 819,7 Mrd. (23,9% vom BIP) in Verbindung mit der Genehmigung 4 Siehe Bundesfinanzministerium, Stabilitätsprogramm 2020 (April 2020). Allmählich aus der Konjunkturschlucht 11 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    staatlicher Garantien, die die Regierung erforderlichenfalls vergeben kann (für weitere Informationen siehe Tabellen 14 und 15 auf Seite 8 in unserem Focus Germany „COVID-19: Crisis resilience made in Germany", 10. Juni 2020). Be rücksichtigt man (a) den bereits vor dem Corona-Schock bestehenden Garantie rahmen für den Bund (EUR 465,5 Mrd. oder 13,6% vom BIP) sowie (b) die Mög lichkeit der Bundesregierung, die Obergrenze für ebendiesen Garantierahmen des Bundeshaushaltes um weitere EUR 246,6 Mrd. (7,2% vom BIP) zu weiten, hat der deutsche Staat einen massiven finanziellen „Feuerschutzwall" von über EUR 1,9 Billionen (oder 60% vom für 2020 erwarteten BIP) errichtet. … folgen Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaftserholung … Nach den wirtschaftlichen Verwüstungen kommt der Wiederaufbau. Um (das Vertrauen in) die wirtschaftlichen Erholung zu stärken und Deutschlands Zu kunftsfähigkeit zu sichern, ist die Bundesregierung mit Auflegung eines milliar denschweren Konjunkturpakets in die Vollen gegangen. Anfang Juni hat sie zwei Fiskalprogramme im Umfang von EUR 130 Mrd. für die Jahre 2020/21 (3,8% des BIP in 2019) angekündigt. Anregung des privaten Konsums Ein Kernelement des ersten Programms - des „Konjunktur- und Krisenbewälti gungsprogramms" - ist die vorübergehende Senkung des Mehrwertsteuersat zes in der zweiten Jahreshälfte (vom 1. Juli bis zum 31. Dezember). Während der Standardsatz von 19% auf 16% sinkt, ermäßigt sich der reduzierte Satz von 7% auf 5%. Die steuerliche Entlastung der Verbraucher und/oder Firmen wird auf EUR 20 Mrd. (0,6% vom BIP in 2019) geschätzt. Weitere Erleichterungen für die privaten Haushalte (und Firmen) sollen in den Jahren 2021/22 über niedri gere Strompreise kommen. Dies geschieht über eine Absenkung der EEG Umlage - finanziert werden soll dies über Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt (geschätzte Finanzwirkung: EUR 11 Mrd.). Darüber hinaus erhalten Familien für jedes kindergeldberechtigte Kind eine Einmalzahlung („Kinderbonus") von EUR 300 (Finanzwirkung: EUR 4,3 Mrd.). Finanzhilfen für kleine/mittlere Firmen und Solo-Selbständige Die von der Corona-Pandemie besonders stark in Mitleidenschaft gezogenen Firmen sollen mit Überbrückungshilfen finanziell unterstützt werden. Die Regie rung hat dazu ihr Soforthilfeprogramm - welches sich an kleine Firmen und Solo-Selbständige gerichtet hat - in ein „Programm für Überbrückungshilfen" überführt. Dieses Nachfolgeprogramm soll in den Monaten Juni bis August 2020 laufen und richtet sich nicht nur an Kleinstunternehmen und Solo-Selbständige, sondern ebenfalls an mittlere und größere Firmen (sofern letztere nicht in den Unterstützungsbereich des „Wirtschaftsstabilisierungsfonds" fallen). Das Programm hat ein maximales Fördervolumen von EUR 25 Mrd. (0,7% vom BIP in 2019). Die nicht rückzahlbaren Zuschüsse sollen aus ungenutzten Mitteln des vorhergehenden Soforthilfeprogramms finanziert werden. Auch wenn das Programm sich an alle Wirtschaftsbereiche richtet, zielt es im Besonderen auf die am stärksten betroffenen Sektoren ab (wie das Hotel-, Gastronomie, Touris mus-, Logistik- und Messegewerbe). Um Zuschüsse aus dem Programm zu er halten, müssen die Firmen einen beträchtlichen Umsatzrückgang nachweisen. 5 5 Die Regierung zahlt Zuschüsse zur Deckung der betrieblichen Fixkosten nur unter der Vorausset zung, dass eine Firma in den Monaten April und Mai 2020 von einem Umsatzrückgang von durch schnittlich mindestens 60% gegenüber dem Vorjahreszeitraum betroffen ist. Je nach Ausmaß des Umsatzrückgangs in den Monaten Juni und August übernimmt die Regierung bis zu 80% der be Allmählich aus der Konjunkturschlucht 12 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    Steuerliche Erleichterungen für den Unternehmenssektor Die Regierung hat sich darüber hinaus auf verschiedene zusätzliche Maßnah men zur steuerlichen Erleichterung verständigt. Ziel der Regierung ist es, die Li quiditätssituation der Firmen zu verbessern sowie diese darin zu bestärken, auch während der Krise weiter zu investieren. Dazu wird z.B. der steuerliche Verlustrücktrag für die Jahre 2020/21 auf einen Maximalbetrag von EUR 5 Mio. (von bisher EUR 1 Mio. 6 ) aufgestockt (geschätzte Finanzwirkung: EUR 2 Mrd.). Dabei können die Firmen bereits in der Steuererklärung für das Geschäftsjahr 2019 die in diesem Jahr (2020) anfallenden Verluste mit den Gewinnen aus dem Jahr 2019 verrechnen. Hinsichtlich einer Verbesserung der Liquiditätslage wird zudem die Fälligkeit der Einfuhrumsatzsteuer auf den 26. des Folgemonats verschoben (geschätzter Verschiebeeffekt: EUR 5 Mrd.). Um die Investitionsan reize der Firmen zu stärken, hat sich die Regierung darauf geeinigt, die Ab schreibungsmöglichkeiten zu verbessern. So wird die degressive Abschreibung (AfA) für bewegliche Wirtschaftsgüter wieder eingeführt, jedoch mit einer zeitli chen Befristung auf die Jahre 2020/21 (Finanzwirkung: EUR 6 Mrd.). Unterstützung für den Arbeitsmarkt und Auszubildende Um weiteren Druck vom schwächelnden Arbeitsmarkt fernzuhalten, hat die Re gierung mit ihrer „Sozialgarantie 2021" versprochen, die Sozialversicherungsbei träge (zumindest) bis Ende 2021 auf einem Niveau von maximal 40% zu stabili sieren. Ebenso sollen kleine und mittelgroße Firmen (KMU), die ihr Ausbildungs platzangebot 2020 im Vergleich zu den drei Vorjahren nicht verringern oder gar ausweiten, Bundeszuschüsse erhalten („Ausbildungsprämie") (Finanzwirkung: EUR 0,5 Mrd.). Gegenwärtig liegt der aggregierte Sozialversicherungsbeitrag - bestehend aus den Beiträgen zur Arbeitslosen-, gesetzlichen Kranken-, sozialen Pflege- und allgemeinen Rentenversicherung - bei etwa 39,75% vom Bruttoar beitsentgelt eines Angestellten (dabei werden die Sozialversicherungsbeiträge jeweils zur Hälfte von den Arbeitnehmern und Arbeitgebern geleistet). Aufgrund des sprunghaften Anstiegs bei der Zahl der Kurzarbeiter und der deutlich gestie genen Arbeitslosenquote werden die deutschen Sozialversicherungsträger (als Teil des öffentlichen Sektors) in der nahen Zukunft voraussichtlich deutliche Fi nanzierungsdefizite ausweisen, auch wenn diese für eine gewisse Zeit über den Abbau bestehender Finanzreserven gegenfinanziert werden können. Mit der Sozialgarantie 2021 werden die Corona-bedingten Finanzierungslücken auf Ebene der Sozialversicherungen - insbesondere bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) und der gesetzlichen Krankenversicherung - über den Bundeshaus halt ausgeglichen (entweder über höhere Bundeszuschüsse oder Liquiditätshil fen). Aufgrund der in die Höhe geschossenen Anzahl der Kurzarbeiter sowie der höheren Arbeitslosigkeit könnte die BA im schlimmsten Fall bereits in diesem Jahr auf Bundeshilfen von über EUR 20 Mrd. angewiesen sein (siehe FAZ vom 22. Juni 2020). Diese ungünstigen Entwicklungen werden in den kommenden Jahren aufgrund der rapiden Alterung der Bevölkerung und der damit anfallen den fiskalischen Mehrbelastungen noch weiter verschärft. Problematisch bleibt die Tatsache, dass die Regierung noch immer nicht die dringend erforderlichen Strukturreformen auf den Weg gebracht hat, um die aufreißenden Demografie bedingten Finanzlücken im Sozialversicherungssystem zu schließen. trieblichen Fixkosten. Die maximale Fördersumme ist für größere Betriebe auf TEUR 150 gede ckelt. Bei Kleinstbetrieben und Solo-Selbständigen liegen die jeweiligen Obergrenzen bei TEUR 9 bzw. TEUR 15. 6 Bei der Zusammenveranlagung erhöht sich der Betrag von EUR 2 Mio. auf EUR 10 Mio. Allmählich aus der Konjunkturschlucht 13 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    Stabilisierung der Kommunalfinanzen Aufgrund (a) des Zusammenbruchs der stark pro-zyklischen Gewerbesteuer, (b) der steigenden Ausgaben für Grundsicherung und (c) der finanziellen Verluste bei kommunalen Verkehrsträgern ist die gegenwärtige Finanzlage vieler deut schen Kommunen erheblich angespannt. Um zu verhindern, dass die Gemein den aufgrund der finanziell schwierigen Lage ihre Investitionen zusammenkür zen müssen (ein Großteil der gesamtstaatlichen Investitionen wird auf kommu naler Ebene getätigt 7 ), haben Bund und Länder Hilfen angekündigt. Mit der Zah lung innerstaatlicher Finanzhilfen wollen Bund und Länder bei den Kommunen für eine stabile Finanzlage sorgen, sodass diese auch weiterhin investieren und wichtige öffentliche Güter bereitstellen können (wie z.B. den Öffentlichen Perso nennahverkehr (ÖPNV), Krankenhäuser, Schulgebäude). So wollen Bund und Länder den für dieses Jahr (2020) erwarteten Einbruch bei der kommunalen Gewerbesteuer jeweils zur Hälfte ausgleichen (ca. EUR 12 Mrd.). Zusätzlich wollen sie künftig einen höheren Anteil an den kommunalen Ausgaben für die Grundsicherung übernehmen. Konkret wollen sie die Grundsicherungsausga ben für Unterkunft (inklusive Heizung) dauerhaft von bis zu 75% (gegenwärtig: 50%) übernehmen (ca. EUR 4 Mrd. je Jahr). Die durch die temporäre Mehrwert steuersenkung bedingten Steuerausfälle der Kommunen will der Bund vollstän dig übernehmen (der Anteil der Kommunen liegt bei knapp 2% vom Mehrwert steueraufkommen). Darüber hinaus wollen Bund und Länder den Kommunen ei nen Betrag von EUR 2,5 Mrd. für den ÖPNV zukommen lassen. Die Einnah menseite des ÖPNV ist aufgrund des derzeit niedrigen Fahrgastaufkommens - bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung des normalen Fahrplans - negativ getroffen. … und zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit Deutschlands Rund EUR 50 (38,5%) des EUR 130 Mrd. schweren Konjunkturprogramms ent fallen auf das sogenannte „Zukunftspaket". Dieses Paket besteht aus drei Tei len: (1) „Zukunftsinvestitionen und Investitionen in Klimatechnologien", (2) ein Paket zur Verbesserung des deutschen Gesundheitssystems und zur Abwehr künftiger Pandemien („Gesundheitswesen stärken und den Schutz vor Pande mien verbessern") und (3) finanzielle Unterstützung auf europäischer und globa ler Ebene („Europäische und internationale Verantwortung"). Mit Blick auf den fiskalischen Instrumentenkasten besteht das Zukunftspaket aus einer Mischung aus Subventionen/Zuschüssen, steuerlichen Fördermaßnahmen und zusätzli chen (investiven) Staatsausgaben. Modernisierung der Wirtschaft (Digitalisierung, KI, Bekämpfung des Klimawan dels) Der erste Teil des Pakets beinhaltet z.B. die Förderung von Elektroautomobilien (Verdopplung der Kaufprämien; „Innovationsprämie") (EUR 2,2 Mrd.), den Aus bau der Ladesäuleninfrastruktur (EUR 2,5 Mrd.), die Modernisierung von Bus- und LKW-Flotten (EUR 1,2 Mrd.) und Flugzeugen (EUR 1,0 Mrd.). Ebenso bein haltet das Paket die Modernisierung der Binnenschifffahrtsinfrastruktur (EUR 1,0 Mrd.), die Umsetzung einer „Nationalen Wasserstoffstrategie" (EUR 7 Mrd.) - einschließlich dem Aufbau von internationalen Partnerschaften (EUR 3 Mrd.) -, verschiedene Maßnahmen zur Förderung von Forschung und Entwicklung im Unternehmenssektor, zur energetischen Gebäudesanierung (EUR 2 Mrd.) und Investitionen in künstliche Intelligenz (KI) (EUR 2 Mrd.). 7 2019 betrugen die kommunalen Bruttoanlageinvestitionen EUR 31,7 Mrd. (37% der gesamtstaat lichen Investitionen). Bei den öffentlichen Bauinvestitionen (als Teil der Bruttoanlageinvestitionen) lag der entsprechende Anteil der Kommunen bei noch höheren 56,5%. Allmählich aus der Konjunkturschlucht 14 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland Präventionsmaßnahmen für z ukünftige Pandemien Der zweite Teil des Pakets zielt darauf ab, den (a) öffentlichen Gesundheitssek tor zu stärken (z.B. über eine durch den Bund befristet finanzierte Personalauf stockung bei den Gesundheitsämtern) (Pakt für den öffentlichen Gesundheits dienst) (EUR 4 Mrd.), (b) die Infrastruktur in den Krankenhäusern zu verbessern (Zukunftsprogramm Krankenhäuser) (EUR 3 Mrd.), (c) die flexible und im Falle einer Epidemie skalierbare inländische Herstellung wichtiger Arzneimittel und Medizinprodukten zu fördern (EUR 1 Mrd.) sowie (d) eine nationale Reserve an persönlicher Schutzausrüstung aufzubauen (EUR 1 Mrd.). Stabilisierung der EU Der dritte Teil des Zukunftspakets nimmt Deutschlands (finanzielle) Verpflichtun gen auf europäischer und internationaler Ebene in den Blic k. Während Berlin Deutschlands Finanzhilfen zur Bekämpfung von Pandemien um zusätzliche EUR 3 Mrd. für die Jahre 2020/21 aufstocken möchte, ist der deutsche Beitrag zur Unterstützung der europäischen Wirtschaftserholung noch offen (in der zweiten Jahreshälfte übernimmt Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft). Der Merkel/Macron-Plan (MM-Plan) sieht die Errichtung eines „Europäischen Wie deraufbaufonds" mit einem Finanzvolumen v on EUR 500 Mrd. vor. So sollen die einzelnen Mitgliedstaaten aus diesem Topf nicht rückzahlbare Zuschüsse erhal ten. Die Finanzierung soll über neue Schulden auf Ebene der Europäischen Union (EU) erfolgen. Die EK hat für einen solchen Fonds eine noc h höhere Summe von EUR 750 Mrd. ins Spiel gebracht. Der Plan der EK sieht vor, dass die Mitgliedstaaten EUR 500 Mrd. an nicht rück zahlbaren Finanzhilfen erhalten und weitere EUR 250 Mrd. in Form von rück zahlbaren Krediten beanspruchen können (nur solche Mitgliedstaaten, die diese benötigen). Die zur Finanzierung erforderlichen EU-Schulden sollen über einen langen Zeitraum (bis 2058) zurückgezahlt werden. Mit den Tilgungen soll nicht vor dem Jahr 2028 begonnen werden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist noch unklar, wie die EK die Tilgung der Schulden refinanzieren möchte. Möglicher weise könnte daz u eine neue europäische Steuer eingeführt werden. Aber auch eine Anhebung der nationalen EU-Beiträge und/oder Ausgabenkürzungen an anderen Stellen erscheinen denkbar. Die Umsetzung des MM-Plans könnte für Deutschland zu einer finanziellen (Brutto-)Verpflichtung von rund EUR 135 Mrd. führen (mehr als 4% des deutschen BIP), wenn man dabei Deutschlands Anteil von 27% zugrunde legt. Freilich wird Deutschland ebenfalls von einem solchen Wiederaufbaufonds über den Erhalt von Zuschüs sen profitieren (in einer reinen Bruttobetrachtung). Allerdings dürften der deutsche Staat und somit die deut schen Steuerzahler am Ende des Tages Nettozahler sein. Auch wenn eine Schuldenaufnahme durch die EU den deutschen Staatshaus halt und die deutsche Bruttostaatsverschuldung nicht unmittelbar erhöhen wird (in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung wird zunächst einmal „nur" ein Fi nanzierungsdefizit auf EU-Ebene ausgewiesen), erhöht diese de facto die von den deutschen Steuerzahlern künftig zu schulternde Schuldenlast. Daher treibt diese auch die impliziten deutschen Staatsschulden weiter in die Höhe. Diese liegen (u.a. aufgrund ungelöster struktureller Finanzierungsprobleme bei den Sozialversicherungen) bereits deutlich über den offiziell