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Brexit hinterlässt Spuren: Deutsche Exporte nach UK gesunken

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Deutsche Bank Research Management
Stefan Schneider
Die deutschen Exporte nach UK schrumpften 2018 zum dritten Mal in Folge und lagen nominal um mehr als 7% unter dem Niveau von 2015, dem Jahr vor dem Brexit-Referendum. Die Abwertung des britischen Pfunds sowie die ökonomische Unsicherheit in UK sind Gründe für diese negative Entwicklung. Auf sektoraler Ebene verzeichnete die Pharmaindustrie die stärksten Einbrüche. Hier dürften die deutschen Exporte nach UK zwischen 2015 und 2018 um mehr als 40% eingebrochen sein. Die Ausfuhren der Automobilindustrie ins Vereinigte Königreich sanken von 2015 bis 2018 um mehr als 20%.
Im Jahr 2015, also ein Jahr vor dem Referendum in UK über den Austritt aus der EU, gingen 7,5% aller deutschen Warenausfuhren nach UK. Das Land belegte damals den 3. Rang in der Liste der wichtigsten deutschen Exportmärkte – hinter den USA und Frankreich. 2018 waren die deutschen Exporte nach UK zum dritten Mal in Folge gesunken und lagen nominal um mehr als 7% unter dem Niveau des Jahres 2015. Dagegen stiegen die gesamten deutschen Warenausfuhren zwischen 2015 und 2018 um rd. 11% (endgültige Jahreswerte für 2018 liegen noch nicht vor). In der Folge ist der Anteil von UK an den gesamten deutschen Exporten auf „nur noch“ gut 6% gesunken. China und die Niederlande haben das Vereinigte Königreich in der Rangfolge der wichtigsten ausländischen Absatzmärkte der deutschen Wirtschaft überholt. 
Es gibt vielfältige Gründe für die rückläufigen deutschen Warenausfuhren nach UK. So hat der Euro gegenüber dem britischen Pfund zwischen 2015 und 2018 um mehr als 20% aufgewertet (jeweils Jahresdurchschnitt); dies hat die deutschen Exporte nach UK verteuert. Hinzu kommt, dass der Brexit-Beschluss sowie die anhaltenden Diskussionen über die regulatorischen Details des Brexit-Vollzugs zu ökonomischer Unsicherheit geführt haben. Dies wirkt dämpfend auf die Investitionen und das allgemeine Wirtschaftswachstum in UK.
Auf sektoraler Ebene weist die Entwicklung der deutschen Ausfuhren erhebliche Unterschiede auf. Die stärksten Einbrüche verzeichnete die Pharmaindustrie. Hier dürften die deutschen Exporte nach UK zwischen 2015 und 2018 um mehr als 40% eingebrochen sein. In dieser Branche schlug der Wechselkurseffekt stark durch, da UK selbst über eine wettbewerbsfähige Pharmaindustrie verfügt. Britische Konsumenten können in vielen Fällen also auf Produkte von heimischen Anbietern ausweichen, wenn die Preise für importierte Medikamente steigen. 2015 gingen noch mehr als 10% der deutschen Pharmaexporte nach UK. Bis 2018 hat sich dieser Marktanteil halbiert!
Die Ausfuhren der Automobilindustrie ins Vereinigte Königreich sanken von 2015 bis 2018 um mehr als 20%. Der Rückgang ist auch durch den Nachfragezyklus zu erklären, denn der Pkw-Absatz in UK war in den Jahren vor dem Brexit-Beschluss stetig gewachsen und hatte somit einen Höhepunkt erreicht. Die Pkw-Neuzulassungen wären 2017 und 2018 also wahrscheinlich auch ohne Brexit-Referendum gesunken.
Die Chemieindustrie, die Metallindustrie sowie das Ernährungsgewerbe in Deutschland mussten seit 2015 nur moderate Rückgänge im Exportgeschäft mit UK hinnehmen. Der Maschinenbau und die Elektrotechnik konnten in diesem Zeitraum sogar nominale Zuwächse verzeichnen. Hier wird deutlich, dass die Preiselastizität der Nachfrage bei Spezialmaschinen oder elektrotechnischen Investitionsgütern, auf die sich deutsche Hersteller spezialisiert haben, gering ausgeprägt ist. Gleichwohl ist dieses positive Abschneiden des Maschinenbaus und der Elektrotechnik angesichts der schwierigen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der dadurch verursachten Investitionszurückhaltung im Vereinigten Königreich erstaunlich.
 
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