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Aktueller Kommentar
Krisenfest mit Schattenwirtschaft – ein humorvoller Jahresendkommentar

17. Dezember 2009

Wir Deutschen können uns nicht entscheiden. Der Anteil der Schattenwirtschaft am BIP liegt in Deutschland bei knapp 15% und damit im europäischen Mittelmaß. Weder arbeiten wir Deutschen so richtig ehrlich (wie die Österreicher) noch arbeiten wir so stark am Staat vorbei wie es beispielsweise die Griechen tun. Die Quittung kam: Die Wirtschaftskrise traf die unentschiedenen Deutschen mit einer Schrumpfung des BIP von 5% besonders hart. Künftig dürfte nur eines helfen: Egal ob gut oder böse, wir sollten uns für eine Seite entscheiden.

Im inoffiziellen Sektor, der sogenannten Schattenwirtschaft, werden alle wirtschaftlichen Aktivitäten zusammengefasst, die an der behördlichen Erkenntnis vorbei durchgeführt werden. Dazu gehören sowohl illegale Aktivitäten (z.B. der Handel mit Drogen) als auch der Einsatz von Material oder Arbeitskraft ohne Rechnungserstellung (Schwarzarbeit). Unter die Schwarzarbeit fallen sowohl der bar bezahlte Handwerker, der auf eine Rechnungserstellung und damit auch auf Steuern und Sozialbeiträge verzichtet, wie auch der Nachhilfelehrer, der ebenso bar und ohne Kenntnis des Finanzamtes bezahlt wird.

aSeit dem Ende der New Economy Krise im Jahr 2003 ist der Anteil der Schattenwirtschaft in Deutschland kontinuierlich von knapp 17% auf 14,2 des offiziellen BIP gefallen. In diesem Jahr wird der Umfang des Schattensektors erstmals seit 2003 wieder steigen, laut der Universität Linz auf bis zu 14,6%. Für Deutschland entspricht dieser Wert einem Produktionsvolumen von EUR 352 Milliarden, die in diesem Jahr an der offiziellen volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und damit am Finanzamt vorbei erwirtschaftet werden. Theoretisch ist es durchaus offen, ob in einer Krise die Schattenwirtschaft an Bedeutung gewinnt. Und es ist ebenfalls offen, ob eine große Schattenwirtschaft die Krisenanfälligkeit der Wirtschaft prinzipiell dämpft oder vergrößert. Empirisch freilich scheint alles klar: Es zeigt sich, dass Staaten mit einem sehr hohen bzw. sehr niedrigen Anteil der Schattenwirtschaft deutlich weniger von den konjunkturellen Schwankungen der Weltwirtschaft betroffen sind als Länder mit einer eher durchschnittlichen Schattenwirtschaftsintensität. So fällt das BIP von Staaten mit besonders ehrlich (im Sinne von offiziell) arbeitender Bevölkerung (wie Österreich, Frankreich und die Niederlande) in diesem Jahr lediglich um 2-4 Prozent gegen Vorjahr. Noch besser sieht es in Ländern wie Griechenland oder Portugal aus, in denen fast ein Viertel der offiziellen Wirtschaftsleistung zusätzlich im Schattensektor produziert wird. Die Wirtschaft dieser Länder schrumpft in diesem Jahr um nur ca. 0,7 bzw. 2,6 Prozent. Besonders hart trifft es dagegen Staaten, in denen sich die Bevölkerung nicht so recht entscheiden kann, ob sie nun ehrlich oder konsequent am Staat vorbei ihre Arbeitsleistung erbringen will. Dazu gehören Deutschland, Irland sowie skandinavische Länder, deren Schattenwirtschaftsanteil um die 15% herum liegt. Diese Länder erleiden in 2009 dramatische Konjunkturrückgänge von um die 5%, im Fall von Irland und Finnland sogar von über 6,5%. Das charttechnisch ungünstigste Schattenwirtschaftsniveau liegt bei einem Volumen von 14,3318% des offiziellen BIP. Mit 14,6% sind wir Deutschen dem Schlimmsten also nur knapp entgangen.

Dieser so offenkundige Zusammenhang legt einige Schlussfolgerungen nahe: Zunächst scheint es unbedingt ratsam zu sein, sich für eine Seite der Medaille zu entscheiden: Entweder, wir Deutschen arbeiten ab sofort ehrlich und zahlen brav Steuern und Abgaben für unseren erhaltenen oder gezahlten Arbeitslohn oder wir nehmen uns ein Beispiel an so erfolgreichen Ländern wie Griechenland (in diesem Fall sollten wir jedoch nicht nur den Maler im Wohnzimmer schwarz beschäftigen, sondern gleich das ganze Haus am Staat vorbei bauen). In jedem Fall sollten wir uns ausnahmsweise nicht an Vorzeigeeuropäern wie Schweden, Dänen oder Finnen orientieren.

Doch welcher der beiden Wege ist der richtige für Deutschland? Die Antwort ist einfacher als gedacht: ehrliche Arbeit lohnt sich! Zum einen sollten wir aus dieser Krise gelernt haben, dass Moral und Anstand erst ein nachhaltiges Wirtschaften möglich machen. Schon aus diesem Grund sollten wir mehr Aufrichtigkeit gegenüber unseren Finanzbeamten zeigen. Zum anderen zeigt die vorangegangene Analyse eines ganz deutlich: Mit einem verschwindend geringen Schattenwirtschaftsanteil, der die Leistungen der Franzosen, Österreicher und Niederländer in den Schatten gestellt hätte, wären wir vermutlich einer Rezession entkommen. In diesem Sinne, frohe Weihnachten!

 

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