ausgewiesenen (explizi ten) Staatsschulden. Insgesamt besteht ein hohes Risiko, dass die im Zusam menhang mit den neuen EU-Schulden stehenden finanziellen Verpflichtungen Deutschlands nicht deutlich und transparent dargestellt werden. Im schlimmsten Fall könnte dies zu einer „Schuldenillusion" führen - mit der Folge, dass die Haushaltsdisz iplin und die Nachhaltigkeit der Staatsfinanzen in der EU (und den einzelnen EU-Mitgliedstaaten) weiter ausgehöhlt werden würden. Allmählich aus der Konjunkturschlucht 15 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    Insgesamt erscheint die fiskalische Antwort auf die Krise angemessen Angesichts des wirtschaftlichen Ausmaßes der Corona-Krise waren weitere Konjunkturhilfen unumgänglich. Das Volumen bestätigt das bisherige Para digma der Regierung, in der aktuellen Krise mit umfangreichen Maßnahmen da gegenzuhalten, um einen maximal positiven psychologischen Effekt auf die Wirtschaft zu erzeugen. Die vorübergehende Mehrwertsteuersenkung ist dabei die am schnellsten und effektivsten wirkende Methode des jüngsten Konjunktur pakets. Dies wäre besonders dann der Fall, wenn die Firmen die Senkung über niedrigere Preise an die Endverbraucher weitergeben würden. Auch wenn die direkten wirtschaftlichen Effekte durch „Sickerverluste" begrenzt werden könn ten, sollte man die positive psychologische Wirkung nicht unterschätzen. Und selbst wenn die Firmen ihre Preise unverändert ließen, würde die Mehrwertsteu ersatzsenkung dennoch positiv auf die Gesamtwirtschaft wirken. Denn über die damit eintretende Verbesserung bei den Gewinnmargen der Firmen würden wiederum (indirekt) Arbeitsplätze gesichert werden. Der versprochene Anstieg bei den „Zukunftsinvestitionen" ist grundsätzlich eine gute Maßnahme, da von den öffentlichen Investitionen ein hoher Multiplikator Effekt auf die Volkswirtschaft ausgeht. Dennoch könnte sich die zeitnahe Um setzung dieser Investitionen als schwierig herausstellen (Verzögerungen bei der Umsetzung, „Investitionsstau"). Daher sind von diesen Zukunftsinvestitionen in der kurzen Frist keine großen Wachstumseffekte zu erwarten. Allerdings werden diese dazu beitragen, Deutschlands Wachstumspotenzial mittel- und langfristig zu heben. Insgesamt erscheint das Fiskalpaket eine angemessene Antwort auf die ökono mischen Herausforderungen zu geben. So wird das Konjunkturpaket das Wachstum - über die verschiedenen Maßnahmen auf der Ausgaben - und Ein nahmenseite - nicht nur direkt unterstützten (direkter Effekt), sondern auch in direkt über eine Stärkung des Verbraucher- und Unternehmensvertrauen positiv wirken (Vertrauenseffekte). Die indirekten Effekte sind allerdings sehr schwer zu quantifizieren. Es bleibt positiv festzuhalten, dass das Paket eine ausgewogene Mischung aus vorübergehenden kurzfristigen (Mehrwertsteuersenkung, Über brückungshilfen, zwischenstaatliche Transfers) und mittel- bis langfristigen Maß nahmen (Zukunftsinvestitionen) darstellt. Ebenso setzt es nicht nur an der Nach frageseite (Mehrwertsteuererhöhung) an, sondern berücksichtigt ebenfalls an gebotsseitige Maßnahmen (steuerliche Förderung von F&E und Unternehmens investitionen), die die deutsche Wachstumspotenzialrate erhöhen könnten. Mit Blick auf einige der gewählten angebotsseitigen Maßnahmen (wie die Sen kung der Strompreise oder die „Sozialgarantie 2021") hat sich die Bundesregie rung jedoch zunächst nur Zeit gekauft, in dem sie etwaige Finanzierungslücken über höhere Bundeszuschüsse (und damit mit höheren Schulden) schließt. Das gleiche gilt für die finanzielle Abschirmung der Kommunen. Auch wenn es ein richtiger Schritt ist, den Kommunen den Wegfall der Gewerbesteuereinnahmen für das Jahr 2020 auszugleichen, wäre es umso sinnvoller, diese (einmalige) fi nanzielle Unterstützung mit einer Strukturreform bei der Verteilung des deut schen Steueraufkommens zu verbinden. Um die positiven wirtschaftlichen Ef fekte der oben erwähnten angebotsseitigen Maßnahmen zu verstetigen, müsste die Regierung zu einem späteren Zeitpunkt entsprechende Strukturreformen einleiten (dies trifft insbesondere auf die gesetzliche Renten-, Kranken- und Pflegeversicherungen zu). Andernfalls riskiert die Regierung erneute Rück schläge beim Verbraucher- und Unternehmensvertrauen. Ein negativer Aspekt ist, dass die Regierung die Gelegenheit verpasst hat, den Solidaritätszuschlag vollständig abzuschaffen. Daher werden auch künftig viele Firmen und Körperschaften mit dieser Steuer belastet. Zumindest hält die Re Allmählich aus der Konjunkturschlucht 16 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    gierung weiterhin an der für den Jahresbeginn 2021 geplanten Soli-Teilabschaf fung (für rund 90% der Steuerzahler) fest. Die unterschiedlichen steuerlichen Er leichterungsmaßnahmen für die Firmen (wie z.B. die Ausweitung des steuerli chen Verlustrücktrags für die Jahre 2020/21, die Verschiebung des Fälligkeits termins bei der Einfuhrumsatzsteuer oder die temporäre Wiedereinführung der degressiven Abschreibung auf bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermö gens) haben allesamt eindeutig positive Wirkungen auf die Gesamtwirtschaft. Die schwächelnden Unternehmensinvestitionen könnten jedoch noch stärker angestoßen werden, wenn die Wiedereinführung der degressiven Abschreibung auch über das Jahr 2021 hinaus möglich wäre. Denn viele Unternehmensinves titionen (wie z.B. in die digitale Transformation) involvieren große Summen und sind langfristiger Natur. Auch der maximale steuerliche Verlustrücktrag hätte großzügiger ausfallen können, da viele Firmen in diesem Jahr voraussichtlich deutlich höhere Verluste erleiden werden. Ebenso hätte dieser auch für vor 2019 liegende Geschäftsjahre gewährt werden können. Schließlich ist die Mög lichkeit der Firmen, Überbrückungshilfen vom Staat zu beziehen, an starre Grenzwerte gebunden. Ökonomisch ist es nicht vollständig überzeugend, dass einerseits Firmen mit einem Umsatzrückgang von (mindestens) 60% staatliche Zuschüsse erhalten, wohingegen Firmen mit einem etwas geringeren, aber den noch bedrohlichen Rückgang (von z.B. 50%) keine Unterstützung erhalten. Es wäre sinnvoller, diese Hilfen proportional zu dem erlittenen Umsatzrückgang zu koppeln. Auswirkungen des Fiskalpakets auf das Wachstum und die Staatsfinanzen Angesichts des Ausmaßes und der Besonderheiten der Krise unterliegen der zeit nicht nur die Wachstumsprognosen sehr hohen Unsicherheiten. Gleiches gilt insbesondere für die Abschätzung der von fiskalischen Stimulus-Maßnah men ausgehenden Wachstumseffekte. Wachstumswirkung des Pakets: Insgesamt positiv, aber sehr unsicher Ein Kernelement des Fiskalpakets vom Juni ist die vorübergehende Senkung des Mehrwertsteuersatzes. Die Verbraucher könnten mit bis zu EUR 20 Mrd. (0,6% vom BIP in 2019) entlastet werden (unter der Voraussetzung, dass die Firmen ihre Nettopreise nicht erhöhten). Dies dürfte die privaten Konsumausga ben in der zweiten Jahreshälfte spürbar anregen. Dennoch bleibt der Gesamtef fekt auf den Konsum letztlich sehr unsicher, da die privaten Haushalte weiterhin -10 -8 -6 -4 -2 0 2 4 92 94 96 98 00 02 04 06 08 10 12 14 16 18 20 Bund Länder Gemeinden Sozialversicherungen Gesamtstaat Quellen: Statistisches Bundesamt, Bundesfinanzministerium, Deutsche Bank Research Gesamtstaatlicher Finanzierungssaldo, % BIP (Maastricht-Definition, VGR) Die Bundesregierung erwartet ein großes gesamtstaatliches Defizit für das Jahr 2020 1 Prognosen für 2020: Bundesfinanzministerium (Stabilitätsprogramm 2020) Allmählich aus der Konjunkturschlucht 17 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    vorsichtig agieren könnten. Diese Vermutung ergibt sich daraus, dass die Ge sundheitsrisiken durch die COVID-19-Pandemie noch nicht verschwunden sind und die Lage am Arbeitsmarkt sich weiterhin verschlechtert. Die Wirkung des „Kinderbonus" (auf das Wachstum) ist daher ebenso unsicher. Die Überbrü ckungshilfen für Firmen ist eine äußerst wichtige und unumgängliche Maß nahme, um die Finanzproblem der am stärksten betroffenen Wirtschaftsberei che zu lindern und eine negative Kettenreaktion aus Masseninsolvenzen, Ar beitslosigkeit und zusätzlicher Nachfrageschwäche zu verhindern. Dennoch bleibt abzuwarten, inwieweit diese Hilfen geholfen haben, einen drastischen An stieg der Unternehmensinsolvenzen zu verhindern. Viele Beobachter erwarten im Herbst einen massiven Anstieg der Insolvenzen. Genau dann endet nämlich die gegenwärtige, von der Bundesregierung ausgesetzte Insolvenzantragspflicht für Firmen. 8 Die Deutsche Bundesbank betont in ihrem aktuellen Monatsbericht vom Juni 2020, dass die makroökonomischen Effekte des Fiskalpakets vom Juni im ge genwärtigen Umfeld besonders unsicher sind. In einer ersten sehr groben Ab schätzung auf Grundlage von Standardmodellelastizitäten - welche zwar die mittleren historischen Zusammenhänge wiederspiegeln, jedoch weder mögliche Vorzieheffekte durch die Mehrwertsteuersenkung, noch etwaige Vertrauensef fekte berücksichtigen - gelangt die Notenbank zu der Einschätzung, dass das deutsche (reale) BIP 2020 rund 1% und 2021 etwa ½% höher ausfallen könnte. Aufgrund der hohen Unsicherheiten bezüglich des weiteren Verlaufs der Pande mie, der Volkswirtschaft sowie der Reaktionen der privaten Haushalte und Fir men auf das Konjunkturpaket sehen wir im Moment davon ab, unsere Jahr wachstumsprognosen „feinzusteuern". Diese lassen wir daher unverändert bei -9% für 2020 und +4% für 2021 (weitere Ausführungen finden sich in dieser Ausgabe in unserem Artikel zur deutschen Konjunktur). Ebenso sei darauf hin gewiesen, dass der zusätzliche - vom Juni-Paket ausgehende - fiskalische Im puls in diesem Jahr deutlich geringer ausfällt als das Finanzvolumen auf den ersten Blick suggeriert (siehe Ausführungen in den nachfolgenden Abschnitten), was wiederum die Notwendigkeit, unsere Wachstumsprognose nach oben zu revidieren, reduziert. 8 Die Insolvenzantragspflicht wurde vorübergehend bis Ende September 2020 ausgesetzt. -10 -8 -6 -4 -2 0 2 4 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 Konjunktbereinigter Primärsaldo Zinsausgaben Konjunkturkomponente Finanzierungssaldo Quellen: Statistisches Bundesamt, AMECO, OECD, Bundesfinanzministerium, Deutsche Bank Research Ausblick für den gesamtstaatlichen Finanzierungssaldo im DB Research Basis-Szenario 2 Gesamtstaatlicher Finanzierungssaldo, % GDP (Maastricht-Definition, VGR) Allmählich aus der Konjunkturschlucht 18 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    Finanzwirkung des Pakets: Höheres Defizit in 2020, niedrigeres Defizit in 2021 und damit weitestgehend unveränderte Schuldendynamik Alles in allem bleiben die fiskalischen Auswirkungen der Krise äußerst unsicher. Letztlich sind sie eine Funktion der (1) Corona-bedingten (diskretionären) Maß nahmen auf der Einnahmen- und Ausgabenseite des Staatshaushaltes (sowie der außerhalb des Haushalts getroffenen Maßnahmen), (2) der zyklisch-beding ten Verschlechterung des Finanzierungssaldos (bzw. des Wirkens der automati schen Stabilisatoren) sowie (3) etwaigen Belastungen aufgrund der Materialisie rung staatlicher Garantien und/oder den mit den staatlichen Kredit- und Beteili gungsprogrammen in Verbindung stehenden fiskalischen Verlusten. Alle drei Komponenten hängen stark von den weiteren Entwicklungen ab (wie z.B. vom weiteren Verlauf der Pandemie, der Lage der Weltwirtschaft, der Wirksamkeit der Geld- und Fiskalpolitik, dem Bedarf der Firmen an staatlichen Hilfen, der Psychologie auf Seiten der Verbraucher und Unternehmen und damit den weite ren Entwicklungen beim Konsum und den Investitionen). Der größte Teil der fiskalischen Mehrbelastungen wird in diesem Jahr anfallen, da das Fiskalpaket über EUR 130 Mrd. für die Jahre 2020/21 einen Schwer punkt auf dieses Jahr legt. Addiert man die angegebenen Finanzwirkungen für alle in dem 15 Seiten langen Eckpunktepapier (des Koalitionsausschusses) auf gelisteten Maßnahmen („Corona-Folgen bekämpfen, Wohlstand sichern, Zu kunftsfähigkeit stärken"), kommt man sogar auf ein deutlich höheres Finanzvolu men von insgesamt EUR 170 Mrd. In diesem Kontext sei jedoch erwähnt, dass manche Maßnahmen erst ab dem Jahr 2021 greifen (wie z.B. die Senkung der Strompreise). Ebenso kann davon ausgegangen werden, dass große Teile der Zukunftsinvestitionen nur allmählich abfließen werden und daher auch noch nicht in den Jahren 2020/21 defizitwirksam werden dürften. Dies mag insgesamt erklären, warum die Regierung das fiskalische Volumen mit „nur" EUR 130 Mrd. angibt. Dennoch muss bedacht werden, dass die mit einzelnen Maßnahmen in Verbindung stehenden fiskalischen Belastungen noch nicht quantifiziert worden sind (dies gilt insbesondere für den auf EU-Ebene zu leistenden finanziellen Beitrag Deutschlands). Aus diesem Grund dürfte die fiskalische Gesamtbelas tung des Pakets über die kommenden Jahre noch deutlich höher als die ge nannten EUR 170 Mrd. ausfallen. Die Finanzwirkungen für 2020/21 betreffend, nehmen wir fortan die EUR 130 Mrd. als Arbeitshypothese. Nach Auskunft des Finanzministers Scholz entfallen EUR 120 Mrd. des Gesamtvolumens auf den Bund und die verbliebenen EUR 10 Mrd. auf die Länder. Des Weiteren entfallen EUR 90 Mrd. (Bund) auf das Jahr 2020 und lediglich EUR 30 Mrd. auf das Jahr 2021. Dadurch, dass große Teile des ersten Nachtragshaushaltes vom März noch nicht ausgeschöpft wor den sind (Scholz erwähnte in diesem Zusammen einen Gesamtbetrag von mehr als EUR 60 Mrd.), fiel der zweite Nachtragshaushalt (Juni) deutlich kleiner aus als man auf den ersten Blick vermutet hätte. Insgesamt sieht der zweite Nach tragshaushalt für das Haushaltsjahr 2020 eine Nettokreditaufnahme von insge samt EUR 218,5 Mrd. (6,9% vom BIP) vor. Dieser Betrag setzt sich aus (a) der im Rahmen des ersten Nachtragshaushalts (März) gewährten Nettokreditauf nahme (von EUR 156 Mrd.) und (b) der nunmehr zu Finanzierung des Konjunk turpakets erforderlichen zusätzlichen Nettokreditaufnahme von EUR 62,5 Mrd. (~ 2% vom BIP) zusammen. (Wie es scheint, beabsichtigt Finanzminister Scholz bereits mit dem Haushalt 2020, die erst in 2021 benötigten EUR 30 Mrd. über Kreditaufnahmeermächtigungen zu finanzieren). Mit Aufstellung des zweiten Nachtragshaushaltes hat die Regierung auch davon Abstand genommen, Teile des diesjährigen Finanzierungsdefizits über einen Abbau der „Flüchtlingsrück lage" 9 zu decken. Diese Rücklage mit einem Volumen von annähernd EUR 50 9 Ursprünglich wollte die Regierung im Jahr 2020 EUR 10,6 Mrd. aus dieser Rücklage entnehmen. Die Flüchtlingsrücklage betrug Ende 2019 EUR 48,2 Mrd. Allmählich aus der Konjunkturschlucht 19 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    Mrd. (Stand: Ende 2019), die aus in vergangenen Haushaltsjahren erteilten Kre ditaufnahmeermächtigungen herrührt, erhöht die finanzielle Schlagkraft der Re gierung für den Bedarfsfall noch weiter. Wie es aussieht, möchte die Regierung einen große „Kraftreserve" aufbauen, die sie in den nächsten beiden Jahren fle xibel einsetzen