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Europas strukturelle Jugendarbeitslosigkeit

22. Februar 2013

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aDie hohe Jugendarbeitslosigkeit rückt zunehmend in den Blickpunkt der europäischen Politik. Insgesamt sind in Europa derzeit 7,5 Millionen Menschen unter 25 Jahren auf der Suche nach Arbeit, davon 30% seit mehr als einem Jahr. In Spanien und Griechenland hat mehr als die Hälfte der 16-24-Jährigen keinen Job, und auch in Portugal, Irland und Italien liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei über 30%. Europa droht eine vielzitierte „verlorene Generation“, die in den ersten Berufsjahren lange Phasen in Arbeitslosigkeit oder prekären Beschäftigungsverhältnissen durchlebt, mit gravierenden langfristigen Folgen. Der EU-Finanzrahmen für die Jahre 2014-2020 sieht deshalb eine Beschäftigungsinitiative für Jugendliche vor, die 6 Milliarden Euro für Regionen mit einer Jugendarbeitslosigkeit von über 25% bereitstellt. Unter anderem sollen Jugendliche, die länger als 4 Monate arbeitslos sind, eine Beschäftigungsgarantie erhalten.

Die hohe Jugendarbeitslosigkeit ist aktuell besonders akut, aber kein neues Phänomen dieser Krise. Sie ist vor allem ein strukturelles Problem, wie die relative Jugendarbeitslosigkeit, also die Arbeitslosenquote der 16-24-Jährigen im Verhältnis zur Quote aller Arbeitnehmer, zeigt. Im langjährigen Mittel ist die Erwerbslosenquote der 16-24-Jährigen in der EU 27 etwa doppelt so hoch wie die Gesamtquote. Für die meisten Länder ist die relative Arbeitslosenquote erstaunlich stabil und ändert sich auch in Booms und Rezessionen kaum. Während sich beispielsweise die Jugendarbeitslosigkeit in Spanien zwischen 2006 und 2012 von 17,9% auf 53,2% verdreifachte, war sie immer etwa doppelt so hoch wie die Arbeitslosenquote der Gesamtbevölkerung – und damit im europäischen Durchschnitt. Das Schlusslicht ist Italien, wo Jugendliche überproportional stark betroffen sind, während Deutschland am besten dasteht. Gründe für die hohe Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen sind unter anderem Defizite im Bildungssystem (in Italien sind 20% der Schulabgänger ohne Abschluss,  in Spanien sogar 30%) und duale Arbeitsmärkte mit stark protegierten Jobs für ältere Arbeitnehmer. Das  gute Abschneiden Deutschlands liegt nicht zuletzt am dualen Ausbildungssystem, das Berufsanfängern den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtert, indem es die Kosten der Unternehmen senkt, junge Leute zu beschäftigen. Der aktuelle „Going for Growth“ Report der OECD empfiehlt daher Reformen zur Stärkung der Ausbildungssysteme als eines der effektivsten Mittel zur Bekämpfung struktureller Jugendarbeitslosigkeit. Dies wäre auch ein sinnvoller Ansatz für das Beschäftigungsprogramm der EU.