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2. August 2022
Der Corona-bedingte Rückgang der Zuwanderung nach Deutschland im ersten Halbjahr 2021 wurde insbesondere durch Fluchtbewegungen in der zweiten Jahreshälfte ausgeglichen. Dabei gründet sich der Zuzug von außerhalb Europas nicht nur auf Krieg und Vertreibung. Die Zuwanderung wird internationaler, die EU-Binnenwanderung ist dagegen tendenziell rückläufig. Die Einwohnerzahl Deutschlands dürfte sich unserer Prognose nach auf 85,4 Mio. im Jahr 2023 erhöhen, auch in der Folgezeit weiter zulegen und könnte im Jahr 2030 rund 86 Mio. erreichen. Dies hat bedeutende ökonomische Folgen. [mehr]
Deutschland-Monitor Trotz der weiteren Corona-Wellen im Jahr 2021 zogen netto rund 329.200 Per sonen nach Deutschland und damit in etwa genauso viele wie vor der Pande mie. Der Corona-bedingte Rückgang des Zuzugs im ersten Halbjahr 2021 wurde insbesondere durch die Fluchtbewegungen aus Syrien und Afghanistan in der zweiten Jahreshälfte ausgeglichen. Dabei gründet sich der Zuzug von außerhalb Europas nicht nur auf Krieg und Vertreibung. So legt die Zuwanderung aus Indien kräftig zu und erreicht mit 23.100 Personen ein neues Allzeithoch. Dies unterstützt unsere Erwartung, dass Indien über die Dekade das Hauptherkunftsland wird. Zudem erhöht sich auch die Zuwanderung aus Nordafrika auf 16.200 Personen, wobei der Zuzug hauptsächlich aus Marokko mit 6.500 Personen erfolgte. Der Zuzug von europäischen Nicht-EU-Staaten erhöhte sich schon vor dem Krieg in der Ukraine tendenziell. Im Jahr 2021 wanderten von dort 96.900 Per sonen zu, wobei rund zwei Drittel des Zuzugs vom Westbalkan kam. Durch den Krieg prognostizieren wir einen Zuzug von 1,3 Mio. ukrainischen Flüchtlingen im Jahr 2022 und rund 260.000 Personen im Jahr 2023. Zudem dürfte es auch Fluchtbewegungen aus Moldau (umgangssprachlich Moldawien) und Georgien geben. Das gleiche könnte für Russland und Belarus gelten. Eine Reihe von Unternehmen haben russischen Beschäftigten neue Stellen in Deutschland an geboten. Der Trend einer größeren Zuwanderung von außerhalb der EU (so wohl aus europäischen als auch außereuropäischen Ländern) dürfte sich über die kommenden Jahre verstärken. Die Zuwanderung wird internationaler. Die EU-Binnenwanderung ist dagegen tendenziell rückläufig. Hier bremst wohl hauptsächlich der sich auf breiter Front verbessernde Arbeitsmarkt in Süd- und Osteuropa. Im Jahr 2021 wanderten lediglich 90.400 Personen ein, in der Mitte der letzten Dekade waren es noch stets mehr als 200.000 Personen. Hauptein wanderungsländer innerhalb der EU bleiben Rumänien und Bulgarien. Aufgrund der Flüchtlingswelle erhöht sich die Einwohnerzahl unserer Prognose nach auf 85,4 Mio. im Jahr 2023. Da wir einen strukturellen Zuzug von jährlich mehr als 300.000 Personen erwarten, dürfte auch in der Folgezeit die Einwoh nerzahl weiter zulegen und könnte im Jahr 2030 rund 86 Mio. erreichen. Dieser sehr starke Anstieg der Einwohnerzahl von 80,3 Mio. im Jahr 2011 um mehr als 5 Mio. Personen bis zum Jahr 2030 hat viele Konsequenzen. Auf der negativen Seite verlängert er die Wohnraumknappheit. Basierend auf den neuen Zuwanderungsprognosen wird sie in unseren 126 Städten nun erst im Jahr 2025 enden (zuvor 2023). Der Zuzug belastet zudem kurzfristig die Staats haushalte. Ebenso erhöht er wohl die nationalen und globalen CO 2 -Emissionen. Auf der positiven Seite werden Konsum und Arbeitsangebot erhöht und die ne gativen Wachstumseffekte der alternden Gesellschaft gedämpft. Langfristig dürfte sich ein Großteil der Zuwanderung auch fiskalisch lohnen. Insgesamt dürften mittelfristig die positiven Aspekte überwiegen. Autor Jochen Möbert +49 69 910-31727 jochen.moebert@db.com Editor Stefan Schneider Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Stefan Schneider 2. August 2022 2022: Rekordzuzug seit 1990 2030: Fast 86 Mio. Einwohner Wohnraumknappheit verschärft sich 2022: Rekordzuzug seit 1990. 