kann (je nach tatsächlichem Bedarf). Für die Aktualisierung unserer Fiskalprojektionen ist entscheidend, dass der zu sätzliche fiskalische Impuls des Pakets deutlich kleiner ausfällt als das Finanz volumen von EUR 130 Mrd. suggeriert. Das Paket erhöht unsere Projektion für das gesamtstaatliche Finanzierungsdefizit im Jahr 2020 nur moderat. Dies liegt darin begründet, dass ein großer Teil des für 2020 vorgesehenen Stimulus (~ EUR 100 Mrd.) durch noch nicht ausgeschöpfte Mittel aus dem ersten Nach tragshaushalt (vom März) gegenfinanziert werden sollen (mehr als EUR 60 Mrd.). Letztere haben wir jedoch in unserer bisherigen Projektion für das Finan zierungsdefizit bereits berücksichtigt. Ebenso beziehen sich einige Programm posten auf innerstaatliche Transfers (wie z.B. die Kompensationszahlungen für die kommunalen Gewerbesteuerausfälle), die zu keinen Veränderungen beim -10 -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 16 17 18 19 20 21 Ist-Wert DB Research Basis-Szenario Sachverständigenrat (23. Juni) IWF (WEO Juni) BMF (Stabilitätsrat) (22. Juni) Deutsche Bundesbank (Juni) Wachstumsprognosen für Deutschland im Überblick 3 Reales BIP, % gg. Vj. Quellen: Statistisches Bundesamt, IWF, Bundesfinanzministerium, Sachverständigenrat, Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research -12 -10 -8 -6 -4 -2 0 2 16 17 18 19 20 21 Ist-Wert DB Research Basis-Szenario Sachverständigenrat (23. Juni) IWF (WEO Juni) EK (Spring Forecasts) (Mai) BMF (Stabilitätsprogramm) (22. April) BMF (Stabilitätsrat) (22. Juni) Deutsche Bundesbank (Juni) OECD (Juni) (single hit) OECD (Juni 20) (double hit) * des Deutschen Stabilitätsrates Gesamtstaatlicher Finanzierungssaldo, % BIP (Maastricht-Definition, VGR) Projektionen für den deutschen Staatshaushalt im Überblick 4 Quellen: Statistisches Bundesamt, IWF, OECD, Europäische Kommission, Bundesfinanzministerium, Sachverständigenrat, Unabhängiger Beirat des Deutschen Stabilitätsrates, Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research Allmählich aus der Konjunkturschlucht 20 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    gesamtstaatlichen Finanzierungsdefizit führen. Diese Transfers werden auf rund EUR 15,8 Mrd. im Jahr 2020 geschätzt und sind - per Definition - bereits in un serer Projektion für das zyklische Defizit enthalten (welches den Gesamteinfluss der automatischen Stabilisatoren auf das Staatsdefizit zu quantifizieren ver sucht). Die fiskalische Mehrbelastung für 2020 (zusätzlich zu unserer bisherigen Fiskalprojektion) dürfte daher wohl „nur" eine Größenordnung von EUR 25 Mrd. erreichen. Im Ergebnis haben wir unsere Defizitprojektion für das Jahr 2020 nur moderat angehoben (von 8,7% auf 9,5% vom BIP). Für unsere Projektion für das Jahr 2021 gibt es einen gegensätzlichen Effekt. Bisher haben wir mit einem Defizit von 8% gerechnet. Diese Einschätzung hat auf der Annahme gefußt, dass die Regierung im nächsten Jahr ein fiskalisches Stimulus-Paket im Volumen von EUR 100 Mrd. auflegen würde. Da der zusätzliche Stimulus im Jahr 2021 sich nunmehr jedoch „nur" noch auf geschätzte EUR 30 Mrd. beläuft, haben wir auch konsequenterweise unsere Defizitprojektion für 2021 auf 6,1% herabgesetzt (siehe Grafik 2). Damit bleiben unsere Projektionen für die gesamtstaatliche Verschuldungsquote Deutschlands weitestgehend unverändert. Wir gehen nun mehr davon aus, dass die Schuldenquote bis zum Jahresende 2020 auf 75,9% vom BIP steigen könnte (zuvor: 75,6%). Bis Ende 2021 könnte sie weiter auf 80,4% klettern (zuvor: 82,2%) (siehe Grafik 5). Grundsätzlich sind wir bezüglich des Fiskalausblicks deutlich skeptischer als der Konsens (nur der IWF projiziert mittlerweile ein größeres Defizit für 2020, siehe Grafik 4). Der Großteil der Prognoseunterschiede kann jedoch durch die unter schiedlichen Wachstumsannahmen (siehe Grafik 3) (und damit unterschiedli chen Schätzungen für das zyklisch-bedingte Defizit) erklärt werden. Aber auch unterschiedliche Annahmen über die Ausnutzung von staatlichen Hilfsprogram men, potenzielle - in Verbindung mit Garantien und Kreditaktivitäten - anfal lende Verluste und/oder der tatsächliche Abfluss staatlicher Investitionen kön nen zu deutlich unterschiedlichen Fiskalprojektionen führen. Im Kontext eines Benchmarkings unserer Fiskalprojektionen ist die Einschätzung des Unabhängi gen Beirats des Deutschen Stabilitätsrats interessant. So rechnet der Unabhän gige Bereit damit, dass das diesjährige Finanzierungsdefizit auf mehr als 9% vom BIP steigen könnte (unter Berücksichtigung des jüngsten Fiskalpakets). Er merkt dabei kritisch an, dass die Regierung ihm keine konsistente (aktualisierte) Prognose für das gesamtstaatliche Finanzierungsdefizit vorgelegt hat. Auf 55 60 65 70 75 80 85 90 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 Ist-Wert DB Research Basis-Szenario Sachverständigenrat (23. Juni) IWF (WEO Juni) EK (Spring Forecasts) (Mai) BMF (Stabilitätsprogramm) (22. April) OECD (Juni) (single hit) OECD (Juni 20) (double hit) Quellen: Statistisches Bundesamt, IWF, EK, OECD, Bundesfinanzministerium, Sachverständigenrat, Deutsche Bank Research Projektionen für die deutsche Staatsverschuldung im Überblick 5 Gesamtstaatliche Bruttostaatsverschuldung, % BIP (Maastricht-Definition) Allmählich aus der Konjunkturschlucht 21 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    Grundlage einer rechnerischen Fortschreibung der April-Prognosen des Bun desfinanzministeriums (aus dem Stabilitätsprogramm 2020) könnte das struktu relle Defizit in diesem Jahr auf 5 ½% vom BIP steigen (ohne Berücksichtigung des jüngst verabschiedeten Fiskalpakets). Addiert man unsere Projektion für das zyklische Defizit (~ 4 ½% vom BIP) zu dem vorgenannten strukturellen Defi zit, kommt man bereits auf ein Finanzierungsdefizit von 10%. Diese einfache Überschlagsrechnung untermauert letztlich unsere - auf einer deutlich pessimis tischeren Wachstumsprognose ansetzenden - Defizitprojektion für das Jahr 2020. Insgesamt unterliegen die Staatsfinanzen im weiteren Verlauf hohen Risiken. Sollte eine zweite Infektionswelle die Weltwirtschaft und Deutschland treffen, könnte der Wachstumseinbruch noch deutlich schärfer ausfallen als wir in unse rem Basis-Szenario angenommen haben. In einem noch ungünstigeren Szena rio, in dem das reale BIP Deutschlands um rund 15% einbricht und im An schluss nur sehr geringfügig steigt (2021: +1%), könnte das gesamtstaatliche Finanzierungsdefizit auf 13% vom BIP (2020) und 12 ½% (2021) steigen. Dies würde die Bruttoschuldenquote auf 83 ½% (2020) und rund 95% (2021) nach oben treiben. Sebastian Becker (+49 69 910-21548, sebastian-b.becker@db.com) Allmählich aus der Konjunkturschlucht 22 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    Welthandel: Verstärkter Protektionismus nach der Corona-Pandemie - Der Schock für die Weltwirtschaft scheint größtenteils im April und Mai 2020 erfolgt zu sein. Nach einer Kontraktion um 2,5% gg. Vorquartal in Q1 rech nen wir mit einem Einbruch des globalen Güterhandels um 21% im zweiten Quartal. Danach dürfte es lediglich zu einer allmählichen Erholung kommen, sodass wir im Jahresdurchschnitt 2020 einen Rückgang um 13,6% prognos tizieren. 2021 ist dann eine Erholung um 7,5% zu erwarten. - Wie von uns erwartet sind erste Anzeichen für eine Belebung zu erkennen. In zahlreichen entwickelten Ländern verbessert sich die Pandemiesituation stetig. Dementsprechend tendieren die Konjunkturindizes wieder aufwärts. Chinesische Unternehmen haben einige niedrige Rohstoffpreise genutzt, um ihre Lagerbestände aufzufüllen. Dies hat einen Minipreiszyklus bei Ei senerz und Kupfer ausgelöst und dürfte wohl auch die Ursache für den An stieg des Baltic Dry Index in den vergangenen Wochen sein. - Den bilateralen Exportdaten zufolge haben sich die entwickelten Volkswirt schaften in Asien relativ gut erholt. In einigen Fällen sind die Exporte gegen über dem Vorjahr sogar angestiegen. Die asiatischen Schwellenländer ha ben dagegen nach wie vor mit der Gesundheits- und Wirtschaftskrise zu kämpfen. - Die unterschiedliche Entwicklung der entwickelten Länder und der Schwel lenländer in Asien könnte Hinweise auf den zu erwartenden Verlauf in Eu ropa bzw. Nord- und Südamerika geben. Auf beiden Kontinenten hat die Gesundheitskrise im Lauf der letzten Wochen in den entwickelten Ländern einen leichteren Verlauf genommen als in den Schwellenländern. Ausnah men bestätigen die Regel. - Globale Wertschöpfungsketten könnten an Attraktivität verlieren und durch kontinentale Wertschöpfungsketten ersetzt werden. Rein kontinentale Pro duktionsketten sind für globale Krisen insgesamt weniger anfällig und las sen sich im Krisenfall besser in den Griff bekommen. Für diese Einschät zung spricht auch, dass in den vergangenen Wochen weitere geo- und han delspolitische Spannungen aufgetreten sind, die den allgemeinen Trend zu mehr Protektionismus verstärken. - Daher gehen wir davon aus, dass der globale Güterhandel bzw. der globale Handel mit Gütern und Dienstleistungen auch nach der wirtschaftlichen Er holung lediglich um durchschnittlich 1,7% p.a. bzw. um durchschnittlich 3% p.a. wachsen wird. Vor der Corona-Pandemie lagen die jährlichen Durch schnittswerte im Zeitraum von 2012 bis 2019 bei 2,2% bzw. 3,3%. Gewisse Hoffnungsschimmer für den Welthandel, vor allem in Eu ropa In den westlichen Ländern wurde die Wirtschaft im April und Mai allmählich wie der hochgefahren, wodurch sich die Aussichten verbessert haben. Nach einer Kontraktion um 2,5% gg. Vorquartal in Q1 prognostizierten wir einen Einbruch des globalen Güterhandels um 21% im zweiten Quartal. Der am 25. Juni veröf fentlichte historische Rückgang für den April in Höhe von 12,1% gegenüber dem Vormonat bestätigt unsere Einschätzung. Zahlreiche Indikatoren für den Welt handel (Preise ebenso wie Umfragedaten) fielen im April und Mai auf neue All zeittiefstände. Harte Daten, z.B. der Containerumschlag, schwankten im Fe bruar und März wegen des chinesischen Neujahrsfests und des Lockdown in China stark. Im Mai wurde mit fast -7% gg. Vj. der stärkste Rückgang des Con- 33 39 45 51 57 63 -30 -20 -10 0 10 20 18 19 20 Welthandel Globale Industrieproduktion importgewichtet Globaler PMI Verarb. Gewerbe (rechts) Welt: Handel und Produktion 1 linke y-Achse: % gg. Vj. rechte y-Achse: Index, Wachstumsschwelle = 50 Quellen: CPB, Markit Economics, Deutsche Bank Research 60 70 80 90 100 110 120 Jun 19 Sep 19 Dez 19 Mrz 20 WTI Kupfer Eisenerz Rohstoffpreisindex (CRB) Industrielle Rohstoffpreise 2 vor einem Jahr = 100 Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research 0 25 50 75 100 Brent CRB BDI Globaler PMI Globaler PMI NEO ISM ifo Erwartungen ifo Lage 20. Mai 20. April 20. Juni vor 12 Monaten Welthandelsindikatoren 3 2012-2019 = Basis für Perzentile, [0,100] in % Abkürzungen: BDI=Baltic Dry Index, IATA = Passagiere, Brent = Rohölpreis, CRB = Rohstoffpreise, PMI = Purchasing Manager Indices, ISM = Institute for Supply Management (US Verarb. Gewerbe) Quelle: Deutsche Bank Research Allmählich aus der Konjunkturschlucht 23 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    tainerumschlag-Index seit der globalen Finanzkrise verzeichnet. In den vergan genen Wochen deuteten jedoch einige Entwicklungen auf eine spürbare Ver besserung der Lage hin. Erstens ist die Pandemie in den entwickelten Ländern - zumindest in den meisten asiatischen und europäischen Staaten und einigen US-Bundesstaaten - stetig weiter unter Kontrolle gekommen. Zweitens deuten Daten von Citymapper 10 , anhand derer die Nutzung von öffentlichen und sonsti gen Verkehrsmitteln sowie die Zahl von Radfahrern und Fußgängern in großen Städten rund um die Welt gemessen werden kann, darauf hin, dass die Euro päer auf eine (zumindest allmähliche) Normalisierung des Alltags drängen. Wenn die bisherigen Trends anhalten, sollte sich die Lage in Europa in 270 Ta gen, in Asien in 440 Tagen und in Nord - und Südamerika in 650 Tagen normali siert haben. Diese Daten stehen weitgehend mit den von Google und Apple ge sammelten Daten zu den Bewegungen von Handys im Einklang. 11 Anm.: Zuerst veröffentlicht in Winkler, Robin: Europe overtakes. FX Blog vom 17. Juni 2020. Quelle: Deutsche Bank Research 10 https://citymapper.com/cmi 11 Vgl. Winkler, Robin (2020). Europe overtakes. FX Blog. Deutsche Bank Research. 17. Juni. -20 -10 0 10 20 Jan Feb März Apr 2020 2019 Containerumschlag 4 % gg. Vm. Quellen: RWI/ISL, Deutsche Bank Research -40 -20 0 20 40 19 20 Asien Europa USA Asean China: Nominale Güterexporte 6 USD, % gg. Vj. Quellen: NBS, Deutsche Bank Research 0 0,2 0,4 0,6 0,8 1 1,2 Jan 20 Mrz 20 Mai 20 Amerika Asien Europa Mobilitätsindex 5 1 = vor Corona-Niveau Quellen: Citymapper, Deutsche Bank Research Anm.: Durchschnittlich etwa 10 Städte pro Kontinent 7 Allmählich aus der Konjunkturschlucht 24 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    In Europa könnte sich die Nachfrage nach Konsumgütern dementsprechend ra scher erholen als in Asien oder in Nord- und Südamerika. Da der innereuropäi sche Handel von großer Bedeutung für die Weltwirtschaft ist, sollte dies auch zur Belebung des Welthandels beitragen. Drittens liegen die Rohstoffpreisindi zes zwar insgesamt noch um 10% unter dem Niveau vor der Pandemie, die Preise für Eisenerz und Kupfer sind jedoch von ihrem Tiefstand im März um rund 20% angestiegen. Grund dafür ist ein Lageraufbau in China, der die Lock down-bedingte Nachfrageschwäche in anderen Ländern kompensiert hat. Auf grund dieses Nachfrageanstiegs hat der Baltic Dry Index, der die Nachfrage nach Containerschiffen misst, den Abstand zwischen seinem zuvor sehr niedri gen Niveau bis zum normalen Stand zur Hälfte wieder aufgeholt. Wir sehen dies allerdings als einmaligen, durch China ausgelösten Minizyklus an 12 und noch nicht als Beginn einer vollständigen Normalisierung. Hohe Exportdynamik in den entwickelten asiatischen Ländern Der Welthandel brach in mehreren asynchron verlaufenden Wellen auf den ein zelnen Kontinenten zusammen. Zu Jahresbeginn erhielt zunächst die Konjunk tur in Asien einen kräftigen Dämpfer. Rund sechs Wochen später war es in Eu ropa so weit, und nach etwa weiteren vier Wochen gerieten die amerikanischen Volkswirtschaften in schweres Fahrwasser. Das erneute Hochfahren nach dem Lockdown erfolgte nach einem ähnlichen Muster. Die globalen Exportdaten deu ten erneut auf eine Phasenverschiebung der Wellen zwischen den einzelnen Kontinenten hin, wobei einige asiatische Länder vorn liegen. In den entwickelten asiatischen Volkswirtschaften sowie denjenigen Ländern, die an wichtigen Schaltstellen in die globalen Wertschöpfungsketten eingebun den sind (z.B. China, Korea oder Japan), schrumpften die Exporte (zumindest innerhalb der Region) für eine kurze Zeit, erholten sich jedoch rasch wieder. So stiegen z.B. Koreas Exporte nach China nach einem Einbruch im April rasch wieder an und waren im Mai praktisch unverändert gegenüber dem Vorjahr. Dasselbe gilt für die japanischen Exporte nach Korea; die Exporte nach Taiwan liegen für das Gesamtjahr 2020 sogar im Plus. Dasselbe gilt für die US-Exporte nach Japan und China, die zumindest bis April (jüngste verfügbare Daten) noch relativ gut abschnitten. Auf Sektorebene wird die Entwicklung in den entwickel 12 Vgl. Snowdon, Nick (2020). Mini Super Cycle. Commodities Outlook. DB Research. 