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Trotz Zuwanderung deutlicher Rückgang des Arbeitskräftepotenzials

Autoren
Deutsche Bank Research Management
Stefan Schneider
In Deutschland ist der Arbeitskräfteschwund nicht aufzuhalten. Das zeigt einmal mehr die kürzlich publizierte 14. amtliche Bevölkerungsprojektion. In seiner neuen Vorausberechnung berücksichtigt das Statistische Bundesamt die umfangreiche Zuwanderung der vergangenen Jahre. Der Effekt ist beeindruckend. Die Bevölkerungszahl erreicht in den nächsten Jahren neue Höchststände von rd. 84 Millionen. Unter plausiblen Annahmen zur Einwanderung (etwa im Umfang der vergangenen 20 Jahre von durchschnittlich rd. 270.000 p.a.) wird diese Zahl in den kommenden 20 Jahren nur wenig sinken.
Trotz Zuwanderung deutlicher Rückgang des Arbeitskräftepotentials
Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research
Gleichwohl bleibt die Demografie äußerst brisant. Das Altern der Bevölkerung und die Strukturverschiebungen setzen sich vehement fort. Während in Deutschland immer mehr Personen im Rentenalter leben werden, nimmt die Zahl der 20- bis 66-Jährigen deutlich ab. Bis zu 6 Millionen Arbeitskräfte werden dem Arbeitsmarkt im Jahr 2040 fehlen, gemessen am aktuellen Stand. Selbst bei höherer Zuwanderung (311.000 Personen p.a.) beträgt der Rückgang den amtlichen Projektionen zufolge 4,5 Mio. bzw. 9%. Dass die Zahl potenzieller Arbeitskräfte trotz Zuwanderung sinkt, resultiert vor allem aus dem bevorstehenden Renteneintritt der Babyboom-Generation.
Dieses demografische Großereignis bedeutet tiefgreifenden Wandel für Wirtschaft und Sozialsysteme. Der Standort Deutschland verliert millionenfach Arbeitskräfte, insbesondere auch sehr viele gut und hoch qualifizierte Fachkräfte. Damit dies nicht zu schmerzhaften Verlusten an Know-how und Produktivität führt, muss konsequent gegengesteuert werden. Staat und Wirtschaft müssen verstärkt in Aus- und Weiterbildung investieren. Lebenslanges Lernen ist aber vor allen auch für die Bürger ein Topthema, zumal angesichts des rasanten technologischen Wandels. Zudem sollten Unternehmen den Wissenstransfer zwischen den Generationen fördern, und zwar in beide Richtungen. Mit Blick auf die unverzichtbare Zuwanderung von Fachkräften gilt es, weiterhin bestehende Hürden etwa bei der Anerkennung ausländischer Abschlüsse abzubauen und Deutschlands Attraktivität für „kluge Köpfe“ zu steigern. Eine mehrfache Dividende für die Wirtschaft, den Standort und die Sozialversicherungen ließe sich erzielen, wenn das Rentenalter an die Lebenserwartung angepasst würde, wie es in Dänemark und anderen Ländern geschieht.
 
 
 
 
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