2030: Fast 86 Mio. Einwohner 2 | 2. August 2022 Deutschland-Monitor 2021: Sehr kräftige Zuwanderung im zweiten Halbjahr Durch die Pandemie verzeichnete Deutschland einen starken Rückgang der Zu wanderung. Netto sind im Jahr 2020 rund 220.000 Menschen zugewandert. Das seit den 1970er Jahren negative natürliche Bevölkerungswachstum konnte durch den Zuzug im Jahr 2020 gerade ausgeglichen werden. Die Einwohner zahl blieb stabil bei fast 83,2 Mio. Auch im ersten Halbjahr 2021 war die Zuwan derung unterdurchschnittlich. In der zweiten Jahreshälfte 2021 erhöhten syri sche und afghanische Flüchtlinge die Einwohnerzahl kräftig. Zudem gab es wohl Pandemie-bedingte Nachholeffekte. Hierdurch erhöhte sich der Nettozu zug im Gesamtjahr 2021 um rund 329.000 Personen. Damit erreichte die Zu wanderung das Niveau vor Corona von 300.000 bis 400.000 Personen pro Jahr. Die Einwohnerzahl erhöhte sich folglich um grob 100.000 Personen. Die Zuwan derung wird zudem stetig internationaler. So spielt der Zuzug aus den europäi schen Nicht-EU- und außereuropäischen Ländern eine immer größere Rolle. Wir erwarteten bereits vor der Pandemie eine Verfestigung dieses Trends, der durch den Krieg in der Ukraine massiv verstärkt wird. Zunächst schauen wir aber zurück auf die Zuwanderung im Jahr 2021. 2021: Zuwanderung aus der EU ist rückläufig Die Arbeitslosenrate in der EU hat aktuell mit 6,1% ein Allzeittief erreicht. Der große fiskalische Impuls über den NGEU-Fonds, eine generelle lockere Fiskal- und Geldpolitik dürften, trotz bevorstehender Rezession, die Nachfrage nach Ar beitskräften in ganz Europa auf einem hohen Niveau halten oder weiter erhö hen. Europa steuert damit trotz der vielen aktuellen Krisen tendenziell auf Voll beschäftigung zu. Bereits 14 der 27 Länder weisen eine Arbeitslosenrate (ILO) von unter 5% auf, was man als Vollbeschäftigung definieren kann. Insbeson dere die Arbeitsmarktlage in Süd- und Osteuropa verbesserte sich deutlich. Eine wesentliche Ursache für den Zuzug verliert damit zunehmend an Bedeutung. So war bereits in den vergangenen Jahren der Zuzug aus der EU rückläufig. Im Jahr 2021 war lediglich ein Plus von rund 90.400 Personen zu verzeichnen. Dies ist der geringste Wert seit mehr als zehn Jahren. Der Arbeitsmarkt nahezu aller osteuropäischen Länder weist eine sehr niedrige Arbeitslosenrate auf. Folglich zogen aus den Visegrad-Staaten (Polen, Slowa kei, Tschechien und Ungarn) nur 10.200 Personen zu. Auch in Bulgarien - dem im Jahr 2021 nur noch fünftwichtigsten Herkunftsland - herrscht Vollbeschäfti gung. Die Arbeitslosenrate liegt aktuell bei nur noch 4,3%, ein Allzeittief und ins besondere im Vergleich mit den über 14% im Jahr 2013 beeindruckend. Von dort fiel der Zuzug auf nur noch 20.300 Personen und damit den niedrigsten Wert seit dem Jahr 2011. Sofern in Osteuropa noch keine Vollbeschäftigung herrscht, fällt die Arbeitslosenrate. Beispielsweise hat Rumänien, das zweitwich tigste Herkunftsland im Jahr 2021, derzeit eine Arbeitslosenrate von 5,4%. Im Jahr 2011 lag die Arbeitslosenrate noch bei über 9%. Der Zuzug aus Rumänien sank auf nur noch 39.600 Personen und damit den niedrigsten Wert seit dem Jahr 2011. In der Mitte der letzten Dekade lag das jährliche Plus regelmäßig bei über 50.000 Personen und im Jahr 2015 sogar bei über 92.000 Personen, wo bei damals vermutlich viele Flüchtlinge aus anderen Ländern über Rumänien zuwanderten. Auch in Südeuropa verbessert sich die Wirtschaftslage. Slowenien weist mit ei ner Arbeitslosenrate von 3,9% Vollbeschäftigung auf, Portugal und Kroatien ha ben eine niedrige Arbeitslosenrate von rund 6%. Auch im krisengebeutelten Ita lien belebte sich die Wirtschaft in den letzten Jahren. Vom Jahr 2014 bis zur Pandemie stieg die Zahl der Beschäftigten um fast 1,5 Mio. auf über 23,2 Mio. Der temporäre Stellenabbau während der Pandemie ist weitestgehend wettge -300 0 300 600 900 1200 101112131415161718192021 Nettozuwanderung 1 in '000 Quellen: Deutsche Bank Research, Statistisches Bundesamt 0 5 10 15 20 25 -20 0 20 40 60 80 100 120 00 04 08 12 16 20 Tschechien Slowakei Ungarn Polen Arbeitslosenrate (Visegrad-Staaten minus Deutschland) Visegrad-Staaten: Zuwanderung und niedrigere Arbeitslosenrate relativ zu Deutschland 2 linke y-Achse: in '000 pro Jahr rechte y-Achse: Delta in Prozentpunkten Quellen: Deutsche Bank Research, Eurostat, Statistisches Bundesamt -4 -2 0 2 4 6 8 -40 -20 0 20 40 60 80 100 00 04 08 12 16 20 Slowenien Portugal Spanien Griechenland Kroatien Italien Nettozuwanderung aus Süd europa vs. Arbeitslosenrate der Eurozone relativ zu Deutschland 3 linke y-Achse: in '000 rechte y-Achse: Delta in Prozentpunkten Quellen: Deutsche Bank Research, Eurostat, Statistisches Bundesamt 2022: Rekordzuzug seit 1990. 