9. Juni. 0 500 1000 1500 2000 2500 19 20 BDI 2012-2019 Median Index der Zeitcharterdurchschnittskosten von Capesize, Panamax, Supramax (Schiffsklassen) Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Baltic Dry Index (BDI) 8 -40 -30 -20 -10 0 10 19 20 Insgesamt Asien OECD China Korea: Nominale Güterexporte 9 USD, % gg. Vj. Quellen: Korea International Trade Association, Deutsche Bank Research -60 -40 -20 0 20 19 20 China Asean USA EU-27 Taiwan Korea Japan: Nominale Güterexporte 10 JPY, % gg. Vj. Quellen: Ministry of Finance, Deutsche Bank Research -66,6 -44,4 -22,2 0,0 22,2 19 20 Exporte insgesamt, INR Exporte insgesamt, USD Industrieproduktion ex Baugewerbe Indien: Nominale Güterexporte und Produktion 11 INR und USD, % gg. Vj. Quellen: Ministry of Commerce and Industry, Deutsche Bank Research Allmählich aus der Konjunkturschlucht 25 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    ten asiatischen Ländern vor allem von der Nachfrage nach medizinischen Gü tern und Elektrogeräten getragen. 13 Durch Streaming und Telearbeit ist die Nachfrage nach elektronischen Geräten kräftig angestiegen. Aus Makro-Sicht tragen der günstige Verlauf der Pandemie und umfangreiche fiskal- und geldpo litische Impulse zur Belebung des Konsums bei. Dadurch wird die Nachfrage gestützt, was eine V-förmige Erholung ermöglicht. 14 Die europäischen Exporte stellen dabei eine Ausnahme dar. Aufgrund des An gebotsschocks, d.h. der Schließung großer Fertigungsstätten im März und April, brachen die bilateralen Exporte komplett ein. Für Mai rechnen wir allerdings mit einer deutlichen Erholung der Exporte nach Asien. Bereits vor einigen Wochen gingen wir in unserer Prognose für die bilateralen deutschen Exporte in wichtige asiatische Länder davon aus, dass die Zahlen für das Gesamtjahr 2020 relativ wenig betroffen sein sollten. 15 Gleichzeitig deuten unsere Exportdaten darauf hin, dass von der Pandemie stark betroffene asiatische Schwellenländer noch einige Zeit lang schwächeln sollten, weil die Entwicklung durch Nachfrage- und Angebotseinschränkungen belastet wird. So lagen Koreas Exporte in andere asiatische Länder insgesamt im Mai noch um 20% unter dem Vorjahreswert. Ebenso gingen Chinas Exporte insgesamt zwar nur um 3,3% zurück, die Ex porte in die Asean-Länder 16 jedoch um 5,7%. Die Schwäche der asiatischen Schwellenländer schlägt auch auf Indiens Exporte durch. Sowohl in US-Dollar als auch in indischen Rupien lagen die Exporte im Mai noch um 30% unter dem Vorjahresniveau. Und Indiens Produktion schrumpfte in den vergangenen drei Monaten ähnlich stark. Da das erneute Hochfahren des Landes im Juni zu ei nem Anstieg der Infektionszahlen zu führen scheint, könnte eine Normalisierung noch in weiter Ferne liegen. 17 Ähnliche Entwicklungen sind in anderen asiati schen Schwellenländern (abgesehen von Korea und China) zu erwarten, wo die Pandemie-situation noch einige Zeit lang eine Herausforderung darstellen könnte. Asien als Blaupause für europäische und amerikanische Länder Genau wie in Asien dürfte der Verlauf auch in Europa sowie in Nord- und Süd amerika sehr heterogen sein. Die entwickelten europäischen Volkswirtschaften, Kanada und einige US-Bundesstaaten könnten in den kommenden ein bis zwei Jahren langsam bzw. in einigen Fällen auch rasch zu einer neuen Normalität zu rückfinden. Schwellenländern wie Brasilien, Mexiko, Russland oder der Ukraine fällt es jedoch bisher schwer, die Krise einzudämmen. In einigen Schwellenlän dern könnte es sogar wie in ihren asiatischen Pendants zu einem exponentiel len Anstieg der Infektionszahlen kommen. Daher könnten sich die Exportaktivi täten zwischen den entwickelten Ländern in Asien, Europa und Nord- und Süd amerika deutlich schneller erholen als die Exporte zwischen entwickelten Län dern und Schwellenländern bzw. den Schwellenländern untereinander. Eine Fi nanzkrise in einigen Schwellenländern könnte die Lage zusätzlich verschärfen, wie wir in den vergangenen Wochen bereits ausgeführt haben. 18 Zudem wird noch einmal deutlich, dass die Produktion weltweit krisenanfällig bleibt. Staatli che Institutionen und private Anleger, die ihre Produktion kontrollieren möchten, könnten daher eher auf nahegelegene Standorte als auf komplexe und weltum spannende Produktionsketten setzen. Vor einigen Wochen haben wir bereits 13 Vgl. Emerging Markets Quarterly. DB Research. 11. Juni 2020. 14 Vgl. Lee, Juliana et al. (2020). Are we past the worst? Asia Macro Insight. DB Research, 12. Juni. 15 Möbert, Jochen (2020). Bilaterale Exporte: Große Unterschiede je nach Bestimmungsmarkt. Deutschland-Monitor. DB Research. 25. Mai. 16 Der ASEAN-Gruppe gehören Brunei Darussalam, Kambodscha, Indonesien, die Demokratische Volksrepublik Laos, Malaysia, Myanmar, die Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam an. 17 Vgl. Das, Kaushik (2020). India. Asia Macro Insight. DB Research. 12. Juni. 18 David Folkerts-Landau et al. (2020). Turning Gloomier. World Outlook Update. DB Research. 7. Mai 2020. -40,0 -30,0 -20,0 -10,0 0,0 10,0 20,0 19 20 Intra-Eurozone Asien Europa ex EU27 EU27 ex EA19 Nord- und Südamerika Eurozone: Nominale Güterexporte 12 % gg. Vj. Quellen: Deutsche Bank Research, Haver Analytics LP -50 -40 -30 -20 -10 0 10 20 30 19 20 Kanada Eurozone Mexiko China Japan USA: Nominale Güterexporte 13 % gg. Vj. Quellen: Haver Analytics LP, Deutsche Bank Research Allmählich aus der Konjunkturschlucht 26 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    darauf hingewiesen, dass kontinentale Wertschöpfungsketten an Bedeutung ge winnen könnten. Die Zeit, in der globale Wertschöpfungsketten immer weiter ausgebaut werden, könnte vorüber sein. 19 Jede Entwicklung, so auch die Diver genz zwischen entwickelten Ländern und Schwellenländern in der Corona-Krise in den letzten Wochen, kennt auch Ausnahmen. Vor dem Wiederhochfahren der US-Wirtschaft hatten wir darauf hingewiesen, dass dies in den USA größere Ri siken mit sich bringen könnte als in anderen Ländern mit flacheren Pandemie kurven. In den vergangenen Tagen sah es so aus, als könne die Krise in bevöl kerungsreichen US-Bundesstaaten wie Florida oder Texas eskalieren; sowohl die Zahl der aktiv Infizierten als auch die Zahl der Krankenhausbehandlungen nahm zu. Einige US-Bundesstaaten könnten daher dazu gezwungen sein, wie der striktere Vorgaben zur sozialen Distanzierung einzuführen. Dies wäre ein klarer Rückschlag für die globalen Exporte. Bisher allerdings scheint es sich e her um lokale Entwicklungen als um eine zweite Welle zu handeln. 20 Ist mit einer weiteren Runde von Einschränkungen des Welthandels zu rechnen? Harsche Rhetorik und Drohungen gegen den freien Handel kommen inzwischen in der Politik immer häufiger vor. Nicht nur die US-Regierung, sondern auch die australische Regierung wirft China vor, während der Pandemie falsche Informa tionen verbreitet zu haben. Zudem hat Chinas ursprünglicher Umgang mit der Corona-Krise zu Spannungen im Verhältnis zwischen Indien und China geführt. Der jüngste militärische Zusammenstoß an der indisch-chinesischen Grenze, der auch Todesopfer forderte, verdeutlicht, dass die Lage weiter eskalieren könnte. Im Jahr 2019 hatte der bilaterale Handel zwischen den beiden Ländern lediglich einen Anteil von 0,1% bzw. 0,4% am gesamten Welthandel (für die USA/China bzw. China/USA liegen die entsprechenden Anteile bei 0,6% bzw. 2,2%). In den kommenden Jahren und Jahrzehnten könnten die beiden bevöl kerungsreichen Länder jedoch zu wichtigen Handelspartnern werden, was wie derum beträchtliche positive Auswirkungen auf Südostasien und die Weltwirt schaft insgesamt haben würde. Weitere Auseinandersetzungen würden den mit tel- bis langfristigen Ausblick für den globalen Handel daher dämpfen. Auch im Westen zeigt sich, wie komplex die globalen Beziehungen geworden sind. In der NATO wird über die Militärausgaben gestritten, vor allem über den für 2024 angestrebten Zielwert von 2%. 21 Die USA und die EU sind uneins über eine glo bale Digitalsteuer und in den kommenden Wochen wird die WTO darüber ent scheiden, ob die EU wegen der US-Subventionen für Boeing zu Vergeltungs maßnahmen berechtigt ist. Zudem ist die künftige Rolle der WTO weiterhin un geklärt. Insbesondere die Schlichtung von Streitigkeiten zwischen WTO Ländern, seit Jahrzehnten das juristische Rückgrat des Welthandels, bleibt ge fährdet. Und auch der Ausgang der Handelsverhandlungen zwischen Großbri tannien und der EU ist nicht klar. Der bereits vor der Corona-Pandemie zu er kennende Trend zu mehr protektionistischen Maßnahmen könnte sich erneut verstärken. Kürzlich hat die US-Regierung allerdings öffentlich bestätigt, dass sich China an das am 15. Januar unterzeichnete Phase One-Abkommen hält, und die oben angeführten Exportdaten zeigen, dass die USA und China auch in den vergangenen Monaten einen intensiven bilateralen Handel betrieben ha ben. Auch die relativ neuen Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Japan bzw. Vietnam könnten in der Erholungsphase zusätzliche Im 19 Moebert, Jochen (2020). Global trade faces negative record and structural shift. Focus Germany. DB Research. 25. Mai. 20 Yared, Francis et al. (2020). Global Fixed Income Weekly 19. Juni. 21 Die offizielle Formulierung lautet: „Die Verbündeten kamen im Jahr 2014 überein, bis 2024 Vertei digungsausgaben in Höhe von 2% des BIP anzustreben." (eigene Übersetzung) Vgl. https://www.nato.int/cps/en/natohq/opinions_151503.htm (heruntergeladen am 22. Juni 2020). -15 -10 -5 0 5 10 12 14 16 18 20 22 24 Globales BIP (DB) Güterhandel (CPB) Güter- und Dienstleistungshandel (IWF) 2012-2025: Globales BIP und Handel 14 % gg. Vj. Quellen: CPB, Deutsche Bank Research, IWF Allmählich aus der Konjunkturschlucht 27 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    pulse liefern. Die Dynamik könnte sich noch verstärken, wenn die aktuellen Ver handlungen mit den Philippinen, Indonesien und Australien oder womöglich die bereits im Jahr 2013 aufgenommenen Verhandlungen über das Investitionsab kommen zwischen der EU und China endlich abgeschlossen würden. Unseres Erachtens werden jedoch die wachstumsdämpfenden Effekte (Stich worte: stärkerer Protektionismus, Pandemiesituation in zahlreichen Schwellen ländern, langsame Erholung in den entwickelten Ländern und mehrfach unter brochene globale Wertschöpfungsketten) kurzfristig überwiegen. Auch danach könnte das Wachstum des Welthandels im Durchschnitt schwächer ausfallen als vor der Corona-Pandemie. Dies hat die Finanzkrise gezeigt, die bereits eine Protektionismus-Welle auslöste. Daher prognostizieren wir eine relativ moderate Erholung des Welthandels und halten an unserer Wachstumsprognose von le diglich 7,5% für 2021 fest. Die gedämpfte, allmähliche Erholung sollte sich 2022 mit 5% fortsetzen. Danach sehen wir das neue durchschnittliche Wachstum bei 1,7% p.a. für den weltweiten Güterhandel bzw. 3% p.a. für den weltweiten Han del mit Gütern und Dienstleistungen. Beide Wachstumsraten sind etwas niedri ger als vor der Corona-Pandemie. Zwischen 2012 und 2019 lagen sie durch schnittlich bei 2,2% bzw. 3,3%. Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) Allmählich aus der Konjunkturschlucht 28 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    Urlaubsreisen in Zeiten von Corona: Weniger, kürzer, vermehrt im Inland - Die Deutschen werden in der Corona-K rise weniger und kürzere Reisen un ternehmen als in den Vorjahren. - Deutschland selbst und heimatnahe Reisziele, die mit dem Auto erreicht werden können, profitieren von der Kris e. Zusätzliche Umsätze können in der Sommersaison aber nur dann erzielt werden, wenn im Vergleich zum Vorjahr ausreichend viele freie Kapazitäten verfügbar sind oder höhere Preise durchgesetzt werden können. - Zu den Verlierern werden 2020 innerhalb von Europa jene Reiseziele zäh len, die üblicherweise mit dem Flugzeug erreicht werden. Spanien ist hier an erster Stelle zu nennen. Fernreisen werden 2020 keine Rolle spielen. - Das Auto wird als Verkehrsmittel der Wahl eine Renaissance erleben und den langfristig sinkenden Trend stoppen. Flugreisen werden an Bedeutung verlieren. Der Boom bei Kreuzfahrten erfährt eine Vollbremsung. - 2020 könnten die Ausgaben der Deutschen im Ausland um 10% bis 20% sinken. Auf der Einnahmenseite dürfte Deutschland 2020 ebenfalls erhebli che Einbußen erleiden, weil die Rezession auf Besucher aus dem Ausland durchschlägt und Reisende aus manche n Herkunftsländern mit Quarantä neauflagen belegt werden dürften oder eine Einreise nicht gestattet wird. - Nach der Corona-Krise wird die klima- und umweltpolitische Regulierung des Sektors (vor allem des Verkehrs) wieder zur größten strukturellen He rausforderung im Tourismus. Es bedarf besserer technologischer Lösungen für klimaverträgliches Reisen. Die Corona-Krise wirbelt die Reisepläne der Deutschen im Sommer des Jahres 2020 gehörig durcheinander. Das Reiseverhalten zeichnete sich in der jüngeren Vergangenheit durch einige recht stabile Trends aus, von denen manche 2020 gebrochen werden. Weniger Urlaubsreisen In den letzten Jahren unternahmen stets knapp 80% der Deutschen eine Ur laubsreise von mindestens fünf Tagen Dauer (2019: 78%). 2020 könnte dieser Wert auf unter 75% sinken. So zeigen Umfragen vom April 2020, dass damals 14% der Befragten ihren Sommerurlaub berei ts storniert hatten. Gut 30% hatten noch keinen Urlaub geplant, und gut ein Fünftel wegen Corona noch nicht ge bucht. Die Gründe für eine geringere Reiseintensität im Jahr 2020 liegen auf der Nachfrage- und der Angebotsseite: Erstens führt die Rezession zu steigender Arbeitslosigkeit, mehr Kurzarbeit und Ei nkommenseinbußen; manche Haushalte kürzen in dieser Zeit ihre Reisebudgets. Zweitens mussten manche Eltern einen Teil ihrer Urlaubstage während der Schließung von Kitas und Schulen für die Betreuung der Kinder einsetzen; diese fe hlen nun für Urlaubsreisen. Drittens fühlen sich manche Reisende angesichts der potenziellen Gefahren durch das Coronavirus nicht in Urlaubsstimmung oder möchten auf Massenverkehrsmittel verzichten. Viertens sind einige beliebte Urlaubskonzepte 2020 nicht oder nur mit starken Einschränkungen möglich, weshalb manche Urlauber lieber auf eine entsprechende Reise verzichten. Fün ftens könnten manche Pauschalreisen (z.B. Gruppenreisen) wegen zu geringer Buchungszahlen oder durch Insolvenz der Betreiber ausfallen. Sechstens werden einige Reiseziele in diesem Sommer wegen fehlender Nachfrage oder aufgrund von Reisebeschränkungen nicht an geflogen. Schließlich besteht siebtens für die meisten außereuropäischen Län der über den Sommer hinweg eine Reisewarnung. Allmählich aus der Konjunkturschlucht 29 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland Ein noch stärkeres Abrutschen der Urlaubsr eis eintensität halten wir jedoch für wenig wahrscheinlich, denn in vielen europäischen Urlaubszielen hat s ich die Corona-Krise seit April deutlich entspannt. Viele Unentschlo s sene dürften daher inzwis c hen bereit sein, zumindest eine kü rzer e Reise anzutreten. Ein Teil derje nigen, die eine Rei se frühzeitig storni ert hatten, dürfte inz wi schen e ine neue Reise (z u einem anderen Ziel) gebucht haben. Letztlic h werden 2020 aber weni ger Urlaubsreisen unternommen als in den Vorjahren. Mehr Urlaub in Deutschl and und heimatnahen Regionen Bezüglich der Reiseziele kommt es 2 020 zu deutlic hen Verschiebungen. 