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Klimawandel: Schutz der Wälder muss höhere Priorität genießen

18. November 2011

 

Waldschutz kann dazu beitragen, die Auswirkungen des Klimawandels zu verringern und sich an den Klimawandel anzupassen. Besonders wichtig ist hierbei die Bedeutung für den Wasserhaushalt. Das Roden und Übernutzen „alter“ Wälder beschleunigt die Ausbreitung von Wüsten und verschärft Fluten und Überschwemmungen. In den internationalen Klimaschutzverhandlungen sollten der Schutz und die nachhaltige Nutzung der Wälder gestärkt werden.

“Climate change expresses itself as water through droughts and floods”.
Elias Freig, Manager Carbon Finance und Klimawandel der nationalen mexikanischen Wasser-Kommission; bei der United Nations Framework Convention on Climate Change in Bonn, 16.06.2011

Bei Rodungen werden enorme Treibhausgasmengen freigesetzt und so der Klimawandel verstärkt. Es handelt sich schätzungsweise um knapp 20% der globalen Treibhausgasemissionen. Hinzu kommt, dass beispielsweise der Amazonas-Regenwald seinen eigenen Regen erzeugt. Wird zu viel Wald gerodet, gerät der lokale Wasserkreislauf aus dem Gleichgewicht. Aufgrund der Rodungen wird daher befürchtet, dass sich der östliche Teil Amazoniens allmählich in eine Savanne entwickeln wird.

Durch die Wasseraufnahmekapazität des Waldes wird ein schnelles Abfließen von Regenwasser verhindert. Zudem halten die Wurzeln den Boden. Wenn diese Funktion der Wälder durch Abholzen oder Brandroden gemindert wird, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Fluten wie in Pakistan, Australien oder Thailand häufiger auftreten und/oder verheerender wirken. Wald hat zudem die Eigenschaft, Wasser zu reinigen. Im Einzugsgebiet von Trinkwasserreservoirs ist dies besonders wichtig.

Jetzt könnte man meinen, dass diese negativen Prozesse durch Aufforstung per se aufzuhalten wären. Dies ist jedoch nicht automatisch der Fall. Studien zeigen, dass aufgeforstete Flächen vor allem in den ersten Jahrzehnten einen hohen Wasserbedarf aufweisen, sodass beispielsweise der Pegel von Flüssen in der Umgebung sinkt und diese gegebenenfalls sogar komplett austrocknen können. Insbesondere Eukalyptus-Plantagen und andere schnell wachsende Baumarten für die Holzproduktion können durch ihren hohen Wasserbedarf lokal Wassermangel verschärfen. Plantagenwirtschaft empfiehlt sich daher ausschließlich in Regionen mit ausreichend hohen Niederschlägen.

In China hat der hohe Holzeinschlag – zusammen mit anderen Formen der Übernutzung – zu Desertifizierung auf einer Fläche von knapp 120.000 km2 geführt, was einem Gebiet größer als Portugal entspricht. Zudem kam es zu dramatischen Überflutungen. Seit einigen Jahren laufen deshalb umfangreiche Wiederaufforstungsmaßnahmen. Es muss jedoch befürchtet werden, dass die ursprüngliche Schutzfunktion der natürlichen Wälder durch die Auswahl ungeeigneter Arten und geringer Artenzahl häufig nicht wieder hergestellt werden kann. Dieses Beispiel macht deutlich, dass dem Erhalt natürlicher „alter“ Wälder eine größere Bedeutung beigemessen werden sollte.

Der Emissionshandel spielt in diesem Zusammenhang eine vielleicht entscheidende Rolle. Der geplante REDD+-Mechanismus der UN (Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation) soll Rodungen vermeiden, indem durch den Schutz von Wäldern Emissionszertifikate generiert werden können. Eine nachhaltige Nutzung der betreffenden Wälder, idealerweise auch von Nicht-Holzprodukten kann jedoch weiterhin stattfinden. Dadurch besteht zum einen ein Anreiz für den Schutz der Wälder bzw. zu deren nachhaltiger Nutzung. Und zum anderen bleiben der lokalen Bevölkerung Einnahmemöglichkeiten erhalten. Würde die wirtschaftliche Nutzung in den betreffenden Waldgebieten komplett verboten, könnte deren Schutz zu verstärktem Druck auf andere Flächen führen. Es existieren bereits traditionelle Nutzungen von Wäldern zur Erzeugung von Nicht-Holzprodukten wie Früchte, Nüsse oder Latex. In vielen Fällen ist es möglich, Waldprodukte rentabel zu vermarkten. Auch die Unterstützung von Kleinbauern und nachhaltigeres Wirtschaften von Großbetrieben kann den Druck auf die letzten Urwälder mildern.

Natürlich müssen beim REDD+-Mechanismus noch viele offene Punkte geklärt werden. So ist z.B. die Frage zu beantworten, was als Wald definiert ist. Einen Missbrauch des Instruments, etwa indem naturnahe Wälder durch Plantagen ersetzt werden, gilt es in jedem Fall zu verhindern; der Schutz der Wälder muss oberste Priorität haben. Nur so wird ein positiver Beitrag für den Klimaschutz, den Erhalt der Artenvielfalt und die Stabilisierung lokaler und globaler Wasserkreisläufe geleistet. In den internationalen Klimaverhandlungen, etwa bei der anstehenden Klimakonferenz in Durban, sollte daher das Ziel verfolgt werden, über den REDD+-Mechanismus dem Schutz der Wälder einen institutionellen Rahmen zu geben.

 

 

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