2030: Fast 86 Mio. Einwohner 3 | 2. August 2022 Deutschland-Monitor macht und erreichte im Laufe des Jahres 2022 wieder über 23 Mio. Beschäf tigte. Zudem fällt die Arbeitslosenrate und liegt aktuell bei 8,1%, dem niedrigs ten Wert seit dem Jahr 2011. In Spanien und Griechenland liegt die Arbeitslo senrate zwar auf einem international hohen Niveau von in etwa 13%, in beiden Ländern ist dies aber ebenfalls wie in Italien ein 10-Jahrestief. Die Belebung der Arbeitsmärkte war wohl entscheidend für den abermals rückläufigen Zuzug aus Südeuropa (Griechenland, Italien, Kroatien, Portugal, Slowenien, Spanien). Er lag bei nur noch 17.400 Personen, während in der Mitte der letzten Dekade stets mehr als 50.000 Personen zuwanderten. Die EU-Binnenwanderung war eine Hauptstütze für das Jobwunder der letzten 20 Jahre, in denen sich die Zahl der Beschäftigten in Deutschland um mehr als 6 Mio. auf aktuell 45,5 Mio. Erwerbstätige erhöhte. Aktuell arbeiten in Deutsch land fast 1,7 Mio. Personen aus EU-Ländern, wobei die Top-3-Herkunftsländer Polen (380.000), Rumänien (264.000) und Italien (215.000) rund die Hälfte aus machen. Hinzuzurechnen ist die hohe Zahl der Einbürgerungen. So erhielten al leine vom Jahr 2016 bis 2021 mehr als 214.200 EU-Bürger einen deutschen Pass. Angesichts des deutlich verbesserten Arbeitsmarktausblicks dürfte die EU-Binnenwanderung weiter rückläufig sein. Aufgrund des kräftigen Zuzugs in der Vergangenheit könnte es künftig sogar zu Abwanderung kommen. 2021: Hohe Zuwanderung von europäischen Nicht-EU-Staaten Aus europäischen Ländern, die nicht der EU angehören, nimmt der Zuzug ten denziell zu. Im Jahr 2021 wanderten rund 96.900 Personen ein. Dies ist der drittgrößte Zuwachs nach den Jahren 2015 und 2019. 60.000 Personen kamen dabei vom Westbalkan. Hauptherkunftsland aus der Region war abermals der Kosovo mit 17.200 Personen, während aus Albanien, Nordmazedonien, Bos nien & Herzegowina und Serbien jeweils etwa 10.000 Personen zuzogen. Dies schlägt sich auch im Arbeitsmarkt nieder. Laut Ausländerzentralregister haben 90.600 Personen vom Westbalkan eine befristete Arbeitserlaubnis erhalten, während insgesamt 295.000 Personen dieser Status gewährt wurde. Die bevölkerungsreichen Länder Russland, Türkei und Ukraine waren im Jahr 2021 ebenfalls von Bedeutung. Die Türkei zählt mit einer Nettozuwanderung von 16.500 Personen zu den Top-10-Herkunftsländern. Hier kann man vermu ten, dass die hohe Inflation und autokratische Politik Gründe für den wieder an ziehenden Wegzug aus der Türkei sind. Im Zeitraum von 2004 bis 2016 war die Infaltionsrate sehr niedrig bei durchschnittlichen 8% und über diese 13 Jahre wanderten insgesamt gut 23.000 Personen in die Türkei ab, während sich mit den zweistelligen Inflationsraten die Zuwanderung wieder kräftig erhöhte. Aus der Ukraine und Russland wanderten im Jahr 2021 jeweils 5.900 Personen ein. Noch höher war die Zuwanderung aus Moldau mit 6.100 Personen, ein neues Allzeithoch. Ebenso war der Zuzug aus Georgien - im Jahr 2021 lag es in der Rangfolge der Herkunftsländer auf Position 27 - mit 2.900 Personen ungewöhn lich hoch. Womöglich schwante einigen Einwohnern von Anrainerstaaten beider Kriegsparteien, dass die russischen Truppenaufmärsche an der ukrainischen Grenze, die bereits im Frühjahr 2021 begannen, nichts Gutes bedeutete. 2021: Außereuropäische Zuwanderung gewinnt an Gewicht Aus dem nichteuropäischen Ausland wanderten im Jahr 2021 170.700 Perso nen zu. Damit war der außereuropäische Zuzug ähnlich bedeutend wie der eu ropäische. Zudem ist dies der höchste Wert seit dem Jahr 2015. Die hohe au ßereuropäische Zahl beruht in etwa zur Hälfte auf Flüchtlingen aus Syrien (48.400 Personen) und Afghanistan (33.600 Personen). Die Zuwanderung aus -60 -30 0 30 60 90 120 10 12 14 16 18 20 Montenegro Nordmazedonien Albanien Kosovo Bosnien & Herzegowina Serbien Nettozuwanderung aus den Westbalkanstaaten 4 in '000 Personen Quellen: Deutsche Bank Research, Statistisches Bundesamt 0 10 20 30 -10 0 10 20 30 00 04 08 12 16 20 Nettozuwanderung (links) Inflation (rechts) 2000-2021 Türkei: Zuwanderung vs. Inflationsrate 5 linke y-Achse: in '000 pro Jahr rechte y-Achse: Delta in Prozentpunkten Quellen: Deutsche Bank Research, IWF, Statistisches Bundesamt 2022: Rekordzuzug seit 1990. 