2019 gingen 74% aller Urlaubsreisen ab eine r Dauer von fünf Tagen ins Ausland. Der Auslandsanteil nahm in den letzten Jahren lang sam, aber rec ht stetig z u. So entfielen 2014 erst 69% aller Reisen auf das Ausland. Die beliebtesten Reise ziele der Deutschen waren 2019 die k lassis c hen Mittelmeerdestinationen, also Spanien, Italien sowie die Türkei. Dahinter folgten Österreich, Griec henland so - wie Frankreich. Gleichwohl war auch im letzten Jahr Deutsc hland mit einem Marktanteil von 26% das mit Abstand belie bteste Reiseziel der Deutschen. Hier lag Mec k lenburg-Vorpommern vor Bayern, Sc hles wig Holstein und Niedersach s en. Let ztlich dominieren also Urlaubsreisen ans Meer oder in die Berge. Im Sommer des J ahres 2020 dürften Reiseziele in Deutschland zu den Gewin nern zählen. Zwar hab en Hotels wä hrend des Lockdown unwiederbringliche Umsatzeinbußen erlitten. Ein Teil dies er V erlu ste dürfte jedoch durch höhere Buchungen im Sommer ausgeglic hen werden, zumal behördlic h angeordnete Kapazitäts begrenzungen in Hotels etc. wieder zurückgenomm en worden sind. Der zusätzliche Umsatzimpuls in den besonders beliebten Ferienregionen Deutschlands wird jedoch dadurch begrenzt, dass diese in der Hochsaison auch in normalen Zeiten weitgehend ausgebucht s ind; hier fehlen also schlicht Kapa zitäten, um (deutlich) meh r Urla uber als im Vorjahr zu beherbergen. Höhe re Umsätz e k önnten hier durc h eine Anhebung der Preise generiert werden, was z.B. mit dem Erfüllen behördlicher Auflagen begründet werden kann (Hygiene maßnahmen). Letztlic h könnten Ferienziele profitieren, die bislang nicht so weit oben auf der Prioritätenliste der Deuts c hen standen und die ni cht Urlaub am Meer oder in den Bergen (Alpen) als Hauptmotiv anbieten. Für diese Urlaubsre gionen - etwa die deuts chen Mittelgebirge oder die Seenlandsc haften im Nord os ten Deutschlands - besteht 2020 also die Chance, auf sich aufmerks am zu machen und auch langfristig als mögliche s Reiseziel in den Fokus mancher Ur lauber z u rücken. Zu den Gewinnern dürften ferner heimatnahe ausländ is che Reiseziele mit gerin gem Infektionsgesche hen zählen. Österreich is t hier zu nennen. Das Land dürfte z umindes t in jenen Regionen in der Lage sein, freie Kapazitäten anz ubie ten, wo der Skitourismus normalerweise die Haupteinnahmequelle bildet; diese sind in normalen Sommern nämlic h zumeis t nicht vollständig au sgebucht. Wan derurlaub is t zudem eine Reiseform, bei der das Infektionsrisiko recht gering ist, was für viele Urlauber ein wichtiges Kriterium sein dürfte. Auch andere Ziele, die aus Deutschland heraus recht be quem mit dem Auto erreicht werden können, dürften 20 20 viele Urlauber anz iehen. Neben Österreich also der Norden Itali ens, Teile Frankreichs , de r Norden Kroatiens , die Niederlande, Polen oder Dä nemark. Auch hier gilt: Ein zusätzlich er Umsatzim puls ist nur dann möglic h, wenn übe rhaupt freie Kapazitäten angeboten oder höhere Prei s e durchgesetzt werden können. Das dürfte in vielen Urlaubsländern jedoch der Fall sein, denn die Nachfrage von Reisenden aus anderen Lände rn dürfte 2020 wegen der Re z ession od er aufgrund von Reisebeschränkungen für Urlauber au s Herkunfts ländern mit hohem Infektionsgeschehen sch rumpfen. Die Schwei z dürfte auf grund der grunds ätzlich hohen Preise nur we nige zusätzlic he Urlauber aus Deutschland anziehen. Mittelmeer Westeuropa Osteuropa Skandinavien Fernreisen Deutschland Sonstige Quelle: DRV Mittelmeer und Deutschland besonders beliebt 1 Anteil einzelner Regionen an den gesamten Reisezielen deutscher Urlauber, 2019, % 0 5 10 15 ES IT TR AT GR FR HR PL NL Anteil der Zielländer an allen Urlaubsreisen ab fünf Tagen Dauer, % Quelle: DRV Beliebteste ausländi sche Urlaubsländer der Deutschen: Spanien vorn 2 Allmählich aus der Konjunkturschlucht 30 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    Zu den Verlierern werden 2020 innerhalb von Europa jene Reiseziele zählen, die üblicherweise mit dem Flugzeug erreicht werden. Spanien ist hier an erster Stelle zu nennen. Viele spanische Urlaubsregionen dürften im Sommer 2020 seltener angeflogen werden als in den Vorjahren. Einbußen dürften auch bei Reisen in die Türkei, nach Griechenland, Ägypten oder Portugal zu verzeichnen sein. Ganz klare Verlierer sind Fernreisen. Deren Anteil an den Urlaubsreisen der Deutschen war in den letzten Jahren langsam gestiegen. 2012 kamen sie auf einen Anteil von 7,2% aller Urlaubsreisen. 2019 waren es bereits 8,4%. Im Som mer des Jahres 2020 dürften Fernreisen weitgehend ausfallen. Die genannten Gründe auf der Nachfrage- und Angebotsseite sind hier relevant. Zu den Verlie rern wird auch das Segment der Kreuzfahr ten zählen, wo sich in den letzten 25 Jahren die Passagierzahl verzehnfacht hat. Kreuzfahrten dürften so lange unter der Corona-Krise leiden, bis es einen Impfstoff gegen das Virus gibt. Denn viele Urlauber werden wegen der begrenzten M öglichkeit, auf einem Schiff Abstand zu anderen Menschen zu halten, auf eine Kreuzfahrt verzichten. Die Branche dürfte versuchen, durch niedrige Preise einen Teil der Kunden wieder auf die Schiffe zu locken. Es wird jedoch einige Zeit dauern, bis die Einbußen aus der Krise wieder ausgeglichen werden können. Reisedauer: Trend zu kürzeren Url aubsreisen wird beschleunigt In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die durchschnittliche Reisedauer der Haupturlaubsreise der Deutschen stetig verringert. Lag diese 1983 noch bei mehr als 17 Tagen, waren es 2019 nur noch 13 Tage. Der Trend der letzten Jahre ging hin zu kürzeren, aber dafür mehr Reisen pro Jahr. Die Corona-Krise dürfte diese Entwicklung beschleunigen, wobei die Faktoren auf der Nachfra geseite dabei besonders relevant sind (Einkommenseinbußen, Arbeitslosigkeit, bereits verbrauchte Urlaubstage wegen des Lockdown). Wahl der Verkehrsmittel: Renaissance des Autos Das Auto hat in den vergangenen Jahren als Verkehrsmittel für die Urlaubsreise an Bedeutung verloren. 2019 wählten 43% der Deutschen das Auto als Ver kehrsmittel. Im Jahr 2000 waren es noch 55%. Im gleichen Zeitraum hat das Flugzeug von 30% auf 42% zugelegt. 2020 könnte das Auto auf Marktanteile von (weit) über 70% kommen. Neben den zuvor erwähnten Faktoren (z.B. hei matnähere Urlaube) ist das fehlende Infektionsrisiko im eigenen Auto hierbei ein wichtiger Treiber. Sämtliche Alternativen zum Auto sind Massenverkehrsmittel. Radreisen dürften ebenfalls zu den Profiteuren zählen. Das immense Absatz plus bei E-Bikes in der Corona-Krise ist hierfür ein Indiz. Ausgaben der Deutschen im inter nationalen Reiseverkehr dürften 2020 um 10% bis 20% sinken Die Veränderungen im Reiseverhalten durc h die Corona-Krise werden sich auch in der deutschen Zahlungsbilanz niederschlagen. Traditionell weist Deutschland ein hohes Defizit bei den Zahlungen im internationalen Reiseverkehr aus. So la gen die Ausgaben der Deutschen im Ausland 2019 bei gut EUR 82 Mrd. Dage gen erzielte Deutschland Einnahmen durc h Zahlungen von Ausländern im In land in Höhe von EUR 37,2 Mrd. 2020 k önnten die Ausgaben der Deutschen im Ausland um 10% bis 20% sinken, weil w eniger, kürzere und weniger teure Aus landsreisen unternommen werden. Die geringeren Einnahmen aus dem Touris mus sind ein Grund, warum unsere BIP-Prognose für klassische Urlaubsländer wie Spanien oder Italien pessimistischer ausfällt als für Deutschland. Auf der 0 2 04 06 0 Auto Flugzeug Bahn Bus 2000 2019 Flugzeug hat vor Corona gegenüber dem Auto aufgeholt 3 Quelle: DRV Anteil der Verkehrsmittel für Urlaubsreisen der Deutschen, % Allmählich aus der Konjunkturschlucht 31 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    Einnahmenseite dürfte Deutschland 2020 ebenfalls erhebliche Einbußen erlei den, weil die Rezession auch auf Besucher aus dem Ausland durchschlägt und Reisende aus manchen Herkunftsländern mit Quarantäneauflagen belegt wer den dürften oder eine Einreise nicht gestattet wird. Tourismus bleibt Wachstumsbranche Die internationale Tourismuswirtschaft zählt zu den Sektoren, die am stärksten von der Corona-Krise getroffen werden. Dies gilt hinsichtlich Ausmaß und Dauer der Krise. Länder, die große Teile ihrer Wirtschaftsleistung im Tourismus erwirt schaften, werden noch einige Quartale oder gar Jahre mit Einbußen im Ver gleich zum Vorkrisenniveau rechnen müssen. Im Gegensatz zu früheren exter nen Schocks (09/11, SARS, Terroranschläge in Urlaubsorten) wird es dieses Mal deutlich länger dauern, bis sich der Tourismus wieder erholt und auf Wachstumskurs zurückkehrt. Letztlich bedarf es eines Impfstoffes, um die Fol gen der Corona-Krise gänzlich zu überwinden. Und dennoch bleibt die Touris muswirtschaft global eine Wachstumsbranche. Der Wunsch zu reisen und die Welt zu erkunden ist tief im Menschen verwurzelt. Die Urlaubsreise ist ein supe riores Gut. Mit steigenden Einkommen geben die Menschen überproportional mehr Geld für Reisen aus. Sobald die gesundheitlichen Risiken durch das Coronavirus wieder minimiert und irgendwann eliminiert sind, wird sich das Wachstum in der Tourismuswirtschaft aus den letzten Jahrzehnten fortsetzen. Nach der Corona-Krise wird die klima- und umweltpolitische Regulierung des Sektors (vor allem des Verkehrs) wieder zur größten strukturellen Herausforde rung im Tourismus. Es bedarf besserer technologischer Lösungen für klimaver trägliches Reisen. Ordnungsrechtliche Einschränkungen des Reiseverkehrs im Sinne des Klimaschutzes oder eine deutliche Verteuerung des Verkehrs über Steuern oder Abgaben dürften demokratisch vorerst nicht mehrheitsfähig sein. Eric Heymann (+49 69 910-31730, eric.heymann@db.com) 0 20 40 60 80 100 95 97 99 01 03 05 07 09 11 13 15 17 19 Ausgaben im Ausland Einnahmen von Ausländern Ausgaben der Deutschen im Ausland und Einnahmen von Ausländern in DE, EUR Mrd. Quelle: Deutsche Bundesbank Deutschland: Defizit bei Zahlungen im internationalen Reiseverkehr 4 0 200 400 600 800 1.000 1.200 1.400 1.600 95 00 05 10 15 20 09/11 SARS Rezession Internationale Touristenankünfte, Mio. Quellen: UNWTO, Deutsche Bank Research Internationaler Tourismus: Immenser Einbruch durch Corona 5 Allmählich aus der Konjunkturschlucht 32 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    Deutscher Arbeitsmarkt in der Corona-Krise Die Corona-Pandemie und die Auswirkungen der Eindämmungsmaßnahmen werden die deutsche Wirtschaft im Jahr 2020 in den größten Konjunkturein bruch der Nachkriegszeit stürzen. Schon jetzt sind die Folgen am deutschen Ar beitsmarkt deutlich sichtbar. Die positive Entwicklung der vergangenen Jahre ist vorerst beendet. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) schätzt, dass infolge der Corona-Pandemie die Arbeitslosenzahl allein in den Monaten April bis Juni um rund 638.000 Personen anstieg. Gut die Hälfte (53%) war dabei auf vermehrte Zugänge aus bzw. verringerte Abgänge in Beschäftigung und Selbstständigkeit zurückzuführen. Knapp ein Drittel der Zunahme entfiel auf Personen (193.000), die zuvor an entlastenden arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen der BA teilnah men, die Corona-bedingt ausgesetzt waren. Die Wiederaufnahme dieser Maß nahmen dürfte die Arbeitslosenzahl dann in den nächsten Monaten etwas dämpfen. Rund 21% wurden rein rechnerisch „Sonstigen Gründen" zugeordnet. Insgesamt nahm die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl im Monat Juni auf 2,94 Mio. zu. Im Durchschnitt von Q1 war sie noch auf 2,27 Mio. gefallen. Dement sprechend stieg die monatliche Arbeitslosenquote im Juni auf 6,4% (Q1: 5%). Die Verschlechterung der Arbeitsmarktsituation spiegelt sich auch im Rückgang der bei der BA gemeldeten offenen Stellen (Juni: 563 Tsd. gg. Q1: 704 Tsd.) wi der. Trotz der konjunkturellen Belebung und der Wiederaufnahme entlastender arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen ist im Juli mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit um knapp 100.000 Personen zu rechnen. Der Anstieg der Arbeitslosenzahl wird sich auch in der zweiten Jahreshälfte noch fortsetzen. In Q3 und Q4 des laufenden Jahres ist mit einem Zuwachs von jeweils rund 300.000 Personen zu rechnen, da in vielen Branchen Strukturan passungen stattfinden. Zudem dürften die Unternehmen infolge der vergleichs weise verhaltenen konjunkturellen Belebungsaussichten auch mit Neueinstel lungen erst einmal vorsichtig bleiben. Vorlaufende Arbeitsmarktindikatoren un termauern diesen Ausblick. Nach ihren historischen Tiefstständen zu Beginn von Q2 signalisieren deren jüngste Aufwärtstendenzen unseres Erachtens keine rasche Stabilisierung des Arbeitsmarktes. Obwohl sich die Beschäftigungsaussichten im Dienstleistungs sektor laut PMI und ifo-Barometer (Salden: Juni: -3 gg. Mai: -13,6) im Juni ver besserten, was nach dem dramatischen Einbruch während des Lockdown keine Überraschung sein dürfte, signalisieren beide Indikatoren für die Industrie (Kom ponente im ifo-Barometer (Salden): Jun: -26,2 gg. Mai: -29,2) weitere Entlassun gen. Besonders betroffen dürften Schlüsselsektoren wie die Automobilindustrie, die Elektrotechnik und der Maschinenbau sein, aber auch in der Luftfahrtindus trie gibt es Anzeichen für Entlassungen. 