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Aktueller Kommentar
Deutsche Industrie auf Kurs Richtung 4% Wachstum

13. Mai 2014

 

Die deutsche Industrie bleibt auf Kurs Richtung 4% Produktionswachstum im Jahr 2014. Die zuletzt veröffentlichten Auftrags- und Produktionszahlen für das 1. Quartal bestätigen eine tendenzielle Aufwärtsentwicklung, die auf Monatsbasis jedoch nicht schwankungsfrei ist. Während wir für die gesamte Industrie in Deutschland unsere Prognose von 4% bestätigen, haben wir in einzelnen Industriebranchen unseren Ausblick für 2014 geändert.

Im 1. Quartal 2014 lag die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland um real 1,1% über dem Niveau des 4. Quartals 2013. Auf Quartalsebene war dies der fünfte Anstieg in Folge. Der Aufwärtstrend ist also seit Anfang 2013 intakt, wenngleich auf Monatsbasis Schwankungen zu verzeichnen waren. Die Aufträge in der Industrie übertrafen im 1. Quartal 2014 das Niveau des Vorquartals nur noch um 0,1%. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Dynamik in der 2. Jahreshälfte bei den Aufträgen größer war als bei der Produktion. Insgesamt war der Zuwachs im 1. Quartal 2014 der sechste Anstieg in Folge. Die nennenswerten Schwankungen auf Monatsbasis sind vor allem auf Großaufträge (insbesondere aus den Bereichen Flugzeug- und Schiffbau) zurückzuführen.

In den nächsten Monaten dürfte in der deutschen Industrie der moderate Aufwärtstrend bei Produktion und Aufträgen anhalten. Dafür spricht die allmähliche konjunkturelle Erholung in Westeuropa. Die von uns erwartete Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar könnte der Auslandsnachfrage aus der Nicht-Eurozone Impulse verleihen. Die Geschäftserwartungen in der Industrie liegen stabil im positiven Bereich, und die Kapazitätsauslastung ist zuletzt gestiegen. Unter dem Strich bestätigen wir unsere Prognose, dass die Industrie ihre Fertigung im Gesamtjahr 2014 um real etwa 4% erhöhen wird.

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Anpassung der Prognose in einzelnen Branchen

Während es für die Industrieproduktion insgesamt also bei unserer bisherigen Prognose bleibt, haben wir die Veröffentlichung der Quartalsergebnisse zum Anlass genommen, unseren Ausblick für einzelne Industriebranchen für 2014 anzupassen. So ist der Maschinenbau sehr verhalten ins neue Jahr gestartet. Die Produktion lag im 1. Quartal um real knapp 1% unter dem Niveau des Vorquartals. Auch die Aufträge tendierten am aktuellen Rand nach unten, wobei vor allem die Auslandsaufträge zuletzt nachgaben. Der starke Euro und die Russland-Ukraine-Spannungen dürften hierbei eine Rolle spielen; Russland war 2013 der viertwichtigste Zielmarkt für deutsche Maschinenbauexporte. Zwar rechnen wir damit, dass im Maschinenbau sowohl Aufträge als auch Produktion im weiteren Verlauf von 2014 wieder anziehen. Dennoch haben wir unsere Produktionsprognose für das Gesamtjahr auf real 2% gesenkt (von zuvor +4%).

Auch in der Chemieindustrie verlief das 1. Quartal 2014 enttäuschend: Die Produktion lag um 2,1% unter dem Niveau von Q4 2013. Auch die Geschäftserwartungen zeigten zuletzt nach unten, befinden sich aber noch im positiven Bereich. Der schlechte Start ins neue Jahr erfordert es, unsere Produktionsprognose auf +1% zurückzunehmen (von +3%), wobei eine Erholung bei Produktion und Aufträgen im Verlauf von 2014 unterstellt ist. Auch im Ernährungsgewerbe haben wir unsere Prognose nach unten revidiert, und zwar von +1% auf Stagnation.

Pharma-, Kunststoff- und Baustoffindustrie besser als bislang erwartet

Besser als von uns angenommen haben sich die Pharma-, die Kunststoff- sowie die Baustoffindustrie im 1. Quartal 2014 entwickelt. In allen drei Branchen lag die Produktion spürbar über dem Niveau des Vorquartals. Geschäftserwartungen im positiven Bereich sowie hohe und/oder sogar gestiegene Kapazitätsauslastungen deuten darauf hin, dass die Wirtschaftszweige in den kommenden Monaten ihren Aufwärtstrend fortsetzen können. Daher haben wir unsere Produktionsprognose für 2014 in den betreffenden Branchen angehoben: In der Pharmaindustrie von +3% auf +5%, bei Kunststoffen von +3% auf +4% und in der Baustoffindustrie von +2% auf +4%.

Keinen Änderungsbedarf für unsere Prognose sehen wir derzeit in der Automobilindustrie (Produktionsprognose für 2014: +5%), der Elektrotechnik (+3,5%), in der Metallindustrie (+4%), der Papierindustrie (+1%) sowie in der Textilindustrie (+1%). Hier verlief die Entwicklung im 1. Quartal 2014 in etwa im Einklang mit unseren zuvor getroffenen Annahmen.

Konjunkturelle Risikofaktoren für unsere Industrieprognose liegen in der wirtschaftlichen Entwicklung der wichtigsten Abnehmerländer deutscher Industrieerzeugnisse (EU, USA, China). Eine Verschärfung der Ukraine-Krise könnte sich negativ auf die allgemeine Investitionstätigkeit in Europa auswirken. Ferner würde eine weitere Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar, die wir nicht erwarten, den Erholungsprozess in exportgetriebenen Branchen mit einem hohen lokalen Fertigungsanteil wie dem Maschinenbau verzögern. Schließlich könnten nationale Politikmaßnahmen (z.B. Rentenpolitik, Mindestlöhne, Energiepolitik) die Investitionsbereitschaft von Industrieunternehmen schon 2014 dämpfen und somit konjunkturwirksam werden.

 

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