2030: Fast 86 Mio. Einwohner 4 | 2. August 2022 Deutschland-Monitor beiden Ländern dürfte angesichts der fortdauernden humanitären Katastrophen in beiden Ländern über die kommenden Jahre auf hohem Niveau bleiben. Der Zuzug aus Indien verzeichnete ein neues Allzeithoch. Von dort wanderten 23.100 Personen ein. Zudem ist Indien damit nahezu auf den von uns vor der Pandemie skizzierten Prognosepfad zurückgekehrt. Dies bestärkt unsere Ein schätzung, die wir bereits im Jahr 2020 trafen, dass Indien im Laufe der Dekade zum Hauptherkunftsland wird. Heute trifft dies bereits auf die Gruppe von Ar beitskräften von außerhalb der EU mit befristeter Aufenthaltserlaubnis zu. Hier kommen die meisten Arbeitskräfte aus Indien (2021: 33.900 Personen, 11,5%). Vor der Pandemie und erneut im Jahr 2021 war Indien auch das Haupther kunftsland für die Zuwanderung nach Berlin. Im Jahr 2021 zogen netto fast 3.900 Personen von Indien nach Berlin. Ursächlich hierfür sind vermutlich so wohl die hohe Nachfrage nach IT-Kräften als auch die niedrigen sprachlichen Barrieren. Englisch ist im Zentrum Berlins, Bezirk Berlin-Mitte, alltäglich. Neben Syrien, Afghanistan und Indien zählen im Jahr 2021 auch weitere nicht europäische Staaten zu den Top-20-Herkunftsländern, zum Beispiel Iran und Irak. Aus beiden Ländern wanderten rund 23.400 Personen ein und damit in etwa genauso viele wie jeweils in den Jahren 2017 bis 2019. Ein weiteres Top- 20-Herkunftsland ist Marokko. 6.500 Personen wanderten von dort zu, was au ßergewöhnlich hoch ist. Dies gilt auch für Nordafrika insgesamt mit einem Zu zug von 16.200 Personen. Angesichts der geringen Distanz und einer aufgrund der Energie- und Klimakrise potenziell zunehmenden Bedeutung der Region wäre es nicht verwunderlich, wenn die Zuwanderung über die nächsten Jahre weiter anzieht. Das zweitwichtigste Einwanderungsland nach Indien aus dem in dopazifischen Raum ist Vietnam, das China in der Rangfolge verdrängte. Die sehr restriktiven Lockdowns und geopolitischen Spannungen mit China haben den Zuzug von dort vermutlich begrenzt. Aus Vietnam wanderten wie in den Vorjahren mehr als 5.000 Personen zu. Vietnam war das Haupteinwanderungs land in die DDR. Mit 60.000 Personen stellten die Vietnamesen zur Wendezeit die größte ethnische Gruppe. Zudem weist das Land eine hohe Einwohnerzahl von über 97 Mio. und ein hohes Lohngefälle auf. Der Zuzug aus Vietnam könnte folglich wichtiger werden. Das gilt wohl auch für viele andere südostasiatische Länder, die momentan noch nicht unter den Top-20-Ländern zu finden sind, bei spielsweise Pakistan und Philippinen auf Rang 24 und 25. 2022: Der Krieg dürfte sowohl kurz- als auch langfristig die europä ische Zuwanderungsdynamik erhöhen Die Zuwanderung im Jahr 2022 dürfte einen neuen Rekord erreichen. Die Zahl der registrierten Ukrainer in Deutschland erreichte laut Presseberichten bis Mitte des Jahres 900.000. Nicht alle Flüchtlinge dürften bereits registriert sein und ei nen weiteren, geringeren Zuzug halten wir in der zweiten Jahreshälfte für wahr scheinlich. Auch die Zuwanderung aus vom Krieg indirekt betroffenen Ländern dürfte anziehen. So erwarten wir neue Allzeithochs für den Zuzug aus Moldau und Georgien, wobei die Zuziehenden aus Moldau größtenteils ukrainische Flüchtlinge sein dürften. Ebenso könnte der Zuzug aus Russland mit einer Ein wohnerzahl von fast 146 Mio. und Weissrussland mit 9,5 Mio. aufgrund der staatlichen Restriktionen zulegen. So haben eine Reihe von Unternehmen einen Teil ihrer Belegschaft neue Jobs in Deutschland angeboten. Das Auswande rungspotenzial ist auch deshalb groß, weil der wirtschaftliche Ausblick sich auf grund von Sanktionen und einem von uns prognostizierten BIP-Rückgang (für Russland) um 8% im Jahr 2022 und weiteren -3% im Jahr 2023 massiv eintrübt. Bei der Einordnung, wie viele Menschen auswandern, hilft womöglich ein Blick zurück auf die Entwicklung nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Von Mitte der 1990er Jahre sank die Einwohnerzahl Russlands von über 148 Mio. auf unter 2021: Nettozuwanderung Top 20 Herkunftsländer 7 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research 0 10 20 30 40 50 60 00 05 10 15 20 25 30 Indien Nichtlineares Modell vom Juli 2020 in '000 Quellen: Deutsche Bank Research, Statistisches Bundesamt 2000-2030 Nettozuwanderung aus Herkunftsland Indien 6 141 144 147 150 90 95 00 05 10 15 20 in Mio. Quellen: Deutsche Bank Research, Statistisches Bundesamt 1990-2021 Russland: Einwohner 8 RangLand in '000 1Syrien 48,4 2Rumänien 39,6 3Afghanistan 33,6 4Indien 23,1 5Bulgarien 20,3 6Kosovo 17,2 7Türkei 16,5 8Irak 14,4 9Albanien 10,8 10Nordmazedonien 10,7 11B&H 10,2 12Serbien 10,1 13Iran 9,0 14Spanien 7,3 15Marokko 6,5 16Moldau 6,1 17Ukraine 5,9 18Russland 5,9 19Polen 5,7 20Vietnam 5,6 2022: Rekordzuzug seit 1990. 