4,5 5,0 5,5 6,0 6,5 7,0 7,5 300 400 500 600 700 800 900 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 Offene Stellen (links) Arbeitslosenquote (rechts) Deutscher Arbeitsmarkt: Corona-Pandemie zeigt bereits seit April deutliche Auswirkungen 1 Tsd. Quote Quelle: Bundesagentur für Arbeit Allmählich aus der Konjunkturschlucht 33 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    Gleichwohl dämpfen der gegenwärtig massive Einsatz der Kurzarbeit und auch Regelungen wie der Kündigungsschutz den unmittelbaren Schock. Bis Ende Mai hatten rund 855.000 Unternehmen für 11,8 Mio. Beschäftigte Kurzarbeit an gemeldet. Das entspricht gut einem Drittel aller sozialversicherungspflichtig Be schäftigten, wenngleich die tatsächlich realisierte Kurzarbeit mit in der Spitze rund 8 Mio. etwas niedriger gelegen haben dürfte. Nach Hochrechnungen der BA lag die realisierte Kurzarbeit im April bereits bei 6,8 Mio. Personen. Während die Kurzarbeit im Zuge der gesamtwirtschaftlichen Erholung in H2 2020 in vielen Branchen wieder schrittweise auslaufen wird, dürfte sie bspw. in der Automobil industrie und bei den Fluggesellschaften weiterhin stark in Anspruch genommen werden. Basierend auf der Korrelation zwischen BIP-Wachstum und Veränderungen in der Arbeitslosenquote (Okunsches Gesetz) im Zeitraum 2000-19 impliziert der BIP-Rückgang in unserem Basisszenario von 9% für das Jahr 2020 einen An stieg der Arbeitslosenquote auf 7%. Das für das Jahr 2021 angenommene BIP Wachstum von 4% würde dann einen Rückgang von fast 1 Prozentpunkt bedeu ten. Allerdings dürfte diese Schätzung die Entwicklung im Jahr 2020 aufgrund der zuvor genannten institutionellen Regelungen überzeichnen, sodass wir ei nen Anstieg der Arbeitslosenquote auf 6,6% erwarten, gefolgt von einem Rück gang auf 6,4% im Jahr 2021. Damit dürfte die Arbeitslosenzahl im laufenden Jahr erstmals seit 2010 wieder auf über 3 Mio. steigen. -5 -4 -3 -2 -1 0 1 2 15 16 17 18 19 IAB-Arbeitsmarktbarometer (Komponente A: Arbeitslosigkeit) ifo-Beschäftigungsbarometer PMI Beschäftigungskomponente PMI Industrie Beschäftigungskomp. Vorlaufende Arbeitsmarktindikatoren signalisieren Bodenbildung nach den Rekordtiefs im April 2 Standardisierte Werte Quellen: Bundesagentur für Arbeit, ifo, IAB, IHS Markit 0 2 4 6 8 10 12 2008 2010 2012 2014 2016 2018 2020 Ende Mai hatten rd. 855.000 Betriebe für 11,8 Mio. Beschäftigte Kurzarbeit angemeldet 3 Mio, nsb. Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Deutsche Bank Research Allmählich aus der Konjunkturschlucht 34 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    Das Arbeitsvolumen dürfte im Jahr 2020 infolge der Produktionsausfälle um rund 4% sinken. Mit Blick auf den von uns erwarteten kräftigen BIP-Rückgang von 9% wird auch die Arbeitsproduktivität (Stundenkonzept) im Jahr 2020 deut lich sinken. Die Entwicklung der Erwerbstätigkeit (2019: 45,3 Mio.) und der sozioökonomi schen Situation im Allgemeinen verlief in Deutschland bis zuletzt sehr positiv. Der Beschäftigungsaufbau wurde im vergangenen Jahr hauptsächlich durch den Dienstleistungssektor getrieben. Im Verarbeitenden Gewerbe war er dage gen bereits zum Jahresende 2019 rückläufig. Anders als in der Krise 2009 wurde insbesondere der binnenwirtschaftlich orientierte Dienstleistungssektor durch die Corona-Krise stark in Mitleidenschaft gezogen und kann kaum ein Ge gengewicht zur Beschäftigungsschwäche in der Industrie darstellen. Infolge des erwarteten scharfen Wirtschaftseinbruchs von 9% und der besonderen Betrof fenheit des personalintensiven Dienstleistungssektors dürfte die Erwerbstätigen zahl im Jahr 2020 um gut 520.000 oder 1,1% zurückgehen. Im Jahr 2021 dürfte die Erwerbstätigenzahl noch einmal um 0,3% (120.000) auf dann rund 44,6 Mio. schrumpfen. Trotz der zu erwartenden konjunkturellen Belebung und der im Quartalsverlauf des Jahres 2021 leicht steigenden Erwerbstätigkeit resultiert aus dem negativen statistischen Überhang des Vorjahres ein Rückgang im Jah resdurchschnitt. Marc Schattenberg (+49 69 910-31875, marc.schattenberg@db.com) -550 -350 -150 50 250 450 650 14 15 16 17 18 19 20 Differenz Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte Erwerbstätige Beschäftigungsaufbau kommt im Jahr 2020 zum Erliegen 4 Veränderung gg. Vj., '000 Personen Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Allmählich aus der Konjunkturschlucht 35 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    Deutsche Autoindustrie: Tiefpunkt durchschritten Die Corona-Krise beeinflusst massiv die wirtschaftliche Entwicklung der Auto mobilindustrie, die sich ohnehin mit konjunkturellen und strukturellen Problemen konfrontiert sieht. Die meisten Autohersteller und viele Zulieferer hatten ihre Fabriken in Deutschland im April und Anfang Mai geschlossen. Der Produktions hochlauf startete im Anschluss. Die inländische Automobilproduktion (inklusive Zulieferer) sank bereits 2019 um real 11,3%; der zweite Rückgang in Folge. Die schwache globale Autonachfrage ist ein Grund hierfür. Die anhaltende Corona Krise erschwert die wirtschaftliche Erholung erheblich. Als wäre das nicht ge nug, ist die Debatte über höhere US-Zölle auf Autoimporte aus der EU noch im mer nicht vom Tisch. Zudem muss die Automobilindustrie 2020 zum ersten Mal strenge CO 2 -Flottenziele in der EU erfüllen. Also konjunkturelle und strukturelle Herausforderungen voraus! Grafik 1: Die Geschäftserwartungen der deutschen Automobilindustrie lagen fast über den gesamten Jahresverlauf von 2019 im negativen Bereich. Die Corona-Krise zog dann auch die Beurteilung der aktuellen Lage nach unten. Al lerdings haben sich die Erwartungen zuletzt kräftig erholt - ein Zeichen, dass der Tiefpunkt im Corona-Zyklus (April) bereits hinter uns liegt. Der Auftragsbe stand in der Branche sinkt tendenziell seit Ende 2018. Allerdings hat die Corona-Krise bislang keinen Einbruch bei den Auftragsbeständen ausgelöst. -100 -80 -60 -40 -20 0 20 40 60 80 17 18 19 20 Lage Erwartungen ifo Geschäftsklima in der deutschen Automobilindustrie 1 Saldo aus positiven und negativen Firmenmeldungen (%) Quelle: ifo -80 -60 -40 -20 0 20 40 60 17 18 19 20 … der Produktionstätigkeit … des Exportgeschäfts … der Beschäftigungsentwicklung ifo-Erwartungen hinsichtlich ... 2 Automobilindustrie in Deutschland, Saldo aus positiven und negativen Firmenmeldungen (%) Quelle: ifo Allmählich aus der Konjunkturschlucht 36 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    Grafik 2: Bei den Unterkomponenten des ifo-Konjunkturtests zeigt sich ein ge mischtes Bild. Die Produktions- und Exporterwartungen haben sich zuletzt er holt, ein weiteres Zeichen dafür, dass das Konjunkturtief durchschritten sein könnte. Die Beschäftigungserwartungen waren zu Jahresbeginn jedoch negativ und gaben am aktuellen Rand weiter nach. Die Beschäftigung in der Autoindus trie, ein nachlaufender Indikator, begann Mitte 2019 zu sinken, was sich in den kommenden Monaten fortsetzen dürfte. Ein Grund hierfür ist auch die struktu relle Umstellung auf E-Mobilität. Grafik 3: Die Kapazitätsauslastung in der deutschen Automobilindustrie sank Anfang Q2 2020 auf den niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung; die Pro duktionszahlen werden folgen. Angesichts der temporären Fabrikschließungen kommt der Rückgang bei der Auslastung jedoch nicht überraschend. In H2 2020 erwarten wir eine moderate Erholung der globalen Pkw-Nachfrage von den niedrigen Niveaus in Q2. In China hat dieser Prozess bereits begonnen; hier lag der Kfz-Absatz im Mai bereits über Vorjahresniveau. Kapazitätsauslastung und Produktion werden im 3. Quartal gg. Vorquartal spürbar steigen. Grafik 4: Die stückzahlmäßige Pkw-Produktion in Deutschland sank 2019 um 9%. Das Minus fiel beim Produktionsindex, der auch qualitative Komponenten umfasst (z.B. bessere Ausstattung), sogar noch stärker aus (-11,3%). Die Spu ren der Corona-Krise sind im März und in Q2 deutlich zu spüren (Lockdown). Der Produktionsindex könnte im Gesamtjahr 2020 um 19% sinken. Dabei wird bereits eine Erholung im Verlauf von H2 2020 unterstellt. 70 80 90 100 110 20 40 60 80 100 15 16 17 18 19 20 Kapazitätsauslastung, % (links) Produktion, sb., 2015=100 (rechts) Produktion und Kapazitätsauslastung in der deutschen Automobilindustrie 3 Quellen: ifo, Statistisches Bundesamt -70 -60 -50 -40 -30 -20 -10 0 10 20 17 18 19 20 Pkw-Produktion, Stückzahlen, gleit. 3-Monatsdurchschn. Produktionsindex, arbeitstägl. ber., gleit. 3-Monatsdurchschn. Automobilproduktion in Deutschland 4 % gg. Vj. Quellen: Statistisches Bundesamt, VDA Allmählich aus der Konjunkturschlucht 37 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    Grafik 5: Die Auftragseingänge aus dem In- und Ausland gaben im März und April erwartungsgemäß spürbar nach. Der April dürfte auch bei den Aufträgen den Tiefpunkt gebildet haben, doch die nachfolgende Erholung wird wohl für ei nige Monate nur moderat ausfallen. Die Pkw-Neuzulassungen in Deutschland stiegen 2019 um 5% und erreichten das höchste Niveau seit 2009, dem Jahr der Abwrackprämie. Ein deutlicher Rückgang im Jahr 2020 ist ausgemacht, wenngleich ein Teil der Verluste aus der Zeitspanne März-Juni im 2. Halbjahr ausgeglichen werden kann (Absenkung des MwSt.-Satzes ab Juli). Grafik 6: Die schwache Autonachfrage in wichtigen deutschen Exportmärkten zum Jahresende 2018, im Jahr 2019 und Anfang 2020 belasteten die deutschen Autoexporte. Die Pkw-Exporte sanken 2019 um 13% (Stückzahlen). Vor dem Corona-Ausbruch hatten wir erwartet, dass der Pkw-Absatz in China, der fast zwei Jahre lang rückläufig war, 2020 positiv überraschen könnte. Stattdessen wurde der Pkw-Absatz im 1. Quartal durch Corona deutlich gedrückt. Dennoch dürfte ein gewisser Nachholbedarf für Impulse sorgen, sobald das Virus einiger maßen unter Kontrolle ist. Der Absatz lag im Mai bereits über Vorjahresniveau. Wir sind deutlich vorsichtiger bezüglich der Erholung im US-amerikanischen und europäischen Automarkt (wieder hohes Infektionsgeschehen in den USA). 20 40 60 80 100 120 140 17 18 19 20 Inland Ausland Auftragseingang in der deutschen Automobilindustrie 5 sb., 2015=100 Quelle: Statistisches Bundesamt -50 -40 -30 -20 -10 0 10 20 15 16 17 18 19 20 Pkw-Neuzulassungen, CN, US*, EWU, UK Nom. Exporte der dt. Automobilind. (Euro), gleit. 3M-Durchschn. % gg. Vj. * Light vehicles Globale Autonachfrage und Exporte der deutschen Automobilindustrie 6 Quellen: ACEA, Bureau of Economic Analysis, China Automotive Information, Statistisches Bundesamt Allmählich aus der Konjunkturschlucht 38 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    Grafik 7: Abgesehen vom aktuellen Konjunkturzyklus setzen Autohersteller und Kfz-Zulieferer ihre Anstrengungen fort, die Produktion von Elektrofahrzeugen bzw. entsprechenden Zulieferteilen und Ausrüstungen in ihren Fabriken zu stei gern. Immer mehr Modelle befinden sich im Angebot. Bis spätestens 2021 müs sen die durchschnittlichen CO 2 -Emissionen aller neu zugelassenen Pkw in der EU auf 95 g/km sinken. Für einen großen Teil der Neuwagenflotte muss dieses Ziel bereits 2020 erreicht werden. Wird dieses Ziel verfehlt, drohen Strafzahlun gen für die Automobilindustrie. Bei einem Neuzulassungsanteil von 10 bis 15% kann die Branche als Ganzes diese Strafzahlungen vermeiden; dies wäre ge genüber einem Anteil von etwa 3% (2019) ein enormer Anstieg. Gemessen an der gesamten Pkw-Produktion bleibt der Anteil der Elektrofahrzeuge jedoch auch 2020 noch klein. Insofern schlägt sich dieser evolutionäre Wandel bei den Antriebstechnologien noch nicht so stark in den Produktionszahlen nieder. Grundsätzlich positiv für den Produktionswert ist, dass Elektrofahrzeuge derzeit im Durchschnitt teurer sind als entsprechende Fahrzeuge mit Verbrennungsmo tor. Allerdings wird die inländische Produktion dadurch negativ beeinflusst, dass manche Produktionsstätten umstrukturiert werden, um die Produktion von Elek trofahrzeugen hochfahren zu können (Kapazität steht während der Umbau phase nicht vollständig zur Verfügung). Der technologische Wandel stellt die globale (und nicht nur die deutsche!) Automobilindustrie vor große Herausforde rungen, denn er wird bislang vor allem durch strenge staatliche CO 2 -Grenzwerte für Pkw und weniger durch Marktkräfte getrieben. Die Autokäufer sind bislang noch zurückhaltend, zumindest solange keine kräftigen Subventionen gewährt werden. Hohen Investitionen steht also ein kleiner Markt gegenüber. Ironischer weise hilft die Corona-Krise dabei, das CO 2 -Ziel im Jahr 2020 zu erreichen. Denn der Absatz von Benzinern und Diesel-Pkw gab im Zuge der Corona-Krise deutlich nach, während Elektrofahrzeuge in vielen Ländern von (noch) höheren Förderprogrammen profitieren. Der Marktanteil von Elektroautos wird 2020 also deutlich steigen. Aber noch einmal: Die Transformation bei den Antriebstechno logien ist kein spezifisches Problem der deutschen Automobilindustrie. Die deut sche Automobilindustrie ist aus heutiger Sicht besser für die „elektromobile" Zu kunft gerüstet als der Automobilstandort Deutschland, wo sich in den letzten Jahren einige kostenseitige Standortfaktoren gegenüber anderen Standorten verschlechtert haben (Steuersätze für Kapitalgesellschaften, Löhne, Strom preise). Eric Heymann (+49 69 910-31730, eric.heymann@db.com) 0,0 1,0 2,0 Diesel Benzin Elektroautos* Vollhybride Sonstige Q1 2019 Q 1 2020 * Batterieelektrisch, Plug-in-Hybride, Range Extender, Brennstoffzelle Quelle: ACEA Pkw-Neuzulassungen in der EU nach Antriebsart 7 Mio., Einheiten Allmählich aus der Konjunkturschlucht 39 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    Herausfordernde EU-Ratspräsidentschaft für Deutschland - Am 1. Juli hat Deutschland die alle sechs Monate wechselnde EU-Präsi dentschaft übernommen. Ursprünglich war vorgesehen, die Beziehungen zwischen der EU und China sowie Initiativen zur Modernisierung der euro päischen Wirtschaft für das grüne und digitale Zeitalter in den Fokus zu rü cken. Diese Pläne wurden durch COVID-19 durchkreuzt. - Schwerpunkte der Agenda sind nunmehr eine Bewertung und Verbesse rung des Krisenmanagements der EU, die Einigung über den Wiederaufbau im Rahmen der mittelfristigen Haushaltsplanung sowie ein Abkommen über die Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien nach dem Brexit. - Deutschland ist ein gewichtiges EU-Mitglied und Kanzlerin Merkel ist für ihre Fähigkeit bekannt, pragmatische Lösungen für schwierige Aufgaben auszu handeln. Die Erwartungen an die deutsche Ratspräsidentschaft könnten also nicht größer sein, strittige Themen der EU zügig beizulegen. Der politische Schwerpunkt verlagert sich von innenpolitischen auf europäische Themen. Am 1. Juli hat Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft für die zweite Hälfte des Jahres 2020 übernommen. Die Bundeskanzlerin hat damit erneut - nach dem ersten Halbjahr 2007 - den Vorsitz im Europäischen Rat inne. Sei nerzeit leitete Merkel ihre erste „Große Koalition" aus CDU/CSU/SPD. Ihr Kabi nett war natürlich anders zusammengesetzt als heute, mit einer bemerkenswer ten Ausnahme: Der jetzige Finanzminister Olaf Scholz war damals Arbeitsminis ter in Merkels Regierung. Als größten diplomatischen Erfolg ihrer ersten EU Präsidentschaft dürfte zu sehen sein, dass Merkel die EU aus einem institutio nellen Stillstand herausführte. Ursache des Stillstands war die Ablehnung des europäischen Verfassungsvertrags durch Referenden in Frankreich und den Niederlanden. Die deutsche Präsidentschaft schaffte es, den Weg zu ebnen für den heute geltenden (Lissabon-)Vertrag, der wesentliche Elemente des damali gen Verfassungsentwurfs enthält. Mehr als ein Jahrzehnt und einige Krisen spä ter sind die Erwartungen hoch, dass es der krisenerprobten Kanzlerin des wirt schaftlich stärksten Mitgliedstaates erneut gelingt, für die strittigen Themen auf der europäischen Agenda vernünftige Kompromisse im Sinne aller Mitgliedstaa ten auszuhandeln. Jüngst deutete Merkel zudem an, dass die Union wieder ein mal an einem Punkt angelangt sein könnte, an dem ihre Herausforderungen nur durch eine Reform der Verträge vollständig zu bewältigen seien. Die Kanzlerin betonte diesen Punkt in ihrer Bundestagsrede im Vorfeld der deutschen EU Ratspräsidentschaft. Dabei verwies sie auf die geplante Konferenz zur Zukunft Europas, auf der Reformen der EU einschließlich Vertragsänderungen diskutiert werden sollen und die, so hofft man, unter französischer EU-Präsidentschaft im ersten Halbjahr 2022 zum Abschluss kommt. Kurzfristig stehen allerdings drin gendere Probleme an. Merkel kann ihre große Popularität für die deutsche Europapolitik einsetzen. Die Bewältigung der Corona-Krise setzte Politiker rund um den Globus und natürlich auch in Europa stark unter Druck. In Krisenzeiten ist es normal, dass das Ver trauen in die Regierungschefs zunimmt. Kanzlerin Merkel aber sticht besonders hervor, da sie von vielen als politisch massiv geschwächt angesehen wurde, nachdem sie Ende 2018 die CDU-Parteiführung aufgegeben und erklärt hatte, dass sie nach der laufenden Legislaturperiode nicht noch einmal antreten werde. Ihr besonnenes Krisenmanagement fand in der deutschen Öffentlichkeit jedoch große Unterstützung. 