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Aktueller Kommentar
Der "Global Innovation Index and Report 2008 - 2009" - ein Newcomer im Konzert der Innovationsindizes

29. Januar 2009

Zu Beginn des Jahres wurde der Global Innovation Index and Report 2008-2009 (GII) von INSEAD und der Confederation of Indian Industry (CII) zum zweiten Mal herausgegeben. Die deutsche Volkswirtschaft hat es bei diesem weltweit vergleichenden Index erneut auf den Zweiten Platz geschafft, hinter den wieder führenden USA und vor den gewohnt gut abschneidenden Schweden, die sich im Vergleich zu 2007 vom 12. auf den 3. Rang verbessern konnten.

Die Deutschen verdanken ihren 2. Platz überdurchschnittlich guten Ergebnissen in der Transformation von Innovationen auf den Absatzmärkten. Südkoreas verbesserte Fähigkeit, den Hochschulbereich mit der Wirtschaft zu vernetzen, verhilft u. a. zum Sprung von Rang 19 auf Platz 6. China auf Rang 34 zeigt hohe F&E- sowie Bildungsausgaben. Letzteres ermöglicht der Volksrepublik aktuell 16 Millionen Studierende, die auf den chinesischen, aber auch weltweiten Arbeitsmarkt drängen werden – China wappnet sich für die Zukunft.

Wie wird die Innovationsstärke der Länder gemessen? Das Innovationsverhalten von 130 Ländern wird analysiert und miteinander verglichen. Ziel des GII – wie bei jedem Länderranking – ist zum einen, im internationalen Vergleich die relative Position eines Landes bezüglich seiner Innovationsstärken aufzudecken und zum anderen, dem jeweiligen Land seine relativen Stärken und Schwächen aufzuzeigen. Aus acht Themenfeldern, die sich wiederum in fünf Input- und drei Output-Größen unterscheiden, wird der Status Quo eines Landes bestimmt. Somit wird gewährleistet, dass sich der Innovationseinfluss (Input) gegenüber der Innovationsleistung (Output) abgrenzt.

Die Input-Themenfelder im Einzelnen lauten: Institutionen und Politik, Menschliches Potenzial, Infrastruktur, Reifegrad/Spezialisierung von Märkten und Entwicklungsgrad von Unternehmen. Der Input misst die Fähigkeit eines Landes, neue Ideen zu generieren und diese in innovative Produkte und Dienstleistungen zu transformieren. Zu den Output-Größen zählen (Fach-)Wissen, Wettbewerbsposition und Wohlstand (auch im Sinne von Ressourcenbeständen), mit der impliziten Annahme, dass steigende Wissensnutzung zu mehr (internationalem) Wettbewerb und somit zu einer höheren Wohlfahrt führt.

Die einzelnen Themenfelder werden von insgesamt 94 quantitativen und qualitativen Innovationsindikatoren gespeist, die aufgrund der Vergleichbarkeit auf eine Skalierung zwischen 1 und 7 normiert werden. Am Ende werden die harmonisierten Einzelwerte zu einem einheitlichen Durchschnittswert aggregiert und ergeben den Global Innovation Index. Die Daten der Innovationsindikatoren für die jeweiligen Länder werden neben eigenen Datenerhebungen großteils vom World Economic Forum, der OECD, der Weltbank und der International Telecommunications Union bezogen.

Das Bestreben von INSEAD und der CII ist klar: Man versucht, mit dieser Veröffentlichungsreihe in der akademischen Öffentlichkeit international als weiteres Benchmark-Instrument für Innovationsfähigkeit Anerkennung und Akzeptanz zu erlangen. Adressiert an Wirtschaft, Politik und Gesellschaft möchte man im Becken der bekannten Größen, beispielsweise dem „European Innovation Scorebord“ der Europäischen Kommission oder dem „Science, Technology and Industry Scoreboard“ der OECD, mitschwimmen.

Prinzipiell werden auch hier bei der Messung der Innovationsfähigkeit eines Landes keine neuen Erkenntnisse gewonnen. Die Methodologie ähnelt der bereits etablierter Studien. Die Messung des GII bietet durch die Vergleichbarkeit von 130 Ländern weltweit einen breiten Überblick und obwohl heterogene Einkommen in den jeweiligen Ländern beachtet werden, überrascht es natürlich nicht, dass das Einkommensniveau eines Landes mit der Innovationsfähigkeit positiv korreliert und somit die wirtschaftlich stärkeren Länder (OECD) höhere Positionen einnehmen als Schwellenländer.

Eine Schwachstelle ist zum Beispiel die fehlende Beachtung wechselseitiger Abhängigkeiten der Indikatoren. Multikollinearität kann entstehen, d.h. ein einzelnes für die Innovations-fähigkeit relevantes Phänomen kann dadurch, dass es durch verschiedene Indikatoren mehrfach erfasst wird, ein zu hohes Gewicht im Gesamtindex erhalten. Auch existiert keine Hierarchie zwischen den Indikatoren. Mit anderen Worten sind Forschungs- und Entwicklungsausgaben gemessen am Bruttoinlandsprodukt im Input-Themenfeld „Institutionen“ genauso „wichtig“ wie beispielsweise die Gesetzeslage bei Informations- und Kommunikationstechnologien. Zur Behebung dieser zweiten Schwäche sollte über eine Rangfolge der Indikatoren nachgedacht werden.

Auch wenn der zweite Platz für Deutschland ein erfreuliches Ergebnis ist, dürfen wir uns nicht zu lange darüber freuen. Innovationen sind keine statischen Größen, sondern verlangen Kontinuität, Disziplin und Engagement. Außerdem hat Deutschland beim Summary Innovation Index (SII), dem Länderranking des European Innovation Scoreboard, 2007 nur den 7. Platz belegt. Warten wir also ab, welche Position wir in 2008 eingenommen haben. Die Konkurrenz schläft nicht, und unser Ziel sollte sein, die Nummer eins zu werden.

 

aa

 

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