2030: Fast 86 Mio. Einwohner 5 | 2. August 2022 Deutschland-Monitor 143 Mio. bis Mitte der 2000er Jahre und in Belarus von über 10 Mio. auf weni ger als 9,5 Mio. Einwohnern. In dieser Phase zogen mehr als 2 Mio. Spätaus siedler aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland. Entsprechend be stehen heute Netzwerke, die die Integration in die Gesellschaft und den Arbeits markt erleichtern. Deutschland dürfte daher vermutlich eines der Hauptziellän der für Flüchtlinge aus Russland und Belarus bleiben. Wie hoch der Zuzug letzt lich ausfällt, bleibt aber die große Unbekannte für das Jahr 2022 und darüber hinaus. 2022 und 2023: Neuer Rekordzuzug nach Wiedervereinigung, mehr als 85 Mio. Einwohner wahrscheinlich Zu Kriegsbeginn erwarteten wir 1 Mio. ukrainische Füchtlinge. Da bereits rund 900.000 Registrierungen vorliegen, korrigieren wir die Zahl deutlich nach oben. Im März erreichten nach unseren Berechnungen über 420.000 Personen Deutschland. Der Schockzustand, in dem sich die Menschen am Anfang des Krieges befanden, und insbesondere die Belagerung Kiews führten wohl zu die ser sehr hohen Zahl im März. Das Ende der Belagerung der Hauptstadt Anfang April erklärt vermutlich das steile Abfallen des Zuzugs auf unter 190.000 Perso nen. Trotz der Unsicherheit über den weiteren Kriegsverlauf halten wir es für vernünftig, einen weiteren Rückgang des Zuzugs ab Mai - hier beginnen unsere Prognosen - anzunehmen. Wir erwarten dann einen Zuzug im Gesamtjahr 2022 von 1,3 Mio. Flüchtlingen. Wir schreiben den stetigen Rückgang des Zuzugs auch im Jahr 2023 fort und rechnen dann mit einem Nettozuzug von 264.000 Personen. Hinzu erwarten wir einen Zuzug von russischen, belarussischen, ge orgischen und moldauischen Flüchtlingen in Höhe von 100.000 Personen im Jahr 2022 und 40.000 Personen im Jahr 2023. Ebenso schreiben wir den Zuzug aus allen anderen Ländern mit jährlich 300.000 Personen fort. Insgesamt wür den damit 1,7 Mio. Personen im Jahr 2022 und rund 600.000 Personen im Jahr 2023 zuwandern. Die Einwohnerzahl in Deutschland erhöht sich somit von fast 83,3 Mio. im Jahr 2021 auf 84,9 Mio. und 85,4 Mio. im Jahr 2022 und 2023. 1 Damit wäre die Flüchtlingswelle deutlich größer als im Jahr 2015. Sie wird wohl nur von der Zuwanderung nach dem 2. Weltkrieg übertroffen. Struktureller Zuzug von 300.000 Personen pro Jahr, im Jahr 2030 könnte Deutschland nahezu 86 Mio. Einwohner haben Bereits vor dem Krieg erwarteten wir einen stärkeren Zuzug aus Nicht-EU Staaten. Der Krieg verstärkt diesen Trend. Zudem erzwingt er eine geopolitische Neuordnung. „Wandel durch Handel" dürfte zunehmend zu einem „Handel bei Wandel" werden. Investitionsentscheidungen dürften daher zugunsten der euro päischen und zulasten einiger Schwellenländern getroffen werden. Der Aufhol prozess dürfte dadurch gebremst werden und die relativen Arbeitsmarktchancen und das Lohngefälle dürften sich langsamer angleichen. Noch mehr als die Wirt schaft dürfte sich die Politik verändern. Dies gilt insbesondere vor dem Hinter grund der neuen Lagerbildung: Demokratien einerseits, die die Ukraine in ihrem Freiheitskampf unterstützten, und Nichtdemokratien andererseits, die eher russ landfreundlich oder neutral agieren. Der Krieg erzwingt insbesondere eine geo politische Neuordnung der EU. Folglich wäre es plausibel, wenn Länder vom Westbalkan zügiger Mitgliedstaaten würden als dies ohne den Krieg vonstatten gegangen wäre. Perspektivisch könnte dies auch für die Ukraine, Moldau und 1 Zensus 2022 könnte Einwohnerzahl reduzieren. Womöglich sind viele Zuwanderer der Flücht lingswelle 2015 zwar statistisch noch erfasst, leben aber tatsächlich nicht mehr in Deutschland. Die Einwohnerzahl könnte daher nach unten korrigiert werden. Der Zensus 2011 führte in einigen Städten zu großen Korrekturen. 0 100 200 300 400 500 Jan 22 Jan 23 Quellen: Deutsche Bank Research, Statistisches Bundesamt in '000 pro Monat 2022-2023 Ukrainische Flüchtlinge 9 0 400 800 1200 1600 Jan 22 Jan 23 2022-2023 Flüchtlingszuzug aus der Ukraine kumuliert 10 Quellen: Deutsche Bank Research, Statistisches Bundesamt in '000 2022: Rekordzuzug seit 1990. 