84% der Deutschen sind mit ihrer Arbeit zufrieden (Politbarometer Juni 2020). Mit ihren aktuellen Zustimmungswerten unterschei det sie sich nicht nur von einigen ihrer EU-Partner wie dem französischen Präsi denten Macron (Politico: 41%), sondern auch von anderen deutschen Spitzen politikern. Dies schließt Kandidaten aus der eigenen Partei für den CDU 38,5 15,0 9,6 5,9 7,8 17,9 5,4 32,9 20,5 12,6 10,7 9,2 8,9 5,2 0 5 10 15 20 25 30 35 40 CDU/CSU SPD AfD FDP Linke Grüne Sonstige Aktuelle Umfragen* Bundestagswahl 2017 % der Stimmen Aktuelle Stärke der Parteien & Ergebnis der Bundestagswahl 2017 1 Quelle: Wahlrecht.de, 22. Juni 2020 * Durchschnitt der Ergebnisse jüngster Umfragen führender Meinungsforschungsinstitute (Forsa, Kantar, INSA, Allensbach) 2,5 1,9 1,8 1,3 1,3 1,1 1,0 0,6 0,6 0,3 -1,2 -0,2 0,8 1,8 2,8 A. Merkel (CDU) M. Söder (CSU) O. Scholz (SPD) H. Heil (SPD) J. Spahn (CDU) P. Altmaier (CDU) R. Habeck (Grüne) A. Laschet (CDU) H. Seehofer (CSU) C. Linder (FDP) Quelle: Forschungsgruppe Wahlen Politbarometer Juni 2020 "Was halten Sie von?...", Skala von+5 (höchste Meinung bis -5 (niedrigste Meinung) Beurteilung deutscher Spitzenpolitiker nach Sympathie und Leistung 2 Allmählich aus der Konjunkturschlucht 40 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    Parteivorsitz und mögliche Kanzlerschaft, Armin Laschet und Friedrich Merz, ein. Generell profitiert auch die CDU/CSU, die in einigen Umfragen bei 40% liegt, von diesem „Kanzlerbonus". Dies erlaubt Merkel zum Ende ihrer Kanzler schaft, politisches Kapital zu investieren und Kompromisse auf europäischer Ebene einzugehen, ohne die harten roten Linien deutscher Europapolitik zu überschreiten. Eine überzeugende deutsch-französische Initiative - endlich . Typisches Beispiel hierfür ist die deutsch-französische Initiative vom 18. Mai. Ihr wesentlicher Be standteil, ein europäischer Wiederaufbaufonds von EUR 500 Mrd., ging in den Vorschlag zur mehrjährigen EU-Haushaltsplanung 2021-2027 ein, den die EU Kommission knapp zwei Wochen später vorlegte. Der Fonds ist ein temporäres, durch die Emission von Anleihen der EU-Kommission finanziertes Instrument, das auf der Grundlage der Solidaritätsklausel von Art. 122 AEUV basiert. Diese Konstruktion erlaubte es Kanzlerin Merkel, die kontroverse Debatte über Euro bonds in Deutschland vorerst zu beenden, und sicherte ihr schon im Vorfeld die Unterstützung ihrer konservativen Partei (Stellungnahme der CDU/CSU Fraktion vom 18. Mai). Der Vorschlag eines Wiederaufbaufonds dürfte auch Re aktion auf die von der deutschen Wirtschaft (zusammen mit ihren europäischen Partnern) erhobene Forderung sein, die europäischen Wertschöpfungsketten und die Erholung der Märkte durch entschlossenes Handeln zu stabilisieren. Merkel aber dürfte darin auch eine Gelegenheit gesehen haben, dem Risiko ei ner weiteren strategischen Schwächung Europas im Tauziehen zwischen chine sischen und amerikanischen Interessen vorzubeugen. Und schließlich hat das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 5. Mai zum PSPP der EZB die demokratischen Grenzen der Geldpolitik in aller Deutlichkeit aufgezeigt und den Ball zurück ins Feld der Politik gespielt. Damit könnte sich Deutschland gezwungen sehen, seinen wirtschaftspolitischen Kurs in Europa bis zu einem gewissen Grad zu überdenken und - im Rahmen seiner politi schen Möglichkeiten - auf weitere Reformen der EWU-Rahmenbedingungen zu drängen. Das BVerfG setzte eine Frist von drei Monaten, innerhalb derer eine Bewertung der Verhältnismäßigkeit des Anleiheprogramms erfolgen muss. An dernfalls darf die Bundesbank sich nicht mehr an der Umsetzung des PSPP Programms beteiligen. Diese Frist läuft am 5. August ab. Dies steht zwar nicht unmittelbar im Zusammenhang mit der deutschen EU-Ratspräsidentschaft, aber die deutsche Politik muss sich überlegen, wie dieser Forderung des BVerfG im Spagat zwischen der Unabhängigkeit der EZB und der Bundesbank Genüge ge tan werden kann. Inzwischen hat der EZB-Rat ein Paket von Dokumenten frei gegeben, das es der deutschen Politik erleichtern soll, sich noch vor der Som merpause am 3. Juli mit der Frage der Verhältnismäßigkeitsprüfung durch die EZB zu befassen. Nach entsprechender Prüfung durch das Bundesfinanzminis terium sieht die Bundesregierung die Forderung aus Karlsruhe als erfüllt an, wie es einem Schreiben von FM Scholz und Bundestagspräsident Schäuble zu ent nehmen ist (FAZ 30. Juni). 22 Die deutsche Präsidentschaft erwartet eine herausfordernde Arbeit . Vor der Corona-Krise bestand die Absicht, den Schwerpunkt der deutschen Präsident schaft auf die Beziehungen zwischen der EU und China und allgemein auf wirt schaftliche Fragen zu legen. Vor Kurzem (18. Juni) unterstrich Merkel vor dem Parlament erneut, dass Klimaschutz und Digitalisierung weiterhin oberste 22 Zudem zeigen die letzte Woche veröffentlichten Protokolle der Sitzung des EZB-Rates am 3./4. Juni, dass der EZB-Rat ausführlich die Vorteile und möglichen negativen Nebenwirkungen der Anleihekäufe diskutiert hat. Das kann sicher auch als Bemühen der EZB gewertet werden, das verfassungsrechtliche Dilemma zu entschärfen. 0 10 20 30 40 50 60 Feb. 09 Feb. 10 Feb. 11 Feb. 12 Feb. 13 Feb. 14 Feb. 15 Feb. 16 Feb. 17 Feb. 18 Feb. 19 … eher Vorteile … eher Nachteile … Vor- und Nachteile Quelle: Forschungsgruppe Wahlen: Politbarometer % der Befragten Die EU-Mitgliedschaft bringt der deutschen Bevölkerung … 3 34,1 21,3 16,2 13,6 9,3 8,4 5,0 4,9 4,2 3,4 1,8 1,5 0,7 0,6 0,5 0,5 0,0 -0,8 -3,1 -4,1 -5,2 -5,6 -5,7 -7,5 -13,0 -23,4 -57,6 -100 -50 0 50 ES PL RO HR SK LT SI CZ MT FI DK BE NL DE Der Nettosaldo aus dem Anteil der Zuschüsse (insgesamt 310 Mrd. Euro laut Kommissionsvorschlag) in der Aufbau und Resilienzfazilität wird wie folgt berechnet: Maximale Zuschüsse für die Mitgliedsländer basierend auf COM(2020) 408 final/3 Annex; Anteil der EU27-Mitglieder an der Rückzahlung nach 2027, entsprechend ihren Beiträgen zu den EU-Eigenmitteln auf BNE-Grundlage (Durchschnitt 2014-2018). Quellen: Europäische Kommission, Eurostat, DB Geschätz. Nettosaldo, Mrd. EUR* Zuschüsse aus dem EU Wiederaufbaufonds, möglicher Nettosaldo (Schätzung) 4 Allmählich aus der Konjunkturschlucht 41 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    Prioritäten der deutschen Ratspräsidentschaft bleiben. 23 Von der Fähigkeit der EU, sich auf diese Herausforderungen einzustellen, hänge es nach Ansicht der Bundeskanzlerin ab, „ob wir nach der Pandemie kreative, wettbewerbsfähige Unternehmen und nachhaltig gesicherte Arbeitsplätze haben." Und sie fuhr fort: „Wir wissen, dass andere in der Welt nicht ruhen, sondern sehr entschlossen und sehr robust handeln." Der geplante, jedoch bereits abgesagte EU-China Gipfel wäre eine gute Gelegenheit gewesen, diese Fragen zu erörtern - mit ei nem der größten Handelspartner der EU, der auch einer ihrer größten Konkur renten ist und zunehmend als „systemischer Rivale" wahrgenommen wird. Doch die Pandemie hat diese Pläne zum Teil durchkreuzt. Ein am 22. Juni per Video konferenz durchgeführter Ersatz-„Gipfel" mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping brachte nur sehr begrenzt Fortschritte, etwa mit Blick auf ein Investiti onsabkommen zwischen der EU und China, das Bundeskanzlerin Merkel be sonders am Herzen liegt . So wichtig diese Fragen auch sind, zwei Aufgaben werden die deutsche Präsidentschaft in Beschlag nehmen und auf allen politi schen Ebenen volle Aufmerksamkeit erfordern, allen voran natürlich die der Kanzlerin: (i) die Aushandlung des mehrjährigen EU-Finanzrahmens zusammen mit dem neuen Konjunkturfonds und (ii) die künftige Beziehung zu Großbritan nien. Deutschland - der größte Beitragszahler zum nächsten MFR und zum Konjunk turfonds . Das virtuelle Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs zum nächs ten siebenjährigen EU-Haushalt und zum geplanten Wiederaufbaufonds vor Kurzem erbrachte keinen Durchbruch. Bundeskanzlerin Merkel sprach nach dem Treffen von „sehr konstruktiven Gesprächen", räumte aber auch ein: „Die Brücken, die wir noch zu bauen haben, sind groß." Alle Augen richten sich nun auf den EU-Sondergipfel am 17. und 18. Juli. Er könnte der erste seit Ausbruch der Corona-Krise sein, bei dem die Regierungschefs persönlich zusammen kommen. Viel steht auf dem Spiel: Die Kommission schlägt vor, den EU Haushalt in Höhe von EUR 1,1 Billionen um einen Wiederaufbaufonds von EUR 750 Mrd. zu ergänzen. Davon sollen EUR 500 Mrd. in Form nicht rückzahlbarer Zuschüsse an die Mitglieder vergeben werden. Um auf die Folgen der Pande mie schnell reagieren zu können, strebt Deutschland eine rasche Einigung über das Konjunkturpaket an und dürfte dafür auch sein eigenes Gewicht in die Waagschale werfen. Während Deutschland zusammen mit Frankreich die um fangreiche Gewährung von Zuschüssen zur Eindämmung der Pandemiefolgen bereits unterstützt, bereiten einige Aspekte der anstehenden Verhandlungen Kopfzerbrechen. Hierzu zählt neben der Rabattfrage die Auswahl der Indikato ren in dem von der Kommission für die Zuschüsse vorgeschlagenen Vertei lungsschlüssel (basierend u.a. auf dem umgekehrten BNE-Wachstum und den Arbeitslosenquoten), der bei einigen Mitgliedern, insbesondere in Mittel- und Osteuropa, für Irritationen sorgt. Nach diesem Schlüssel hätte Deutschland An spruch auf höchstens 7% der Zuschussfazilität in Höhe von EUR 310 Mrd. (das entspricht EUR 22 Mrd.), verglichen mit 21% für Italien und 20% für Spanien. Die gleichzeitige Rückzahlung der Zuschüsse würde erst 2028 beginnen und dreißig Jahre andauern. Würde man annehmen, dass dies nur in Form von zu sätzlichen Beiträgen der Mitglieder zum Haushalt (BNE-basierte Eigenmittel) er folgen würde, hätte Deutschland einen erheblichen Anteil an den Nettokosten zu tragen (rund EUR 58 Mrd. auf der Grundlage des derzeitigen Anteils Deutschlands an den Haushaltsbeiträgen bzw. 19% der Gesamtkosten). Wir er 23 Im Trio-Programm der nächsten drei EU-Präsidentschaften von Deutschland, Portugal und Slo wenien sind die folgenden übergeordneten Prioritäten genannt: (i) die Folgen der Pandemie und die Verbesserung des europäischen Krisenmanagements, (ii) wichtige politische Ziele der Strate gischen Agenda 2019-2024, (iii) die Aushandlung des mehrjährigen Finanzrahmens zusammen mit dem neuen Konjunkturfonds und (iv) die künftigen Beziehungen zu Großbritannien. 63,4 61,6 32,2 26,8 21,5 17,9 13,5 12,9 6,1 6,1 6,1 6,1 5,2 4,8 4,7 3,8 3,0 2,8 2,2 2,2 1,7 1,7 1,2 1,1 1,0 0,2 0,1 0 2 04 06 08 0 IT ES FR PL DE EL RO PT SK HU BG HR NL BE CZ SE AT LT FI LV DK SI IE CY EE MT LU Quellle: Europäische Kommission Maximale Zuschüsse basierend auf dem Verteilungsschlüssel der Kommission (Mrd. Euro) Zuschüsse (Obergrenze) in der Aufbau- und Resilienzfazilität (Vorschlag der Kommission) 5 Allmählich aus der Konjunkturschlucht 42 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    warten daher, dass Deutschland nicht nur die Rolle eines Vermittlers über nimmt, sondern gleichzeitig versuchen wird, in den anstehenden Verhandlungen auch seine eigenen Interessen durchzusetzen. Brexit - Berlin soll Handelsabkommen aushandeln. In den letzten Monaten gab es bei den Verhandlungen über die künftigen Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien keinerlei Fortschritte. Schon kurz vor dem hochrangigen, aber ergebnislosen Treffen zwischen Boris Johnson und den Präsidenten der drei EU-Institutionen am 15. Juni lehnte Großbritannien eine Verlängerung der Übergangszeit offiziell ab. Jetzt tickt die Uhr. Die Frist endet am 31. Dezember 2020 bzw. eigentlich schon früher, da ein Abkommen die Zustimmung des Euro päischen Parlaments und möglicherweise der nationalen Parlamente erfordert. Die deutsche Ratspräsidentschaft wird also im September/Oktober einen Groß teil der politischen Aufmerksamkeit auf die Erzielung einer Einigung und die Ver hinderung eines erneuten Brexit-Dramas richten - ungeachtet der Tatsache, dass die Gespräche von der Kommission geführt werden und Deutschland die Funktion von Michel Barnier als Chefunterhändler stets unterstützt hat. Ein Abkommen mit begrenztem Umfang - wenn überhaupt . Am umstrittensten ist nach wie vor die Frage gleicher Wettbewerbsbedingungen für Unternehmen der EU und Großbritanniens. Dabei geht es etwa um staatliche Förderung, Wettbewerbsregeln, Arbeits- und Umweltvorschriften und ganz allgemein um die „Governance" (z.B. Streitbeilegung). Während sich das Vereinigte Königreich Spielraum für das Abweichen von Regeln in diesen Schlüsselbereichen wünscht, ist für die EU eine verbindliche Übernahme der Regeln die Vorausset zung für einen ungehinderten Zugang zum Binnenmarkt. Bleiben beide Seiten hart, erscheint ein umfassendes Abkommen unrealistischer denn je. Großbritan nien setzt möglicherweise nach wie vor etwas Hoffnung in das starke deutsche Interesse an einem Handelsabkommen. Die Position Berlins ist aber seit 2016 unverändert: Die Einheit des Binnenmarktes hat Vorrang vor „Rosinenpicken" und allzu großzügigen Zugeständnissen an Großbritannien - ein Ansatz, der von der deutschen Wirtschaft trotz der von der Corona-Krise drohenden Gefahr unterstützt wird. Letzten Endes könnte ein zoll- und quotenfreies Handelsab kommen mit sehr begrenztem Umfang in anderen Bereichen die einzige verblei bende Option sein, möglicherweise mit einem kurzen Umsetzungszeitraum nach dem Jahresende 2020. Jedenfalls müssen sich die Unternehmen im Handel mit Großbritannien auf erhebliche Friktionen einstellen, während sie gleichzeitig die Corona-bedingte Rezession bewältigen müssen. Barbara Böttcher (+49 69 910-31787, barbara.boettcher@db.com) Kevin Körner (+49 69 910-31718, kevin.koerner@db.com) 22 75 72 18 0 2 04 06 08 0 der EU Großbritannien ja nein Keine Einigung zwischen EU und Großbritannien würde wirtschaftlich stark schaden…. 