
25. Juli 2012
Der Anteil der Eurozone an den Pkw-Exporten aus Deutschland ist seit 2000 von damals 48% auf nur noch knapp 31% im Jahr 2011 gesunken; im 1. Halbjahr 2012 wurde sogar die 30%-Marke unterschritten. Parallel dazu nahm der Anteil der BRIC-Staaten an den deutschen Pkw-Exporten von gut 1% im Jahr 2000 auf mehr als 17% (2011) zu, obwohl in der gleichen Zeit die Produktion von Autos mit deutschen Markenzeichen in diesen Ländern ebenfalls stieg.
Die Diversifikation der Absatzmärkte durch die deutsche Autoindustrie setzte also schon früh ein und ist nicht allein eine Folge der aktuellen Wirtschaftskrise in vielen westeuropäischen Ländern. Vielmehr basiert die Verschiebung der Marktanteile auf der Erkenntnis, dass der westeuropäische Automarkt dauerhaft weitgehend gesättigt ist und dass die Wachstumschancen vor allem in den Schwellenländern liegen. Um dieses Potenzial zu erschließen, erhöhten die Unternehmen einerseits ihre Exportbemühungen und stärkten andererseits die lokale Fertigung. Voraussetzung für den Erfolg ist dabei natürlich, dass deutsche Autos – gerade im Premiumsegment – in vielen Märkten sehr beliebt sind.
Aktuell profitiert die deutsche Automobilindustrie sehr von ihrer breiten regionalen Diversifizierung, weil die Automärkte außerhalb Europas wachsen. Daher leidet sie aktuell auch deutlich weniger als ihre europäischen Wettbewerber, die stärker auf den heimischen Kontinent ausgerichtet sind, unter dem Problem einer mangelnden Kapazitätsauslastung. Hinzu kommt, dass die Renditen bei Fahrzeugen der automobilen Oberklasse auskömmlicher sind als im Volumensegment.
Die regional ausgewogene Exportstruktur der deutschen Autoindustrie ist jedoch keine Garantie dafür, dass der Automobilstandort Deutschland auch langfristig erfolgreich bleibt. Grundsätzlich dürfte die Fertigung deutscher Autohersteller außerhalb der Heimat (z.B. in China, den USA, Mexiko und Indien) in den kommenden Jahren – aus verschiedenen Gründen – stärker expandieren als die inländische Produktion; dies gilt auch für die Zulieferindustrie. Autofabriken in Deutschland müssen sich auch künftig im globalen Wettbewerb sowohl gegenüber externen als auch gegenüber konzerninternen Konkurrenten behaupten. Und es ist nicht zu erwarten, dass die Wettbewerbsintensität in der Branche nachlassen wird.