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Kartenbetrug: Ein wachsendes Problem?

8. April 2014

 

 

Der Zahlungsbetrug mit Karten hat in Europa in letzter Zeit zugenommen, sowohl in absoluten Zahlen als auch relativ gemessen am Wert aller Kartenzahlungen. Woher kommt dieser Anstieg, und inwieweit gibt er Anlass zur Sorge?

In ihrem aktuellen Bericht über Kartenbetrug meldet die EZB einen deutlichen Zuwachs für das Jahr 2012. Der Schaden durch Betrug mit Zahlungskarten, die innerhalb von SEPA herausgegeben wurden, betrug bei 9,1 Millionen betrügerischen Transaktionen in etwa EUR 1,33 Milliarden. Sowohl der Wert als auch die Anzahl liegen dabei fast 15% über dem Vorjahresniveau. Allerdings lohnt hier ein genauerer Blick. Dieser zeigt, dass der Anstieg bei genauem Hinsehen relativiert werden muss.

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Erstens müssen die Betrugsfälle in Relation zur Kartennutzung gesetzt werden, welche über die vergangenen Jahre ständig gestiegen ist. Setzt man die Betrugsfälle in Bezug zur Anzahl und zum Wert aller Kartenzahlungen, so sieht der Anstieg weniger drastisch aus. Der Anteil betrügerischer Transaktionen an der Anzahl aller Kartenzahlungen stieg von 0,016% auf 0,017%. Der Anteil betrügerischer Transaktionen am Wert aller Kartenzahlungen stieg von 0,036% auf 0,038%. D.h. je 2.635 EUR, die über eine Debit- oder Kreditkarte ausgegeben wurden, entstand durch Betrug 1 EUR Verlust.

Zweitens nimmt sich der Anstieg gerade gegenüber dem Vorjahr stark aus, weil 2011 das Jahr mit den geringsten Betrugswerten in den vergangenen Jahren darstellt (siehe Grafik 1). Die Werte für 2012 liegen zwar über denen von 2011, aber die Betrugsquoten sind trotzdem niedriger als in den übrigen vorangegangenen Jahren.

Drittens lohnt es sich auf die Faktoren zu schauen, die hinter dem Zuwachs stehen. Der Bericht unterscheidet zwischen „card present“ (CP) Betrugsdelikten, bei denen die Karte vor Ort am Geldautomaten oder am Point of Sale (POS) eingesetzt wird, und „card not present“ (CNP) Betrugsfällen. Letztere umfassen Kartenzahlungen per Post, Telefon und über das Internet. Aufgeteilt nach Kategorien entstehen 17% des Betrugsschadens an Geldautomaten, 23% am POS und 60% durch CNP-Kartenzahlungen. Der CNP-Betrug hat über die letzten Jahre stetig zugenommen. Er ist mittlerweile die größte Schadenskategorie in allen SEPA-Ländern – mit drei Ausnahmen – und somit ein Haupttreiber für die Gesamtentwicklung.

aTatsächlich verbergen die aggregierten Zahlen für den Kartenmarkt einen entgegengesetzten Trend im traditionellen Bereich der Kartennutzung an POS und Geldautomaten: Hier ging der Kartenbetrug seit 2008, dem Jahr mit der ersten Datenerhebung zu Kartenbetrug, um 25% zurück. In besonderem Maße hat die Einführung von EMV als technischem Sicherheitsstandard für SEPA-Kartenzahlungen dazu beigetragen, Kartenbetrug zu bekämpfen. Dies gilt insbesondere für den Betrug mit gefälschten Karten, der die häufigste Betrugsmethode am Kartenterminal darstellt. Am deutlichsten wird der Sicherheitszuwachs durch den EMV-Standard im Jahr 2010, als der Anteil der EMV-konformen Kartenzahlungen im Euroraum von 50% auf 70% anstieg – begleitet von einem Rückgang der Schäden aus Kartenbetrug an POS und Geldautomaten. Allerdings ist die Einführung des EMV-Standards außerhalb von SEPA weniger weit fortgeschritten und der Einsatz gefälschter Karten für grenzüberschreitende Zahlungen, die Nicht-SEPA-Länder berühren, gibt zunehmend Anlass zur Sorge. 2012 überstieg der Betrugszuwachs in diesem speziellen grenzüberschreitenden Bereich sogar den Rückgang an Betrugsschäden durch gefälschte Karten innerhalb von SEPA. Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass in den USA, wo die EMV-Einführung erst vor Kurzem begonnen hat, der Betrug an POS und Geldautomaten im Jahr 2012 mehr als die Hälfte (60%) des Schadens durch alle betrügerischen Kartenzahlungen ausmachte, gegenüber einem Anteil von 40% in SEPA (siehe Grafik 2).[1]

Die Einführung von EMV ist ein ermutigendes Beispiel dafür, dass Kartenbetrug erfolgreich eingedämmt werden kann. CNP-Betrug bleibt aktuell die größte Herausforderung – umso mehr, als dieser Zahlungsbereich viele Innovationen hervorbringt und CNP-Transaktionen z.B. durch Online-Shopping immer häufiger werden. Dies wird auch daran deutlich, dass Kreditkarten (mit oder ohne Kreditfunktion), die oft für Online-Einkäufe verwendet werden, höhere Betrugsquoten aufweisen als Debitkarten. Die Bekämpfung von CNP-Betrug stellt eine besondere Herausforderung dar, weil hier beispielsweise wirksame Authentifizierungsverfahren nötig sind, aber auch sichere Geräte (Computer, Telefone), die Zusammenarbeit verschiedener Akteure in der Zahlungsverarbeitung und auf Kundenseite ein Bewusstsein für Sicherheitsbelange. Es lohnt jedoch, diese Themen anzugehen, um das hohe Niveau an Vertrauen in die Sicherheit des Zahlungsverkehrs auch in Zukunft zu bewahren.

 

[1] Die Werte für die USA und SEPA sind aufgrund methodischer Unterschiede nur eingeschränkt vergleichbar, können aber die unterschiedlichen Betrugsschwerpunkte aufzeigen.

 

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