
1. Oktober 2012
In der Grafik ist gut zu erkennen, dass in Deutschland über den Zeitraum von 2000-2010 die Belastung der Produktionsfaktoren Kapital und Arbeit zurückgegangen ist und die des Konsums leicht gestiegen ist – so wie empirische und theoretische Überlegungen dies empfehlen. Im Gegensatz dazu ist bspw. in Portugal und Italien die Belastung des Faktors Arbeit gestiegen und die von Kapital und Konsum gefallen – ein Hinweis auf mögliche Reformoptionen für diese Länder. Denn angesichts der verhaltenen Wachstumsaussichten in vielen europäischen Staaten besteht Bedarf für Reformen, die das Wachstum befördern können. Ein Ansatzpunkt ist hier auch die Ausgestaltung des Steuersystems. Die Besteuerung nimmt Einfluss auf die wirtschaftlichen Entscheidungen der Marktteilnehmer und damit auch auf den Einsatz der Produktionsfaktoren. Die Besteuerung verzerrt in der Regel die Entscheidung über den Einsatz dieser Faktoren und hat somit zumeist einen negativen Einfluss auf das BIP-Wachstum. Relevant sind in diesem Zusammenhang sowohl die Struktur der Steuern als auch das individuelle Design der einzelnen Steuer. Theoretisch und empirisch deutet vieles darauf hin, dass (signifikante) Steuern auf Arbeit und Kapital verzerrender sind als die Belastung des Konsums bzw. Verbrauchs (oder auch des Bodens). Innerhalb eines Gesamtsteuersystems spricht daher einiges dafür, die Belastung des Konsums (Verbrauchs) zu erhöhen und die von Arbeit und Kapital zu senken. Dabei gilt es allerdings zu berücksichtigen, dass die optimale Ausgestaltung des Steuersystems eines Landes von einer Reihe weiterer Faktoren abhängt wie z.B. Niveau und Struktur des bestehenden Steuer- und Abgabensystems, Erhebungskosten und Steuermoral, dem gesellschaftlich gewünschten Ausmaß an Umverteilung sowie der Präferenz für die Bereitstellung öffentlicher Güter. (siehe auch: Die Rolle von Steuersystemen für Wachstum: Europa im Überblick)
14.06.2013