Devisenreserven: Eurokrise mit wenig Einfluss. Gold ist Krisengewinner
27. Juli 2010
Drei Jahre sind seit Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise vergangen. Diese drei Jahre haben auch Euro und Dollar in ihrer Rolle als Reservewährungen beeinflusst. Dies zeigt eine Betrachtung der Entwicklung der Devisenreserven vom 2. Quartal 2007 bis zum 1. Quartal 2010 – ein Zeitraum, in dem die Weltdevisenreserven um 31,7% anstiegen.
Industrieländer haben sich in der Krise zum Euro orientiert. Der Anteil des Euros an den Devisenreserven dieser Länder stieg seit dem 2. Quartal 2007 um über 11,63% auf 25,15% Der Anteil des US-Dollars sank hingegen um 4,55% auf 64,66%. Geringer war die Zunahme des Euros bei den Emerging Markets. Während sein Anteil an den Reserven um 2,75% auf 29,51% zunahm, sank der Anteil des US-Dollars um 6,46% auf 58,04%. Letztere Zahlen sind jedoch nur bedingt aussagekräftig, zumal die Wachstumsländer zuletzt nur knapp 40% ihrer Devisenreserven hinsichtlich ihrer Zusammensetzung deklarierten. Bei den Industrieländern sind es 86%.
Auch beim Gold gab es Veränderungen, wenn auch die Weltgoldreserven um lediglich 1,9% zulegten. So sank die Devisenhaltung der Industrieländer in Gold um 1,72% von 712,4 auf 700,2 Millionen Feinunzen. Im Gegensatz dazu stiegen die Goldreserven der Wachstumsländer von 140,2 auf 170,1 Millionen Feinunzen um mehr als 21,37%.
Makroökonomische Ungleichgewichte und hohe Schuldenstände traten ab Dezember 2009 in den Mittelpunkt der öffentlichen Wahrnehmung. Diese „Eurokrise“ spiegelt sich jedoch nicht in der Entwicklung des Euro als Reservewährung: So stieg zwischen dem 4. Quartal 2009 und dem 1. Quartal 2010 stieg die Reservehaltung in Euro um 0,66% an – etwas unter dem Weltdevisenreservevolumen, das in der gleichen Zeit um 1,1% anstieg. Während der Anteil des Euro bei den Industrieländern im Quartalsvergleich weiter stieg (+1,37%), ging er bei den Emerging Markets um 2,06% zurück. Anzeichen einer Eurokrise sind im Feld der Devisenreserven vorerst nicht zu finden – auch, weil Zentralbanken und Staatsfonds längerfristige Investitionsentscheidungen treffen als Devisenhändler. Endgültig kann diese Einschätzung jedoch erst im Herbst bestätigt werden, wenn die Zahlen des zweiten Quartals veröffentlicht werden.
Für die kommenden Jahre ist eine weitere Diversifizierung der Wachstumsstaaten in Gold und Euro denkbar. Die künftige Rolle des Euro wird - neben einer weiterhin glaubwürdigen Geldpolitik der EZB - insbesondere von einer besseren Abstimmung der Euroländer in Sachen Haushaltspolitik und Wettbewerbsfähigkeit abhängen, auch wenn die jüngsten Turbulenzen der Eurozone vorerst nur geringe Auswirkungen auf die Nutzung des Euro als Reservewährung hatten.