6 Quelle: Politbarometer Juni 2020 % der Befragten Allmählich aus der Konjunkturschlucht 43 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    EZB weiter auf dem Gaspedal, aktuelle Sitzungs protokolle unterstreichen die Verhältnismäßigkeit der Ankaufprogramme Wie die massiv nach unten revidierten Wachstums- und Inflationserwartungen zeigen, ist der Corona-Schock tiefer und hartnäckiger als von der EZB zu Be ginn der Umsetzung des PEPP im März befürchtet. Die Eintrübung des Makro ausblicks im Verlauf von H1 2020 erhöhte die Herausforderungen sowohl für den geldpolitischen Kurs als auch für die reibungslose Transmission der Geldpolitik. Die EZB reagierte am 4. Juni mit erheblichen Anpassungen des PEPP. Sie erhöhte das Volumen des PEPP-Portfolios von EUR 750 Mrd. auf EUR 1,35 Bill., verlängerte die Mindestdauer der Nettokäufe um sechs Monate bis Mitte 2021 und kündigte die Reinvestitionen bis Ende 2022 an. Für den an schließenden Zeitraum soll das Abbautempo des PEPP-Portfolios im Einklang mit dem „angemessenen geldpolitischen Kurs" erfolgen. Letzteres impliziert, dass der geldpolitische Kurs gegenüber den Anpassungen des PEPP-Portfolios an den Kapitalschlüssel Vorrang haben dürfte, und trägt zur positiven Einschät zung der Märkte in Bezug auf das Paket bei. Insgesamt übertrafen diese Maßnahmen die Markterwartungen und die finanzi ellen Bedingungen entspannten sich infolgedessen. Darüber hinaus beurteilen wir die Pressekonferenz vom 4. Juni 2020 differenziert. Negativ zu vermerken ist, dass es immer noch keinen einheitlichen Rahmen gibt, um die unterschiedli chen Rollen des PEPP gegenüber dem PSPP zu erklären - zum Beispiel, wa rum das mit mehrfacher Flexibilität ausgestattete PSPP nicht jenes ist, welches vom Kapitalschlüssel (PEPP) abweicht. Auf der positiven Seite unterstreicht das jüngste Maßnahmenpaket die Handlungsfähigkeit der EZB, sowohl was den Umfang angeht, als auch was die nötige Voraussicht im Handeln betrifft. Die am 25. Juni veröffentlichten Sitzungsprotokolle enthalten mehrfach Erläuterungen zur Verhältnismäßig- und Wirksamkeit der verschiedenen EZB-Ankauf programme (APP, PSPP und PEPP). Unserer Ansicht nach sind diese Darle gungen als konstruktive Signale zu werten, wie die EZB zur Lösung der Heraus forderungen aus dem Urteil des deutschen Bundesverfassungsgerichts beitra gen kann. Marc Schattenberg (+49 69 910-31875, marc.schattenberg@db.com) Mark Wall (+44 20 754-52087, mark.wall@db.com ) Allmählich aus der Konjunkturschlucht 44 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    DB Makro-Überraschungsindex Deutschland Der DB Makro-Überraschungsindex vergleicht den Wert der veröffentlichten Konjunkturdaten mit den Markterwartun gen und liefert damit Hinweise über die Richtung künftiger Prognoseanpassungen. Neu berechnet von Marc Schattenberg und Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) Quelle: Heiko Peters (2014). DB Makro-Überraschungsindex Deutschland. Ausblick Deutschland, 4. August 2014. Letzte 20 veröffentlichte deutsche Konjunkturdaten DX -0,6 -0,4 -0,2 0,0 0,2 0,4 0,6 14 15 16 17 18 19 20 DB Makro-Überraschungsindex +/- 1 Standardabweichung DB Makro-Überraschungsindex Deutschland Durchschnitt der z-Werte der vergangenen 20 Datenüberraschungen Werte über (unter) 0 bedeuten über (unter) der Markterwartung liegende Datenveröffentlichungen Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Bloomberg Ticker Indikator Berichts- monat Veröffentlich ungsdatum Aktueller Wert Bloomberg Konsensus Überra- schung Standardisierte Überraschung Quantils - rang GRZEWI Index ZEW - Konjunktur (Erwartungen) 5 2020 19.05.2020 51,0 30,0 21,0 0,0 1,0 GRZECURR Index ZEW - Konjunktur (Situation) 5 2020 19.05.2020 -93,5 -86,6 -6,9 -1,1 0,1 GRGDPPGQ Index BIP (% gg. Vq.) 3 2020 25.05.2020 -2,2 -2,2 0,0 -0,2 0,4 GRIMP95Y Index Importpreise (% gg. Vj.) 4 2020 29.05.2020 -7,4 -7,2 -0,2 0,2 0,6 GRFRIAMM Index Einzelhandelsumsätze (% gg. Vm.) 4 2020 29.05.2020 -6,5 -12,0 5,5 4,3 1,0 MPMIDEMA Index PMI Verarbeitendes Gewerbe 5 2020 01.06.2020 36,6 36,8 -0,2 -0,3 0,3 MPMIDESA Index PMI Dienstleistungssektor 5 2020 03.06.2020 32,6 31,4 1,2 1,4 0,9 GRUECHNG Index Veränderung Arbeitslose (Tsd. gg. Vm.) 5 2020 03.06.2020 238,0 190,0 -48,0 -1,7 0,0 GRIORTMM Index Auftragseingänge (% gg. Vm.) 4 2020 05.06.2020 -25,8 -19,9 -5,9 -2,8 0,0 GRIPIMOM Index Industrieproduktion (% gg. Vm.) 4 2020 08.06.2020 -17,9 -16,5 -1,4 -1,1 0,1 GRTBALE Index Handelsbilanz (EUR Mrd.) 4 2020 09.06.2020 3,6 11,6 -8,0 -3,2 0,0 GRBTEXMM Index Exporte (% gg. Vm.) 4 2020 09.06.2020 -24,0 -15,6 -8,4 -4,2 0,0 GRCAEU Index Leistungsbilanzsaldo (EUR Mrd.) 4 2020 09.06.2020 7,7 14,1 -6,4 -2,2 0,0 GRBTIMMM Index Importe (% gg. Vm.) 4 2020 09.06.2020 -16,6 -16,0 -0,6 -0,3 0,4 GRZEWI Index ZEW - Konjunktur (Erwartungen) 6 2020 16.06.2020 63,4 60,0 3,4 0,3 0,7 GRZECURR Index ZEW - Konjunktur (Situation) 6 2020 16.06.2020 -83,1 -82,0 -1,1 -0,2 0,4 GRCP20YY Index VPI (% gg. Vj.) 5 2020 16.06.2020 0,6 0,6 0,0 0,2 0,4 MPMIDESA Index PMI Dienstleistungssektor 6 2020 23.06.2020 45,8 45,8 0,0 0,0 0,5 MPMIDEMA Index PMI Verarbeitendes Gewerbe 6 2020 23.06.2020 44,6 44,6 0,0 0,0 0,4 GRIMP95Y Index Importpreise (% gg. Vj.) 5 2020 26.06.2020 -7,0 -6,9 -0,1 0,3 0,6 Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Allmählich aus der Konjunkturschlucht 45 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    Marc Schattenberg (+49 69 910-31875, marc.schattenberg@db.com) Deutschland: Termine der Finanz-, der Wirtschafts- und der Europapolitik DX Datum Ereignis Anmerkungen 1. Juli Deutschland übernimmt die im Sechs-Monats-Rhythmus wechselnde EU-Präsidentschaft bis Ende 2020 Hauptthemen werden die Überprüfung des Corona-Krisenmanagements, die Verhandlungen über den mehrjährigen Finanzrahmen 2021-2027 und den damit verbundenen Wiederaufbaufonds sowie die Gespräche über die Bezie hungen nach dem Brexit sein. 9.-10. Juli Euro-Gruppe und ECOFIN, Brüssel Verhandlungen über die Konjunkturmaßnahmen der EU 16. Juli Sitzung des EZB-Rates, Pressekonferenz Hauptthema wird die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung bis zum 3. Quartal und der weitere Ausblick sein. In diesem Zusammenhang könnte die EZB weitere Anpassungen ihrer geldpolitischen Maßnahmen vor nehmen. 17.-18. Juli Sondertagung des Europäischen Rats, Brüssel Die Staats- und Regierungschefs werden sich wahrscheinlich zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Pandemie persönlich treffen, um auf eine Eini gung über den 7-Jahres-Haushalt und den 750 Milliarden Euro schweren Wiederaufbaufonds hinzuarbeiten. Deutschland ist bestrebt, eine schnelle Ei nigung zu erzielen, um rasch auf die Folgen der Pandemie reagieren zu kön nen. Die meisten Details des Plans sind jedoch nach wie vor äußerst umstrit ten. 5. August Deadline für die Umsetzung des Urteils des Bundesverfas sungsgerichts zu PSPP Das Bundesverfassungsgericht setzte eine Frist von drei Monaten, um seiner Entscheidung vom 5. Mai über die Beurteilung der Verhältnismäßigkeit des PSPP der EZB nachzukommen. Eine angemessene Reaktion unter (indirek ter) Einbeziehung der EZB, der Bundesbank und der deutschen Politik könnte in Sicht sein. Quelle: Deutsche Bank Research Allmählich aus der Konjunkturschlucht 46 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    Marc Schattenberg, Sebastian Becker & Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) Deutschland: Datenkalender Datum Uhrzeit Daten Berichtszeitraum DB Schätzung Letzter Wert 06.07.2020 8:00 Auftragseingang im Ver. Gewerbe (% gg. Vm., sb.) Mai 9,0 -25,8 07.07.2020 8:00 Industrieproduktion (% gg. Vm., sb.) Mai 8,0 -22,0 09.07.2020 8:00 Handelsbilanz (EUR Mrd., sb.) Mai 5,0 3,3 09.07.2020 8:00 Warenexporte (% gg. Vm., sb.) Mai 10,0 -24,0 09.07.2020 8:00 Warenimporte (% gg. Vm., sb.) Mai 11,0 -16,6 24.07.2020 9:30 PMI Verarbeitendes Gewerbe (Flash) Juli 47,0 45,2 24.07.2020 9:30 PMI Dienstleistungssektor (Flash) Juli 49,0 45,8 27.07.2020 10:30 ifo Geschäftsklima (Index, sb.) Juli 88,0 86,2 30.07.2020 8:00 Reales BIP (% gg. Vq., sb.) Q2 2020 -14,0 -2,2 30.07.2020 9:55 Arbeitslosenrate (%, sb.) Juli 6,5 6,4 30.07.2020 14:00 Vorläufiger VPI (% gg. Vj., sb.) Juli -0,7 0,9 31.07.2020 8:00 Einzelhandelsumsätze (Index, sb.), % gg. Vm.* Juni 4,0 13,9 *lt. Statistischem Bundesamt auch früherer Veröffentlichungstermin möglich Quellen: Deutsche Bank Research, Statistisches Bundesamt, Bundesagentur für Arbeit, ifo, IHS Markit Allmählich aus der Konjunkturschlucht 47 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    Deutschland: Datenmonitor DX Q2 2019 Q3 2019 Q4 2019 Q1 2020 Q2 2020 Jan 2020 Feb 2020 Mrz 2020 Apr 2020 Mai 2020 Jun 2020 Konjunkturumfragen Gesamtwirtschaft ifo Geschäftsklima 98,7 95,2 95,1 92,6 80,1 95,8 95,9 86,0 74,3 79,7 86,2 ifo Geschäftserwartungen 94,9 91,8 92,1 88,5 80,5 92,7 93,1 79,7 69,5 80,5 91,4 Produzierendes Gewerbe ifo Verarbeitendes Gewerbe 95,4 91,0 90,8 90,1 77,4 92,7 92,7 84,9 72,8 76,7 82,8 Produktion (% gg. Vp.) -2,0 -0,8 -1,7 -2,3 1,9 0,4 -11,0 -22,0 Auftragseingang (% gg. Vp.) -1,1 -0,2 -1,0 -2,5 4,8 -1,2 -15,0 -25,8 Grad der Kapazitätsauslastung 85,3 83,9 82,6 82,9 71,4 Bauhauptgewerbe Produktion (% gg. Vp.) 1,7 0,4 0,8 4,6 6,8 -1,3 -2,0 -0,2 Auftragseingang (% ggü. Vp.) -5,0 0,3 7,2 -4,2 1,8 -6,5 -10,5 3,2 ifo Bauhauptgewerbe 113,6 112,7 111,2 106,6 95,1 107,9 108,0 103,8 92,4 95,3 97,7 Konsumentennachfrage EC Konsumentenbefragung -1,7 -3,1 -3,3 -4,6 -3,6 -2,6 -7,6 -16,3 -14,8 -10,8 Einzelhandelsumsätze (% gg. Vp.) 0,1 0,7 0,2 0,6 1,4 0,8 -2,6 -6,5 Neuzulassungen PKW (% gg. Vj.) 0,9 6,8 13,7 -20,3 -7,3 -10,8 -37,7 -61,1 -49,5 Außenhandel Auslandsaufträge (% gg. Vp.) 0,9 0,0 -1,0 -2,6 8,3 -3,2 -16,0 -28,1 Exporte (% gg. Vp.) -1,4 0,6 0,6 -3,5 0,1 1,3 -11,7 -24,0 Importe (% gg. Vp.) -1,0 -0,6 0,7 -2,4 0,6 -1,5 -5,0 -16,6 Nettoexporte (EUR Mrd.) 54,1 57,7 57,7 52,8 18,6 21,4 12,8 3,3 Arbeitsmarkt Arbeitslosenquote (%) 5,0 5,0 5,0 5,0 6,2 5,0 5,0 5,0 5,8 6,3 6,4 Veränderung Arbeitslosigkeit (Tsd. gg. Vp.) 20,3 20,7 -5,3 -10,3 550,0 -4,0 -9,0 0,0 372,0 238,0 69,0 Beschäftigung (% gg. Vj.) 1,0 0,7 0,6 0,3 0,4 0,3 0,2 -0,5 ifo Beschäftigungsbarometer 100,6 98,8 99,0 97,0 89,0 99,6 98,1 93,4 86,3 88,3 92,3 Preise, Löhne und Arbeitskosten Preise HVPI (% gg. Vj.) 1,6 1,0 1,2 1,5 0,7 1,6 1,7 1,3 0,8 0,5 0,8 Kern-HVPI (% gg. Vj.) 1,5 0,9 1,5 1,3 1,1 1,3 1,4 1,3 1,0 1,1 1,1 Harmonisierter PPI (% gg. Vj.) Rohstoffe ohne Energie (% gg. Vj.) 0,2 6,3 5,3 2,1 9,1 0,2 -2,5 -7,3 -4,8 Rohöl, Brent (USD/Bbl) 68,6 62,1 62,5 50,7 33,1 63,4 55,8 33,9 26,9 32,6 40,5 Inflationserwartungen EC Haushaltsumfrage 33,8 33,7 31,6 34,3 38,9 35,1 34,4 33,3 42,3 44,0 30,4 EC Unternehmensumfrage 7,1 2,2 2,7 2,2 -4,9 3,2 3,4 0,0 -4,6 -6,0 -4,0 Lohnstückkosten (gg. Vj.) Lohnstückkosten 4,3 2,9 3,0 4,1 Arbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmer 3,3 3,6 2,7 1,8 Arbeitnehmerentgelt je Stunde 4,2 3,0 3,5 3,5 Monetärer Sektor (gg. Vj.) M3 4,8 5,1 4,6 6,7 4,7 4,7 6,7 6,3 7,2 Trend von M3* Kredite an Unternehmen und Privatpersonen 4,6 4,5 4,9 5,3 4,8 4,9 5,3 5,3 0,0 Kredite an öffentliche Haushalte 5,7 3,1 -5,9 5,0 7,1 3,6 5,0 2,5 % gg. VP = Veränderung gegenüber der Vorperiode; * zentrierter 3M-Durchschnitt Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Deutsche Bundesbank, Europäische Kommission, Eurostat, Statistisches Bundesamt, HWWI, ifo, Markit Allmählich aus der Konjunkturschlucht 48 | 1. Juli 2020 Ausblick Deutschland    Finanzmarktprognosen DX US JP EWU GB CH SE DK NO PL HU CZ Leitzinssatz, % Aktuell 0,125 -0,10 0,00 0,10 -0,75 0,00 -0,60 0,00 0,10 0,74 0,25 Jun 20 0,125 -0,10 0,00 0,10 -0,75 0,00 -0,75 1,50 0,10 1,75 0,25 Sep 20 0,125 -0,10 0,00 0,10 -0,75 0,00 -0,75 1,50 0,10 1,25 0,25 Dez 20 0,125 -0,10 0,00 0,10 -0,75 0,00 -0,75 1,50 0,10 0,90 0,25 3M Geldmarktsatz, % Aktuell 0,31 -0,05 -0,40 Jun 20 0,50 0,03 -0,40 Sep 20 0,40 0,03 -0,40 Dez 20 0,50 0,03 -0,40 Rendite 10J Staatsanleihen, % Aktuell 0,68 0,01 -0,47 0,15 Jun 20 0,50 0,00 -0,40 0,63 Sep 20 0,60 0,00 -0,28 0,60 Dez 20 0,70 0,00 -0,20 0,70 Wechselkurse EUR/USD USD/JPY EUR/GBP GBP/USD EUR/CHF EUR/SEK EUR/DKK EUR/NOK EUR/PLN EUR/HUF EUR/CZK Aktuell 1,12 106,91 0,91 1,24 1,06 10,46 7,45 10,86 4,46 353,64 26,71 Jun 20 1,10 105,00 0,92 1,20 1,05 10,50 10,75 4,55 360,00 27,25 Sep 20 1,12 100,00 0,96 1,17 1,02 10,75 10,50 4,50 365,00 27,00 Dez 20 1,15 100,00 0,96 1,20 1,00 11,00 7,46 10,25 4,45 365,00 26,50 Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research © Copyright 2020. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research" gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Ver fassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen kön nen ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informations zwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessenheit der vorste henden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. In Deutschland wird dieser Bericht von Deutsche Bank AG Frankfurt genehmigt und/oder verbreitet, die über eine Erlaubnis zur Erbringung von Bankge schäften und Finanzdienstleistungen verfügt und unter der Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bundesanstalt für Finanzdienstleis tungsaufsicht (BaFin) steht. Im Vereinigten Königreich wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Filiale London, Mitglied der London Stock Exchange, genehmigt und/oder verbreitet, die von der UK Prudential Regulation Authority (PRA) zugelassen wurde und der eingeschränkten Aufsicht der Financial Conduct Authority (FCA) (unter der Nummer 150018) sowie der PRA unterliegt. In Hongkong wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Hong Kong Branch, in Korea durch Deutsche Securities Korea Co. und in Singapur durch Deutsche Bank AG, Singapore Branch, verbreitet. In Japan wird dieser Bericht durch Deutsche Securities Inc. genehmigt und/oder verbreitet. In Australien sollten Privatkunden eine Kopie der betreffenden Produktinformation (Product Disclosure Statement oder PDS) zu jeglichem in diesem Bericht erwähnten Finanzinstrument beziehen und dieses PDS berücksichtigen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen. Druck: HST Offsetdruck Schadt & Tetzlaff GbR, Dieburg ISSN (Print): 2512-2371; ISSN (Online): 2568-1079 Press Quality.joboptions << /ASCII85EncodePages false /AllowTransparency false /AutoPositionEPSFiles true /AutoRotatePages /None /Binding /Left /CalGrayProfile (Dot Gain 20%) /CalRGBProfile (sRGB IEC61966-2.1) /CalCMYKProfile (U.S. Web Coated \050SWOP\051 v2) /sRGBProfile (sRGB IEC61966-2.1) /CannotEmbedFontPolicy /Error /CompatibilityLevel 1.4 /CompressObjects /Tags /CompressPages true /ConvertImagesToIndexed true /PassThroughJPEGImages true /CreateJobTicket false /DefaultRenderingIntent /Default /DetectBlends true /DetectCurves 0.0000 /ColorConversionStrategy /CMYK /DoThumbnails false /EmbedAllFonts true /EmbedOpenType false /ParseICCProfilesInComments true /EmbedJobOptions true /DSCReportingLevel 0 /EmitDSCWarnings false /EndPage -1 /ImageMemory 1048576 /LockDistillerParams false /MaxSubsetPct 100 /Optimize true /OPM 1 /ParseDSCComments true /ParseDSCCommentsForDocInfo true 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