
12. Juli 2012
Wir haben unsere Prognosen für das Wachstum der Weltwirtschaft im Jahr 2012 bzw. 2013 um drei bzw. vier Zehntelprozentpunkte gesenkt. Die Prognosen für Euroland und die USA wurden dabei etwas stärker, diejenigen für Asien deutlich stärker und diejenigen für Japan merklich weniger stark zurückgenommen als der Durchschnitt. Die Abwärtsrevisionen spiegeln zu einem großen Teil die höhere Unsicherheit über die Entwicklung im Euroraum wider. Diese macht sich über den globalen Anstieg der Risikoaversion und insbesondere über geringere Importe der Eurozone, dessen Importvolumen in etwa dem der USA entspricht, weltweit bemerkbar.
Abwärtskorrektur hauptsächlich, aber nicht ausschließlich wegen der Eurokrise
In Europa wurden unsere vorsichtigen Erwartungen zuletzt durch den EU-Gipfel, insbesondere die verbesserten Aussichten für eine Bankenrekapitalisierung in Spanien, leicht übertroffen. Trotzdem dürfte die Rezession in der Eurozone bis zum Jahresende anhalten und zu einem Rückgang des BIP von etwa 0,5% im Jahresdurchschnitt führen. Das globale Wachstum wird nicht nur durch die Entwicklung in Europa gedämpft. Die Abwärtskorrektur der Wachstumsprognosen ist auch auf eine Reihe von Faktoren in anderen Regionen zurückzuführen. In den USA spielten inländische Faktoren wohl mindestens eine ebenso wichtige Rolle wie die negativen Auswirkungen des jüngsten Euroschocks auf die Aktienkurse und die Stimmung der privaten Haushalte und der Unternehmen. Insbesondere wurden die fiskalischen Einschnitte in den USA bereits in diesem Jahr etwas rascher als erwartet vorgenommen, was zu einer überraschend ungünstigen Entwicklung am Arbeitsmarkt beigetragen hat. Außerdem haben die Unsicherheiten im Zusammenhang mit der nahenden „fiskalischen Klippe“ und den Steuer- und Ausgabenreformen, die notwendig sind, um den längerfristigen fiskalischen Herausforderungen zu begegnen, die Ausgabenpläne von Unternehmen und wohl auch der privaten Haushalte belastet. Japan stellt die größte Ausnahme dar. Das Wachstum bleibt hier in 2012 überraschend kräftig, dank der dynamischen Wiederaufbauinvestitionen nach dem Erdbeben und dem Tsunami. Allerdings wurden die Wachstumsprognosen für 2013 nach unten korrigiert.
Schwellenländer ebenfalls betroffen
Die Wachstumsprognosen für China, Indien und Brasilien wurden für dieses Jahr und in einigen Fällen auch für nächstes Jahr merklich gesenkt. In China und Indien verlangsamte sich die Konjunktur aufgrund der vorhergehenden politischen Maßnahmen stärker als von uns erwartet, und die wirtschaftspolitischen Reaktionen darauf fielen geringer als erwartet aus. Im Fall Indiens ist dies insbesondere auf den anhaltend hohen Inflationsdruck zurückzuführen.
Weiterhin Wachstumsbelebung im Jahr 2013 erwartet
Insgesamt rechnen wir damit, dass sich das Wachstum der Weltwirtschaft in 2012 auf 3,2%verlangsamt, aber 2013 wieder leicht auf 3 ½% beschleunigt. Allerdings dürfte das Wachstum damit deutlich unter der vor der Krise verzeichneten Trendrate von rund 4% liegen. In den Industrieländern sollte sich das Wachstum in den USA 2013 leicht über Trend beschleunigen. Der Euroraum dürfte in diesem Jahr als einzige Region eine Rezession durchlaufen und sich auch 2013 am Rande einer Rezession befinden. Dennoch rechnen wir damit, dass im weiteren Jahresverlauf die Talsohle erreicht wird und sich das Wachstum 2013 moderat belebt. Allerdings dürften bei dieser Prognose die Abwärtsrisiken immer noch überwiegen.
Niedrigere Rohstoffpreise drücken Inflation vorübergehend
Die Inflation dürfte sich nach den hohen Raten des vergangenen Jahres weltweit deutlich verlangsamen, was maßgeblich auf einen deutlichen Rückgang der Rohstoffpreise zurückzuführen ist. Wir rechnen damit, dass sich die Inflation im kommenden Jahr weltweit leicht beschleunigt, wenn sich die Rohstoffpreise etwas erholen.
Zentralbankpolitik der Industrieländer – extrem locker
Die großen Zentralbanken haben ihren Leitzins auf Null oder knapp darüber gesenkt und ihre Bilanzen deutlich ausgeweitet. Zwar hat die EZB bei ihrer Leitzinssenkung Anfang Juli Hoffnungen auf eine Ausweitung ihrer unorthodoxen Maßnahmen deutlich gedämpft, allerdings besteht immer noch eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine weitere vLTRO, da die von der Politik in Aussicht gestellten Maßnahmen eine erhebliche Zeit bis zur Implementierung brauchen und die Zahl potentieller Stolpersteine erheblich ist. Die Fed dagegen dürfte unseres Erachtens keine weiteren geldpolitischen Lockerungen durchführen.

Siehe auch die neueste Ausgabe unserer Reihe 'Globaler Ausblick': Gegenwind verstärkt sich
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