18. Februar 2009
Immer wieder werden Stimmen laut, die Green IT als einen Hype bezeichnen. Dieses Urteil rührt daher, dass die Terminologie leicht fehlinterpretiert werden kann. Doch abseits dieses Streits sind die mit Green IT eigentlich adressierten Themen gesellschaftlich dermaßen relevant, dass nicht nur die IT-Verantwortlichen, sondern mehr noch die Strategen der Unternehmen und der Regierungen gefordert sind. Auch wenn die IT nicht grün ist und es niemals sein wird, Green IT ist alles andere als ein schnell vergänglicher Hype!
Große IT-Messen wie die Symposium/ITxpo in Cannes, die SYSTEMS in München oder die CeBIT in Hannover hatten Green IT bereits in den vergangenen Jahren immer wieder zum Top-Thema erkoren. In diesem Jahr soll das „Green IT Village“ der CeBIT 2008 nun zur „Green IT World“ wachsen. Mit dieser Umbenennung, der weiter steigenden Ausstellungsfläche und zusätzlichen Themenveranstaltungen wollen die CeBIT-Verantwortlichen der Bedeutung des Themas besser gerecht werden. Das Thema Green IT rückt also nochmals stärker ins Rampenlicht.
Wer wollte angesichts der langfristig steigenden Energiekosten und der anhaltenden Diskussionen um den Klimawandel noch bestreiten, dass Green IT ein wichtiges Thema unserer Zeit für jeden verantwortungsbewussten IT-Entscheider sein muss? Hier sprechen die drei folgenden Beispiele allein eine eindeutige Sprache:
Sind die oben aufgeführten Einschätzungen und Fakten nicht Beleg genug für die Relevanz des Themas Green IT? Warum werden dennoch immer wieder Stimmen laut, die Green IT als einen Hype bezeichnen?
Ein Grund für diese Bewertung liegt bei der Terminologie, die leicht fehlinterpretiert werden kann. Denn faktisch ist die IT nicht „grün“. Die Ursachen hierfür liegen nicht allein beim Energieverbrauch, der notwendigerweise mit der Nutzung der High-Tech-Geräte verbunden ist. Über den Energieverbrauch hinaus muss die Analyse auch zusätzliche Posten berücksichtigen, wie der bei der Entsorgung anfallende Elektroschrott oder die Verträglichkeit der bei der Produktion eingesetzten Materialien. So ist hinsichtlich des Postens Verträglichkeit zu beachten, dass zur Herstellung von IT-Hardware auch toxische Substanzen wie Blei, Quecksilber, Kadmium oder Brom genutzt werden. Bei unsachgemäßem Umgang können von diesen Stoffen bedeutende Gefahren für Mensch und Umwelt ausgehen. Daneben ist hinsichtlich des Postens Entsorgung zu beachten, dass die IT-Branche für einen Großteil des Elektroschrotts verantwortlich zeichnet. Da aber dieser IT-Abfall wegen der Materialeigenschaften oft nur schwer wiederverwertet werden kann, belastet dies die Umwelt – umso mehr, als die bei der Produktion verwendeten toxischen Stoffe bei der Entsorgung nochmals zum Problem werden.
Tatsächlich geht Green IT weit über das Senken von Energiekosten im Unternehmen hinaus. Stattdessen steht das Konzept – ähnlich wie auch die Umweltmanagementnormen ISO 14001 oder EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) – für einen wesentlich umfassenderen Ansatz. Dieser kann dabei helfen, die Kopplung von Energieverbrauch und Wirtschaftswachstum zu lösen (siehe Grafik).
Ein solch ambitioniertes gesamtwirtschaftliches Ziel ist jedoch keine reine Utopie. Denn bereits heute hilft die IT in etlichen Branchen den Ressourceneinsatz zu senken. So bauen viele Unternehmen auf moderne Steuerungstechnologie, die die Effizienz in der Produktion steigern, oder auf moderne Kommunikationstechnologien, wie Medientechnologien für Videokonferenzen oder auch Augmented-Reality-Systeme. Solche Augmented-Reality-Systeme erlauben es, dass Mitarbeiter in so genannten Virtual Collaborative Environments zeitgleich am selben 3-dimensionalen Modell arbeiten, ohne dafür an einem Ort versammelt zu sein.
Auf abstrakter Ebene kann die eigentliche „grüne“ Wirkung der IT damit über zwei Hebel erreicht werden. Zum einen hilft sie, bestehende Prozesse besser zu überwachen und effizienter zu steuern. Zum anderen führt die IT aber auch im größeren Zusammenhang zu völlig neuen Geschäftsmodellen und Prozessen, mittels derer Ressourcen eingespart werden können.
Green IT sollte nicht allein als Energiesparen bei der IT, sondern mehr noch als Energiesparen mit der IT verstanden werden. In Zeiten perspektivisch steigender Energiekosten und anhaltender Diskussionen über Klimawandel ist Green IT damit gesellschaftlich dermaßen relevant, dass diese Aufgabe keinesfalls allein von den IT-Verantwortlichen angegangen werden kann. Stattdessen sind hier die Strategen der Unternehmen und der Regierungen gefordert, die neuen Möglichkeiten zur Entkopplung von Energieverbrauch und Wirtschaftswachstum zu nutzen. Auch wenn die IT nicht grün ist und es niemals sein wird, Green IT ist alles andere als ein schnell vergänglicher Hype!
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