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3-jährige Refinanzierungsgeschäfte: EZB schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe

13. März 2012

 

Die EZB hat Ende Februar den Banken über längerfristige Refinanzierungsgeschäfte (LTRO) Liquidität von 530 Mrd. EUR für den Zeitraum von 3 Jahren zur Verfügung gestellt. Wie bereits im ersten 3-jährigen LTRO von Dezember 2011 soll damit eine Verspannung bei der Kreditvergabe verhindert werden. Ein weiterer Effekt des ersten 3-Jahrestenders zeigt sich an den Staatsanleihemärkten. Während vor allem italienische und spanische Banken ihr Exposure ausgebaut haben, hat sich die Zinsstrukturkurve spanischer und italienischer Anleihen am kurzen Ende nach unten verschoben.

Die EZB hat am 29. Februar 800 Banken über längerfristige Refinanzierungsgeschäfte (LTRO) für den Zeitraum von 3 Jahren Liquidität von 530 Mrd. EUR zur Verfügung gestellt. Für den Tender müssen die Banken einen variablen Zinssatz zahlen, welcher sich nach dem für die Periode geltenden durchschnittlichen Hauptrefinanzierungssatz richtet. Dieser liegt momentan bei 1%. Wie bereits im ersten 3-jährigen LTRO vom 22. Dezember 2011, in dem 523 Banken 489 Mrd. EUR aufnahmen, soll durch die längerfristige Liquiditätsversorgung eine Verspannung bei der Kreditvergabe insbesondere in den derzeitigen Problemländern (GIIPS) verhindert werden. Viele Geschäftsbanken in der Eurozone können sich wegen der Schuldenkrise weder über den Interbankenmarkt noch über den Kapitalmarkt ausreichend refinanzieren und sind bei der Refinanzierung auf die EZB angewiesen.

Ein Teil der aufgenommenen längerfristigen Liquidität wurde für die Ablösung von kürzer laufenden Refinanzierungsgeschäften verwendet, so dass die zusätzliche Liquiditätszufuhr geringer als der Gesamtbetrag ausfällt. Im Dezember 2011 war das zusätzliche Netto-Volumen etwa 190 Mrd. EUR und im Februar 2012 dürfte es rund 315 Mrd. EUR betragen haben. Damit hat die EZB ihr Volumen an Refinanzierungsgeschäften auf 1.130 Mrd. EUR (Stand 2. März 2012) erhöht und seit Mitte Dezember nahezu verdoppelt.

aEine Analyse der Daten auf nationaler Ebene zeigt, dass insbesondere italienische und französische, aber auch deutsche und spanische Banken Refinanzierungskredit der EZB in Anspruch genommen haben (Auch Auslandstöchter können sich über die nationalen Zentralbanken refinanzieren). Ein Großteil der zusätzlichen Liquidität wurde von den Banken bei der EZB kurzfristig wieder angelegt. So sind Ende Dezember 2011 – also nach der Zuteilung des ersten LTRO – die kurzfristigen Einlagen von gut 200 Mrd. EUR auf über 400 Mrd. EUR gestiegen. Vor allem deutsche und französische Banken haben ihre Liquiditätsreserve erhöht. Inzwischen liegen mehr als 800 Mrd. EUR an kurzfristigen Einlagen bei der EZB. Den Banken steht damit ein Puffer zur Verfügung, um zukünftige Refinanzierungsprobleme abzufedern, was auch der Kreditversorgung helfen könnte.

Ein weiterer Effekt des ersten 3-Jahrestenders zeigt sich bei den von Banken gehaltenen Beständen an europäischen Staatsanleihen. Nach einem deutlichen Abbau zwischen Oktober 2010 und November 2011, infolge der durch die Staatsschuldenkrise verursachten Unsicherheit, haben Banken ihr Exposure wieder ausgeweitet. Seit Ende 2011 erhöhten die Banken ihre Bestände an europäischen Staatsanleihen um mehr als 50 Mrd. EUR auf 1.448 Mrd. EUR im Januar. Nettokäufer waren fast ausschließlich italienische und spanische Banken (siehe Abb. 2), die Ende Januar einen Bestand von 280 und 230 Mrd. EUR hielten. Banken in diesen Ländern haben vor allem Staatsanleihen ihres Heimatlandes erworben. Im Gegensatz dazu bauten Banken in Deutschland und Frankreich ihren Bestand an europäischen Staatsanleihen kaum weiter aus. Sie hatten bereits zwischen Oktober 2010 und November 2011 ihr Exposure um 110 bzw. 140 Mrd. EUR reduziert.

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Passend zu dieser Entwicklung hat sich die Zinsstrukturkurve spanischer und italienischer Anleihen am kurzen Ende nach unten verschoben (siehe Abb. 3-4). In Deutschland und Frankreich war eine vergleichbare Verschiebung nicht zu erkennen – wohl auch wegen der relativ geringen Renditen bei den kurzen Laufzeiten, welche einen „Carry-trade“ nach dem oben beschriebenen Muster unattraktiv macht. Dabei dürfte es Banken in Spanien und Italien, die bereits einen hohen Bestand an Staatsanleihen in ihren Büchern haben, leichter fallen, ihre zusätzliche Liquidität in Staatsanleihen zu parken. Allerdings könnten neben der Aussicht auf Kurs- und Zinsgewinne mögliche Risiken dieser Position ignoriert worden sein, da man im Falle des Falles mit staatlicher Stützung rechnet.

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Nach dem Rückgang der Risikoprämien und einer höheren Nachfrage nach Staatsanleihen war die EZB seit dem ersten LTRO kaum noch gezwungen, Stützungskäufe im Rahmen des Ankaufsprogramms SMP zu tätigen. Die Ausweitung der Refinanzierungsgeschäfte könnte damit auch als Substitut für die direkte Intervention am Markt und als indirekte Defizitfinanzierung durch die EZB gewertet werden. Ein wichtiger Unterschied besteht allerdings darin, dass das Risiko aus den Staatsanleihekäufen nicht bei der EZB, sondern bei den Geschäftsbanken liegt. Es ist wohl auch kein Zufall, dass die EZB sich erst nach den weitreichenden Beschlüssen des EU-Gipfels Anfang Dezember zu einer Ausweitung der Refinanzierungsgeschäfte entschlossen hat.

Mit diesem Schritt schlägt sie zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen stellt sie die Liquiditätsversorgung der Banken sicher; zum anderen sorgt sie für eine Stabilisierung der Lage an den Anleihemärkten, ohne ihr direktes Exposure gegenüber Staaten zu erhöhen. Die EZB setzt damit auch ein Signal in Richtung Politik. Sie ist bereit den politischen Prozess in Europa weiter zu unterstützen, sofern erkennbare Fortschritte erzielt werden. Jetzt ist es allerdings wieder an den Regierungen, für eine weitere Stabilisierung zu sorgen und in der erkauften Zeit die nötigen Strukturreformen und Konsolidierung der Staatsfinanzen durchzuführen.

 

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