2030: Fast 86 Mio. Einwohner 6 | 2. August 2022 Deutschland-Monitor Georgien gelten. Sollten alle diese Länder Teil des EU-Binnenmarktes werden, wächst dieser um mehr als 60 Mio. Personen. Dabei macht die Ukraine mit ak tuell wohl rund 40 Mio. Einwohnern den Hauptanteil aus. Insbesondere in den Anfangsjahren würde die EU-Binnenwanderung wohl kräftig anziehen. Der Zu zug nach Deutschland dürfte sich folglich künftig verstärkt aus Ländern speisen, die bisher kein Mitgliedstaat sind. Wir gehen wie in der Vergangenheit auch von einer jährlichen strukturellen Zuwanderung von mehr als 300.000 Personen aus. Angesichts der massiven geopolitischen Spannungen halten wir auch einen strukturell höheren Zuzug für denkbar. Den in vielen Studien unterstellten Rück gang auf jährlich nur 200.000 oder gar 100.000 Personen halten wir für falsch. Die Flüchtlings- und strukturellen Prognosen erhöhen die Zahl der Einwohner bis zum Jahr 2030 auf nahezu 86 Mio. Dies hat bedeutende ökonomische Fol gen. Wirtschaftlich dürfte sich der Zuzug langfristig rechnen, klima- und umweltpolitisch dürfte die Bilanz aber negativ ausfallen Der duchaus historische Anstieg der Einwohnerzahl von 80,3 Mio. im Jahr 2011 um mehr als 5 Mio. Personen bis zum Jahr 2030 hat viele Konsequenzen. Auf der negativen Seite verlängert er die Wohnraumknappheit und belastet kurzfris tig die Staatshaushalte und die öffentliche Verschuldung. Zudem sind die natio nalen CO 2 -Emissionsziele schwieriger einzuhalten. Auch die globalen CO 2 - Emissionen und der globale Ressourcenverbrauch erhöhen sich tendenziell, insbesondere, wenn der Zuzug aus Ländern mit deutlich geringerem Lebens standard und folglich geringerer Klima- und Umweltbelastung pro Kopf erfolgt. Auf der positiven Seite wird der Konsum und das Wirtschaftswachstum kurzfris tig angeregt. Der Arbeits- und Fachkräftemangel wird gemildert und die negati ven Effekte der alternden Gesellschaft gedämpft. Langfristig dürfte sich ein Großteil des Zuzugs auch fiskalisch lohnen, wenn gut ausgebildete Schüler und Studenten auf den Arbeitsmarkt strömen. Zudem könnte es dank Zuzugs einer Exportnation leichter gelingen, neue ausländische Märkte zu erschließen. Lang fristig dürften die positiven Aspekte die negativen bei Weitem übertreffen, zu mindest gilt dies wohl für einen Großteil des Zuzugs. Da die Regierung plant, das Einwanderungsrecht zu modernisieren, dürften qualifizierte Arbeitskräfte vermehrt zuwandern, wodurch die positiven Aspekte noch höher ausfallen. Die Zuwanderung vieler relativ junger Menschen birgt aber auch ein neues Ri siko für die deutsche Volkswirtschaft. Eine Rezession oder strukturelle wirt schafltiche Umbrüche, die die Arbeitsmarktchancen massiv verschlechtern, könnten eine Abwanderungswelle auslösen. Dies entlastet zwar den Arbeits markt, aber in anderen Sektoren könnte die Krise noch tiefer ausfallen. So könnten die negativen Effekte der alternden Gesellschaft sich plötzlich massiv verschärfen oder es könnte abrupt zu Leerständen im Immobilienmarkt kom men. Dies ist wohl eher ein Extremszenario, das aber mit der weiter erwarteten Zuwanderung stetig an Relevanz gewinnt. Zum Abschluss gehen wir auf we sentliche wirtschaftliche Folgen der aktuellen Flüchtlingswelle ein. Wohnungsmarkt: Gemäß unseren Projektionen besteht in unseren 126 Städten die Wohnraumknappheit bis zum Jahr 2025 fort In Deutschland gibt es fast 2 Mio. leerstehende Wohnungen und damit Kapazi täten, die Flüchtlinge mit Wohnraum zu versorgen. Diese Wohnungen liegen ty pischerweise außerhalb der Ballungsgebiete. Die Flüchtlinge scheinen jedoch die Metropolen und Metropolregionen zu bevorzugen. Damit verschärft sich die Knappheit an Wohnraum dort weiter. In unserem Wohnungsmarktausblick 2022, welchen wir Anfang April veröffentlichten, rechneten wir mit 1 Mio. Flüchtlinge, 83 84 85 86 2024283236404448525660 Mio. Quellen: Deutsche Bank Research, Statistisches Bundesamt BEV=Bevölk.vorausberechnung, LE=Lebenserwartung, WS =Wanderungssaldo. G2L2W3=Geburten-Variante 2, LE Variante 2, Wanderungssaldo Variante 3. Deutschland: Bevölkerung Offizielle Vorausberechnung korrigiert um unsere Prognosen 11 -400 -200 0 200 400 600 800 12141618202224262830 A-Städte B-Städte C-Städte D-Städte 126 Städte 2012-2030 Vergleich von Woh nungsangebot und -nachfrage 12 Anzahl der Wohnungen in '000 Quellen: bulwiengesa, Deutsche Bank Research, Statistisches Bundesamt 2022: Rekordzuzug seit 1990. 2030: Fast 86 Mio. Einwohner 7 | 2. August 2022 Deutschland-Monitor von denen 250.000 in unsere 126 Städte, die vor allem in den Metropolregionen liegen, ziehen. Aufgrund der hier vorgenommenen Prognosekorrektur rechnen wir nun mit einem Plus von 400.000 Einwohnern im Jahr 2022 und 250.000 Ein wohnern im Jahr 2023. Die Zahl der Einwohner in unseren 126 Städten erhöht sich damit auf 30,8 Mio. im Jahr 2023 und 31,3 Mio im Jahr 2030 (zuvor 30,5 und 31,0 Mio.). Da in den letzten Monaten der Bau lahmte und im Jahr 2021 deutlich weniger gebaut wurde als von uns prognostiziert, trifft die zusätzliche zuwanderungsbedingte Nachfrage auf ein noch knapperes Angebot. Gemäß un seren neuen Projektionen wird die Angebotsknappheit erst im Jahr 2025 abge baut sein (zuvor: 2023), wobei wir über die nächsten Jahre weiterhin eine deut lich höhere Zahl von fertiggestellten Wohnungen pro Jahr unterstellen. Bis dahin dürfte der Preisdruck folglich hoch bleiben. Der Kriegsverlauf ist damit ein ent scheidender Einflussfaktor für den Hauspreiszyklus geworden. Je länger der Krieg dauert, desto mehr Flüchtlinge dürften nach Deutschland kommen, desto länger bleibt Wohnraum knapp. Der wohl zinsbedingte Preisrückgang im 2. Quartal um durchschnittlich etwas mehr als 2% dürfte sich bald wieder umkeh ren. Angesichts aktuell wieder fallender Kapitalmarktzinsen und der sich ver schärfenden Angebotsknappheit dürften die Preise bald wieder zulegen, wenn gleich mit einer deutlich niedrigeren Dynamik als während der Pandemie. Auf grund der hohen Inflation und damit mittel- bis langfristig potenziell wieder an ziehender Kapitalmarktzinsen könnte der Preispfad deutlich volatiler werden. Am Arbeitsmarkt weist Deutschland aktuell mit 45,5 Mio Erwerbstätigen einen neuen Rekord auf. Der Arbeits- und Fachkräftemangel verschärft sich, es gibt mehr als 1,7 Mio. offene Stellen. Neuankömmlinge können also schnell einen Job finden. Von Ende Februar bis Ende Mai waren im Ausländerzentralregister 811.000 zusätzliche Staatsangehörige aus der Ukraine gemeldet. Hiervon wa ren rund 60% im erwerbsfähigen Alter. Jedoch dürften wegen Integrationsmaß nahmen und Kinderbetreuung nicht alle dem Arbeitsmarkt zur Verfügung ste hen. Um das potenzielle Arbeitsangebot zu schätzen, rechnen wir mit einer Er werbsquote von 50%. Das entspricht der Quote der bereits vor dem Krieg zuge wanderten ukrainischen Staatsangehörigen. Ausgehend von den fast 1,6 Mio. Flüchtlingen, die in den Jahren 2022 und 2023 gemäß unserer Prognose zuzie hen, erhöht sich damit das Arbeitsangebot potenziell um fast 800.000 Personen. Diese dürften aber nur sukzessiv und relativ zur Ankunft um einige Monate ver zögert den Weg in den Arbeitsmarkt finden. Folglich dürfte die Zahl der Er werbstätigen bis zum Jahresende 2022 auf rund 250.000 und 420.000 bis zum Jahresende im Jahr 2023 zulegen. Die Zahl der Erwerbstätigen könnte sich folglich 46 Mio. nähern. Zunächst erhöht sich aber im Zuge des zusätzlichen Ar beitsangebots die Zahl der Arbeitslosen. Im Juni 2022 waren bereits rund 117.100 ukrainische Flüchtlinge gegenüber Februar zusätzlich arbeitslos gemel det. Deshalb erwarten wir eine leicht steigende Arbeitslosenquote (nationale Be rechnung) von 5,3% im Jahr 2022 und 5,5% im Jahr 2023. Aufgrund der hohen Arbeitskräftenachfrage dürfte dieser Anstieg zum großen Teil temporär sein. Staatshaushalt: Kurzfristig höhere Defizite, langfristig höhere Ein nahmen dank Arbeitsmarktintegration Da rund ein Viertel der Flüchtlinge aus der Ukraine unter 18-Jährige und rund ein Drittel über 60-Jährige sein dürften, belastet auch diese Flüchtlingswelle an fangs die Sozialsysteme. Während der Flüchtlingskrise des Jahres 2015 lagen Top-10 und untere 10: Herkunftsländer nach Beschäftigtungsquoten im April 2022 15 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research 0 25 50 76 101 126 12141618202224262830 Städte mit Angebotsüberschuss Städte mit Angebotsknappheit 2012-2030 Vergleich von Woh nungsangebot und -nachfrage 13 Anzahl der Städte Quellen: bulwiengesa, Deutsche Bank Research 2 4 6 8 10 12 37 39 41 43 45 47 9296000408121620 Beschäftigte (links) Arbeitslosenrate (rechts) Deutschland: Arbeitsmarkt 14 rechte y-Achse: in Mio. linke y-Achse: in % Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Statistisches Bundesamt Top 10 Untere 10 Albanien 75,9 Finnland 43,8 Rumänien 72,8 Moldau 43,4 Kroatien 68,9 Schweden 43,0 B&H 67,2 Somalia 41,9 Slowenien 64,6 Afghanistan 40,0 Portugal 62,8 Dänemark 39,3 Griechenland 61,7 Niederlande 38,3 Ungarn 61,4 Syrien 37,5 Eritrea 61,1 Irak 35,4 Montenegro 60,8 Luxemburg 18,9 Arbeitsmarkt: Zusätzliche Arbeitskräfte hochwillkommen 2022: Rekordzuzug seit 1990. 2030: Fast 86 Mio. Einwohner 8 | 2. August 2022 Deutschland-Monitor seriöse Kostenschätzungen zwischen rund EUR 1.000 und EUR 1.700 pro Mo nat und Flüchtling. 2 Unterstellt man EUR 1.350 und unsere obige Zuwande rungsprognose, dann betragen die Ausgaben EUR 13,0 Mrd. für das Jahr 2022 und EUR 23,3 Mrd. für das Jahr 2023. Auf der Einnahmeseite unterstellen wir auf Basis unserer Arbeitsmarktprognosen, dass durchschnittlich über das Jahr 2022 100.800 Personen erwerbstätig sind. Im Jahr 2023 erhöht sich diese Zahl auf 420.800 Personen. Nimmt man der Einfachheit halber ein durchschnittliches Arbeitnehmerentgelt an, dann erhöhen sich die Sozialeinnahmen, Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge insgesamt, und Steuern um EUR 1,0 Mrd. im Jahr 2022 und EUR 4,3 Mrd. im Jahr 2023. Für den Staatshaushalt würden damit die Nettokosten bei EUR 12,0 Mrd. im Jahr 2022 und EUR 19,0 Mrd. im Jahr 2023 liegen. Die Defizite relativ zum BIP erhöhen sich damit um rund 0,3%-Punkte im Jahr 2022 und 0,5%-Punkte im Jahr 2023. Eine Reihe von Studien zeigen aber, dass sich diese Investitionen mittelfristig und insbesondere langfristig positiv auf die Wirtschaft auswirken. 3 Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) 2 Bonin, Holger (2016). Gewinne der Integration Berufliche Qualifikation und Integrationstempo ent scheiden über die langfristigen fiskalischen Kosten der Aufnahme Geflüchteter. 3 Hentze, Tobias, und Galina Kolev (2016). Gesamtwirtschaftliche Effekte der Flüchtlingsmigration in Deutschland. Institut der deutschen Wirtschaft Köln, IW-Trends 4., 2016. Bach, Stefan; Brü cker, Herbert; Haan, Peter; Romiti, Romiti; van Deuverden, Kristina und Enzo Weber (2017). Ar beitsmarktintegration von Flüchtlingen, DIW Wochenbericht Nr. 3/2017. Fratzscher, Marcel, und Simon Junker (2015). Integration von Flüchtlingen - eine langfristig lohnende Investition. DIW Wochenbericht Nr. 45/2015. In der Reihe „Deutschland-Monitor" greifen wir politische und strukturelle Themen mit großer Bedeutung für Deutschland auf. Darunter fallen die Kommentierung von Wahlen und politischen Weichenstellungen sowie Technologie- und Bran chenthemen, aber auch makroökonomische Themen, die über konjunkturelle Fragestellungen - die im Ausblick Deutsch land behandelt werden - hinausgehen. Deutschland-Monitor © Copyright 2022. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research" gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Ver fassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen kön nen ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informations zwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessenheit der vorste henden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. In Deutschland wird dieser Bericht von Deutsche Bank AG Frankfurt genehmigt und/oder verbreitet, die über eine Erlaubnis zur Erbringung von Bankge schäften und Finanzdienstleistungen verfügt und unter der Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bundesanstalt für Finanzdienstleis tungsaufsicht (BaFin) steht. 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Unsere Publikationen finden Sie unentgeltlich au f unserer Internetseite www.dbresearch.de Dort können Sie sich auch als regelmäßiger Empfänger unserer Publikationen per E-Mail ein tragen. Für die Print-Version wenden Sie sich bitte an: Deutsche Bank Research Marketing 60262 Frankfurt am Main Fax: +49 69 910-31877 E-Mail: marketing.dbr@db.com Schneller via E-Mail: marketing.dbr@db.com ............................ 2. August 2022 � Ein außergewöhnlicher Halbleiterzyklus: Sonderfaktoren sowie zyklische und geopolitische Effekte ....................... 30. Mai 2022 � Ausblick auf den deutschen Wohnungsmarkt 2022 ff. ..... 1. April 2022 � Deutsche Energieversorgung an einem historischen Wendepunkt .............................................. 30. März 2022 � Die Bedeutung systemischer Komplexität und Kritikalität für volkswirtschaftliche Prognosen ........................ 22. Dezember 2021 � Wirtschaftlich-technologische Revolution durch Quantum 2.0: Neue Supertechnologien kommen in Reichweite ... 9. Dezember 2021 � Wachstumspotenzial bedroht, schnelles Handeln notwendig .................................... 14. Oktober 2021 � Störungen der Lieferketten: Auch 2022 noch Konjunktur- und Inflationsrisiko . 28. September 2021 � Wohnungspolitik in Deutschland: Linke und rechte Parteien mit nur kleiner Schnittmenge ................... 6. September 2021 � Verteilungsfragen rücken in den Vordergrund: Mehr Anreize und Chancen statt mehr Umverteilung 30. August 2021 � 2022: Rekordzuzug seit 1990 . 2030: Fast 86 Mio. Einwohner. Wohnraumknappheit verschärft sich
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